apostrophieren

GrammatikVerb · apostrophierte, hat apostrophiert
Worttrennungapo-stro-phie-ren · apos-tro-phie-ren · apost-ro-phie-ren
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich jmdn., etw., sich (als etw.) apostrophierenjmdn., etw., sich als etw. benennen, in Hinsicht auf eine bestimmte Eigenschaft bezeichnen
Beispiele:
Im deutschen Reichstag wurde Polen weithin als »Saisonstaat« ohne die Kraft und Legitimität zur selbständigen Existenz apostrophiert. [Weizsäcker, Richard von, Dreimal Stunde Null? 1949 1969 1989, Berlin: Siedler Verlag 2001, S. 208]
Neys pathetischer, zuweilen als »deutsch« apostrophierter Stil scheidet die Geister. [Die Zeit, 08.07.2009 (online)]
»Mütter des Volkes, Freundinnen der Männer« / als solche apostrophierten sich jüngst in einer Sendschrift an die Reichsduma die muselmännischen Frauen Bosniens. [Meisel-Hess, Grete, Die sexuelle Krise, Jena: Diederichs 1909, S. 268]
Kollokation:
mit Adverbialbestimmung: treffend, ironisch apostrophieren; gelegentlich, oft apostrophiert
2.
bildungssprachlich, veraltend jmdn. apostrophierenjmdn. (in einer feierlichen Weise) anreden
Beispiele:
Kraus anwesend, ein paarmal mich namentlich apostrophierend (»Herr Klemperer«), am Schluß bei der allgemeinen Verabschiedung mir harmlos selbstverständlich die Hand reichend[…]. [Klemperer, Victor, [Tagebuch] 1956, S. 595]
Sein Diener[…] apostrophiert ihn mit den Worten: »Auch Sie tanzen nach einem Stück Zucker. Es heißt Hoffnung.« [Der Spiegel, 19.11.1958, Nr. 47]
»Nur von ferne«, so apostrophiert er den Toten, »sahst Du den Morgen einer besseren Zeit dämmern«. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 05.03.1925]
»Graf im Bart, Ihr seid der Reichste!« so apostrophierte gestern der Sozialpolitiker des Zentrums, Abgeordneter Trimborn, im Reichstage den Grafen Posadowsky. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 02.02.1906]
3.
bildungssprachlich etw. apostrophierenBezug auf etw. nehmen
Beispiele:
Die vom Verfasser apostrophierte Entwicklung in Südkorea ist nur ein Beispiel für analoge Entwicklungen in den anderen Billiglohn-Ländern in Fernost. [Süddeutsche Zeitung, 18.02.1997]
Von Gainsborough dagegen will man wissen, daß er Sarah Siddons beim Malen beschimpft habe: »Ihre verdammte Nase, Madam, sie ist ohne Ende.« Auf einer ersten Ebene sind diese Anekdoten erneut als Bezeichnung des apostrophierten Gegensatzes beider Künstler zu lesen. Doch der Hinweis auf die unendliche Nase der Porträtierten kann auch auf eine andere Spur führen. [Busch, Werner, Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 434]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Apostroph · Apostrophe · apostrophieren
Apostroph m. ‘Auslassungszeichen’, entlehnt aus gleichbed. spätlat. apostrophos, apostrophus, griech. apóstrophos (ἀπόστροφος), einem substantivierten Adjektiv (mit der Bedeutung ‘abgewandt, weg-, entfallend’), das zu griech. apostréphein (ἀποστρέφειν) ‘sich abkehren, abwenden’ gehört; vgl. griech. stréphein (στρέφειν) ‘drehen, wenden’ (s. ↗Strophe). Im Dt. zunächst in der lat. Form Apostrophus und (wohl unter frz. Einfluß) Apostrophe (Mitte 17. Jh.), dann Apostroph (18. Jh.). Apostrophe f. in der Rhetorik von der überraschenden Abwendung des Redners vom Thema und der Hinwendung zu einer anderen Person oder Sache, insbesondere ‘an jmdn. gerichtete feierliche Ansprache, Anrede’ (1. Hälfte 18. Jh.), aus spätlat. apostropha, apostrophē, griech. apostrophḗ (ἀποστροφή), eigentlich ‘Abwendung, Abkehr’. apostrophieren Vb. ‘erwähnen, anführen, als etw. bezeichnen, ansprechen’ (1. Hälfte 18. Jh.), zu Apostrophe.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden als / mit etwas) titulieren · ↗(jemanden als etwas) hinstellen · ↗deklarieren (zu / als) · ↗nennen  ●  bezeichnen als  Hauptform · (jemanden als etwas) apostrophieren  geh. · ↗(jemanden etwas) heißen  geh., veraltet

Typische Verbindungen
computergeneriert

Artikel Denker Dichter Kanzler König Presse Schriftsteller als einmal einst gar gelegentlich gern gerne ironisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›apostrophieren‹.

Zitationshilfe
„apostrophieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/apostrophieren#1>, abgerufen am 23.04.2019.

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apostrophieren

GrammatikVerb · apostrophierte, hat apostrophiert
Worttrennungapo-stro-phie-ren · apos-tro-phie-ren · apost-ro-phie-ren
WortzerlegungApostroph-ieren
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutung

bildungssprachlich etw. apostrophierenein Wort oder einen Satz mit einem Apostroph versehen
Beispiel:
Ich nehme an, sie kennen es gar nicht. Es ist das Wörtchen »es«. Oft schrumpft es zu einem apostrophierten ʼs zusammen. [Reimann, Hans, Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Berlin: Kiepenheuer 1931, S. 258]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Apostroph · Apostrophe · apostrophieren
Apostroph m. ‘Auslassungszeichen’, entlehnt aus gleichbed. spätlat. apostrophos, apostrophus, griech. apóstrophos (ἀπόστροφος), einem substantivierten Adjektiv (mit der Bedeutung ‘abgewandt, weg-, entfallend’), das zu griech. apostréphein (ἀποστρέφειν) ‘sich abkehren, abwenden’ gehört; vgl. griech. stréphein (στρέφειν) ‘drehen, wenden’ (s. ↗Strophe). Im Dt. zunächst in der lat. Form Apostrophus und (wohl unter frz. Einfluß) Apostrophe (Mitte 17. Jh.), dann Apostroph (18. Jh.). Apostrophe f. in der Rhetorik von der überraschenden Abwendung des Redners vom Thema und der Hinwendung zu einer anderen Person oder Sache, insbesondere ‘an jmdn. gerichtete feierliche Ansprache, Anrede’ (1. Hälfte 18. Jh.), aus spätlat. apostropha, apostrophē, griech. apostrophḗ (ἀποστροφή), eigentlich ‘Abwendung, Abkehr’. apostrophieren Vb. ‘erwähnen, anführen, als etw. bezeichnen, ansprechen’ (1. Hälfte 18. Jh.), zu Apostrophe.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden als / mit etwas) titulieren · ↗(jemanden als etwas) hinstellen · ↗deklarieren (zu / als) · ↗nennen  ●  bezeichnen als  Hauptform · (jemanden als etwas) apostrophieren  geh. · ↗(jemanden etwas) heißen  geh., veraltet

Typische Verbindungen
computergeneriert

Artikel Denker Dichter Kanzler König Presse Schriftsteller als einmal einst gar gelegentlich gern gerne ironisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›apostrophieren‹.

Zitationshilfe
„apostrophieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/apostrophieren#2>, abgerufen am 23.04.2019.

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