armselig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungarm-se-lig
Wortbildung mit ›armselig‹ als Erstglied: ↗Armseligkeit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
von (großer) materieller Armut zeugend, elend
Beispiele:
eine armselige Wohnung
ein armseliger Anzug, ein armseliges Mäntelchen
so armselig wie der fahrende Bettler, der an unserm Tor um Gaben fleht [FreytagAhnen8,76]
2.
mangelhaft, erbärmlich
a)
unzulänglich, unbefriedigend
Beispiele:
armselige Redensarten, Worte
eine armselige Auskunft
ein armseliges (= schwaches) Lächeln
Nicht ohne Erfolg versuchte die Spielende, auf dem armseligen Instrument die Wirkungen des Orchesters anzudeuten [Th. MannTristan9,156]
b)
unfähig
Beispiele:
ein armseliger Pianist
Welch armselige Stümper waren doch die Stadtpfeifer von Hameln gegen diesen wendischen Pfeifer [RaabeI 6,197]
c)
schwach entwickelt
Beispiele:
die armselige Vegetation dieses Landstriches
der magere Hals stak so tief zwischen diesen armseligen Schultern [Th. MannKröger9,266]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

arm · Armut · ärmlich · armselig · verarmen
arm Adj. ‘mittellos, dürftig, bedauernswert’. Die Herkunft von ahd. (8. Jh.), mhd. arm, asächs. mnd. mnl. nl. arm (mnl. auch aerm, arem), aengl. earm, anord. armr, schwed. dän. arm, got. arms ‘beklagenswert, elend, besitzlos’ ist umstritten. Meist wird Verwandtschaft mit ↗Arbeit und ↗Erbe1 (s. d.) angenommen und germ. *arƀma- im Sinne von ‘vereinsamt, verlassen’ als Bildung mit m-Suffix an das dort behandelte ie. *orbh- ‘verwaist, Waise’ angeschlossen. Weisweiler in: IF 41 (1923) 304 ff. nimmt eine Bedeutungsentwicklung von ‘vereinsamt, verlassen’ über ‘friedlos, rechtlos, schutzlos’ zu ‘beklagenswert’ und ‘arm’ an; unter dieser Voraussetzung wäre eine Verwandtschaft von arm mit griech. erḗmos (ἐρῆμος) ‘einsam, verlassen’ erwägenswert. Armut f. ‘Mittellosigkeit, Not’, ahd. armuoti n., armuotī f. ‘Elend, Mangel, Not’ (8. Jh.), mhd. armuote n., armout f. ‘Armut, ärmliches Besitztum’; vgl. asächs. armōdi n., mnd. armōde n. f., armōt m. f., mnl. armoet, armoede m. f. n., nl. armoede f.; zu ahd. -uotī̌ (nach ahd. muot) aus -ōti, s. ↗Einöde. ärmlich Adj. ‘dürftig, kümmerlich’, ahd. armalīh ‘erbärmlich, böse, gottlos’ (9. Jh.), mhd. ermelich ‘dürftig’; vgl. asächs. armlīk, mnl. armelijc, aengl. earmlic. armselig Adj. ‘kümmerlich, dürftig’, abgeleitet (15. Jh.) von mhd. armsal n. ‘Armut, Elend’. verarmen Vb. ‘arm werden’, mhd. verarmen ‘in Armut, in Not geraten’, Präfixbildung zu ahd. armēn (9. Jh.), mhd. armen ‘arm sein, werden’; vgl. ahd. firermen ‘jmdn. in Armut, in Not bringen’ (10. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
armselig · ↗betrüblich · ↗kümmerlich · ↗ärmlich  ●  ↗billig  ugs. · ↗schwach  ugs. · ↗traurig  ugs.
Synonymgruppe
arm · armselig · ↗dürftig · ↗schmucklos
Synonymgruppe
(ein) Trauerspiel · armselig · ↗bemitleidenswert · ↗erbärmlich · ↗kläglich · ↗schäbig · ↗unsäglich · ↗unwürdig · ↗würdelos
Assoziationen
  • (man) hätte mehr erwartet (von)  ●  (eine) Bankrotterklärung (sein)  fig. · (etwas ist) keine Heldentat  fig. · (sich) ein Armutszeugnis ausstellen (mit)  fig. · ein Armutszeugnis (für jemanden/etwas sein)  Hauptform · (ein ...) sieht anders aus  ugs. · (jemand) sollte sich was schämen!  ugs. · (sich) nicht (gerade) mit Ruhm bekleckert haben  ugs., Redensart · kein Ruhmesblatt  geh.
  • (leicht) durchschaubar · schlecht kaschiert  ●  ↗durchsichtig  fig. · ↗fadenscheinig  fig. · (etwas) merkt ein Blinder (doch) mit dem Krückstock  ugs., fig.
  • Schmierenkomödie · ↗Schmierentheater · die Karikatur (einer Sache) · schlechter Scherz · unwürdiges Schauspiel  ●  ↗(eine) Farce  Hauptform
Synonymgruppe
armselig · ↗gering · ↗jammervoll · ↗jämmerlich · ↗kümmerlich · ↗minderwertig  ●  grenzlastig  ugs. · ↗grenzwertig  ugs. · ↗inferior  geh. · ↗lausig  ugs. · ↗lumpig  ugs. · ↗mickrig  ugs. · piselig  ugs., rheinisch · ↗popelig  ugs. · pupsig  ugs. · ↗windig  ugs.
Assoziationen
  • (nur) Centbeträge  ●  das bisschen Geld  ugs. · die paar Euro  ugs. · so'n bisschen Geld  ugs. · so'n paar Euro  ugs.
Synonymgruppe
Mitleid erregend · arm · armer Kerl · armselig · ↗beklagenswert · ↗bemitleidenswert · ↗erbärmlich · ↗heruntergekommen · ↗hoffnungslos · ↗jammervoll · ↗jämmerlich · ↗kläglich · ↗unglücklich · zu bedauern (sein)  ●  armer Tropf  veraltend · ↗bedauernswert  Hauptform · arm dran  ugs., ruhrdt. · arme Sau  derb · armer Teufel  ugs. · armes Schwein  ugs. · ↗bejammernswert  fachspr. · ↗erbarmungswürdig  geh. · letztklassig  ugs., österr. · ↗miserabel  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
armselig · ↗erbärmlich · ↗schofel · ↗schofelig · ↗schäbig
Assoziationen
  • nicht fair · nicht gerecht · nicht in Ordnung · nicht okay · ↗unfair · ↗ungerecht
  • e goldenes Nixle un e silbernes Warteweilche (un e Schächtele wo des nei dus)  ●  (nur ein) warmer Händedruck  Hauptform
  • (jemandem) Dank schuldig bleiben  ●  ↗undankbar (sein)  Hauptform

Typische Verbindungen zu ›armselig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Baracke Behausung Bretterbude Bündel Dasein Fischerdorf Geschöpf Habe Haufen Häuflein Hütte Kaff Kreatur Lebensumstand Lehmhütte Menschlein Nest Stube Tropf Wellblechhütte Wicht Würstchen demütig dürftig erbärmlich gekleidet lächerlich verwahrlost Überbleibsel öde

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›armselig‹.

Verwendungsbeispiele für ›armselig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und in diesem Licht wirkt der Slogan "Klasse statt Masse" dann doch ziemlich armselig.
Die Welt, 27.05.2002
Denn ihr armseliges Leben konnte sie nur im Rausch ertragen.
Bild, 08.03.2000
Ein halbes Hundert Dörfer modert in einem armseligen Winkel hin.
Klepper, Jochen: Der Vater, Gütersloh: Bertelsmann 1962 [1937], S. 189
Die Kunde seines armseligen Todes verbreitet sich nachts in der Stadt.
Toller, Ernst: Eine Jugend in Deutschland, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1985 [1933], S. 17
In die armselige Pension Raab gehen wir nur noch Mittags.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1920. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1920], S. 33
Zitationshilfe
„armselig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/armselig>, abgerufen am 23.01.2020.

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