argwöhnen

GrammatikVerb
Nebenform selten argwohnen · Verb
Worttrennungarg-wöh-nen ● arg-woh-nen (computergeneriert)
GrundformArgwohn
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben einen Argwohn gegen jmdn. haben
Beispiele:
er argwöhnt, dass sie ihn belügt
Als die Woche um war, argwöhnte er, er sei zum besten gehalten [Wasserm.Gänsemännchen56]
in deren Befehlshaber […] sein Scharfblick den Verräter argwöhnte [C. F. MeyerHochzeit d. Mönchs3,288]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

arg · Arg · Arglist · arglistig · Argwohn · argwöhnen · argwöhnisch · verargen · arglos · Arglosigkeit
arg Adj. ‘schlimm, böse, bösartig’, als Verstärkung ‘sehr, groß, stark’, ahd. arg ‘(moralisch) verderbt, schlecht, böse’, auch ‘feige, unzüchtig, geizig’ (8. Jh.), mhd. arc ‘nichtswürdig, böse’, mnd. mnl. arch ‘böse, schlimm’, aengl. earg ‘feige, träge, böse’, anord. argr, daneben mit Metathese ragr ‘feige, unmännlich, unsittlich’, sowie langobard. arg. Ausgangspunkt ist die Bedeutung ‘feige’, in der germ. *arga- als arka bzw. arg ins Finn. und Estn. entlehnt wird. Für die Ausgangsbedeutung ‘feige’ spricht auch die etymologische Herleitung. Im Sinne von ‘angstbebend, zitternd’ gehört das Adjektiv zu ie. *ergh- ‘schütteln, erregen, beben’, Erweiterung der Wurzel ie. *er- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’ (s. ↗reiten, ↗Ernst); vgl. griech. orché͞isthai (ὀρχεῖσθαι) ‘beben, hüpfen, tanzen’, aind. ṛghāyáti ‘bebt, tobt, rast’. Heute begegnet arg vornehmlich als Ausdruck der Verstärkung (eine arge Enttäuschung, es hat mich arg gefreut). Arg n. ‘Böses, Schlimmes, Falschheit’, nur noch in negativen Wendungen wie ohne Arg sein, kein Arg finden gebräuchlich. Ahd. arg bedeutet entsprechend dem Adjektiv (s. oben) ‘das (moralisch) Schlechte, Böse, Verworfenheit, Schlechtigkeit’ (9. Jh.), mhd. arc ‘Böses, Übel’, mnd. mnl. arch ‘Böses, Unheil, Bosheit, Schaden’. Arglist f. ‘Hinterlist, Heimtücke’, ahd. arglist ‘Arglist, Schlauheit, Bosheit’ (um 1000), mhd. arclist, dazu arglistig Adj. ‘hinterlistig, heimtückisch’, mhd. arclistec. Argwohn m. ‘Verdacht, Mißtrauen’, ahd. argwān (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwān; zum Grundwort s. ↗Wahn; davon abgeleitet argwöhnen Vb. (früher auch argwohnen) ‘Argwohn hegen, Schlimmes vermuten’, ahd. argwānen (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwœnen; argwöhnisch Adj. ‘mißtrauisch, voller Argwohn’, ahd. argwānig (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwœnec. verargen Vb. ‘übelnehmen’, mhd. verargen ‘arg werden’; vgl. mhd. argen ‘arg sein’. arglos Adj. ‘nichts Böses ahnend, ohne Argwohn, ahnungslos’ und Arglosigkeit f. (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
argwöhnen · ↗beargwöhnen · ↗misstrauen · ↗verdächtigen · ↗zweifeln  ●  ↗präsumieren  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Analyst Anlagestratege Beobachter Branchenkenner Gewerkschafter Insider Investmentbank Kenner Kommentator Komplott Kritiker Moskauer Parteifreund Pessimist Skeptiker Spötter Stratege Umweltschützer Unrecht Zeitgenosse dahinter gar hingegen jedenfalls mißtrauen ohnehin seither sogleich vielmehr überdies

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›argwöhnen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer argwöhnt, der Kanzler habe sich verstellt, tut ihm wohl Unrecht.
Der Tagesspiegel, 22.11.2003
In jeder Richtung argwöhnte er, doch noch einen verborgenen Fetzen menschlichen Geruchs zu entdecken.
Süskind, Patrick: Das Parfum, Zürich: Diogenes 1985, S. 146
Wer hat nicht alles geargwöhnt, er vertrete in erster Linie sowjetische Interessen?
Die Zeit, 28.05.1982, Nr. 22
Wie immer die "Ansteckung" vor sich gehen mag: man argwöhnt, daß sie durch die gemeinsamen Bäder gefördert wird.
Bauer, Hans: Wenn einer eine Reise tat, Leipzig: Koehler & Amelang 1973, S. 130
Was aber die Phantasie anbelangt, hatte man bei ihm nichts zu argwöhnen.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 259
Zitationshilfe
„argwöhnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/argwöhnen>, abgerufen am 06.12.2019.

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