apriorisch

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache  [apʀiˈoːʀɪʃ]
Worttrennung apri-orisch · aprio-risch
Wortzerlegung a priori-isch
Duden GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Philosophie aus der Vernunft gewonnen, durch Denken erschlossen; erfahrungsunabhängig; aus Vernunftgründen, vernunftgemäß
Gegenwort zu aposteriorisch, siehe auch a priori (2)DWDS
Kollokationen:
als Adjektivattribut: apriorische Formen, Begriffe, Bedingungen, Elemente, Anschauungsformen, Grundlagen, Konstruktionen; eine apriorische Erkenntnis
Beispiele:
Im Allgemeinen gelten alle analytischen Urteile als a priori. Ihre urteilstheoretische Bedeutung haben die Begriffe a priori und a posteriori seit Mitte des 17. Jahrhunderts, spätestens aber seit Immanuel Kant. Von der neueren Verwendung abgeleitet bezeichnet apriorisches Wissen ein Wissen, das von Erfahrung unabhängig ist […]. Im Unterschied dazu steht empirisches oder erfahrungsabhängiges Wissen, das insbesondere durch eigene sinnliche Wahrnehmung gewonnen wurde. [VITAO, 07.03.2015, aufgerufen am 15.09.2018]
Wahn ist, psychopathologisch betrachtet, durch »apriorische Evidenz« gekennzeichnet, d. h., der Betroffene »weiß«, dass er mit seiner wahnhaften Überzeugung richtig liegt und sieht keinen Anlass für eine Überprüfung der Richtigkeit: Seine Gewissheit ist unabhängig von seiner Erfahrung. Der Patient kommt nicht auf die Idee, seine Behauptungen in irgendeiner Form zu beweisen oder zu rechtfertigen – sie sind ihm »unmittelbar evident«. Das bedeutet auch, dass die wahnhafte Idee bestehen bleibt, auch wenn sie im krassen Widerspruch zur Wirklichkeit bzw. zur Erfahrung der gesunden Mitmenschen steht. [psycholography, 23.04.2013, aufgerufen am 15.09.2018]
Vor allem aber führte er [Anselm von Canterbury] den ersten apriorischen, erfahrungsunabhängigen, rein logisch aus dem Begrifflichen entwickelten Beweis für das reale Dasein Gottes, den von Immanuel Kant sogenannten ontologischen Gottesbeweis. [Süddeutsche Zeitung, 21.09.2011]
Insbesondere von der Idee einer apriorischen Begründung der Naturgesetze geht auch zweihundert Jahre nach Kant noch einige Faszination aus. Hume hatte darauf hingewiesen, daß man aus der Erfahrung nicht sicher auf die Geltung von Naturgesetzen schließen kann. Naturwissenschaftler haben sich in Anerkennung dieses sogenannten Induktionsproblems zumeist einen hypothetischen Realismus zugelegt: Naturgesetze haben den Status von Hypothesen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2001]
Ein ethischer Imperativ muß im ontologischen Sinn kategorisch sein, ein Gebot apriorischer Vernunft, unabhängig von jeder Verfolgung empirisch gegebener Wünsche oder Interessen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.1993]
2.
bildungssprachlich grundsätzlich, ursprünglich, von vornherein festgelegt, bestehendDWDS
Beispiele:
Wenn du davon sprichst, dass Freiheit ein apriorischer Zustand ist, dann meinst du damit wohl etwas wie »Jeder Mensch ist von Geburt an frei.« [Nachtliteratur, 17.03.2013, aufgerufen am 15.09.2018]
So wie die Existenz von Blutgerinnungskörpern beweist, daß der menschliche Körper mit Verletzung rechnet, so beweist unsere Bereitschaft, den Terrorismusalarm aufzufangen, die Existenz einer apriorischen Feind‑Erwartung. [Spiegel, 22.03.2005 (online)]
[…] Tarifentgelte könnten gar nicht zu teuer sein, sie seien apriorisch richtig. Wenn die Tarifbedingungen zu teuer seien, liege die Lösung nicht in der Anpassung der Tarifbedingungen. Vielmehr sei den Unternehmen die Aufgabe zugewiesen, ihre Produktivität so zu steigern, daß sie die Tariflasten schultern könnten: der Tarifvertrag als Produktivitätspeitsche. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2005]
So versteht sich Augustins Satz: »Du hast uns für dich geschaffen, o Gott, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.« Gott ist die Urliebe, von der alles Lieben lebt. Man sieht, es handelt sich beim augustinischen Lieben um eine apriorische Wertantwort. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 9321]
[…] Raum, so scheint es, bestimmt als apriorische Größe jedes Kunstwerk. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.1996]

letzte Änderung:

Typische Verbindungen zu ›apriorisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›apriorisch‹.

Zitationshilfe
„apriorisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/apriorisch>, abgerufen am 17.01.2021.

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