Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

au

Grammatik Interjektion
Aussprache  [aʊ̯]
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich drückt aus, dass man plötzlichen oder akuten Schmerz empfindet
Synonym zu aua
Beispiele:
Das tut weh, au, laß das. [Franck, Julia: Lagerfeuer. Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2003, S. 135]
»Au, au, mein Bauch«, hatte der mit Handschellen gefesselte Carlos A[…] immer wieder gejammert, während er sich auf dem Boden vor Schmerzen wand. [Der Spiegel, 20.01.1997]
Au, mein Kopf. [Das letzte Log, 22.05.2014, aufgerufen am 01.09.2020]
bildlich Sie lachten pflichtschuldigst oder machten »Au (= was für ein schlechter Witz)!«, damit sie nicht in den Verdacht gerieten, die Pointe nicht verstanden zu haben. [Spoerl, Heinrich: Die Feuerzangenbowle. München: Piper [o. J.] [1933], S. 131]
2.
verstärkt den emotionalen Gehalt einer Aussage (und betont das nachfolgende Bestimmungswort)
a)
im positiven Sinne
Beispiele:
Au, wie fein!!! [Neues Mobbing-Opfer der Berliner Polizei wendet sich an Frau Künast, 14.09.2011, aufgerufen am 01.09.2020]
Au ja, klasse Idee. [Die Zeit, 23.04.1998]
Au klasse, die möchte ich gerne gewinnen! [Verlosung: Hochwertige Designer-Visitenkarten-Sets, 01.02.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
Au, wie süss! [Der Marshmallow Test, 12.11.2011, aufgerufen am 01.09.2020]
Au prima, [das] wollte ich schon immer mal! [Die Stimmritze, 30.03.2009, aufgerufen am 01.09.2020]
b)
im negativen Sinne
Beispiele:
Au, wie peinlich … [Lehrerkonferenz? Fachkonferenz!, 27.08.2010, aufgerufen am 01.09.2020]
Drei Minuten später ein Fluch: »Au Scheiße!« [Die Zeit, 22.12.1999]
Au, wie langweilig! [Der Klimapass muss her: Schellnhuber bei den Grünen, 27.11.2017, aufgerufen am 01.09.2020]
(Dezember 2011 – au Mist, jetzt hab ich beim Lesen des Beitrages vom Vorjahr festgestellt, dass ich doch glatt Opas 85. Geburtstag vergessen habe! *schäm ganz doll*) [12 von 12 im Dezember 2012, 12.12.2012, aufgerufen am 01.09.2020]
[…] viele Leser drückten ihre Bestürzung aus: »Au Kacke, alles vorbei? Meine Welt geht unter!«, schrieb TorfRock[…]. [Bloggen ist inzwischen wieder out, 07.03.2007, aufgerufen am 01.09.2020]
c)
Phrasem:
au Backe! (= wie dumm, ungünstig o. ä.)
Beispiele:
Au Backe, beinahe hätte ich es vergessen. [Alle Jahre wieder, 21.12.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Au Backe: In den USA saßen diverse Konsumenten an Weihnachten ohne Geschenke unter dem Baum. [Podcast, 12.07.2019, aufgerufen am 19.08.2020]
Au Backe, ist der Auftrag etwa auch in der Verwaltung verbummelt worden, wie einige Zeit zuvor der Kostenanschlag der Firma? [Neues Deutschland, 14.05.1959]
Au Backe, da hat mein Schwager aber gelogen! [Der Spiegel, 16.07.1952]
d)
Phrasem:
Au Mann! (= das ärgert, enttäuscht, frustriert mich)
Beispiele:
»Au Mann, ist das ätzend«, flüstert er leicht entnervt in den Hörer. [Neue Westfälische, 06.06.2011]
Christian: Au Mann, nu[n] krieg dich wieder ein. [Die Zeit, 02.04.1998]
Hilft NULL – au Mann!!! [10 Sätze von denen ich gedacht hätte, dass ich sie niemals sagen würde, 22.06.2016, aufgerufen am 20.08.2020]
Ein »Anheizer« war damit beschäftigt, das Publikum bei Laune zu halten, au Mann, das ist ja auch ein Job, für den man geboren sein muss. [Left Outside Alone?, 20.07.2014, aufgerufen am 01.09.2020]
[…] au Mann, da hätte er dann doch lieber etwas anderes sein wollen als ausgerechnet Trainer. [Die Welt, 03.03.2012]
e)
Phrasem:
Au Mann! (= das freut mich, ist toll)
Beispiele:
»Au Mann«, sagt die Fünfjährige und beginnt zu strahlen. [Neue Westfälische, 16.02.2009]
Au Mann, was waren das doch für Zeiten … Kein Pathos, keine Selbstbeweihräucherung, einfach nur eine coole Präsentation. [Steve Jobs und der Wechsel zu Intel, 03.06.2019, aufgerufen am 19.08.2020]
Und, au Mann, heute abend Polen gegen Rußland, und das in Warschau! Freu mich schon. [Kein Futter für die Jammerrechten …, 12.06.2012, aufgerufen am 01.09.2020]
Dann klärten mich die Nonnen auf, und ich dachte: Au Mann, Gott ist wirklich Klasse. [Schweriner Volkszeitung, 14.07.2011]
au Mann, ist das gut …! [Was Israelkritiker sagen, 06.07.2010, aufgerufen am 01.09.2020]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

au Interjektion bei körperlichem Schmerz, ahd. au (um 1000), mhd. ou, mnl. nl. au, aengl. ēa. Die spontane Lautäußerung stellt sich neben ähnliche Ausrufe in anderen ie. Sprachen, etwa aind. ō, lat. au, lett. au, tschech. ou, die (wie auch ahd. mnl. au, aengl. ēa) noch andere Gefühlsregungen (Entrüstung, Erstaunen u. ä.) ausdrücken oder nur Anredepartikel sein können, vielleicht aber doch ein ie. *au- als gemeinsamen Ursprung haben. Im Dt. überschneidet sich au in der Funktion gelegentlich mit oh, mit dem es vor allem im Mhd. in den mit dem Adverb ‘weh’ verbundenen Formen ouwē neben ōwē, owē zusammenfällt. Auch mit betonter vokalischer Verstärkung auā!

Au · Aue
Au Aue f. ‘flaches, feuchtes, am Wasser gelegenes Wiesenland, (Fluß)niederung’, ahd. ouwa (10. Jh.), mhd. mnl. ouwe, mnd. ouwe, ō, ōge ‘Wasser(lauf), Insel (im Fluß), feuchtes Wiesenland’, aengl. īeg, īg, anord. ey, schwed. ö ‘Insel’ setzen germ. *awjō (aus *agwjō) ‘Aue, Insel’ voraus. Die substantivierte germ. Adjektivableitung bedeutet eigentlich ‘die zum Wasser Gehörige, vom Wasser Umgebene’. Sie ist mit grammatischem Wechsel gebildet zu germ. *ahwō ‘Wasser, Gewässer’ in ahd. (8. Jh.), asächs. aha, mhd. ahe, mnd. ā, aengl. ēa, got. aƕa, das im appellativischen Wortschatz des Nhd. nur noch selten begegnet und im wesentlichen auf das Obd. beschränkt bleibt. Es ist als Ache, Ach, Aach, Aa in Flußnamen erhalten, öfter als -ach in Zusammensetzungen zahlreicher Flur-, Orts- und Flußnamen wie Aurach, Biberach, Lindach, Salzach, Urach oder -a wie Fulda, Schwarza. Außergerm. verwandt ist lat. aqua ‘Wasser’, so daß ie. *əkūā ‘Wasser, Fluß’ angesetzt werden kann. Aue, und besonders der Plural Auen, wird in jüngerer Zeit hauptsächlich in dichterischer Sprache mit der erweiterten Bedeutung ‘fruchtbare, freundliche Landschaft’ verwendet.

Thesaurus

Synonymgruppe
au! · aua! · autsch!
Assoziationen
  • (sich) quälen · Qualen leiden · leiden  ●  (große) Qualen ausstehen  variabel · Schmerzen haben  variabel
Zitationshilfe
„au“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/au>.

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