arm

Grammatik Adjektiv · Komparativ: ärmer · Superlativ: am ärmsten
Aussprache 
Wortbildung  mit ›arm‹ als Erstglied: Armeleuteessen · Armeleutegeruch · Armeleutemilieu · Armesünder · Armesünderbank · Armesünderglocke · Armesünderhemd · Armesündermiene · Armsünderbank · Armsünderglocke · Armsünderhemd · Armsündermiene · armselig · ärmlich
 ·  mit ›arm‹ als Letztglied: bettelarm · bitterarm · mausearm
 ·  mit ›arm‹ als Grundform: -arm · Arme · Armut
 ·  formal verwandt mit: verarmen
eWDG

Bedeutungen

1.
in gegensätzlicher Bedeutung zu reich
a)
ohne Geld, mittellos
Beispiele:
er war das Kind armer Eltern
die Ärmsten der Armen
ein armes Land
salopper blieb zeitlebens ein armer Schlucker
salopper blieb zeitlebens ein armer Teufel
saloppsie blieb zeitlebens ein armes Luder
umgangssprachlich, scherzhaft arm wie eine Kirchenmaus (= sehr arm)
umgangssprachlich, scherzhaftjmdn. arm essen, machen
umgangssprachlich, scherzhaftdavon werde ich nicht ärmer
umgangssprachlich, scherzhaftnun bin ich wieder (um) zehn Euro ärmer
umgangssprachlich, scherzhaftbei uns ist es doch nicht wie bei armen Leuten (= wir können uns das schon leisten)
Der Gegensatz von reich und arm … war verschärft worden [ EngelsAnti-Dühring314]
Arm am Beutel, krank am Herzen [ GoetheSchatzgräber]
b)
ohne Nutzgehalt, kärglich
Beispiel:
diese arme Scholle, die ihr nicht einmal zu eigen gehörte [ ViebigErde255]
Bergmannssprache geringhaltig
Beispiel:
arme (Eisen)erze verhütten
c)
arm an etw. sein (= von etw. wenig haben)
Beispiele:
die Gegend ist arm an Wäldern, landschaftlichen Reizen
arm an Freuden, Geist
2.
bedauernswert, unglücklich
Beispiele:
was hat der Arme, Ärmste erdulden müssen!
der arme Kerl!
das arme Geschöpf!
oft verächtlichdu armes Würstchen!
saloppso ein armer Irrer!
wer hat das arme Tier so gequält?
Da steh ich nun, ich armer Tor! [ GoetheFaustI 358]
veraltet ein armer Sünder (= zum Tode Verurteilter)
Beispiele:
scherzhafter sitzt da wie ein armer Sünder
Selbst der vorschriftsmäßige Geistliche war vorhanden, der diesem fühllosen Koloß von einem armen Sünder … Mut zusprach [ WerfelGalgenstrick180]
3.
Arme Ritter (= in Milch aufgeweichte und gebackene Weißbrotschnitten)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

arm · Armut · ärmlich · armselig · verarmen
arm Adj. ‘mittellos, dürftig, bedauernswert’. Die Herkunft von ahd. (8. Jh.), mhd. arm, asächs. mnd. mnl. nl. arm (mnl. auch aerm, arem), aengl. earm, anord. armr, schwed. dän. arm, got. arms ‘beklagenswert, elend, besitzlos’ ist umstritten. Meist wird Verwandtschaft mit Arbeit und Erbe1 (s. d.) angenommen und germ. *arƀma- im Sinne von ‘vereinsamt, verlassen’ als Bildung mit m-Suffix an das dort behandelte ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ angeschlossen. Weisweiler in: IF 41 (1923) 304 ff. nimmt eine Bedeutungsentwicklung von ‘vereinsamt, verlassen’ über ‘friedlos, rechtlos, schutzlos’ zu ‘beklagenswert’ und ‘arm’ an; unter dieser Voraussetzung wäre eine Verwandtschaft von arm mit griech. erḗmos (ἐρῆμος) ‘einsam, verlassen’ erwägenswert. Armut f. ‘Mittellosigkeit, Not’, ahd. armuoti n., armuotī f. ‘Elend, Mangel, Not’ (8. Jh.), mhd. armuote n., armout f. ‘Armut, ärmliches Besitztum’; vgl. asächs. armōdi n., mnd. armōde n. f., armōt m. f., mnl. armoet, armoede m. f. n., nl. armoede f.; zu ahd. -uotī̌ (nach ahd. muot) aus -ōti, s. Einöde. ärmlich Adj. ‘dürftig, kümmerlich’, ahd. armalīh ‘erbärmlich, böse, gottlos’ (9. Jh.), mhd. ermelich ‘dürftig’; vgl. asächs. armlīk, mnl. armelijc, aengl. earmlic. armselig Adj. ‘kümmerlich, dürftig’, abgeleitet (15. Jh.) von mhd. armsal n. ‘Armut, Elend’. verarmen Vb. ‘arm werden’, mhd. verarmen ‘in Armut, in Not geraten’, Präfixbildung zu ahd. armēn (9. Jh.), mhd. armen ‘arm sein, werden’; vgl. ahd. firermen ‘jmdn. in Armut, in Not bringen’ (10. Jh.).

Arm · Ärmel · umarmen
Arm m. Die germ. Bezeichnungen für die menschlichen Vordergliedmaßen ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. nl. arm (mnl. auch aerm, arem), aengl. arm (earm), anord. armr, engl. schwed. arm, got. arms (germ. *arma-) führen wie die außergerm. Verwandten aslaw. ramo, russ. (älter) rámo (рамо) ‘Schulter’, lat. armus ‘Oberarm, Schulterblatt, Vorderbug der Tiere’, aind. īrmáhḥ ‘Arm’ als Bildungen mit mo-Suffix und unterschiedlichen Ablautstufen im ersten Wortteil auf die Wurzel ie. *ar(ə)- ‘zusammenfügen, passen’. Arm entwickelt vielfältigen übertragenen Gebrauch; ahd. bereits für die Querbalken des Kreuzes, aber auch als Symbol von ‘Macht, Stärke’, mhd. für ‘Ranke, Zweig’ und ‘Abzweigung eines Wasserlaufs’, später allgemein für armähnliche Teile von Gegenständen und technischen Geräten sowie für armähnlich sich bewegende Maschinenteile. Ärmel m. ‘armbedeckender Teil eines Kleidungsstücks’, ahd. armilo ‘was zum Arm gehört, am Arm getragen wird’, d. i. ‘Armreif, Armfessel’ (10. Jh.), mhd. mnd. ermel ‘Ärmel’, aengl. earmella. umarmen Vb. ‘mit den Armen umfassen’ (1. Hälfte 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(finanziell) nicht gut dastehen · arm · auf öffentliche Unterstützung angewiesen · bedürftig · dürftig · einkommensschwach · finanzschwach · hilfebedürftig · mittellos · notleidend · ohne das Nötigste · prekär · sozial schwach · unvermögend · verarmt · ärmlich
Assoziationen
  • (ein) kümmerliches Leben fristen · in ärmlichen Verhältnissen (leben) · kümmerlich leben · unter ärmlichen Bedingungen  ●  (sein) Leben fristen  Hauptform · unter äußerst bescheidenen Verhältnissen leben  positiv, verhüllend · zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig (haben)  Spruch · äußerst bescheiden leben  positiv, verhüllend · vegetieren  ugs.
  • (schon) bessere Tage gesehen haben · abgewirtschaftet · an den Bettelstab gekommen · arm geworden · auf den Hund gekommen · heruntergekommen · ruiniert · verarmt · verelendet  ●  in Armut abgesunken  geh. · in Armut gesunken  geh. · prekarisiert  fachspr., Jargon
  • arbeitslos (sein) · arbeitssuchend · beschäftigungslos · erwerbslos · nicht erwerbstätig · ohne Arbeit · ohne Arbeitsverhältnis · ohne Beschäftigungsverhältnis · unbeschäftigt  ●  brotlos  fig. · keine Arbeit haben  variabel · ohne Job (dastehen)  ugs.
  • abgehalftert · abgerissen · abgetakelt · abgewirtschaftet · am Ende · desolat · in einem schlechten Zustand · marode · mies · ruiniert · schäbig · ungepflegt · verdorben · verkommen · verlottert · verludert · verlumpt · verschlissen · verwahrlost · verwildert · zerfasert · zerfleddert · zerlumpt · zerschlissen  ●  (äußerlich) heruntergekommen  Hauptform · schleißig  österr. · (herumlaufen) wie ein Penner  derb, abwertend · abgefuckt  derb, jugendsprachlich · abgeranzt  ugs. · abgerockt  ugs., salopp · abgewrackt  ugs. · auf den Hund gekommen  ugs. · gammelig  ugs. · muchtig  ugs., berlinerisch · vergammelt  ugs.
  • alles ausgegeben haben · kein Geld mehr haben · keinen Cent mehr haben · nicht einen Cent haben  ●  auf dem Trockenen sitzen  fig.
Synonymgruppe
(sehr) arm · bettelarm · bitterarm  ●  arm wie eine Kirchenmaus  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Mitleid erregend · arm · armer Kerl · armselig · beklagenswert · bemitleidenswert · erbärmlich · heruntergekommen · hoffnungslos · jammervoll · jämmerlich · kläglich · traurige Gestalt · unglücklich · zu bedauern (sein)  ●  armer Tropf  veraltend · bedauernswert  Hauptform · arm dran  ugs., ruhrdt. · arme Sau  derb · armer Teufel  ugs. · armes Schwein  ugs. · bejammernswert  fachspr. · erbarmungswürdig  geh. · letztklassig  ugs., österr. · miserabel  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›arm‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›arm‹.

Verwendungsbeispiele für ›arm‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was blieb den armen Kids, als sich in ihr Schicksal zu fügen. [Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR - ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 243]
Wenn Frauen nur »ihren Mann stehen«, sind sie so arm dran wie Männer, die meinen, »immer stark sein« zu müssen – äußerlich natürlich. [Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 168]
Ihr macht es selbst Vergnügen, die armen Frauen zu martern. [Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation - Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen Bd. 1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1992 [1939], S. 258]
Selbst wenn es so weiter wächst, wird es in 20 Jahren noch immer ein armes Land sein. [Der Spiegel, 01.01.2001]
Aber nehmen wir an, es gelänge, ärmere Länder an den Standard der reichen Nationen anzunähern. [Die Zeit, 24.02.2000, Nr. 9]
Zitationshilfe
„arm“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/arm>.

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