anvertrauen

GrammatikVerb · vertraut an, vertraute an, hat anvertraut
GrammatikVerb · anvertraut, anvertraute, hat anvertraut
Aussprache
Worttrennungan-ver-trau-en
Wortzerlegungan-1vertrauen
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdm. durch etw. Vertrauen erweisen
a)
jmdm. etw., jmdn. vertrauensvoll übergeben
Beispiele:
jmdm. einen Wertgegenstand, eine Geldsumme, Waffe anvertrauen
dem Erzieher die Jugend, dem Kapitän die Besatzung anvertrauen
jmdm. ein Amt anvertrauen
gehoben, bildlich
Beispiele:
jmdm. sein Leben, Geschick anvertrauen
nachdem wir die sterblichen Reste meines Vaters der Erde anvertraut hatten (= sie beigesetzt hatten) [Th. MannKrull8,333]
sich jmds. Obhut anvertrauen (= sich jmds. Obhut überlassen)
Beispiele:
sich jmds. Schutz, Pflege, Führung anvertrauen
sich den Wellen, der See anvertrauen (= sich ins, aufs Wasser wagen)
b)
jmdm. etw. vertrauensvoll mitteilen
Beispiel:
jmdm. ein Geheimnis, eine Neuigkeit, Nachricht, einen Entschluss (unter dem Siegel der Verschwiegenheit) anvertrauen
bildlich
Beispiel:
gehoben seine Gedanken dem Papier anvertrauen (= sie niederschreiben)
sich jmdm. anvertrauensich vertrauensvoll an jmdn. wenden
Beispiele:
sich (offen, rückhaltlos, zögernd) seiner Mutter, dem Arzt anvertrauen
Er vertraute sich seinem Lehrer an
Zuletzt anvertraute er sich seiner Tochter [G. KellerFähnlein7,289]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trauen · Traute · Trauung · Trauring · Trauzeuge · betrauen · vertrauen · vertraut · Vertrauen · vertraulich · anvertrauen · zutrauen · Zutrauen · zutraulich
trauen Vb. ‘keine Vorbehalte, kein Mißtrauen haben, Glauben schenken, ehelich verbinden, verheiraten’, reflexiv ‘wagen, etw. zu tun, den Mut zu etw. haben’, ahd. trū(w)ēn ‘(ver)trauen, glauben, hoffen, zutrauen’ (um 900; vgl. fir-, gitrū(w)ēn, um 800), mhd. trūwen ‘Zuversicht haben, hoffen, glauben, trauen, sich getrauen, (an)vertrauen, ehelich verloben, (an)trauen’ (daneben mit ungeklärtem Umlaut mhd. triuwen, nhd. treuen bis 16./17. Jh.), asächs. trūon ‘vertrauen’, mnd. trūwen ‘(ver)trauen, ehelich verbinden’, mnl. betrūwen ‘vertrauen’, aengl. trūwian (daneben trēowian als Ableitung von trēow f.), engl. (älter) to trow, anord. trūa ‘vertrauen, glauben’, schwed. tro ‘glauben, trauen’, ablautend got. trauan ‘(ver)trauen’. Das gemeingerm., teilweise intervokalisches w aufweisende Verb ist gebildet zu den Ablautformen ie. *drū- bzw. (für das Got.) *drōu̯- der unter ↗treu (s. d.) genannten Wurzel, zeigt also ähnliche Lautformen und Lautentwicklungen wie ↗bauen (s. d.). Die Ausgangsbedeutung ist ‘fest, treu (in seinem Verhalten, seiner Meinung) sein’. Aus im Ahd. und Mhd. geläufigem ‘glauben, hoffen, zutrauen’ entwickelt sich ‘vertrauen, Glauben schenken’; ‘zuversichtlich hoffen’ geht bei reflexivem Gebrauch über zu ‘wagen, riskieren’ (16. Jh.). Seit dem 13. Jh. steht trauen für ‘ehelich verbinden’, d. h. ‘dem Manne zur Frau geben’, eigentlich ‘anvertrauen’. Zu sich trauen ‘den Mut zu etw. haben’ die umgangsprachliche Abstraktbildung Traute f. ‘Mut’ (berlin., Ende 19. Jh.). Trauung f. ‘Eheschließung’ (2. Hälfte 16. Jh.), mnd. trūwinge (um 1420); vgl. spätmhd. trūunge ‘Vertrauen’. Trauring m. (16. Jh.). Trauzeuge m. (Ende 18. Jh.). betrauen Vb. ‘jmdm. die Ausführung und Angelegenheit vertrauensvoll übertragen’ (17. Jh.), älter ‘vertrauen’, auch ‘sich verloben, heiraten’ (16. Jh.). vertrauen Vb. ‘sich worauf verlassen, fest glauben’, älter ‘anvertrauen’, ahd. firtrū(w)ēn (um 800), mhd. vertrūwen, vertriuwen ‘(ver)trauen, anvertrauen, versprechen, geloben, (sich) verloben oder vermählen, kirchlich trauen’; vertraut Part.adj. ‘beherzt, zuversichtlich, zuverlässig’ (16. Jh.), ‘eng befreundet, gut bekannt’ (17. Jh.); Vertrauen n. ‘fester Glaube an jmds. Zuverlässigkeit und Treue, Zuversicht’ (15. Jh.); vertraulich Adj. ‘nicht für die Allgemeinheit bestimmt, offenherzig, vertraut’ (16. Jh.). anvertrauen Vb. ‘vertrauensvoll übergeben, in Obhut geben, vertraulich, im geheimen mitteilen’, reflexiv ‘sich vertrauensvoll an jmdn. wenden’ (16. Jh.), zuerst im Sinne von ‘zutrauen, vertrauen’. zutrauen Vb. ‘von jmdm. glauben, daß er die Fähigkeiten, Eigenschaften für etw. besitzt’ (16. Jh.), früher auch ‘anvertrauen’; Zutrauen n. ‘Glaube an jmds. Fähigkeiten und Zuverlässigkeit’ (18. Jh.); zutraulich Adj. ‘voller Zutrauen, vertrauend’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem etwas) anvertrauen · (jemandem etwas) im Vertrauen erzählen · (jemandem etwas) im Vertrauen sagen · (jemandem) sein Herz ausschütten · (jemanden) ins Vertrauen ziehen · (sich jemandem) anvertrauen
Assoziationen
  • (mit) nichts zurückhalten · offen (miteinander) reden  ●  (die) Karten auf den Tisch legen  fig. · ↗(sich) aussprechen  Hauptform · alles auf den Tisch legen  fig. · alles kommt auf den Tisch  fig. · mit nichts hinter dem Berge halten  fig.
  • (jemandem) sein Herz ausschütten · (jemanden) brauchen, dem man etwas erzählen kann  ●  (sich) etwas von der Seele reden  Hauptform · (etwas) loswerden (wollen)  ugs., fig.
  • inoffiziell · ↗nicht amtlich · nicht autorisiert · nicht für die Öffentlichkeit bestimmt · ↗nicht öffentlich  ●  hinter verschlossenen Türen  fig. · hinter vorgehaltener Hand  fig. · unter der Hand  fig.
  • (Geheimnis) lüften · (intime) Details preisgeben · ↗ausplaudern · ↗enthüllen · ↗verraten · vor den Augen der Öffentlichkeit ausbreiten  ●  (jemandem etwas) auf die Nase binden  ugs., fig. · ↗(jemandem etwas) stecken  ugs. · aus dem Nähkästchen plaudern  ugs. · ↗durchstechen  geh. · ↗spoilern  ugs., engl.
  • (jemandem) glauben · (jemanden) für vertrauenswürdig halten · Vertrauen haben zu · Vertrauen schenken  ●  (jemandem) vertrauen  Hauptform · Vertrauen entgegenbringen  geh.
  • im Vertrauen (sagen) · nicht für andere (fremde Ohren) bestimmt · sehr persönlich · unter dem Siegel der Verschwiegenheit · ↗vertraulich  ●  ↗privatim  geh., veraltend · ↗sub rosa (dictum)  geh., lat., selten, bildungssprachlich · unter der Rose (gesagt)  geh., selten
  • (jemandem einen) versteckten Hinweis geben · (jemandem etwas) ins Ohr flüstern · ↗(jemandem etwas) stecken · ↗(jemandem etwas) verraten · ↗(jemandem etwas) zuflüstern · (jemandem) heimlich einen Tipp geben
Synonymgruppe
(jemandem) anheimgeben · (jemandem) anvertrauen · ↗(jemandem) überantworten · (vertrauensvoll) in jemandes Hände legen · bei jemandem in Obhut geben · in jemandes Obhut geben · jemandes Obhut unterstellen · vertrauensvoll übergeben · zu treuen Händen übergeben  ●  jemandes Obhut anbefehlen  geh., veraltet · jemandes Schutz anbefehlen  geh., veraltet

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anleger Aufbewahrung Bekannter Elter Ersparnis Fondsmanager Freund Freundin Führung Fürsorge Geheimnis Geld Journalist Leitung Manuskript Mutter Obhut Reporter Schicksal Sparer Tagebuch Vermögen ausgerechnet bedenkenlos getrost kürzlich lieber man unbesorgt vertrauen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anvertrauen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um dies auf Dauer zu behaupten, mußten sie sich erst recht seinem Schutz anvertrauen.
Die Welt, 10.02.2005
Es hängen so viele Kinder mit in dieser Geschichte drin ", vertraute ihre Mutter dem Blatt an.
Der Tagesspiegel, 30.11.1998
Wie konnte man diesen bitteren älteren Herrn einen Artikel anvertrauen?
Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 55
Ich mußte mich um sie kümmern, mir waren sie anvertraut.
Jünger, Ernst: In Stahlgewittern, Stuttgart: Klett-Cotta 1994 [1920], S. 222
Zitationshilfe
„anvertrauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anvertrauen>, abgerufen am 17.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Anus praeter
Anus
Anurie
Anulus
anulken
anverwandeln
Anverwandlung
anverwandt
Anverwandte
anvettern