appellieren

Grammatik Verb · appelliert, appellierte, hat appelliert
Aussprache 
Worttrennung ap-pel-lie-ren
Herkunft Latein
Wortbildung  mit ›appellieren‹ als Erstglied: ↗appellabel

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [gehoben] etw. im Menschen wachzurufen versuchen
  2. 2. [veraltet, Jura] ...
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gehoben etw. im Menschen wachzurufen versuchen
Beispiele:
an jmds. Vernunft, Gewissen, Menschlichkeit, Nächstenliebe, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit appellieren
an die Öffentlichkeit appellieren (= sie anrufen)
2.
veraltet, Jura
Beispiel:
gegen ein Urteil an ein höheres Gericht appellieren (= Berufung einlegen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

appellieren · Appellation · Appell
appellieren Vb. ‘auf-, anrufen, sich an jmdn. wenden’, mhd. appellieren ‘bei einer höheren Instanz Berufung einlegen’ (12. Jh.) als juristischer Terminus geht auf lat. appellāre ‘(um Hilfe) ansprechen, auffordern’ zurück, das (wie lat. appellere ‘herantreiben’, jedoch mit Konjugationswechsel) mit lat. ad- ‘zu, an, hin(zu), heran, herbei’ zu lat. pellere ‘stoßen, berühren, einen Eindruck hervorrufen, treiben’ gebildet ist. Im 18. Jh. setzt der metaphorische Gebrauch ‘eindringlich ermahnen, aufrufen’ ein. Dazu das ebenfalls der Rechtssprache angehörende Verbalsubstantiv Appellation f. ‘Berufung’, mhd. appellacion (13. Jh.), appelaz (14. Jh. bis Anfang 16. Jh.), aus gleichbed. lat. appellātio (Genitiv appellātiōnis). Appell m. ‘Aufruf, Aufforderung’, übernommen (18. Jh.) von gleichbed. frz. appel, das von dem aus lat. appellāre (s. oben) entlehnten Verb frz. appeler ‘rufen, auffordern’ abgeleitet ist; im 18. Jh. zunächst im militärischen Bereich ‘Ruf, Signal zum Sammeln’ (daher auch ‘das Antreten zur Überprüfung, Befehlsausgabe’, 19. Jh.), im Rechtswesen ‘Berufung’ sowie in der Jägersprache ‘Gehorsam des Hundes auf Zuruf’. Die Übertragung ‘eindringlich mahnender Aufruf’ ist seit dem Ende des 18. Jhs. nachweisbar, aber erst im 19. Jh. allgemein verbreitet.

Thesaurus

Synonymgruppe
anflehen · appellieren · auf Knien (an)flehen · ↗aufrufen · ↗erflehen · ↗flehen · inständig bitten · unter Tränen (an)flehen · unter Tränen bitten  ●  bitteln und betteln  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) wenden an · appellieren · ↗auffordern · ↗aufrufen

Typische Verbindungen zu ›appellieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›appellieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›appellieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gries appellierte an die Wirtschaft, die Deutschen Schulen vor Ort stärker zu unterstützen.
Die Welt, 03.08.2005
Ich appelliere aber auch an die wenigen noch verbliebenen großen Unternehmen, sich der Solidarität der gesamten deutschen Wirtschaft nicht zu verweigern.
Der Tagesspiegel, 26.12.2000
Auf jeden Fall appelliert er auch hier an das Verständnis seiner Leser.
Lehmann, A.: Apologetik. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 22398
Ich appelliere an Sie als nationalsozialistische Kämpfer, und mehr brauche ich wohl dazu nicht zu sagen.
o. A.: Sechzigster Tag. Freitag, 15. Februar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 3086
Zitationshilfe
„appellieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/appellieren>, abgerufen am 29.11.2020.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Appellativum
Appellativname
Appellativ
Appellationsprivileg
Appellationsgericht
Appellplatz
Appendektomie
Appendix
Appendizitis
Appenzeller