aufbrechen

GrammatikVerb · bricht auf, brach auf, hat/ist aufgebrochen
Aussprache
Worttrennungauf-bre-chen (computergeneriert)
Wortzerlegungauf-brechen1
Wortbildung mit ›aufbrechen‹ als Grundform: ↗Aufbruch
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. Verschlossenes gewaltsam öffnen
a)
Beispiele:
eine Tür, einen Stahlschrank, ein Auto, einen Kiosk, die Ladenkasse aufbrechen
eine Kiste aufbrechen
gehoben einen Brief, ein Siegel aufbrechen
das Eis eines Sees aufbrechen
die Straße, Betondecke mit der Spitzhacke, dem Pressluftbohrer aufbrechen
b)
Beispiele:
Land aufbrechen (= umpflügen)
[die Junker] die weder einen Baum fällen, noch ein Stück Heide aufbrechen wollen [Storm4,105]
c)
Jägersprache ein erlegtes Tier ausweiden
Beispiele:
einen Hirsch, ein Wildschwein aufbrechen
Er lud den Bock auf ... brach ihn auf [LönsMümmelmann4,53]
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
sich öffnen, aufgehen
Beispiele:
die Knospen, Blüten sind aufgebrochen
die Weidenkätzchen beginnen aufzubrechen
Geschwüre, alte Wunden brechen auf
unten im Garten brachen schon die Rosen auf [StormAquis submersus3,234]
3.
mit Hilfsverb ›ist‹
übertragen augenfällig zu Tage treten, zum Vorschein kommen
Beispiele:
ein Gegensatz, eine Kontroverse ist zwischen beiden aufgebrochen
eine Idee, Sehnsucht, Erinnerung war in ihm aufgebrochen
alte Zugehörigkeiten brachen auf in beiden [A. ZweigBeil427]
aus wie vielen Unbegabtheiten sind nicht unversehens Talente aufgebrochen [BecherMacht der Poesie59]
4.
mit Hilfsverb ›ist‹
fortgehen, sich aufmachen
Beispiele:
plötzlich, rasch, hastig, langsam, spät, vorzeitig aufbrechen
im ersten Morgengrauen, in der Dämmerung aufbrechen
gegen Mittag, nach Eintritt der Dunkelheit aufbrechen
zu einer Reise, Fahrt, Bergtour aufbrechen
die Reisegesellschaft brach nach Süden, nach Prag auf
Wir brachen mit dem zarten Frührot auf [St. GeorgeSiebenter Ring10]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

brechen · Brecher · aufbrechen · Aufbruch · ausbrechen · einbrechen · Einbruch · Einbrecher · gebrechen · Gebrechen · gebrechlich · verbrechen · Verbrechen · Verbrecher · verbrecherisch
brechen Vb. ‘in Stücke teilen, zerfallen’, ahd. brehhan ‘brechen, reißen, vernichten’ (8. Jh.), mhd. brechen, asächs. brekan, mnd. mnl. brēken, nl. breken, afries. breka, aengl. brecan, engl. to break, got. brikan (germ. *brekan) sind verwandt mit den im Ablautverhältnis stehenden Bildungen ↗Brache, ↗Bruch m. und ↗Brocken (s. d.) sowie mit lat. frangere ‘(zer)brechen’ (mit nur präsentischem n; s. ↗Fraktur), so daß sich ie. *bhreg̑- ‘brechen, krachen’ als Ausgangsform erschließen läßt. Brecher m. ‘Sturzsee’ (19. Jh., nach engl. breaker). aufbrechen Vb. ‘sich auf den Weg machen, gewaltsam öffnen’, mhd. ūfbrechen; Aufbruch m. mhd. ūfbruch. ausbrechen Vb. ahd. ūʒbrehhan (Hs. 13. Jh.), mhd. ūʒbrechen. einbrechen Vb. ‘gewaltsam eindringen’, ahd. inbrehhan ‘eindringen, hineinstürzen’ (9. Jh.), mhd. īnbrechen; Einbruch m. mhd. īnbruch ‘das Eindringen, Eingriff, Schaden’; Einbrecher m. ‘wer gewaltsam eindringt und sich an fremdem Eigentum vergreift’ (16. Jh.). gebrechen Vb. ‘fehlen, mangeln’, mhd. gebrechen ‘brechen, fehlen, mangeln’; nur noch in es gebricht (mir) an etw., z. B. an Geld, Zeit, Mut (d. h. etw. bricht „geht“ mir ab, daher ‘es fehlt mir’). Vgl. ahd. gibrehhan ‘zerschmettern’, reflexiv ‘sich unterwerfen’ (11. Jh.). Dazu gehört der substantivierte Infinitiv Gebrechen n. ‘körperlicher Fehler, Krankheit’ (14. Jh.); vgl. dagegen mhd. gebreche m. ‘Mangel, Beschwerde, Krankheit’; gebrechlich Adj. ‘hinfällig’, mhd. gebrechlich. verbrechen Vb. ‘das Gesetz brechen, sich schwer vergehen’, ahd. firbrehhan (9. Jh.), mhd. verbrechen ‘zerschlagen, zerstören’, ursprünglich verstärktes brechen (wie zerbrechen), doch schon in mhd. Rechtssprache ‘eine Verbindlichkeit, ein Gebot übertreten, verletzen’. Der substantivierte Infinitiv Verbrechen n. ‘Straftat, schweres Vergehen’ in diesem juristischen Sinne erst im 17. Jh. Verbrecher m. ‘Gesetzesbrecher’ (17. Jh.); dagegen bezeichnet mhd. frühnhd. verbrecher jeden, der sich eines kleinen Vergehens schuldig macht. verbrecherisch Adj. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(von etwas) fortfahren · ↗abfahren · ↗abfliegen · ↗abreisen · aufbrechen · ↗davonfahren · ↗wegfahren · ↗wegfliegen  ●  abdüsen  ugs.
Assoziationen
  • aufbrechen müssen · losfahren müssen · losgehen müssen · nicht länger warten dürfen · nicht länger warten können  ●  ↗losmüssen  ugs. · ↗wegmüssen  ugs.
Synonymgruppe
aufbrechen · ↗einbrechen · ↗knacken
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) auf den Weg machen · ↗(sich) aufmachen · ↗losgehen · ↗losziehen · seinen Weg antreten  ●  aufbrechen  Hauptform · (sich) auf die Beine machen  ugs. · (sich) auf die Socken machen  ugs. · ↗lossocken  ugs., regional
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
aufbrechen · ↗aufhebeln · ↗knacken
Assoziationen
  • Walnuss  ●  Baumnuss  schweiz. · welsche Nuss  veraltet
Synonymgruppe
(den) Standort verlassen · ↗abmarschieren · aufbrechen · ↗starten  ●  ↗ausrücken  militärisch
Assoziationen
Synonymgruppe
umgehen · ↗unterlaufen · wirkungslos machen  ●  aufbrechen  fig. · ↗aushebeln  fig. · außer Gefecht setzen  fig. · ↗knacken  ugs., fig.
Synonymgruppe
ausdärmen · ↗ausnehmen · ↗ausweiden  ●  aufbrechen  fachspr., Jägersprache · ↗auswerfen  fachspr., Jägersprache

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auto Bungalow Dieb Eingangstür Expedition Feuerwehr Front Graben Konflikt Monopol Morgen Nacht Reise Richtung Schrank Struktur Tour Trainingslager Täter Tür Ufer Unbekannte Verkrustung Wohnungstür Wunde brechen durchwühlen entwenden stehlen wieder

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufbrechen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie weit sind die Vorbereitungen, selbst aufzubrechen in andere Welten, zum Mars?
Die Welt, 29.03.2004
Alte Gräben, ohnehin nur mühsam zugeschüttet, brechen nun wieder auf.
Der Tagesspiegel, 23.06.2000
Da die Hausbar montags nicht öffnete, brachen sie gegen zehn auf.
Schulze, Ingo: Simple Storys, Berlin: Berlin-Verl. 1998, S. 20
Du mußt in diesem Moment aufbrechen, du weißt, wie leicht sie gekränkt ist.
Fritsch, Gerhard: Fasching, Hamburg: Rowohlt 1967, S. 12
Jetzt bist Du zehn Tage von hier fort und schon ist dieselbe Geschichte wieder aufgebrochen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 20.03.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„aufbrechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aufbrechen>, abgerufen am 22.10.2019.

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