arglos

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungarg-los
WortzerlegungArg-los
Wortbildung mit ›arglos‹ als Erstglied: ↗Arglosigkeit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
unschuldig, ohne Arg
Beispiele:
ein argloses Kind
wenn mein argloses Wohlgefallen an dem Mädchen Verdruß errege [MörikeNolten2,215]
2.
ahnungslos, ohne Argwohn
Beispiele:
sich arglos stellen
[sie] betrügt ... den arglosen Gemahl mit den neuen erschlichenen Liebesbriefen [G. KellerLiebesbriefe6,402]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

arg · Arg · Arglist · arglistig · Argwohn · argwöhnen · argwöhnisch · verargen · arglos · Arglosigkeit
arg Adj. ‘schlimm, böse, bösartig’, als Verstärkung ‘sehr, groß, stark’, ahd. arg ‘(moralisch) verderbt, schlecht, böse’, auch ‘feige, unzüchtig, geizig’ (8. Jh.), mhd. arc ‘nichtswürdig, böse’, mnd. mnl. arch ‘böse, schlimm’, aengl. earg ‘feige, träge, böse’, anord. argr, daneben mit Metathese ragr ‘feige, unmännlich, unsittlich’, sowie langobard. arg. Ausgangspunkt ist die Bedeutung ‘feige’, in der germ. *arga- als arka bzw. arg ins Finn. und Estn. entlehnt wird. Für die Ausgangsbedeutung ‘feige’ spricht auch die etymologische Herleitung. Im Sinne von ‘angstbebend, zitternd’ gehört das Adjektiv zu ie. *ergh- ‘schütteln, erregen, beben’, Erweiterung der Wurzel ie. *er- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’ (s. ↗reiten, ↗Ernst); vgl. griech. orché͞isthai (ὀρχεῖσθαι) ‘beben, hüpfen, tanzen’, aind. ṛghāyáti ‘bebt, tobt, rast’. Heute begegnet arg vornehmlich als Ausdruck der Verstärkung (eine arge Enttäuschung, es hat mich arg gefreut). Arg n. ‘Böses, Schlimmes, Falschheit’, nur noch in negativen Wendungen wie ohne Arg sein, kein Arg finden gebräuchlich. Ahd. arg bedeutet entsprechend dem Adjektiv (s. oben) ‘das (moralisch) Schlechte, Böse, Verworfenheit, Schlechtigkeit’ (9. Jh.), mhd. arc ‘Böses, Übel’, mnd. mnl. arch ‘Böses, Unheil, Bosheit, Schaden’. Arglist f. ‘Hinterlist, Heimtücke’, ahd. arglist ‘Arglist, Schlauheit, Bosheit’ (um 1000), mhd. arclist, dazu arglistig Adj. ‘hinterlistig, heimtückisch’, mhd. arclistec. Argwohn m. ‘Verdacht, Mißtrauen’, ahd. argwān (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwān; zum Grundwort s. ↗Wahn; davon abgeleitet argwöhnen Vb. (früher auch argwohnen) ‘Argwohn hegen, Schlimmes vermuten’, ahd. argwānen (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwœnen; argwöhnisch Adj. ‘mißtrauisch, voller Argwohn’, ahd. argwānig (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwœnec. verargen Vb. ‘übelnehmen’, mhd. verargen ‘arg werden’; vgl. mhd. argen ‘arg sein’. arglos Adj. ‘nichts Böses ahnend, ohne Argwohn, ahnungslos’ und Arglosigkeit f. (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
arglos · ↗fromm (Wunsch) · ↗gutgläubig · ↗harmlos · in gutem Glauben · ↗kindsköpfig · ↗leichtgläubig · ↗naiv · nimmt alles für bare Münze · ↗treuherzig · undistanziert · ↗vertrauensselig
Assoziationen
Antonyme
  • arglos
Synonymgruppe
ahnungslos · arglos · ↗bedenkenlos · ↗blauäugig · ↗leichtgläubig · ↗naiv · ↗nichtsahnend · ohne Bedenken · ↗sorglos · ↗tumb · ↗töricht · ↗unbedarft · ↗unbekümmert · ↗vertrauensselig  ●  an den Osterhasen glauben  ugs., fig. · an den Weihnachtsmann glauben  ugs., fig. · ganz schön naiv  ugs. · schön blöd  ugs.
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anwender Beobachter Besucher Betrachter Empfänger Fahrgast Fußgänger Gemüt Käufer Leser Lächeln Nutzer Opfer Passant Reisende Spaziergänger Surfer Tourist Urlauber Verbraucher Vogel Zeitgenosse Zuschauer fragen naiv plaudern scheinbar schlendern unschuldig wehrlos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›arglos‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber nie wieder werden wir so arglos Kuchen essen wie zuvor.
Der Tagesspiegel, 11.02.2000
Denn wir wähnten uns arglos in dem Glauben, wenn wir wirklich eine wollen, wird schon irgendwer eine herbeizaubern.
Die Zeit, 30.05.1997, Nr. 23
Sie sah zuerst etwas erstaunt aus, dann aber nahm sie die naheliegende Erklärung meiner Frage arglos an.
Le Fort, Gertrud von: Das Schweißtuch der Veronika, Frankfurt a. M.: Fischer 1959 [1928], S. 111
Unser argloser Hannes hier entscheidet sich noch im selben Moment, auf Strategie zu setzen.
Riedel, Susanne: Eine Frau aus Amerika, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 179
Ich gebe mir Mühe, genauso arglos wie früher zu leben, aber das gelingt nur scheinbar.
Becker, Jurek: Amanda herzlos, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993 [1992], S. 15
Zitationshilfe
„arglos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/arglos>, abgerufen am 19.02.2019.

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