Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

artig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ar-tig
Wortbildung  mit ›artig‹ als Erstglied: Artigkeit  ·  mit ›artig‹ als Letztglied: unartig

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. folgsam, brav
  2. 2. [veraltend, gehoben] höflich, wohlerzogen
  3. 3. [veraltet] nett, angenehm wirkend
eWDG

Bedeutungen

1.
folgsam, brav
in gegensätzlicher Bedeutung zu unartig
Beispiele:
ein artiges Kind
sei (hübsch) artig!
wenn du (nicht) artig bist, dann …
der Kleine versprach, artig zu sein
2.
veraltend, gehoben höflich, wohlerzogen
Beispiele:
jmdn. artig begrüßen, um etw. bitten
jmdm. etwas Artiges (= Liebenswürdiges) sagen
Man empfing sie sehr artig [ HesseNarziß5,110]
3.
veraltet nett, angenehm wirkend
Beispiele:
artige Verse schreiben
er sang, spielte (auf der Geige) recht artig
das ist ein artiger (= guter) Tropfen (Wein)
Kinder waren es … artig aufgereiht, wie Perlchen an der Schnur [ TucholskyGripsholm64]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Art2 · artig · arten · abarten · abartig · Abart · ausarten · entarten
Art2 f. ‘Eigentümlichkeit, Wesen, Gewohnheit, Verhalten, Weise, Abstammung’, mhd. art m. f., mnd. ārt f. (und m.), mnl. aert m. f. ‘Veranlangung, Abstammung’, nl. aard m. ‘Wesen, Beschaffenheit, Eigenschaft’, aengl. eard m. ‘Fügung, Lage, Schicksal’, anord. -arðr in einarðr ‘einfach, aufrichtig’ sowie aind. ṛtá- ‘wahrhaft’, eigentlich ‘gefügt’, awest. arəta- ‘Gesetz, Recht’, griech. árti (ἄρτι) ‘gerade, eben’, lat. artus ‘eng, straff’, artus m. ‘Gelenk, Glied’, ars (Genitiv artis) f. ‘Kunst, Geschicklichkeit’ führen auf ie. *art- ‘Fügung, Ordnung’, Dentalableitung der Wurzel ie. *ar(ə)- ‘fügen, passen’ (s. Arm). Beziehungen zu Art1 (s. d.) sind möglich. – artig Adj. ‘folgsam, gut erzogen’, älter ‘höflich, hübsch’, mhd. ertec ‘von angestammter guter Beschaffenheit’. arten Vb. ‘in die Art schlagen, geraten nach, sich entwickeln’, mhd. arten, mnd. ārden. Dazu abarten Vb. ‘aus der Art schlagen, abweichen’ (Ende 16. Jh.); abartig Adj. ‘aus der Art geschlagen, verderbt’ (1. Hälfte 16. Jh.); Abart f. ‘abweichende Art, Spielart’ (2. Hälfte 18. Jh.), älter ‘minderwertige Art’ (1. Hälfte 18. Jh.). ausarten Vb. ‘die angestammte, die gute Art verlieren’ (Mitte 17. Jh.). entarten Vb. ‘seine Art, Beschaffenheit verlieren, degenerieren’, mhd. entarten ‘aus der Art schlagen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
artig · brav · folgsam · fügsam · gefügig · gehorsam · konditioniert  ●  lieb  Kindersprache · brav wie ein Lamm  ugs., variabel
Assoziationen
Synonymgruppe
...artig · ...haft · ...mäßig · ...ähnlich  ●  ...like  engl., Jargon · ...esk  geh. · ...ös  geh., bildungssprachlich
Assoziationen
  • (frei) nach dem Motto (...) · auf ... Art · im ...-Stil · im Stil(e) (von) · in (...) Weise · in ...manier · in der Art (von) · nach Art von · nach dem Muster · nach dem Prinzip  ●  à la franz. · ...mäßig ugs. · auf die (...) Tour ugs.
Synonymgruppe
anstandshalber · aus (reiner) Höflichkeit · aus Gründen des Anstands · höflicherweise · weil es sich so gehört · weil es so üblich ist  ●  pro forma  lat. · artig  geh., ironisierend, fig. · artigerweise  geh., ironisierend, fig.
Assoziationen
  • angemessen sein · den (allgemeinen) Gepflogenheiten entsprechen · den Anstandsregeln entsprechen · sich gehören · sich schicken · vom Anstand geboten sein · zum guten Ton gehören  ●  schicklich sein veraltet · sich ziemen veraltet · (etwas) gebietet (schon allein) der Anstand geh. · (sich) geziemen geh., veraltet · (sich) passen geh., veraltend
  • der Form halber · der Form wegen · die Form betreffend · formal · nominell · um der Form zu genügen · um einer Vorschrift zu genügen · zum Schein · äußerlich  ●  pro forma lat.

Typische Verbindungen zu ›artig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›artig‹.

Verwendungsbeispiele für ›artig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber bei artigen jungen Damen läßt sich meistens etwas machen. [Becker, Jurek: Jakob der Lügner, Berlin: Aufbau-Verl. 1969, S. 70]
So bleibt mir nichts übrig, als möglichst artig zu sein. [Hofmannsthal, Hugo von: Der Schwierige. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1917], S. 10599]
Um dieses Vergnügen noch intimer zu gestalten, war ihm der Charakter eines »Festes der artigen Kinder« verliehen worden. [Vossische Zeitung (Montags-Ausgabe), 04.03.1912]
Alle sind sehr gesittet, artig – man hört nie ein ungezogenes Wort, nie einen Zank. [Tucholsky, Kurt: Ausflug nach Robinson. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke – Briefe – Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1924], S. 21736]
Ich bin es auch, wenn du fortfährst, artig zu sein. [Walser, Robert: Jakob von Gunten, Zürich: Suhrkamp 1973 [1909], S. 67]
Zitationshilfe
„artig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/artig>.

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