Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

aufreißen

Grammatik Verb · reißt auf, riss auf, hat/ist aufgerissen
Aussprache 
Worttrennung auf-rei-ßen
Wortzerlegung auf- reißen1
Wortbildung  mit ›aufreißen‹ als Erstglied: Aufreißer
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. Geschlossenes gewaltsam öffnen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
etw. mit einem Ruck aufmachen
Beispiele:
die Tür, das Fenster, die Schublade (mit Ungestüm, plötzlich, weit) aufreißen
sich [Dativ] (vor Hitze, nach Atem ringend) das Hemd, die Bluse, den Kragen aufreißen
die Augen, den Mund (vor Schreck, Entrüstung, Staunen) aufreißen
jmdn. mit aufgerissenen Augen anstarren
salopp, übertragen
Beispiele:
Mund und Augen, Mund und Nase aufreißen (= völlig überrascht sein)
seine Klappe, das Maul aufreißen (= sich wichtig tun)
b)
etw. aufbrechen
Beispiele:
einen Brief, ein Siegel aufreißen
eine Packung Zigaretten, Tafel Schokolade aufreißen
die Straße, das Pflaster, den Fußboden (für Reparaturen) aufreißen
die Erde (mit dem Pflug) aufreißen (= umpflügen)
c)
etw. auseinanderreißen, zerreißen
Beispiele:
der Wind reißt die Wolken auf
der Blitz hat den Baum aufgerissen
ich habe mir an dem Dornenstrauch den Ärmel aufgerissen
etw. verletzen, wundreißen
Beispiel:
sich [Dativ] bei dem Sturz die Hände, Knie, Haut aufreißen
übertragen
Beispiel:
alte Wunden, Narben wieder aufreißen (= schmerzliche Erinnerungen aufrühren)
2.
auseinanderreißen, einen Riss bekommen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
die Wolken reißen auf
die Eisdecke reißt auf
das Wasserrohr reißt bei Frost auf
die Naht ist aufgerissen
Jeden Augenblick mußte die dünne Nebelschicht … aufreißen [ Hausm.Überfall164]
3.
jmdn., sich emporreißen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Er packte den Schläfer unter der Achsel und riß ihn auf [ WerfelAbituriententag223]
Es riß ihn förmlich von seinem Stuhl auf [ ZahnFrau Sixta139]
Er riß sich auf und flog den Abhang hinunter [ BüchnerLenz86]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reißen · Reißbrett · Reißzeug · Reißen · abreißen · Abriß · anreißen · aufreißen · Aufriß · ausreißen · einreißen · verreißen · zerreißen · Reißer
reißen Vb. ‘entzwei-, auseinandergehen, gewaltsam (in einzelne Teile) auseinandertrennen, an etw. ziehen, zerren, sich teilen, trennen, lösen, (von Raubtieren) ein Beutetier töten’, reflexiv ‘sich ritzen, sich verletzen’, ahd. rīʒan ‘einritzen, schreiben’ (9. Jh.), mhd. rīʒen ‘reißen, zerreißen, einritzen, schreiben, zeichnen’, asächs. wrītan ‘zerreißen, verwunden, einritzen, schreiben’, mnd. wrīten ‘reißen, schreiben, zeichnen’, mnl. rīten, nl. rijten, aengl. wrītan ‘einritzen, reißen, schreiben, zeichnen’, engl. to write ‘schreiben’, anord. rīta ‘einritzen, schreiben’. Sichere außergerm. Beziehungen finden sich nicht. Man versucht, im Hinblick auf griech. rhīnós (ῥινός) ‘Haut von Mensch und Tier, besonders Rindshaut, der aus Rindshaut hergestellte Schild’, rhī́nē (ῥίνη, aus *u̯rīnā) ‘Feile, Raspel’ die germ. Formen an eine Dentalableitung zu ie. *u̯rei-, *u̯rī-, Erweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘aufreißen, ritzen’, anzuschließen; s. auch reizen, Riß, ritzen. reißen bedeutet ursprünglich ‘ritzen’, speziell ‘(Runen)zeichen auf Buchenstäbchen einritzen’, dann ‘schreiben, zeichnen’ und (an ‘ritzen, einschneiden’ anschließend) ‘gewaltsam trennen’. Reißbrett n. ‘Brett als Unterlage zum Anfertigen technischer und geometrischer Zeichnungen’, Reißzeug n. ‘Geräte zum technischen Zeichnen’ (Reißfeder, -schiene, -zirkel u. a.) schließen als Bildungen des 17. Jhs. an reißen ‘zeichnen’ an. Reißen n. ‘Gliederschmerzen, Rheumatismus’ (18. Jh.). abreißen Vb. ‘losreißen, gewaltsam abtrennen, abgehen, sich lösen, niederreißen, abbrechen, abnutzen’, früher auch ‘ein Bild im Umriß entwerfen’, mhd. aberīʒen ‘herabreißen, entreißen, rauben’; Abriß m. ‘das Niederreißen, Abbruch, Zeichnung, Entwurf, gedrängte Darstellung, Überblick’ (16. Jh.). anreißen Vb. ‘ein kleines Stück einreißen, einen kleinen Riß anbringen, zu verbrauchen beginnen’, in der Technik ‘Linien, Formen von Werkstücken vorzeichnen’, umgangssprachlich ‘durch marktschreierische Methoden Käufer anlocken’ (15. Jh.). aufreißen Vb. ‘gewaltsam öffnen, auseinanderreißen, sich öffnen, aufplatzen’, mhd. ufrīʒen; in der Technik ‘einen Aufriß zeichnen’; Aufriß m. ‘Zeichnung eines senkrechten Schnittes oder der Außenseite eines Gegenstandes, gedrängter Überblick, kurze Darstellung’ (17. Jh.). ausreißen Vb. ‘herausreißen, herausziehen, durch Reißen entfernen, durch Reißen kaputtgehen, sich lösen, die Flucht ergreifen, davonlaufen’, ahd. ūʒrīʒan (Hs. 12. Jh.), mhd. ūʒrīʒen; vgl. Reißaus nehmen ‘davonlaufen, fliehen’ (Ende 16. Jh.), aus dem Imperativ reiß aus! einreißen Vb. ‘einen Riß bekommen, einen Riß verursachen, abbrechen, zerstören, zur Gewohnheit werden’, frühnhd. ‘überhandnehmen’ (15. Jh.). verreißen Vb. ‘vernichtend kritisieren’, zuvor ‘durch vieles Tragen zerreißen (von Kleidern), in Stücke reißen, vernichten’, mhd. verrīʒen ‘zerreißen’. zerreißen Vb. ‘(gewaltsam) trennen, in Stücke reißen, auseinanderreißen, (durch Abnutzung) entzweigehen, ein Loch in ein Kleidungsstück reißen’, mhd. zerrīʒen ‘zerreißen, zerfetzen, zerfleischen’. Reißer m. ‘wer reißt, zerreißt, Gerät zum Zerreißen von Textilien’ (17. Jh.), ‘wer Käufer in den Laden lockt’ (gleichsam an sich reißt, s. oben anreißen), dann auch ‘Artikel, der sich gut verkauft’ sowie ‘spannungsvolles, auf Publikumswirksamkeit berechnetes Bühnenstück, Buch, Filmwerk’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›aufreißen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufreißen‹.

Verwendungsbeispiele für ›aufreißen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich erinnere mich an die aufgerissenen Mäuler der Tiere, es war sehr gruselig. [Die Zeit, 25.11.2013, Nr. 47]
Das Foto zeigt sie mit weit aufgerissenem Mund, aber sprachlos. [Die Zeit, 03.05.2013 (online)]
Ein ausgewachsener Baum ragt aus dem aufgerissenen Dach eines Audi heraus. [Die Zeit, 18.02.2008, Nr. 07]
Mit weit aufgerissenen Augen drückt er sich eng an die Wand und beginnt, hektisch zu atmen. [Die Zeit, 26.05.1989, Nr. 22]
Da ist das Kind, mit den noch immer schreckensweit aufgerissenen Augen. [Die Zeit, 21.10.1983, Nr. 43]
Zitationshilfe
„aufreißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aufrei%C3%9Fen#1>.

Weitere Informationen …

aufreißen

Grammatik Verb · reißt auf, riss auf, hat aufgerissen
Aussprache 
Worttrennung auf-rei-ßen
Wortzerlegung auf- reißen2
Wortbildung  mit ›aufreißen‹ als Grundform: Aufriss

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [Technik] etw. aufzeichnen
  2. 2. etw. im Überblick darstellen
eWDG

Bedeutungen

1.
Technik etw. aufzeichnen
Beispiel:
ein Modell, einen Entwurf aufreißen
2.
etw. im Überblick darstellen
Beispiel:
Probleme, Perspektiven aufreißen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reißen · Reißbrett · Reißzeug · Reißen · abreißen · Abriß · anreißen · aufreißen · Aufriß · ausreißen · einreißen · verreißen · zerreißen · Reißer
reißen Vb. ‘entzwei-, auseinandergehen, gewaltsam (in einzelne Teile) auseinandertrennen, an etw. ziehen, zerren, sich teilen, trennen, lösen, (von Raubtieren) ein Beutetier töten’, reflexiv ‘sich ritzen, sich verletzen’, ahd. rīʒan ‘einritzen, schreiben’ (9. Jh.), mhd. rīʒen ‘reißen, zerreißen, einritzen, schreiben, zeichnen’, asächs. wrītan ‘zerreißen, verwunden, einritzen, schreiben’, mnd. wrīten ‘reißen, schreiben, zeichnen’, mnl. rīten, nl. rijten, aengl. wrītan ‘einritzen, reißen, schreiben, zeichnen’, engl. to write ‘schreiben’, anord. rīta ‘einritzen, schreiben’. Sichere außergerm. Beziehungen finden sich nicht. Man versucht, im Hinblick auf griech. rhīnós (ῥινός) ‘Haut von Mensch und Tier, besonders Rindshaut, der aus Rindshaut hergestellte Schild’, rhī́nē (ῥίνη, aus *u̯rīnā) ‘Feile, Raspel’ die germ. Formen an eine Dentalableitung zu ie. *u̯rei-, *u̯rī-, Erweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘aufreißen, ritzen’, anzuschließen; s. auch reizen, Riß, ritzen. reißen bedeutet ursprünglich ‘ritzen’, speziell ‘(Runen)zeichen auf Buchenstäbchen einritzen’, dann ‘schreiben, zeichnen’ und (an ‘ritzen, einschneiden’ anschließend) ‘gewaltsam trennen’. Reißbrett n. ‘Brett als Unterlage zum Anfertigen technischer und geometrischer Zeichnungen’, Reißzeug n. ‘Geräte zum technischen Zeichnen’ (Reißfeder, -schiene, -zirkel u. a.) schließen als Bildungen des 17. Jhs. an reißen ‘zeichnen’ an. Reißen n. ‘Gliederschmerzen, Rheumatismus’ (18. Jh.). abreißen Vb. ‘losreißen, gewaltsam abtrennen, abgehen, sich lösen, niederreißen, abbrechen, abnutzen’, früher auch ‘ein Bild im Umriß entwerfen’, mhd. aberīʒen ‘herabreißen, entreißen, rauben’; Abriß m. ‘das Niederreißen, Abbruch, Zeichnung, Entwurf, gedrängte Darstellung, Überblick’ (16. Jh.). anreißen Vb. ‘ein kleines Stück einreißen, einen kleinen Riß anbringen, zu verbrauchen beginnen’, in der Technik ‘Linien, Formen von Werkstücken vorzeichnen’, umgangssprachlich ‘durch marktschreierische Methoden Käufer anlocken’ (15. Jh.). aufreißen Vb. ‘gewaltsam öffnen, auseinanderreißen, sich öffnen, aufplatzen’, mhd. ufrīʒen; in der Technik ‘einen Aufriß zeichnen’; Aufriß m. ‘Zeichnung eines senkrechten Schnittes oder der Außenseite eines Gegenstandes, gedrängter Überblick, kurze Darstellung’ (17. Jh.). ausreißen Vb. ‘herausreißen, herausziehen, durch Reißen entfernen, durch Reißen kaputtgehen, sich lösen, die Flucht ergreifen, davonlaufen’, ahd. ūʒrīʒan (Hs. 12. Jh.), mhd. ūʒrīʒen; vgl. Reißaus nehmen ‘davonlaufen, fliehen’ (Ende 16. Jh.), aus dem Imperativ reiß aus! einreißen Vb. ‘einen Riß bekommen, einen Riß verursachen, abbrechen, zerstören, zur Gewohnheit werden’, frühnhd. ‘überhandnehmen’ (15. Jh.). verreißen Vb. ‘vernichtend kritisieren’, zuvor ‘durch vieles Tragen zerreißen (von Kleidern), in Stücke reißen, vernichten’, mhd. verrīʒen ‘zerreißen’. zerreißen Vb. ‘(gewaltsam) trennen, in Stücke reißen, auseinanderreißen, (durch Abnutzung) entzweigehen, ein Loch in ein Kleidungsstück reißen’, mhd. zerrīʒen ‘zerreißen, zerfetzen, zerfleischen’. Reißer m. ‘wer reißt, zerreißt, Gerät zum Zerreißen von Textilien’ (17. Jh.), ‘wer Käufer in den Laden lockt’ (gleichsam an sich reißt, s. oben anreißen), dann auch ‘Artikel, der sich gut verkauft’ sowie ‘spannungsvolles, auf Publikumswirksamkeit berechnetes Bühnenstück, Buch, Filmwerk’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›aufreißen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufreißen‹.

Verwendungsbeispiele für ›aufreißen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich erinnere mich an die aufgerissenen Mäuler der Tiere, es war sehr gruselig. [Die Zeit, 25.11.2013, Nr. 47]
Das Foto zeigt sie mit weit aufgerissenem Mund, aber sprachlos. [Die Zeit, 03.05.2013 (online)]
Ein ausgewachsener Baum ragt aus dem aufgerissenen Dach eines Audi heraus. [Die Zeit, 18.02.2008, Nr. 07]
Mit weit aufgerissenen Augen drückt er sich eng an die Wand und beginnt, hektisch zu atmen. [Die Zeit, 26.05.1989, Nr. 22]
Da ist das Kind, mit den noch immer schreckensweit aufgerissenen Augen. [Die Zeit, 21.10.1983, Nr. 43]
Zitationshilfe
„aufreißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aufrei%C3%9Fen#2>.

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