Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

anwandeln

Grammatik Verb
Worttrennung an-wan-deln
Wortzerlegung an-1 wandeln2
Wortbildung  mit ›anwandeln‹ als Erstglied: Anwandlung
eWDG

Bedeutung

gehoben etw. wandelt jmdn. anetw. überkommt jmdn. vorübergehend
Beispiele:
jmdn. wandelt eine Laune, ein Schauer, eine Ahnung, ein Gedanke an
Reue, Mitleid, Furcht, Lust (zu etw.) wandelt ihn an
eine plötzliche Ohnmacht, Schwäche, Übelkeit, ein Lachen, Gähnen wandelte sie an
Eine Erinnerung aus seiner Schulzeit wandelte ihn … an [ ViebigTägl. Brot316]

Thesaurus

Synonymgruppe
(es sich) nicht verkneifen können (zu) · (jemandem) einfallen · (jemandem) kommt der Gedanke · (sich) (etwas) überlegen · (sich) einfallen lassen · auf den Gedanken verfallen (zu) · auf die Idee kommen (zu) · in den Sinn kommen · nichts Besseres zu tun haben als  ●  (auf einmal) ankommen mit  ugs. · (den) Einfall haben (...)  ugs. · (einen) Rappel kriegen (und...)  ugs. · (jemandem) belieben zu (es)  geh. · (jemanden) anwandeln  geh. · (jemanden) anwehen  geh. · (jemanden) überkommen (es)  geh. · (plötzlich) die Idee haben (...)  ugs. · (sich etwas) denken (bei)  ugs. · (sich) bemüßigt fühlen (zu)  geh., ironisierend · auf die glorreiche Idee kommen (zu)  ugs., ironisch · es für eine gute Idee halten (zu / dass)  ugs., ironisch · kommen (auf)  ugs. · um die Ecke kommen mit  ugs., fig. · verfallen auf  geh.
Assoziationen
  • (haltlose) Vorstellung · (nicht ernst zu nehmender) Einfall · aus einer Laune heraus  ●  dumme Idee  Hauptform · (Idee) aus einer Bierlaune heraus  ugs. · Einfälle wie die Kuh Ausfälle  derb, scherzhaft · Furzidee  derb · Schnapsidee  ugs. · Wenn wir dich nicht hätten und die kleinen Kartoffeln ...  ugs., Spruch, ironisch, variabel
  • Anfall · Fimmel · Rappel
  • ...itis · ...leidenschaft · ...manie · ...sucht · ...tick · ...trieb · ...wahn · ...zwang  ●  ...fimmel  ugs.
  • (sich) kaprizieren auf  geh. · (sich) verlegen auf  geh.

Verwendungsbeispiele für ›anwandeln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die stille Zelle, abseits vom Lärm der Welt, wen wandelte nicht zuweilen die Sehnsucht nach ihr an? [Die Zeit, 08.11.1956, Nr. 45]
Dieser Sklave seiner Launen war plötzlich von der Lust angewandelt worden, die »Vertreibung aus dem Paradiese« zu kopieren. [Ebner-Eschenbach, Marie von: Agave. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903], S. 5642]
Den Jüngling wandelte bei diesem Einblick in die Abgründe der Menschenseele ein Grauen an. [Voß, Richard: Zwei Menschen, Stuttgart: Engelhorn 1911 [1949], S. 244]
Als Harun al Raschid, der große Kalif, wieder einmal verkleidet durch das nächtliche Bagdad schlenderte, wandelte ihn der Appetit nach gerösteten Kastanien an. [Krüss, James: Mein Urgroßvater und ich, Hamburg: Oetinger 1959, S. 155]
Das Scharnier zwischen Katastrophe und lautem Gelächter ist die klammheimliche Schadenfreude, die den Betrachter dieser Geschichten anwandelt im lehnstuhlbeschützten Vorwissen darum, was Seinesgleichen widerfährt. [Süddeutsche Zeitung, 09.08.2002]
Zitationshilfe
„anwandeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/anwandeln>.

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