artig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ar-tig
Wortbildung  mit ›artig‹ als Erstglied: ↗Artigkeit  ·  mit ›artig‹ als Letztglied: ↗unartig

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. folgsam, brav
  2. 2. [veraltend, gehoben] höflich, wohlerzogen
  3. 3. [veraltet] nett, angenehm wirkend
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
folgsam, brav
Gegenwort zu unartig
Beispiele:
ein artiges Kind
sei (hübsch) artig!
wenn du (nicht) artig bist, dann ...
der Kleine versprach, artig zu sein
2.
veraltend, gehoben höflich, wohlerzogen
Beispiele:
jmdn. artig begrüßen, um etw. bitten
jmdm. etwas Artiges (= Liebenswürdiges) sagen
Man empfing sie sehr artig [ HesseNarziß5,110]
3.
veraltet nett, angenehm wirkend
Beispiele:
artige Verse schreiben
er sang, spielte (auf der Geige) recht artig
das ist ein artiger (= guter) Tropfen (Wein)
Kinder waren es ... artig aufgereiht, wie Perlchen an der Schnur [ TucholskyGripsholm64]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Art2 · artig · arten · abarten · abartig · Abart · ausarten · entarten
Art2 f. ‘Eigentümlichkeit, Wesen, Gewohnheit, Verhalten, Weise, Abstammung’, mhd. art m. f., mnd. ārt f. (und m.), mnl. aert m. f. ‘Veranlangung, Abstammung’, nl. aard m. ‘Wesen, Beschaffenheit, Eigenschaft’, aengl. eard m. ‘Fügung, Lage, Schicksal’, anord. -arðr in einarðr ‘einfach, aufrichtig’ sowie aind. ṛtá- ‘wahrhaft’, eigentlich ‘gefügt’, awest. arəta- ‘Gesetz, Recht’, griech. árti (ἄρτι) ‘gerade, eben’, lat. artus ‘eng, straff’, artus m. ‘Gelenk, Glied’, ars (Genitiv artis) f. ‘Kunst, Geschicklichkeit’ führen auf ie. *art- ‘Fügung, Ordnung’, Dentalableitung der Wurzel ie. *ar(ə)- ‘fügen, passen’ (s. ↗Arm). Beziehungen zu ↗Art1 (s. d.) sind möglich. artig Adj. ‘folgsam, gut erzogen’, älter ‘höflich, hübsch’, mhd. ertec ‘von angestammter guter Beschaffenheit’. arten Vb. ‘in die Art schlagen, geraten nach, sich entwickeln’, mhd. arten, mnd. ārden. Dazu abarten Vb. ‘aus der Art schlagen, abweichen’ (Ende 16. Jh.); abartig Adj. ‘aus der Art geschlagen, verderbt’ (1. Hälfte 16. Jh.); Abart f. ‘abweichende Art, Spielart’ (2. Hälfte 18. Jh.), älter ‘minderwertige Art’ (1. Hälfte 18. Jh.). ausarten Vb. ‘die angestammte, die gute Art verlieren’ (Mitte 17. Jh.). entarten Vb. ‘seine Art, Beschaffenheit verlieren, degenerieren’, mhd. entarten ‘aus der Art schlagen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
anständig · artig · ↗brav · ↗folgsam · ↗fügsam · ↗gefügig · ↗gehorsam · konditioniert  ●  ↗fromm (Pferd)  veraltend · ↗lieb  Kindersprache
Assoziationen
Synonymgruppe
...artig · ↗...haft · ↗...mäßig  ●  ...like  engl., Jargon · ↗...esk  geh.
Assoziationen
  • (frei) nach dem Motto (...) · auf ... Art · im ...-Stil · im Stil(e) (von) · in (...) Weise · in ...manier · in der Art (von) · nach Art von · nach dem Muster · nach dem Prinzip  ●  ↗à la  franz. · ↗...mäßig  ugs. · auf die (...) Tour  ugs.
Synonymgruppe
aus (reiner) Höflichkeit · höflicherweise · weil es sich so gehört · weil es so üblich ist  ●  ↗pro forma  lat. · artig  geh., ironisierend, fig. · artigerweise  geh., ironisierend, fig.
Assoziationen
  • der Form halber · der Form wegen · die Form betreffend · ↗formal · ↗nominell · um der Form zu genügen · um einer Vorschrift zu genügen · zum Schein · ↗äußerlich  ●  ↗pro forma  lat.

Typische Verbindungen zu ›artig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›artig‹.

Verwendungsbeispiele für ›artig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sogar Kinder, die normalerweise nicht stillhalten, sind hier ganz artig.
Der Tagesspiegel, 29.07.2003
Ich versuche es im nächsten Jahr besser zu machen ", versprach er artig.
Süddeutsche Zeitung, 25.07.2000
Der artigen Kindern gegenüber zeigt sie sich als gute Fee.
o. A. [dd]: Befana. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1982]
So bleibt mir nichts übrig, als möglichst artig zu sein.
Hofmannsthal, Hugo von: Der Schwierige. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1917], S. 10599
Ich bin es auch, wenn du fortfährst, artig zu sein.
Walser, Robert: Jakob von Gunten, Zürich: Suhrkamp 1973 [1909], S. 67
Zitationshilfe
„artig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/artig>, abgerufen am 26.09.2020.

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