aufrichten

GrammatikVerb · richtete auf, hat aufgerichtet
Aussprache
Worttrennungauf-rich-ten (computergeneriert)
Wortzerlegungauf-richten1
Wortbildung mit ›aufrichten‹ als Erstglied: ↗Aufrichtung  ·  mit ›aufrichten‹ als Letztglied: ↗wiederaufrichten
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
sich, jmdn., etw. aus gebückter Haltung, aus dem Liegen hochrichten
Beispiele:
er hatte sich hoch aufgerichtet
sie stand straff aufgerichtet
sich stramm, steil, majestätisch, zur vollen Länge, halb aufrichten
der Gestürzte richtete sich nur mühsam, langsam auf
sich an jmds. Arm, an seinem Stock wieder aufrichten
die Getreidehalme richten sich nach dem Regen wieder auf
einen Knieenden, Ohnmächtigen, Gestürzten (vom Boden) aufrichten
den Oberkörper, seinen Rücken aufrichten
eine Leiter zum Pflücken aufrichten
das Bauholz an der Baustelle aufrichten
ein aufgerichteter Mantelkragen
Mines gebückter Rücken richtete sich auf [ViebigErde146]
Und der Leu mit Gebrüll / Richtet sich auf [SchillerHandschuh]
Bauschans Ohren sind aufgerichtet (= gespitzt) [Th. MannHerr u. Hund9,546]
2.
übertragen jmdn., sich innerlich stärken, wieder ermutigen
Beispiele:
jmdn. mit trostreichen Worten, durch guten Zuspruch aufrichten
sich in seiner Verzweiflung, Trauer an etw., jmdm. aufrichten
etw. wieder beleben
Beispiele:
jmds. Mut, Stolz, Lebensgeister aufrichten
er hat mein Selbstvertrauen wieder aufgerichtet
3.
etw. errichten
Beispiele:
einen Palast, ein Denkmal, eine Mauer, einen Zaun, eine Schranke, ein Hindernis aufrichten
das Haus wurde an der gleichen Stelle wieder aufgerichtet
Zelte aufrichten
eine neue Gesellschaftsordnung aufrichten
Ordnung, Friede und Sicherheit ... aufzurichten [RaabeSchüdderumpIII 1,29]
die proletarische Diktatur aufzurichten [Thälm.Reden1,174]
4.
süddeutsch etw. aufarbeiten
Beispiele:
alte Polstermöbel aufrichten
Sohle und Absätz aufrichten (= ausbessern) [L. FrankRäuberbande1,63]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

richten · Richtung · Richter · richterlich · Richtstätte · Richtbeil · Richtscheit · Richtschnur · Richtfest · anrichten · Anrichte · aufrichten · einrichten · errichten · verrichten · vorrichten · zurichten
richten Vb. ‘etw. Krummes gerademachen, in eine gerade Lage, Stellung, Richtung bringen, auf ein Ziel hinlenken, in Ordnung bringen, Recht sprechen’, ahd. (8. Jh.), mhd. rihten ‘recht, gerademachen, in eine Richtung bringen, aufrichten, aufstellen, in Ordnung bringen, fertigmachen, er-, einrichten, gestalten, herrschen, regieren, Recht sprechen’, asächs. rihtian, mnd. richten, mnl. rechten, richten, nl. rechten, aengl. rihtan, engl. to right, anord. rētta, schwed. räta, got. garaíhtjan (germ. *rehtjan) sind Faktitiva im Sinne von ‘gerademachen’ zu dem unter ↗recht (s. d.) behandelten Adjektiv. Richtung f. ‘das Gerademachen, gerade, aufrechte Haltung’ (2. Hälfte 18. Jh.), ‘Gerichtetsein, Verlauf, Wendung auf ein Ziel zu’ (Ende 18. Jh.), ‘Strömung, Bewegung’ in Kultur, Politik (Anfang 19. Jh.), abgeleitet vom oben genannten Verb in seinen verschiedenen Bedeutungen, in älterer Sprache vornehmlich an ‘herrschen, regieren, Recht sprechen’ anknüpfend, vgl. ahd. rihtunga ‘Gericht, (Ordens)regel, Leitung, Verwaltung’ (8. Jh.), mhd. rihtunge ‘Gericht, gerichtliche Entscheidung, Urteil’. Richter m. ‘wer über etw., jmdn. richtet, mit der Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten Beauftragter’, ahd. rihtāri ‘Leiter, Richter’ (8. Jh.), mhd. rihtære, rihter ‘Lenker, Ordner, Oberherr, Regent, Richter’; richterlich Adj. ‘den Richter und sein Amt betreffend, auf ihm beruhend, zu ihm gehörend’ (16. Jh.). Richtstätte f. ‘Platz für Hinrichtungen’ (19. Jh.), zuvor Richtstatt (16. Jh., älter ‘Gerichtsstätte’, 15. Jh.). Richtbeil n. ‘Beil, mit dem ein zum Tode Verurteilter enthauptet wird’ (17. Jh.). Richtscheit n. Richtlatte der Bauhandwerker, mhd. riht(e)schīt. Richtschnur f. ‘gespannte Schnur zum Bezeichnen gerader Linien’ (15. Jh.), übertragen ‘Grundsatz, Leitlinie, Norm’ (1. Hälfte 16. Jh.). Richtfest n. ‘Fest nach Aufrichtung des Dachstuhls’ (19. Jh.), auch Richtessen, Richtschmaus. anrichten Vb. ‘zum Essen fertigmachen, auftragen, bereitstellen, Schaden verursachen, zustande bringen’ (14. Jh.); Anrichte f. ‘Raum, Tisch zum Zubereiten, Bereitstellen von Speisen, niedriger Schrank für Geschirr’, mhd. anrihte. aufrichten Vb. ‘geraderichten, senkrecht stellen, errichten, trösten, Mut zusprechen’, ahd. ūfrihten ‘emporstrecken’ (9. Jh.), mhd. ūfrihten ‘aufstellen, ins Werk setzen, trösten’. einrichten Vb. ‘ausstatten’ (mit Möbeln, Geräten), ‘zur öffentlichen Nutzung gründen, nach bestimmten Gesichtspunkten gestalten, passend machen’, reflexiv ‘sich den Gegebenheiten, der Lage anpassen’ (15. Jh.). errichten Vb. ‘aufstellen, bilden’ (17. Jh.); vgl. ahd. irrihten ‘auf-, einrichten’ (um 800). verrichten Vb. ‘(ordnungsgemäß) ausführen, erledigen’, mhd. verrihten ‘in Ordnung bringen, einrichten’. vorrichten Vb. ‘zurechtmachen, vorbereiten, erneuern’ (16. Jh.), mhd. vürrihten ‘hervorstrecken’. zurichten Vb. ‘herrichten, vorbereiten’, mhd. zuorihten. Aus übel zurichten (16. Jh.) entwickelt zurichten den Sinn von ‘beschädigen, mißhandeln’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) aufrichten · ↗(sich) wieder beleben · ↗auferstehen · ↗aufleben · ↗erstarken · geheilt werden · ↗genesen · gesund werden · ↗gesunden  ●  ↗(sich) aufrappeln  ugs. · ↗(sich) hochrappeln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (wieder) ganz der Alte sein · (wieder) zur alten Form auflaufen · wieder (voll) da sein · zu neuen Kräften gekommen sein
Antonyme
  • (sich) aufrichten
Synonymgruppe
aufbeugen · aufrichten · ↗hochkommen
Synonymgruppe
anlegen · ↗aufbauen · aufrichten · ↗aufstellen · ↗erbauen · ↗errichten · ↗erstellen · ↗erzeugen · ↗hinstellen · ↗hochziehen · ↗konstruieren · ↗schaffen  ●  ↗hinklotzen  derb
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) aufrichten · ↗(sich) erheben · ↗aufschnellen · ↗aufspringen · ↗aufstehen
Assoziationen
Synonymgruppe
(den) Kopf hochnehmen · (sich) aufrichten · ↗(sich) aufsetzen · ↗(sich) emporrecken · ↗(sich) hochrecken
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) (wieder) Auftrieb geben · (jemandem) Mut machen · (jemandem) Mut zusprechen · ↗(jemanden) (wieder) aufbauen · (jemanden) (wieder) aufrichten
Assoziationen
  • Kopf hoch! · das wird schon wieder! · lass dich nicht fertig machen! · lass dich nicht hängen! · lass dich nicht unterkriegen! · nicht aufgeben! · noch ist Polen nicht verloren!  ●  das wäre doch gelacht (wenn du nicht ...)  veraltend
  • Balsam für die Seele · ↗Trost · ↗Tröstung · ↗Zuspruch · gutes Zureden · warme Worte  ●  ↗Seelenmassage  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ballon Barriere Bett Boot Damm Grabstein Herrschaft Hinterbein Härchen Hürde Kran Mast Oberkörper Scheidewand Schranke Schutzwall Selbstbewußtsein Sessel Turm Wirbelsäule bücken kerzengerade langsam mühsam richten senkrecht steil stöhnend trösten wieder

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufrichten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann richtete er sich auf, zögernd, ohne sie aus den Augen zu lassen.
Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 208
Der ist international eine Nummer, an dem kann man sich aufrichten.
Süddeutsche Zeitung, 20.07.2001
Aber Ihre Bücher bleiben nicht im Leid stecken, sie richten sich auf - und ich bin ganz begeistert von dieser Kraft, von diesem starken Ton.
Der Tagesspiegel, 06.04.1998
Als außer ihm niemand mehr im Zimmer war, richtete sie sich auf.
Neue deutsche Literatur, 1953, Nr. 2, Bd. 1
Sie gingen den Weg zurück, den sie gekommen waren, Arm in Arm, hoch aufgerichtet.
Braun, Lily: Lebenssucher. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 2597
Zitationshilfe
„aufrichten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aufrichten>, abgerufen am 21.11.2018.

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