arm

GrammatikAdjektiv · Komparativ: ärmer · Superlativ: am ärmsten
Aussprache
Wortbildung mit ›arm‹ als Erstglied: ↗Armesünderbank · ↗Armesünderglocke · ↗Armesünderhemd · ↗Armesündermiene · ↗Armsünderbank · ↗Armsünderglocke · ↗Armsünderhemd · ↗Armsündermiene · ↗armselig · ↗ärmlich
 ·  mit ›arm‹ als Letztglied: ↗bettelarm · ↗bitterarm · ↗mausearm
 ·  mit ›arm‹ als Grundform: ↗-arm · ↗Arme · ↗Armut
 ·  formal verwandt mit: ↗verarmen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Gegenwort zu reich
a)
ohne Geld, mittellos
Beispiele:
er war das Kind armer Eltern
die Ärmsten der Armen
ein armes Land
salopp er blieb zeitlebens ein armer Schlucker, Teufel, ein armes Luder
salopp arm wie eine Kirchenmaus (= sehr arm)
umgangssprachlich, scherzhaft jmdn. arm essen, machen
umgangssprachlich, scherzhaft davon werde ich nicht ärmer
umgangssprachlich, scherzhaft nun bin ich wieder (um) zehn Euro ärmer
umgangssprachlich, scherzhaft bei uns ist es doch nicht wie bei armen Leuten (= wir können uns das schon leisten)
Der Gegensatz von reich und arm ... war verschärft worden [EngelsAnti-Dühring314]
Arm am Beutel, krank am Herzen [GoetheSchatzgräber]
b)
ohne Nutzgehalt, kärglich
Beispiel:
diese arme Scholle, die ihr nicht einmal zu eigen gehörte [ViebigErde255]
Bergmannssprache geringhaltig
Beispiel:
arme (Eisen)erze verhütten
c)
arm an etw. seinvon etw. wenig haben
Beispiele:
die Gegend ist arm an Wäldern, landschaftlichen Reizen
arm an Freuden, Geist
2.
bedauernswert, unglücklich
Beispiele:
was hat der Arme, Ärmste erdulden müssen!
der arme Kerl!
das arme Geschöpf!
salopp du armes Würstchen!
salopp so ein armer Irrer!
wer hat das arme Tier so gequält?
Da steh ich nun, ich armer Tor! [GoetheFaustI 358]
veraltet ein armer Sünderzum Tode Verurteilter
Beispiele:
scherzhaft er sitzt da wie ein armer Sünder
Selbst der vorschriftsmäßige Geistliche war vorhanden, der diesem fühllosen Koloß von einem armen Sünder ... Mut zusprach [WerfelGalgenstrick180]
3.
Arme Ritterin Milch aufgeweichte und gebackene Weißbrotschnitten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

arm · Armut · ärmlich · armselig · verarmen
arm Adj. ‘mittellos, dürftig, bedauernswert’. Die Herkunft von ahd. (8. Jh.), mhd. arm, asächs. mnd. mnl. nl. arm (mnl. auch aerm, arem), aengl. earm, anord. armr, schwed. dän. arm, got. arms ‘beklagenswert, elend, besitzlos’ ist umstritten. Meist wird Verwandtschaft mit ↗Arbeit und ↗Erbe (s. d.) angenommen und germ. *arƀma- im Sinne von ‘vereinsamt, verlassen’ als Bildung mit m-Suffix an das dort behandelte ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ angeschlossen. Weisweiler in: IF 41 (1923) 304 ff. nimmt eine Bedeutungsentwicklung von ‘vereinsamt, verlassen’ über ‘friedlos, rechtlos, schutzlos’ zu ‘beklagenswert’ und ‘arm’ an; unter dieser Voraussetzung wäre eine Verwandtschaft von arm mit griech. erḗmos (ἐρῆμος) ‘einsam, verlassen’ erwägenswert. Armut f. ‘Mittellosigkeit, Not’, ahd. armuoti n., armuotī f. ‘Elend, Mangel, Not’ (8. Jh.), mhd. armuote n., armout f. ‘Armut, ärmliches Besitztum’; vgl. asächs. armōdi n., mnd. armōde n. f., armōt m. f., mnl. armoet, armoede m. f. n., nl. armoede f.; zu ahd. -uotī̌ (nach ahd. muot) aus -ōti, s. ↗Einöde. ärmlich Adj. ‘dürftig, kümmerlich’, ahd. armalīh ‘erbärmlich, böse, gottlos’ (9. Jh.), mhd. ermelich ‘dürftig’; vgl. asächs. armlīk, mnl. armelijc, aengl. earmlic. armselig Adj. ‘kümmerlich, dürftig’, abgeleitet (15. Jh.) von mhd. armsal n. ‘Armut, Elend’. verarmen Vb. ‘arm werden’, mhd. verarmen ‘in Armut, in Not geraten’, Präfixbildung zu ahd. armēn (9. Jh.), mhd. armen ‘arm sein, werden’; vgl. ahd. firermen ‘jmdn. in Armut, in Not bringen’ (10. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
arm · ↗armselig · ↗dürftig · ↗schmucklos
Synonymgruppe
arm · auf öffentliche Unterstützung angewiesen · ↗bedürftig · ↗dürftig · ↗finanzschwach · ↗hilfebedürftig · ↗mittellos · ↗notleidend · ohne das Nötigste · ↗prekär · sozial schwach · ↗unvermögend · verarmt · ↗ärmlich
Unterbegriffe
Assoziationen
  • (ein) kümmerliches Leben fristen · in ärmlichen Verhältnissen (leben) · kümmerlich leben · unter ärmlichen Bedingungen  ●  (sein) Leben fristen  Hauptform · unter äußerst bescheidenen Verhältnissen leben  positiv, verhüllend · zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig (haben)  Spruch · äußerst bescheiden leben  positiv, verhüllend · ↗vegetieren  ugs.
  • (schon) bessere Tage gesehen haben · abgewirtschaftet · an den Bettelstab gekommen · arm geworden · auf den Hund gekommen · ↗heruntergekommen · ruiniert · verarmt · verelendet  ●  in Armut abgesunken  geh. · in Armut gesunken  geh. · prekarisiert  fachspr., Jargon
  • arbeitslos (sein) · ↗arbeitssuchend · ↗beschäftigungslos · ↗erwerbslos · nicht erwerbstätig · ohne Arbeit · ohne Arbeitsverhältnis · ohne Beschäftigungsverhältnis · ↗unbeschäftigt  ●  ↗brotlos  fig. · keine Arbeit haben  variabel · ohne Job  ugs.
  • abgehalftert · ↗abgerissen · ↗abgetakelt · abgewirtschaftet · am Ende · ↗desolat · in einem schlechten Zustand · ↗marode · ↗mies · ruiniert · ↗schäbig · ↗ungepflegt · verdorben · ↗verkommen · verlottert · verludert · verlumpt · ↗verschlissen · verwahrlost · verwildert · zerfasert · zerfleddert · ↗zerlumpt · zerschlissen  ●  ↗(äußerlich) heruntergekommen  Hauptform · (herumlaufen) wie ein Penner  derb, abwertend · ↗abgefuckt  derb, jugendsprachlich · abgeranzt  ugs. · abgewrackt  ugs. · auf den Hund gekommen  ugs. · ↗gammelig  ugs. · muchtig  ugs., berlinerisch · vergammelt  ugs.
  • alles ausgegeben haben · kein Geld mehr haben · keinen Cent mehr haben · nicht einen Cent haben  ●  auf dem Trockenen sitzen  fig.
  • (einen) finanziellen Engpass haben · Geldsorgen haben · finanziell in der Klemme sitzen · gerade nicht zahlen können · in Geldnot · in finanzieller Verlegenheit (sein) · ↗klamm  ●  (bei jemandem ist) Ebbe in der Kasse  fig. · gerade kein Geld haben  variabel · (es) gerade nicht klein haben  ugs., ironisch · bei jemandem sieht es finanziell (momentan) nicht so rosig aus  ugs., variabel · in pekuniärer Verlegenheit  geh. · knapp bei Kasse  ugs. · knapp dran  ugs.
  • (bei jemandem) ist nichts zu holen · kein Geld haben · keine Arbeit haben · mittellos dastehen · mittellos sein · nichts verdienen · nichts zu beißen haben · von Luft und Liebe leben  ●  am Hungertuch nagen  ugs.
  • Armer · ↗Bettler · ↗Habenichts · Mittelloser  ●  ↗Hungerleider  auch figurativ · Knochenrappler  ugs., selten · armer Schlucker  ugs.
  • (es) nicht (so) dicke haben · nicht Rockefeller sein  ●  nicht auf Rosen gebettet (sein)  fig. · (sein) Geld nicht scheißen können  derb, fig. · nicht in Geld schwimmen  ugs., fig.
  • auf der Schattenseite des Lebens (stehen) · nicht auf der Sonnenseite des Lebens (geboren) · zu kurz gekommen (sein)  ●  (sozial) benachteiligt (sein)  Hauptform
  • abgehängt · ↗strukturschwach · wirtschaftsschwach
  • (das Geld) reicht hinten und vorne nicht · (von etwas) nicht leben und nicht sterben können · kaum über die Runden kommen (finanziell) · so gerade (eben) über die Runden kommen · ums Überleben kämpfen (müssen) · wenig verdienen  ●  jeden Cent zweimal umdrehen müssen  fig. · jeden Pfennig zweimal umdrehen müssen  veraltet, fig. · zum Leben zu wenig, und zum Sterben zu viel sein  sprichwörtlich · zum Sterben zu viel, und zum Leben zu wenig sein  sprichwörtlich
  • (nur) den Mindestlohn bekommen · (sehr) wenig verdienen · (sich) mit (...) Euro begnügen müssen · für einen Hungerlohn arbeiten · mit (...) Euro abgespeist werden  ●  schlecht bezahlt werden  Hauptform
  • (finanziell) am Ende · (seine) Rechnungen nicht mehr (be)zahlen können · ↗bankrott · ↗insolvent · ↗mittellos · ohne Geld (dastehen) · ↗pleite · ↗zahlungsunfähig  ●  ↗abgebrannt  ugs. · ↗blank  ugs. · ↗illiquid(e)  geh.
Antonyme
  • arm
Synonymgruppe
(sehr) arm · ↗bettelarm · ↗bitterarm  ●  arm wie eine Kirchenmaus  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (es) nicht (so) dicke haben · nicht Rockefeller sein  ●  nicht auf Rosen gebettet (sein)  fig. · (sein) Geld nicht scheißen können  derb, fig. · nicht in Geld schwimmen  ugs., fig.
Synonymgruppe
Mitleid erregend · arm · armer Kerl · ↗armselig · ↗beklagenswert · ↗bemitleidenswert · ↗erbärmlich · ↗heruntergekommen · ↗hoffnungslos · ↗jammervoll · ↗jämmerlich · ↗kläglich · ↗unglücklich · zu bedauern (sein)  ●  armer Tropf  veraltend · ↗bedauernswert  Hauptform · arm dran  ugs., ruhrdt. · arme Sau  derb · armer Teufel  ugs. · armes Schwein  ugs. · ↗bejammernswert  fachspr. · ↗erbarmungswürdig  geh. · letztklassig  ugs., österr. · ↗miserabel  geh.
Assoziationen
  • (armer) Wicht · ↗Hanswurst · Lachplatte · ↗Witzblattfigur · dummer August  ●  ↗Fuzzi  ugs. · ↗Komiker  ugs. · ↗Pflaumenaugust  ugs. · ↗Schießbudenfigur  ugs. · ↗Witzfigur  ugs., Hauptform · ↗Wurst  ugs.
  • abgehalftert · ↗abgerissen · ↗abgetakelt · abgewirtschaftet · am Ende · ↗desolat · in einem schlechten Zustand · ↗marode · ↗mies · ruiniert · ↗schäbig · ↗ungepflegt · verdorben · ↗verkommen · verlottert · verludert · verlumpt · ↗verschlissen · verwahrlost · verwildert · zerfasert · zerfleddert · ↗zerlumpt · zerschlissen  ●  ↗(äußerlich) heruntergekommen  Hauptform · (herumlaufen) wie ein Penner  derb, abwertend · ↗abgefuckt  derb, jugendsprachlich · abgeranzt  ugs. · abgewrackt  ugs. · auf den Hund gekommen  ugs. · ↗gammelig  ugs. · muchtig  ugs., berlinerisch · vergammelt  ugs.
  • (schon) bessere Tage gesehen haben · abgewirtschaftet · an den Bettelstab gekommen · arm geworden · auf den Hund gekommen · ↗heruntergekommen · ruiniert · verarmt · verelendet  ●  in Armut abgesunken  geh. · in Armut gesunken  geh. · prekarisiert  fachspr., Jargon
  • (sich) nicht wehren können · nichts ausrichten können (gegen)  ●  über den Tisch gezogen werden  ugs., fig.
  • Nichtskönner · ↗Verlierer(typ) · armer Wicht  ●  ↗Versager  Hauptform · ↗(armes) Würstchen  ugs. · ↗Blindgänger  ugs. · ↗Flasche  ugs. · ↗Graupe  ugs. · ↗Heini  ugs., ruhrdt., veraltend · ↗Krücke  ugs. · Lohle  ugs., schwäbisch · ↗Loser  ugs., engl. · ↗Lulli  ugs. · ↗Lusche  ugs. · Luschi  ugs. · ↗Niete  ugs. · ↗Null  ugs. · ↗Nulpe  ugs. · ↗Opfer (jugendspr.)  ugs. · ↗Pfeife  ugs. · Pfeifenheini  ugs., regional · ↗Schwachmat  ugs. · ↗Wurst  ugs.
  • (etwas ist) kein Zuckerschlecken (für) · (vom Schicksal) (schwer) gebeutelt werden · eine schwere Zeit durchmachen · einiges einstecken (müssen) · schwer zu kämpfen haben  ●  (einige) Nackenschläge einstecken (müssen)  variabel, fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bauer Bevölkerungnsschichte Entwicklungsland Familie Gegend Hund Junge Kerl Kreatur Land Landbevölkerung Leut Leutchen Länder Poet Region Sau Schicht Schlucker Schwein Seele Süden Sünder Teufel Tropf Verwandter Vetter Würstchen arm reich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›arm‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Viele Kinder seien zu arm, um zur Schule zu gehen, andere, vor allem Mädchen, würden daran gehindert.
Die Zeit, 20.11.2013 (online)
Nachhaltige Entwicklung bedeute umweltfreundliche Entwicklung, und dies gehe die reichen wie die armen Länder an.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1995]
Was blieb den armen Kids, als sich in ihr Schicksal zu fügen.
Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 243
Das hat gewiß die arme Schwester mit ihren paar Talern bestreiten müssen.
Meysenbug, Malwida von: Unerfüllt. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1907], S. 3425
Weshalb sollte er der armen Frau nicht den Gefallen tun?
Duncker, Dora: Jugend. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1905], S. 9484
Zitationshilfe
„arm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/arm>, abgerufen am 16.12.2018.

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