aufraffen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungauf-raf-fen (computergeneriert)
Wortzerlegungauf-raffen
Wortbildung mit ›aufraffen‹ als Erstglied: ↗Aufraffung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. zusammenraffen und aufheben
Beispiel:
Steine, Papier, Geldstücke, seine Sachen (vom Boden, Schreibtisch) aufraffen
2.
sich aufraffensich mit einiger Schwierigkeit (geschwind) erheben, aufstehen
Beispiele:
sich von der Erde, vom Sitz, Sofa aufraffen
ich strauchelte auf den morschen Stufen, raffte mich wieder auf [HeyseII 4,309]
übertragen alle inneren Kräfte zusammennehmen
Beispiel:
er war erst bestürzt, sprachlos, dann raffte er sich aber auf und antwortete
sich zu etw. aufraffensich unter Aufbietung aller Willenskräfte zu etw. entschließen
Beispiel:
sich zur Tat, zu einem Gegenschlag, einer Reise aufraffen
sich aus etw. aufraffensich gewaltsam aus etw. herausreißen
Beispiel:
sich aus seiner Lethargie, Erschütterung, Bestürzung, seinen Träumereien aufraffen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

raffen · aufraffen · Raffgier · Raffsucht · Raffzahn · Raffke · Raffer
raffen Vb. ‘hastig und gierig ergreifen, an sich reißen, schriftlich Fixiertes in knappere Form bringen, Stoff locker zusammenschieben, hochnehmen’, mhd. raffen, reffen ‘zupfen, rupfen, eilig an sich reißen’, mnd. mnl. rāpen, nl. rapen ‘raffen, einsammeln’ führen auf germ. *hrap-, auf dessen Variante germ. *hreps- die unter ↗raspeln (s. d.) behandelten Formen zurückgehen. Unmittelbare außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen, doch gehören die Verben entweder wie ↗rümpfen und ↗schrumpfen (s. d.) zu ie. *(s)kerb(h)-, *(s)kreb(h)-, nasaliert *(s)kremb(h)- ‘drehen, krümmen’, einer Labialerweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’, oder im Sinne von ‘abschneiden, trennen’ zu der unter ↗scheren (s. d.) angeführten Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’. raffen wird heute oft in der Fügung an sich raffen gebraucht, ferner in Präfixbildungen wie dahin-, weg-, zusammenraffen und aufraffen Vb. ‘zusammennehmen und aufheben’, reflexiv ‘sich mit einiger Schwierigkeit erheben, aufstehen’, übertragen ‘alle Kräfte zusammennehmen, sich zu etw. entschließen’ (16. Jh.). Raffgier f. ‘Habgier, Gier nach Besitz, Gewinn, Geld’ (19. Jh.), zuvor Raffsucht f. (17. Jh.). Raffzahn m. ‘hervorragender oberer Schneidezahn’, eigentlich wohl ‘Reißzahn, Hauer’, spätmhd. reffzan. Raffke m. ‘habgieriger Neureicher’, in Berlin (um 1920) gebildete Bezeichnung mit dem nd. Verkleinerungssuffix -ke (s. ↗-chen); älter Raffer m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) aufmachen (und) · (sich) aufraffen · (sich) bemühen (um) · (sich) durchringen (zu) · ↗(sich) überwinden  ●  (den) inneren Schweinehund überwinden (und)  ugs. · ↗(sich) aufrappeln  ugs. · ↗(sich) bequemen  ugs. · ↗(sich) hochrappeln  ugs. · den Arsch hochkriegen  derb, fig.
Assoziationen
  • (die) Güte haben (und / zu) · ↗(sich) bereitfinden · (sich) erbarmen (und / zu) · ↗(sich) herablassen · ↗(sich) herbeilassen · die Freundlichkeit besitzen (und / zu) · so freundlich sein (und / zu) · so freundlich sein (zu) · so gnädig sein (zu) · so lieb sein (und)  ●  ↗geruhen  veraltet · (sich) bemüßigt fühlen  geh. · (sich) bemüßigt sehen  geh. · belieben zu  geh., veraltet
  • (sich) zusammennehmen (und) · (sich) zusammenreißen (und) · ↗(sich) zwingen  ●  (sich) am Riemen reißen  ugs.
  • (all) seinen Mut zusammennehmen · (es) schaffen (zu) · (es) über sich bringen · (etwas) übers Herz bringen · (seinem) Herzen einen Stoß geben · (sich) ein Herz fassen · (sich) ein Herz nehmen (und) · (sich) einen Ruck geben (und) · ↗(sich) trauen · ↗(sich) überwinden · ↗wagen  ●  ↗(sich) ermannen  altertümelnd · über seinen (eigenen) Schatten springen  fig.
  • (eine) Entscheidung treffen · (einen) Entschluss fassen · ↗(sich) durchringen · ↗(sich) entschließen  ●  ↗(sich) entscheiden  Hauptform
  • aus dem Quark kommen  ugs., fig. · aus dem Schuh kommen  ugs., fig. · aus den Puschen kommen  ugs., fig. · aus der Hüfte kommen  ugs. · den Arsch hochkriegen  derb, fig. · den Hintern hochkriegen  ugs., fig. · in die Gänge kommen  ugs. · in die Hufe kommen  ugs. · in die Puschen kommen  ugs. · in die Pötte kommen  ugs. · in die Strümpfe kommen  ugs., fig.
Antonyme
  • (sich) aufraffen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anstrengung Appell Applaus Energieleistung Entschluß Gegenwehr Handeln Höchstleistung Kraftakt Kraftanstrengung Seitenwechsel Spaziergang Staatengemeinschaft Tat Verurteilung Vorstoß alleine danach dazu einmal endlich irgendwann mal mühsam raffen schließlich stolpern wenigstens wieder zu

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufraffen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich rafft er sich auf, mit dem Vater den jammervollen Platz zu fliehen.
Süddeutsche Zeitung, 28.05.2001
Wie schaffen Sie es, sich in solchen Situationen dann doch aufzuraffen?
Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 213
Da rafft man sich schon auf, auch einmal nackt zu sein.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 67
Er hat sich aber nicht dazu aufraffen können, diesen Weg zu blockieren.
Die Zeit, 02.12.1966, Nr. 49
Noch einmal, und es war das letzte Mal, raffte Sturm sich auf.
Jens, Walter: Nein, München: Piper 1968 [1950], S. 97
Zitationshilfe
„aufraffen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aufraffen>, abgerufen am 10.12.2019.

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