anvertrauen

Grammatik Verb · vertraut an, vertraute an, hat anvertraut
Grammatik Verb · anvertraut, anvertraute
Aussprache 
Worttrennung an-ver-trau-en
Wortzerlegung an-1 vertrauen
eWDG

Bedeutung

jmdm. durch etw. Vertrauen erweisen
a)
jmdm. etw., jmdn. vertrauensvoll übergeben
Beispiele:
jmdm. einen Wertgegenstand, eine Geldsumme, Waffe anvertrauen
dem Erzieher die Jugend, dem Kapitän die Besatzung anvertrauen
jmdm. ein Amt anvertrauen
α)
gehoben, bildlich
Beispiele:
jmdm. sein Leben, Geschick anvertrauen
nachdem wir die sterblichen Reste meines Vaters der Erde anvertraut hatten (= sie beigesetzt hatten) [ Th. MannKrull8,333]
β)
sich jmds. Obhut anvertrauen (= sich jmds. Obhut überlassen)
Beispiele:
sich jmds. Schutz, Pflege, Führung anvertrauen
sich den Wellen, der See anvertrauen (= sich ins, aufs Wasser wagen)
b)
jmdm. etw. vertrauensvoll mitteilen
Beispiel:
jmdm. ein Geheimnis, eine Neuigkeit, Nachricht, einen Entschluss (unter dem Siegel der Verschwiegenheit) anvertrauen
α)
bildlich
Beispiel:
gehobenseine Gedanken dem Papier anvertrauen (= sie niederschreiben)
β)
sich jmdm. anvertrauensich vertrauensvoll an jmdn. wenden
Beispiele:
sich (offen, rückhaltlos, zögernd) seiner Mutter, dem Arzt anvertrauen
Er vertraute sich seinem Lehrer an
Zuletzt anvertraute er sich seiner Tochter [ G. KellerFähnlein7,289]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

trauen · Traute · Trauung · Trauring · Trauzeuge · betrauen · vertrauen · vertraut · Vertrauen · vertraulich · anvertrauen · zutrauen · Zutrauen · zutraulich
trauen Vb. ‘keine Vorbehalte, kein Mißtrauen haben, Glauben schenken, ehelich verbinden, verheiraten’, reflexiv ‘wagen, etw. zu tun, den Mut zu etw. haben’, ahd. trū(w)ēn ‘(ver)trauen, glauben, hoffen, zutrauen’ (um 900; vgl. fir-, gitrū(w)ēn, um 800), mhd. trūwen ‘Zuversicht haben, hoffen, glauben, trauen, sich getrauen, (an)vertrauen, ehelich verloben, (an)trauen’ (daneben mit ungeklärtem Umlaut mhd. triuwen, nhd. treuen bis 16./17. Jh.), asächs. trūon ‘vertrauen’, mnd. trūwen ‘(ver)trauen, ehelich verbinden’, mnl. betrūwen ‘vertrauen’, aengl. trūwian (daneben trēowian als Ableitung von trēow f.), engl. (älter) to trow, anord. trūa ‘vertrauen, glauben’, schwed. tro ‘glauben, trauen’, ablautend got. trauan ‘(ver)trauen’. Das gemeingerm., teilweise intervokalisches w aufweisende Verb ist gebildet zu den Ablautformen ie. *drū- bzw. (für das Got.) *drōu̯- der unter treu (s. d.) genannten Wurzel, zeigt also ähnliche Lautformen und Lautentwicklungen wie bauen (s. d.). Die Ausgangsbedeutung ist ‘fest, treu (in seinem Verhalten, seiner Meinung) sein’. Aus im Ahd. und Mhd. geläufigem ‘glauben, hoffen, zutrauen’ entwickelt sich ‘vertrauen, Glauben schenken’; ‘zuversichtlich hoffen’ geht bei reflexivem Gebrauch über zu ‘wagen, riskieren’ (16. Jh.). Seit dem 13. Jh. steht trauen für ‘ehelich verbinden’, d. h. ‘dem Manne zur Frau geben’, eigentlich ‘anvertrauen’. Zu sich trauen ‘den Mut zu etw. haben’ die umgangsprachliche Abstraktbildung Traute f. ‘Mut’ (berlin., Ende 19. Jh.). Trauung f. ‘Eheschließung’ (2. Hälfte 16. Jh.), mnd. trūwinge (um 1420); vgl. spätmhd. trūunge ‘Vertrauen’. Trauring m. (16. Jh.). Trauzeuge m. (Ende 18. Jh.). betrauen Vb. ‘jmdm. die Ausführung und Angelegenheit vertrauensvoll übertragen’ (17. Jh.), älter ‘vertrauen’, auch ‘sich verloben, heiraten’ (16. Jh.). vertrauen Vb. ‘sich worauf verlassen, fest glauben’, älter ‘anvertrauen’, ahd. firtrū(w)ēn (um 800), mhd. vertrūwen, vertriuwen ‘(ver)trauen, anvertrauen, versprechen, geloben, (sich) verloben oder vermählen, kirchlich trauen’; vertraut Part.adj. ‘beherzt, zuversichtlich, zuverlässig’ (16. Jh.), ‘eng befreundet, gut bekannt’ (17. Jh.); Vertrauen n. ‘fester Glaube an jmds. Zuverlässigkeit und Treue, Zuversicht’ (15. Jh.); vertraulich Adj. ‘nicht für die Allgemeinheit bestimmt, offenherzig, vertraut’ (16. Jh.). anvertrauen Vb. ‘vertrauensvoll übergeben, in Obhut geben, vertraulich, im geheimen mitteilen’, reflexiv ‘sich vertrauensvoll an jmdn. wenden’ (16. Jh.), zuerst im Sinne von ‘zutrauen, vertrauen’. zutrauen Vb. ‘von jmdm. glauben, daß er die Fähigkeiten, Eigenschaften für etw. besitzt’ (16. Jh.), früher auch ‘anvertrauen’; Zutrauen n. ‘Glaube an jmds. Fähigkeiten und Zuverlässigkeit’ (18. Jh.); zutraulich Adj. ‘voller Zutrauen, vertrauend’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem etwas) anvertrauen · (jemandem etwas) im Vertrauen erzählen · (jemandem etwas) im Vertrauen sagen · (jemandem) sein Herz ausschütten · (jemanden) ins Vertrauen ziehen · (sich jemandem) anvertrauen
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) anheimgeben · (jemandem) anvertrauen · (jemandem) überantworten · (vertrauensvoll) in jemandes Hände legen · bei jemandem in Obhut geben · in jemandes Obhut geben · jemandes Obhut unterstellen · vertrauensvoll übergeben · zu treuen Händen übergeben  ●  jemandes Obhut anbefehlen  geh., veraltet · jemandes Schutz anbefehlen  geh., veraltet
Synonymgruppe
(jemandem etwas) anvertrauen · (jemandem etwas) verraten · (jemanden) einweihen · (jemanden) ins Vertrauen ziehen · sich vertraulich an jemanden wenden
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›anvertrauen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anvertrauen‹.

Verwendungsbeispiele für ›anvertrauen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie konnte man diesen bitteren älteren Herrn einen Artikel anvertrauen? [Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 55]
Einen von ihnen vertraute er noch am selben Tage telefonisch seinem nächsten Nachbarn an. [Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 311]
Wahrscheinlich hätte er mich auch davor gewarnt, ihm etwas anzuvertrauen. [Die Zeit, 09.03.2000, Nr. 11]
Ihrer Mutter konnte sie sich nicht anvertrauen, denn sie spürte, dass diese kein Verständnis aufbringen würde. [Die Zeit, 04.11.1999, Nr. 45]
Ich mußte mich um sie kümmern, mir waren sie anvertraut. [Jünger, Ernst: In Stahlgewittern, Stuttgart: Klett-Cotta 1994 [1920], S. 222]
Zitationshilfe
„anvertrauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anvertrauen>.

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