aufraffen

Grammatik Verb · rafft auf, raffte auf, hat aufgerafft
Aussprache  [ˈaʊ̯fʀafn̩]
Worttrennung auf-raf-fen
Wortzerlegung  auf- raffen
Wortbildung  mit ›aufraffen‹ als Erstglied: Aufraffung
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. zusammenraffen und aufheben
Beispiel:
Steine, Papier, Geldstücke, seine Sachen (vom Boden, Schreibtisch) aufraffen
2.
sich aufraffensich mit einiger Schwierigkeit (geschwind) erheben, aufstehen
Beispiele:
sich von der Erde, vom Sitz, Sofa aufraffen
ich strauchelte auf den morschen Stufen, raffte mich wieder auf [ HeyseII 4,309]
übertragen alle inneren Kräfte zusammennehmen
Beispiel:
er war erst bestürzt, sprachlos, dann raffte er sich aber auf und antwortete
sich zu etw. aufraffensich unter Aufbietung aller Willenskräfte zu etw. entschließen
Beispiel:
sich zur Tat, zu einem Gegenschlag, einer Reise aufraffen
sich aus etw. aufraffensich gewaltsam aus etw. herausreißen
Beispiel:
sich aus seiner Lethargie, Erschütterung, Bestürzung, seinen Träumereien aufraffen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

raffen · aufraffen · Raffgier · Raffsucht · Raffzahn · Raffke · Raffer
raffen Vb. ‘hastig und gierig ergreifen, an sich reißen, schriftlich Fixiertes in knappere Form bringen, Stoff locker zusammenschieben, hochnehmen’, mhd. raffen, reffen ‘zupfen, rupfen, eilig an sich reißen’, mnd. mnl. rāpen, nl. rapen ‘raffen, einsammeln’ führen auf germ. *hrap-, auf dessen Variante germ. *hreps- die unter raspeln (s. d.) behandelten Formen zurückgehen. Unmittelbare außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, doch gehören die Verben entweder wie rümpfen und schrumpfen (s. d.) zu ie. *(s)kerb(h)-, *(s)kreb(h)-, nasaliert *(s)kremb(h)- ‘drehen, krümmen’, einer Labialerweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’, oder im Sinne von ‘abschneiden, trennen’ zu der unter scheren1 (s. d.) angeführten Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. raffen wird heute oft in der Fügung an sich raffen gebraucht, ferner in Präfixbildungen wie dahin-, weg-, zusammenraffen und aufraffen Vb. ‘zusammennehmen und aufheben’, reflexiv ‘sich mit einiger Schwierigkeit erheben, aufstehen’, übertragen ‘alle Kräfte zusammennehmen, sich zu etw. entschließen’ (16. Jh.). Raffgier f. ‘Habgier, Gier nach Besitz, Gewinn, Geld’ (19. Jh.), zuvor Raffsucht f. (17. Jh.). Raffzahn m. ‘hervorragender oberer Schneidezahn’, eigentlich wohl ‘Reißzahn, Hauer’, spätmhd. reffzan. Raffke m. ‘habgieriger Neureicher’, in Berlin (um 1920) gebildete Bezeichnung mit dem nd. Verkleinerungssuffix -ke (s. -chen); älter Raffer m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) aufmachen (und) · (sich) aufraffen · (sich) bemühen (um) · (sich) durchringen (zu) · (sich) überwinden  ●  (den) inneren Schweinehund überwinden (und)  ugs. · (sich) aufrappeln  ugs. · (sich) bequemen  ugs. · (sich) hochrappeln  ugs. · den Arsch hochkriegen  derb, fig.
Assoziationen
Antonyme
  • (sich) aufraffen

Typische Verbindungen zu ›aufraffen‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufraffen‹.

Verwendungsbeispiele für ›aufraffen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich rafft er sich auf, mit dem Vater den jammervollen Platz zu fliehen.
Süddeutsche Zeitung, 28.05.2001
Wie schaffen Sie es, sich in solchen Situationen dann doch aufzuraffen?
Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 213
Da rafft man sich schon auf, auch einmal nackt zu sein.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 67
Er hat sich aber nicht dazu aufraffen können, diesen Weg zu blockieren.
Die Zeit, 02.12.1966, Nr. 49
Noch einmal, und es war das letzte Mal, raffte Sturm sich auf.
Jens, Walter: Nein, München: Piper 1968 [1950], S. 97
Zitationshilfe
„aufraffen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aufraffen>, abgerufen am 18.01.2022.

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