Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

arglos

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung arg-los
Wortzerlegung Arg -los
Wortbildung  mit ›arglos‹ als Erstglied: Arglosigkeit
eWDG

Bedeutungen

1.
unschuldig, ohne Arg
Beispiele:
ein argloses Kind
wenn mein argloses Wohlgefallen an dem Mädchen Verdruß errege [ MörikeNolten2,215]
2.
ahnungslos, ohne Argwohn
Beispiele:
sich arglos stellen
[sie] betrügt … den arglosen Gemahl mit den neuen erschlichenen Liebesbriefen [ G. KellerLiebesbriefe6,402]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

arg · Arg · Arglist · arglistig · Argwohn · argwöhnen · argwöhnisch · verargen · arglos · Arglosigkeit
arg Adj. ‘schlimm, böse, bösartig’, als Verstärkung ‘sehr, groß, stark’, ahd. arg ‘(moralisch) verderbt, schlecht, böse’, auch ‘feige, unzüchtig, geizig’ (8. Jh.), mhd. arc ‘nichtswürdig, böse’, mnd. mnl. arch ‘böse, schlimm’, aengl. earg ‘feige, träge, böse’, anord. argr, daneben mit Metathese ragr ‘feige, unmännlich, unsittlich’, sowie langobard. arg. Ausgangspunkt ist die Bedeutung ‘feige’, in der germ. *arga- als arka bzw. arg ins Finn. und Estn. entlehnt wird. Für die Ausgangsbedeutung ‘feige’ spricht auch die etymologische Herleitung. Im Sinne von ‘angstbebend, zitternd’ gehört das Adjektiv zu ie. *ergh- ‘schütteln, erregen, beben’, Erweiterung der Wurzel ie. *er- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’ (s. reiten, Ernst); vgl. griech. orché͞isthai (ὀρχεῖσθαι) ‘beben, hüpfen, tanzen’, aind. ṛghāyáti ‘bebt, tobt, rast’. Heute begegnet arg vornehmlich als Ausdruck der Verstärkung (eine arge Enttäuschung, es hat mich arg gefreut). Arg n. ‘Böses, Schlimmes, Falschheit’, nur noch in negativen Wendungen wie ohne Arg sein, kein Arg finden gebräuchlich. Ahd. arg bedeutet entsprechend dem Adjektiv (s. oben) ‘das (moralisch) Schlechte, Böse, Verworfenheit, Schlechtigkeit’ (9. Jh.), mhd. arc ‘Böses, Übel’, mnd. mnl. arch ‘Böses, Unheil, Bosheit, Schaden’. Arglist f. ‘Hinterlist, Heimtücke’, ahd. arglist ‘Arglist, Schlauheit, Bosheit’ (um 1000), mhd. arclist, dazu arglistig Adj. ‘hinterlistig, heimtückisch’, mhd. arclistec. Argwohn m. ‘Verdacht, Mißtrauen’, ahd. argwān (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwān; zum Grundwort s. Wahn; davon abgeleitet argwöhnen Vb. (früher auch argwohnen) ‘Argwohn hegen, Schlimmes vermuten’, ahd. argwānen (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwœnen; argwöhnisch Adj. ‘mißtrauisch, voller Argwohn’, ahd. argwānig (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwœnec. verargen Vb. ‘übelnehmen’, mhd. verargen ‘arg werden’; vgl. mhd. argen ‘arg sein’. arglos Adj. ‘nichts Böses ahnend, ohne Argwohn, ahnungslos’ und Arglosigkeit f. (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
arglos · fromm (Wunsch) · gutgläubig · harmlos · im guten Glauben, dass · in gutem Glauben · kindsköpfig · leichtgläubig · naiv · nimmt alles für bare Münze · treuherzig · undistanziert · vertrauensselig  ●  treudoof  ironisierend
Assoziationen
Synonymgruppe
ahnungslos · arglos · bedenkenlos · blauäugig · leichtgläubig · naiv · nichtsahnend · ohne Bedenken · sorglos · tumb · töricht · unbedarft · unbekümmert · vertrauensselig  ●  an den Osterhasen glauben  ugs., fig. · an den Weihnachtsmann glauben  ugs., fig. · ganz schön naiv  ugs. · schön blöd  ugs.
Assoziationen
  • naiv genug sein, um zu  ●  in meiner (grenzenlosen) Naivität  variabel · naiv, wie ich bin  variabel · so naiv sein, zu  variabel · in meinem jugendlichen Leichtsinn  ugs., scherzhaft · in seiner Schlichtheit  geh.
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›arglos‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›arglos‹.

Verwendungsbeispiele für ›arglos‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn wir wähnten uns arglos in dem Glauben, wenn wir wirklich eine wollen, wird schon irgendwer eine herbeizaubern. [Die Zeit, 30.05.1997, Nr. 23]
Zum einen hat man sich dieses verwinkelte Verfahren offenbar arglos aufdrücken lassen. [Die Zeit, 24.05.1996, Nr. 22]
Anschließend sollten die arglosen Nutzer, die eigentlich kostenlose Software herunterladen wollten, zahlen. [Die Zeit, 21.03.2012 (online)]
Kaum jemand ist so unbelehrt, um arglosen Herzens anzunehmen, in Massen verdientes Geld sei sauberes Geld. [Die Zeit, 13.03.1992, Nr. 12]
Beim Spielen hatten sie arglos das Messer ergriffen, das für die Opfer benutzt wird. [Süddeutsche Zeitung, 20.01.2001]
Zitationshilfe
„arglos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/arglos>.

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