aufrichten

Grammatik Verb · richtet auf, richtete auf, hat aufgerichtet
Aussprache 
Worttrennung auf-rich-ten
Wortzerlegung auf- richten1
Wortbildung  mit ›aufrichten‹ als Erstglied: Aufrichtefest · Aufrichtfest · Aufrichtung
 ·  mit ›aufrichten‹ als Letztglied: wiederaufrichten  ·  mit ›aufrichten‹ als Grundform: Aufrichte
eWDG

Bedeutungen

1.
sich, jmdn., etw. aus gebückter Haltung, aus dem Liegen hochrichten
Beispiele:
er hatte sich hoch aufgerichtet
sie stand straff aufgerichtet
sich stramm, steil, majestätisch, zur vollen Länge, halb aufrichten
der Gestürzte richtete sich nur mühsam, langsam auf
sich an jmds. Arm, an seinem Stock wieder aufrichten
die Getreidehalme richten sich nach dem Regen wieder auf
einen Knieenden, Ohnmächtigen, Gestürzten (vom Boden) aufrichten
den Oberkörper, seinen Rücken aufrichten
eine Leiter zum Pflücken aufrichten
das Bauholz an der Baustelle aufrichten
ein aufgerichteter Mantelkragen
Mines gebückter Rücken richtete sich auf [ ViebigErde146]
Und der Leu mit Gebrüll / Richtet sich auf [ SchillerHandschuh]
Bauschans Ohren sind aufgerichtet (= gespitzt) [ Th. MannHerr u. Hund9,546]
2.
übertragen jmdn., sich innerlich stärken, wieder ermutigen
Beispiele:
jmdn. mit trostreichen Worten, durch guten Zuspruch aufrichten
sich in seiner Verzweiflung, Trauer an etw., jmdm. aufrichten
etw. wieder beleben
Beispiele:
jmds. Mut, Stolz, Lebensgeister aufrichten
er hat mein Selbstvertrauen wieder aufgerichtet
3.
etw. errichten
Beispiele:
einen Palast, ein Denkmal, eine Mauer, einen Zaun, eine Schranke, ein Hindernis aufrichten
das Haus wurde an der gleichen Stelle wieder aufgerichtet
Zelte aufrichten
eine neue Gesellschaftsordnung aufrichten
Ordnung, Friede und Sicherheit … aufzurichten [ RaabeSchüdderumpIII 1,29]
die proletarische Diktatur aufzurichten [ Thälm.Reden1,174]
4.
süddeutsch etw. aufarbeiten
Beispiele:
alte Polstermöbel aufrichten
Sohle und Absätz aufrichten (= ausbessern) [ L. FrankRäuberbande1,63]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

richten · Richtung · Richter · richterlich · Richtstätte · Richtbeil · Richtscheit · Richtschnur · Richtfest · anrichten · Anrichte · aufrichten · einrichten · errichten · verrichten · vorrichten · zurichten
richten Vb. ‘etw. Krummes gerademachen, in eine gerade Lage, Stellung, Richtung bringen, auf ein Ziel hinlenken, in Ordnung bringen, Recht sprechen’, ahd. (8. Jh.), mhd. rihten ‘recht, gerademachen, in eine Richtung bringen, aufrichten, aufstellen, in Ordnung bringen, fertigmachen, er-, einrichten, gestalten, herrschen, regieren, Recht sprechen’, asächs. rihtian, mnd. richten, mnl. rechten, richten, nl. rechten, aengl. rihtan, engl. to right, anord. rētta, schwed. räta, got. garaíhtjan (germ. *rehtjan) sind Faktitiva im Sinne von ‘gerademachen’ zu dem unter recht (s. d.) behandelten Adjektiv. Richtung f. ‘das Gerademachen, gerade, aufrechte Haltung’ (2. Hälfte 18. Jh.), ‘Gerichtetsein, Verlauf, Wendung auf ein Ziel zu’ (Ende 18. Jh.), ‘Strömung, Bewegung’ in Kultur, Politik (Anfang 19. Jh.), abgeleitet vom oben genannten Verb in seinen verschiedenen Bedeutungen, in älterer Sprache vornehmlich an ‘herrschen, regieren, Recht sprechen’ anknüpfend, vgl. ahd. rihtunga ‘Gericht, (Ordens)regel, Leitung, Verwaltung’ (8. Jh.), mhd. rihtunge ‘Gericht, gerichtliche Entscheidung, Urteil’, asächs. richtunga, mnd. richtunge. Richter m. ‘wer über etw., jmdn. richtet, mit der Entscheidung von Rechtsstreitigkeiten Beauftragter’, ahd. rihtāri ‘Leiter, Richter’ (8. Jh.), mhd. rihtære, rihter ‘Lenker, Ordner, Oberherr, Regent, Richter’; richterlich Adj. ‘den Richter und sein Amt betreffend, auf ihm beruhend, zu ihm gehörend’ (16. Jh.). Richtstätte f. ‘Platz für Hinrichtungen’ (19. Jh.), zuvor Richtstatt (16. Jh., älter ‘Gerichtsstätte’, 15. Jh.). Richtbeil n. ‘Beil, mit dem ein zum Tode Verurteilter enthauptet wird’ (17. Jh.). Richtscheit n. Richtlatte der Bauhandwerker, mhd. riht(e)schīt. Richtschnur f. ‘gespannte Schnur zum Bezeichnen gerader Linien’ (15. Jh.), übertragen ‘Grundsatz, Leitlinie, Norm’ (1. Hälfte 16. Jh.). Richtfest n. ‘Fest nach Aufrichtung des Dachstuhls’ (19. Jh.), auch Richtessen, Richtschmaus. anrichten Vb. ‘zum Essen fertigmachen, auftragen, bereitstellen, Schaden verursachen, zustande bringen’ (14. Jh.); Anrichte f. ‘Raum, Tisch zum Zubereiten, Bereitstellen von Speisen, niedriger Schrank für Geschirr’, mhd. anrihte. aufrichten Vb. ‘geraderichten, senkrecht stellen, errichten, trösten, Mut zusprechen’, ahd. ūfrihten ‘emporstrecken’ (9. Jh.), mhd. ūfrihten ‘aufstellen, ins Werk setzen, trösten’. einrichten Vb. ‘ausstatten’ (mit Möbeln, Geräten), ‘zur öffentlichen Nutzung gründen, nach bestimmten Gesichtspunkten gestalten, passend machen’, reflexiv ‘sich den Gegebenheiten, der Lage anpassen’ (15. Jh.). errichten Vb. ‘aufstellen, bilden’ (17. Jh.); vgl. ahd. irrihten ‘auf-, einrichten’ (um 800). verrichten Vb. ‘(ordnungsgemäß) ausführen, erledigen’, mhd. verrihten ‘in Ordnung bringen, einrichten’. vorrichten Vb. ‘zurechtmachen, vorbereiten, erneuern’ (16. Jh.), mhd. vürrihten ‘hervorstrecken’. zurichten Vb. ‘herrichten, vorbereiten’, mhd. zuorihten. Aus übel zurichten (16. Jh.) entwickelt zurichten den Sinn von ‘beschädigen, mißhandeln’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) aufrichten · (sich) erholen · (sich) wieder beleben · auferstehen · aufleben · erstarken · geheilt werden · genesen · gesund werden · gesunden  ●  (sich) aufrappeln  ugs. · (sich) hochrappeln  ugs.
Oberbegriffe
Antonyme
  • (sich) aufrichten
Synonymgruppe
aufbeugen · aufrichten · hochkommen
Synonymgruppe
(den) Kopf hochnehmen · (sich) aufrichten · (sich) aufsetzen · (sich) emporrecken · (sich) gerade hinsetzen · (sich) hochrecken
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) (wieder) Auftrieb geben · (jemandem) Mut machen · (jemandem) Mut zusprechen · (jemanden) (wieder) aufbauen · (jemanden) (wieder) aufrichten
Assoziationen
  • Kopf hoch! · das wird schon wieder! · lass dich nicht fertig machen! · lass dich nicht hängen! · lass dich nicht unterkriegen! · nicht aufgeben!  ●  das wäre doch gelacht (wenn du nicht ...)  veraltend · noch ist Polen nicht verloren!  sprichwörtlich
Synonymgruppe
(sich) aufrichten · Haltung annehmen · gerade stehen
Assoziationen
  • Haltung annehmen · in Grundstellung gehen · stramm stehen · strammstehen  ●  (die) Grundstellung einnehmen  militärisch

Typische Verbindungen zu ›aufrichten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufrichten‹.

Verwendungsbeispiele für ›aufrichten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann richtete er sich auf, zögernd, ohne sie aus den Augen zu lassen. [Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 208]
Aber er richtete sich nicht in jugendlicher Schönheit wieder auf. [Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980 [1980], S. 319]
Als außer ihm niemand mehr im Zimmer war, richtete sie sich auf. [Neue deutsche Literatur, 1953, Nr. 2, Bd. 1]
Ich richtete mich auf, den Alp abzuschütteln, meiner Sinne Herr zu werden. [Noack, Viktor: Kain. In: Die Neue Gesellschaft, 25.09.1907, S. 412]
Dies hier ist mehr, selbständig richtet es sich neben der Kirche auf. [Tucholsky, Kurt: Ein Pyrenäenbuch. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1927], S. 8232]
Zitationshilfe
„aufrichten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aufrichten>.

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