auflehnen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungauf-leh-nen
Wortzerlegungauf-lehnen1
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
sich auflehnensich gegen etw., jmdn. empören, widersetzen
Beispiele:
sich gegen das Gesetz, die Staatsgewalt, Tyrannei, das Schicksal auflehnen
sich gegen jmds. Ansicht, Urteil, gegen den herrschenden Geschmack auflehnen
sein Trotz, Gefühl lehnte sich dagegen, gegen ihn auf
hatte sich die ganze Verwandtschaft gegen die Heirat aufgelehnt [G. Hauptm.4,442]
daß er sich gegen seinen Meister aufgelehnt hatte [BrodTycho Brahe331]
2.
landschaftlich die Arme auf etw. stützen, auflegen
Beispiel:
er lehnte die Arme auf
sich auflehnen
Beispiel:
sich auf das Fensterbrett auflehnen und hinaussehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lehnen1 · ablehnen · auflehnen · Lehne1
lehnen1 Vb. ‘an einen stützenden Gegenstand stellen’, reflexiv ‘sich an etw. stützen, gegen etw. stellen’. Zugrunde liegen zwei Verben, und zwar ein intransitives ahd. (h)linēn (8. Jh.), mhd. linen, lenen ‘lehnen, sich stützen’ mit asächs. hlinon, mnl. lenen, loenen, leunen, nl. leunen, aengl. hleonian, hlinian, engl. to lean und ein kausatives transitives ahd. (h)leinen (um 1000), mhd. leinen ‘lehnen’, nhd. leinen (bei obd. Schriftstellern noch bis zum 18. Jh.) mit mnl. leinen, aengl. hlǣnan. Die Vermischung von intransitivem und transitivem Gebrauch beginnt im Mhd., worauf beide Formen wohl in dem (neben mhd. leinen stehenden) md. lēnen zusammengefallen sind. Beide Verben führen mit ablautendem ahd. (h)lēo ‘Grabhügel, Grabmal’ (8. Jh.), asächs. hlēo, aengl. hlǣw, hlāw, got. hlaiw ‘Grab’, hlain ‘Hügel’ sowie mit aind. śráyatē ‘heftet an etw., lehnt sich an, befindet sich’, śráyati ‘lehnt, bringt an etw. an, legt auf etw.’, griech. klī́nein (κλίνειν) ‘(sich) neigen, (an)lehnen, niederlegen, beugen’ (s. ↗Klinik, ↗Klima, ↗Klimakterium), spätlat. clīnāre ‘biegen, beugen, neigen’ (nach lat. acclīnāre ‘anlehnen’, dēclināre ‘abändern, abweichen’, s. ↗deklinieren, inclīnāre ‘hinneigen, hinwenden’), lat. cliēns ‘der sich schutzeshalber an einen Patron Anlehnende, Schutzbefohlener einer Gens’ (s. ↗Klient), lit. šliẽti ‘anlehnen, stützen’, šlýti ‘sich (zur Seite oder nach vorn) neigen’ auf ie. *k̑lei- ‘neigen, lehnen’, Erweiterung der Wurzel ie. *k̑el- ‘neigen’ (s. ↗Halde). ablehnen Vb. ‘zurückweisen, verweigern, nicht annehmen, ausschlagen, mißbilligen’ (um 1500), daneben (bis ins 18. Jh.) ableinen. auflehnen Vb. ‘die Arme auf etw. stützen, auflegen’, (reflexiv) ‘sich empören, widersetzen’, mhd. ūfleinen ‘auf-, anlehnen, befestigen’, (reflexiv) ‘sich aufrichten, sich empören’, (md.) ūflēnen, obd. (bis ins 18. Jh.) aufleinen. Lehne1 f. ‘Stütze eines Sitzmöbels für Rücken oder Arme’, obd. ‘sanfter Berghang’, ahd. (h)lina ‘Rückenlehne, Lagerstätte’ (8. Jh.), (h)lena (10. Jh.), mhd. lene, lin(e), auch ‘Geländer, Galerie’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) auflehnen · (sich) erheben gegen · ↗(sich) sträuben · ↗(sich) widersetzen · ↗aufbegehren · ↗opponieren · ↗protestieren · ↗rebellieren · ↗revoltieren  ●  ↗frondieren  veraltet · (den) Aufstand proben  geh., fig. · ↗aufmucken  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
aufbäumen · auflehnen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausbeutung Autorität Besatzung Bevormundung Diktatur Dogma Establishment Gott Herrschaft Herrscher Instinkt Naturgesetz Obrigkeit Regime Schicksal Tyrannei Ungerechtigkeit Unterdrücker Unterdrückung Vergewaltigung Vorherrschaft Zentralregierung ab dagegen energisch entschieden gewaltsam innerlich lehnen vehement

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›auflehnen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dem jungen Mann behagte das zwar nicht sonderlich, aber er war zu träge, sich dagegen aufzulehnen.
Die Welt, 07.11.2003
Doch die müssten sich öfter auflehnen und von leitenden Ärzten dabei unterstützt statt eingeschüchtert zu werden.
Süddeutsche Zeitung, 07.06.2000
Der Mann stellt keine Fragen, er lehnt sich nicht auf.
Der Spiegel, 16.05.1994
Von manchen Schriftstellern ging die Anordnung aus, sich aufzulehnen gegen die bekannte Welt.
Kronauer, Brigitte: Die Frau in den Kissen, Stuttgart: Klett-Cotta 1990, S. 88
Weil dieser Kampf unmoralisch war, lehnten sich die christlichen Kirchen mit Recht dagegen auf.
o. A.: Zweihundertzehnter Tag. Freitag, 23. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 29084
Zitationshilfe
„auflehnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/auflehnen>, abgerufen am 10.12.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Auflegung
Aufleger
auflegen
Auflegematratze
auflecken
Auflehnung
aufleimen
aufleisten
Aufleistung
auflesen