Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

aufschlagen

Grammatik Verb · schlägt auf, schlug auf, ist/hat aufgeschlagen
Aussprache  [ˈaʊ̯fʃlaːgn̩]
Worttrennung auf-schla-gen
Wortzerlegung auf- schlagen
Wortbildung  mit ›aufschlagen‹ als Erstglied: Aufschlagzünder · Aufschläger  ·  mit ›aufschlagen‹ als Grundform: Aufschlag

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨jmd., etw. schlägt (mit etw.) (auf etw.) auf⟩ aufprallen, (beim Niederfallen) auftreffen
  2. 2. ⟨jmd. schlägt (etw., mit etw.) (auf etw.) auf⟩ einen Schlag oder eine Folge von (rhythmischen) Schlägen auf eine Oberfläche auftreffen lassen
  3. 3. ⟨jmd. schlägt sich etw. auf⟩ durch einen Sturz, Aufprall, Fall o. Ä. verletzen
  4. 4. ⟨jmd. schlägt etw. auf⟩ etw. Geschlossenes öffnen
    1. a) von mehrseitigen Schriftstücken, Büchern o. Ä.: aufblättern, eine bestimmte Stelle, Seite öffnen
    2. b) durch Aufklappen eines Bestandteils öffnen
    3. c) zurückschlagen, (nach außen) umschlagen
    4. d) durch einen Schlag, mehrere Schläge öffnen, unter hoher Krafteinwirkung, gewaltsam aufbrechen
    5. e) ⟨die Augen aufschlagen⟩
  5. 5. ⟨jmd. schlägt etw. auf⟩ hochschlagen, hochklappen, aufkrempeln
  6. 6. ⟨jmd. schlägt etw. auf⟩ (durch Zusammenfügen von Einzelteilen) errichten, aufbauen
    1. ● [bildlich] sich an einem Ort für einen meist längeren Zeitraum niederlassen, einquartieren, ansiedeln
  7. 7. ⟨jmd. schlägt (auf etw.) (etw.) auf⟩ den Preis erhöhen, heraufsetzen; einem Betrag, einer Summe als Preisaufschlag hinzurechnen
  8. 8. ⟨etw. schlägt auf⟩ teurer werden, im Preis anziehen, steigen
  9. 9. [umgangssprachlich] ⟨jmd., etw. schlägt auf⟩ (an einem Ort) auftauchen, erscheinen
  10. 10. [veraltend] ⟨etw. schlägt auf⟩ plötzlich in die Höhe schlagen, auflodern
    1. ● [bildlich] sich frei, voll entfalten; voller Hingabe, vehement erlebt, empfunden werden
  11. 11. [Ballsport] ⟨jmd. schlägt auf⟩ ein Spiel, einen Satz, eine Spielserie o. Ä. mit dem ersten Schlag des Spielgeräts (über das Netz) eröffnen; zu einem Spiel, einer Partie antreten
  12. 12. [Kochkunst] ⟨jmd. schlägt etw. auf⟩ durch schnelle Bewegungen mit einem Küchengerät bearbeiten, sodass ein bestimmter Zustand erreicht wird
  13. 13. [Handarbeit] ⟨jmd. schlägt auf⟩ die ersten Maschen auf die Nadel bringen
  14. 14. [selten] [Kartenspiel] ⟨jmd. schlägt etw. auf⟩ aufdecken; ausspielen, offen hinlegen
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
jmd., etw. schlägt (mit etw.) (auf etw.) aufaufprallen, (beim Niederfallen) auftreffen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: unten, hart aufschlagen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: auf den Asphalt, Boden, Felsen aufschlagen
Beispiele:
mit der Stirn, dem Hinterkopf beim Sturz aufschlagenWDG
krachend schlug das abstürzende Flugzeug auf den Boden aufWDG
hart auf die, auf der Erde, Wasseroberfläche, Tischkante aufschlagenWDG
Die 78‑jährige Autofahrerin bemerkte die Frau offensichtlich nicht und erfasste sie mit ihrem Wagen beim Linksabbiegen. Die Passantin schlug auf der Motorhaube des Fahrzeugs auf. [POL-PPWP: Beim Abbiegen Fußgängerin angefahren, 14.01.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Der Ältere fiel um und riss einen 22‑jährigen Freund mit, der mit dem Kopf auf dem Pflaster aufschlug und sich eine stark blutende Kopfplatzwunde zuzog. [Fränkischer Tag, 26.11.2018]
Ihre Ellenbogen schlagen unsanft auf den Boden auf und ich kann gleich nach dem Aufprall einen kleinen roten Bach aus Blut erkennen. [Alles meine Schuld, 19.06.2016, aufgerufen am 01.09.2020]
Sie [eine Welle] rollt an, ganz langsam, baut sich auf andere Wellen auf, wird höher, schlägt auf der Wasseroberfläche auf und ebbt langsam wieder ab. [Über Ich-losigkeit, Urvertrauen und Wirklichkeit, 30.11.2015, aufgerufen am 18.09.2020]
Die Maschine […] sei auf dem Flughafen von Antalya mit dem rechten Triebwerk aufgeschlagen, nachdem ein Fahrwerk eingebrochen sei, berichteten türkische Medien. [Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011]
Das Auto krachte, sich mehrmals überschlagend, den Abhang hinab, bis es schließlich unten in dem ausgetrockneten Bachbett auf den Rädern aufschlug. [Russell, Christine / Stimpson, Colin: Die Schafgäääng. Stuttgart [u. a.] 2011]
Ein 24‑Jähriger aus Aachen traktierte das Opfer bei dem blutigen Streit besonders brutal und schlug ihm mit einer Bierflasche so heftig auf den Kopf, dass der 42‑Jährige zusammenbrach und ungebremst auf der Straße aufschlug. [Aachener Zeitung, 02.01.2008]
Energisch pfeffern sie Buben und Damen auf die hellen Tischplatten, sodass Fingerknöchel hörbar aufschlagen. [Rhein-Zeitung, 05.05.2007]
Bis zum Ende [der Inlinehockey-Sportveranstaltung] lief alles glatt. Dann aber traf mich unglücklich der Schläger meines Gegenübers. Und als ich mich in einen Torschuss hechtete, bin ich mit dem Kinn aufgeschlagen. [Thüringer Allgemeine, 20.06.2001]
2.
jmd. schlägt (etw., mit etw.) (auf etw.) aufeinen Schlag oder eine Folge von (rhythmischen) Schlägen auf eine Oberfläche auftreffen lassen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Fürs Flegeldreschen gab es feste Regeln, auf die man zu achten hatte: Im Takt bleiben; mit der ganzen Länge des Schlegels aufschlagen; den Stiel locker halten, damit der Schlegel nicht abdreht; […]. [Leipziger Volkszeitung, 06.11.2003]
Zum Ohrwurm [der Darbietung des Jugendorchesters] entwickelte sich »When I’m gone« aus dem Musikfilm Pitch Perfect. Auch die jungen Püttlinger Musikerinnen zeigten dabei, dass leere Plastikbecher, rhythmisch verschoben und aufgeschlagen, zu Musikinstrumenten werden können. [Saarbrücker Zeitung, 07.05.2014]
Das, was [der Musiker] Jamie Smith da an seinen Apparaturen zaubert, ist genial. Dabei noch so verdammt lässig und cool auszusehen, während er mit der einen Hand am Mischpult herumschraubt und mit der anderen der [sic!, den] Drumstick auf das goldene Becken aufschlägt, ist noch genialer. [The xx Night & Day, Spreepark, Berlin, 23.05.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
[…] die Männer schlugen im Takte mit den Absätzen auf […] [ Keyserlingin: Dt. Erzähler1,35]WDG
3.
jmd. schlägt sich etw. aufdurch einen Sturz, Aufprall, Fall o. Ä. verletzen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Dann sei sie gestolpert, hingefallen und habe sich den Ellenbogen aufgeschlagen. [Süddeutsche Zeitung, 13.05.2014]
Ich bin vor einigen Wochen morgens früh im Berufsverkehr in der Mozartstraße unfreiwillig über den Lenker abgestiegen und habe mir das Kinn so aufgeschlagen, dass es genäht werden musste. [Rhein-Zeitung, 27.07.2013]
Er war bei einem Sprung von einem Zug hingefallen und hatte sich das Knie aufgeschlagen. [Russell, Christine / Stimpson, Colin: Die Schafgäääng. Stuttgart [u. a.] 2011]
Sie hatte sich das linke Knie aufgeschlagen, die Hand, mit der sie sich hatte abstützen wollen, war böse aufgeschürft und in der Haut steckten kleine Steinchen. [Gaiman, Neil / Krutz-Arnold, Cornelia: Coraline. Würzburg 2009]
Ich glitt aus und schlug mir das Schienbein auf, ich sprang aus der Wanne und knallte mit dem Handtuch an die Wanne. [Berliner Zeitung, 27.01.1949]
4.
jmd. schlägt etw. aufetw. Geschlossenes öffnen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
von mehrseitigen Schriftstücken, Büchern o. Ä.   aufblättern, eine bestimmte Stelle, Seite öffnen
in gegensätzlicher Bedeutung zu zuschlagen (5 b)
Beispiele:
ein Buch, eine Zeitung, die Akten aufschlagenWDG
eine Stelle, einige Seiten in einem Buch aufschlagenWDG
Zur Zeit haben die Mönche [in der Ausstellung] eine Luther‑Bibel aus dem 16. Jahrhundert ausgelegt und die Weihnachtsgeschichte aufgeschlagen. [Münchner Merkur, 23.12.2020]
Vor seiner Zwischenbilanz hatte Richter R[…] noch einmal eines der eher unterhaltsamen Kapitel dieses Gerichtsverfahrens aufschlagen lassen. [Die Welt, 20.12.2013]
Es gibt einen Film, den ich mir immer und immer wieder ansehen könnte […]. In Buchform sind es eher Reiseführer, Wörterbücher oder Nachschlagewerke, die bei mir in gewisser Regelmäßigkeit aufgeschlagen werden. [Ich mach da mal mit …, 14.11.2010, aufgerufen am 01.09.2020]
Und ich schlug die Fibel auf, irgendwo in der Mitte: »Opa, heute lese ich dir etwas vor.« [Zum Warmlesen: Der Mann, der Anna Roth wurde, 11.12.2009, aufgerufen am 01.09.2020]
Kim notierte etwas in ihrem Detektivtagebuch, das aufgeschlagen vor ihr lag. [Vogel, Maja von: Popstar in Not. In: Die drei !!! Stuttgart 2008]
bildlich
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: ein [neues] Kapitel aufschlagen
Beispiele:
Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat Kanzler Olaf Scholz mit den Worten empfangen, nun werde ein neues Kapitel aufgeschlagen in den deutsch‑polnischen Beziehungen. [Süddeutsche Zeitung, 14.12.2021]
Ab jetzt gilt: Ungeimpfte tragen selbst Verantwortung[.] So oder so will der Bundesrat nun eine neue Seite in der Pandemiebekämpfung aufschlagen. Ab sofort soll die Eigenverantwortung stärker gewichtet werden. [Thurgauer Zeitung, 12.08.2021]
Nun beginne für alle Abiturienten ein neuer Lebensabschnitt, es werde ein neues Buch aufgeschlagen, dass die Schülerinnen und Schüler ganz nach ihren eigenen Zukunftsplänen selbst schreiben können. [Mittelbayerische, 09.07.2016]
So misslich eine vorgezogene Wahl auch für die Wirtschaft sein möge: Griechenland könnte damit das glücklose erste Kapitel der Ära Tsipras abschließen und ein neues Blatt aufschlagen. [Badische Zeitung, 18.08.2015]
Sein Leben lag aufgeschlagen (= ausgebreitet) da […] [ FontaneStechlinI 5,440]WDG
b)
durch Aufklappen eines Bestandteils öffnen
Beispiele:
den Deckel eines Kastens, einer Truhe aufschlagenWDG
Und wenn ihr selbst die Tür nicht öffnet, wird schließlich der Wind die Macht über sie erlangen und die Türen und Fenster eures Hauses aufschlagen. Aber schaut, wer da steht, wer euer Gast sein will. Es ist ein Engel von Licht. Es ist kein Feind. [Botschaft von Jeshua: »Der Botschafter«, 27.11.2019, aufgerufen am 31.08.2020]
Die Fensterflügel lassen sich um 180 Grad aufschlagen, garagentorgroße Öffnungen reißen die Wohnung förmlich auf. [Berliner Zeitung, 20.03.1999]
Unter seinem [des Bremer Bleikellers] Gewölbe liegen zum Teil seit fünfhundert Jahren die mumienhaften Hüllen von Toten. Was einst unser Ebenbild war, gibt sich, da die Deckel der Truhen aufgeschlagen sind, dem Blick der Lebenden preis, fledermausgrau, ledern eingetrocknet, entseelt. [Die Zeit, 07.05.1953]
Sie schlüpfte in ihre Pantoffel und in einen auf dem Sessel neben dem Bett liegenden weiten, weichen Schlafrock und ging sachten Schrittes zu dem Fenster, dessen Flügel sie aufschlug. [Suttner, Bertha von: Martha’s Kinder. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 69950]
c)
zurückschlagen, (nach außen) umschlagen
Beispiele:
Zweimal im Jahr schaut alle Welt auf diesen Balkon. Und wenn der purpurrote Vorhang zu beiden Seiten aufgeschlagen wird, genießt der Mann in Weiß alle Aufmerksamkeit. Der Stellvertreter Christi auf Erden wird »urbi et orbi« – der Stadt und dem ganzen Erdkreis – seinen Segen von der mittleren Loggia des Petersdoms in Rom erteilen. [Südkurier, 09.05.2020]
Hier [im Hotel] leben wir wie Könige. Wir machen einen langen Abendspaziergang am leeren Strand, bei untergehender Sonne. Als wir zurückkommen, ist das Bett aufgeschlagen, sind die Läden geschlossen, im Kamin brennt ein Feuer, und Teelichter stehen auf dem Tisch. [Die Welt, 29.04.2019]
Die Plane der Jurte ist aufgeschlagen, gibt einen Blick in das Heim der Nomaden frei, warme Stiefel stehen vor dem Zelt, davor warme Mäntel, die vor der Kälte schützen […]. [Saarbrücker Zeitung, 10.11.2015]
Einen gehörigen Schreck hat eine Frau in Opfenbach (Baden‑Württemberg) vor dem Schlafengehen bekommen: Als sie die Bettdecke aufschlug, stieß sie auf eine 40 Zentimeter lange Schlange. [Hamburger Abendblatt, 03.07.2012]
Günter rieb sich die Augen, schlug die Bettdecke auf und stürzte ans Fenster. Fast genau wie anno dazumal: Ein alter Lkw fuhr durch die Straße. [Neue Westfälische, 22.10.2007]
d)
durch einen Schlag, mehrere Schläge öffnen, unter hoher Krafteinwirkung, gewaltsam aufbrechen
Beispiele:
Nüsse, ein Ei aufschlagenWDG
Ein Unbekannter hat am Mittwoch die Scheibe der Beifahrertür eines Autos aufgeschlagen, um vom Sitz eine Handtasche zu stehlen. [Reutlinger General-Anzeiger, 31.01.2020]
Die kaiserlich‑bayerische[n] Truppen haben 1633 auf dem Rathaus »die Türen eingehaut, alle Truhen aufgeschlagen und alle Dokumente, Siegel und Rechnungen und Register zerrissen und verwüstet«, wie es in der Chronik heißt. [Mittelbayerische, 20.06.2016]
Sie [zur Weltmeisterschaft nach Brasilien gereiste deutsche Fußballfans] tragen ihr Geld im Brustbeutel mit sich herum, aus dem sie umständlich die Scheine fingern, wenn sie sich am Strand eine Kokosnuss aufschlagen lassen. [Süddeutsche Zeitung, 25.06.2014]
Wie sich am Fundort herausstellte, hatten die Täter die Tresortür mit brachialer Gewalt aufgeschlagen und den Inhalt, das Bargeld, entwendet, aber keine weiteren Spuren hinterlassen. [Fränkischer Tag, 23.03.2006]
Eislaufen ist hier noch nicht erlaubt. »Die Eisdecke ist noch nicht dick genug«, sagte D[…]. »Wenn ich mit dem Beil das Eis aufschlage und die Eisdecke 10 bis 15 Zentimeter dick ist, dann ist das Betreten der Fläche möglich.« [Saarbrücker Zeitung, 31.12.1996]
e)
Phrasem:
die Augen aufschlagen (= die geschlossenen Augen öffnen)
Beispiele:
Als Dorothy die Augen wieder aufschlug, erstreckte sich ringsum die vertraute, mit Gras bewachsene Prärie. [Seidemann, Maria / Neuendorf, Silvio: Der Zauberer von Oz. In: Der Bücherbär. Klassiker für Erstleser. Würzburg 2010]
Wie strahlten die sieben Zwerge, […] als der Prinz dem Schneewittchen einen kräftigen Kuss gab und es wieder die Augen aufschlug. [Leipziger Volkszeitung, 06.07.2000]
Shushu wird ihre Augen nie wieder aufschlagen. Sie ist zu einer Reise in eine Welt aufgebrochen, in der es weder Vergangenheit noch Gegenwart gibt. [Vergiss mich nicht, hörst du?, 20.02.2011, aufgerufen am 01.09.2020]
»Aurora Borealis …« Der Professor lag […] auf dem Rücken, aber er hatte die Augen aufgeschlagen und wirkte wie verzaubert. »Das Nordlicht … hier in Deutschland, unglaublich.[«] [Krappweis, Tommy: Mara und der Feuerbringer. Köln 2010]
Einmal hatte sie [eine Krankenschwester] eine Frau gepflegt, die eine Woche im Koma lag, dann die Augen aufschlug und sagte: »Ich komme, Charlie«, und das war das Ende. [Hamburger Abendblatt, 12.06.2001]
veraltend in gegensätzlicher Bedeutung zu niederschlagen (3)
Phrasem:
die Augen, den Blick (zu jmdm.) aufschlagen (= die Lider aufheben und jmdn. anblicken)
Beispiele:
die Augen scheu, voll zu jmdm. aufschlagenWDG
er wagte nicht, die Augen zu ihr aufzuschlagenWDG
Anna aber […] konnte vor Scham kein Auge aufschlagen […] [ Stifter1,281]WDG
[…] als ich plötzlich […] meinen Blick aufschlage […] [ RaabeSperlingsgasseI 1,133]WDG
Mit wehmütiger Miene wandte sich der Gatte[…] an sein zerknirschtes Weib, das […] den Blick nicht mehr zu seinem Gemahl aufzuschlagen wagte[…]. [[o. A.]: Deutsche Jugend. [Teil 5. 6.–8. Schuljahr, Schülerband.] 6. Aufl. Braunschweig 1916]
»Resi – ich hab’ Dich so lieb!« Sie erwiederte nichts; aber in dem Blicke, den sie zu ihm aufschlug, lag es für ihn wie ein wogendes Meer von Glück. [Saar, Ferdinand von: Novellen aus Österreich. Heidelberg 1877]
5.
jmd. schlägt etw. aufhochschlagen, hochklappen, aufkrempeln
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
ein Filzhut mit aufgeschlagenem RandWDG
Er [Hut eines bestimmten Modells] ist in seiner Form zwar konventionell, aber klein und nicht breit, mit einer schmalen Krempe. Das alles verleiht ihm eine neckische Note. Zudem ist die Krempe biegsam; sie kann hinten aufgeschlagen oder nach unten gelegt werden […]. [Basler Zeitung, 28.06.2008]
Ein feiner, kalter Sprühregen fiel herab, und die zeitweiligen Böen hatten sich in einen stetigen Wind verwandelt. […] Er wartete ungefähr 20 Minuten, und dann eilte von der gegenüberliegenden Seite der Straße ein großer Mann in einem langen Überzieher, dessen Kragen bis zu den Ohren aufgeschlagen war, herbei. [Berliner Zeitung, 13.02.1949]
Auf der rechten Seite des Bildes[…] steht einer, der die Gruppe zu überragen scheint; den Mantelkragen hat er aufgeschlagen. [Philippe Soupault: Bitte schweigt, 07.09.2016, aufgerufen am 31.08.2020]
Sei es der liebevoll ausgesuchte Knopf, das originell gebundene Halstuch, die ausgefallene Farbenzusammenstellung, die lässige Art, die Ärmel aufzuschlagen oder hochzuschieben – jede Frau kleidet sich anders. [Neues Deutschland, 20.01.1957]
Und während er schnell entschlossen die Hosenbeine bis zu den Schenkeln aufschlug und in das eiskalte Wasser des Baches stieg, das ihn wie mit Peitschenschnüren schlug und ihm die Tränen in die Augen trieb, dachte er daran, daß er heute abend wieder fortfahren und spät in der Nacht seinen Vater wiedersehen würde, denn die Ferien waren zu Ende. [Die Zeit, 29.11.1956]
6.
jmd. schlägt etw. auf(durch Zusammenfügen von Einzelteilen) errichten, aufbauen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
in gegensätzlicher Bedeutung zu abschlagen (4)
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: das Zelt, das Zeltlager, das Camp, das Trainingslager aufschlagen
Beispiele:
Zelte, Buden aufschlagenWDG
ein Gerüst, einen Verkaufsstand, sein Lager, Bett, Quartier (notdürftig) aufschlagenWDG
Sie waren müde und beschlossen, ihr Nachtlager unter einer Kiefer aufzuschlagen. [Schreiber, Bernd: Ritter Tollkühn und das funkelnde Soundso. Hamburg 2011]
Als sie sich dem Lager näherten, sahen sie, dass um das große Zelt in der Mitte mehrere kleine Zelte aufgeschlagen worden waren. [Mould, Chris / Kuhlmeier, Antje: Die Abenteuer des Stanley Buggles. [Ravensburg] 2009]
Am 20. Februar 1929 waren die Schollen so dick und dicht gepackt und so fest ineinander verkeilt und fest gefroren, dass die Menschen zu Fuß von Oberwinter aus [über den Rhein] nach Unkel laufen konnten. Ein geschäftstüchtiger Oberwinterer Gastwirt schlug auf dem Fluss eine Bude auf: Er wollte dort ein Volksfest veranstalten und Glühwein verkaufen. [Rhein-Zeitung, 03.01.2002]
Auf dem Burghof und rings um die Mauern der Schlossanlage schlagen Händler ihre Stände auf, bieten Wahrsagerinnen und Magier ihre Künste an und zeigen Schmiede, Gerber und Kerzenzieher ihr Handwerk. [Leipziger Volkszeitung, 02.06.2001]
Ein paar Kilometer südlich des Flusses haben sie ihre Feldlager aufgeschlagen – Zelte, Halbkettenfahrzeuge, Panzer, schwere Artillerie auf Selbstfahrlafetten. [Die Zeit, 14.04.1978]
bildlich sich an einem Ort für einen meist längeren Zeitraum niederlassen, einquartieren, ansiedeln
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: sein Domizil, Hauptquartier, seinen Wohnsitz aufschlagen
Beispiele:
seinen Wohnsitz, seinen ständigen Sitz in der Hauptstadt aufschlagen (= sich in der Hauptstadt niederlassen)WDG
Im Oktober 1819 »spendierten« die Stadtväter ihrer Bürgerschaft eine »stehende Bühne«, ein eigenes Haus für die Theaterkunst. Vordem hatten Wandertruppen irgendwo ihre Bretter aufschlagen müssen – im 18. Jahrhundert oft auf dem Dachboden des Döbelner Rathauses. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 09.10.2019]
Viele Pendler kommen in die Firmen der Kurstadt, einige schlagen ihren Wohnsitz hier auf. [Thüringer Allgemeine, 07.02.2008]
Ab heute werden die neuen Räume im Norden der Stadt in Betrieb genommen, schlägt die Tafel ein neues Hauptquartier auf, von dem aus sie rund 1.500 Menschen jeden Monat mit einwandfreien Lebensmitteln versorgt, die in Supermärkten, Bäckereien oder Geschäften sonst entsorgt worden wären. [Aachener Zeitung, 16.07.2007]
1957 heirateten sie und schlugen ihr Domizil in Rottenburg am Neckar auf, und sie wohnten dort viele Jahre. [Fränkischer Tag, 17.04.2007]
Nachdem jetzt fast alle vorhandenen Bauplätze der Gemeinde veräußert sind, soll es an die Erschließung weiterer Flächen gehen. Dabei will die Gemeinde dem Prinzip treu bleiben, nur an Einheimische oder an Bewerber, die ihren ständigen Wohnsitz in Häusern aufschlagen wollen, zu verkaufen. [Badische Zeitung, 22.12.2006]
7.
jmd. schlägt (auf etw.) (etw.) aufden Preis erhöhen, heraufsetzen; einem Betrag, einer Summe als Preisaufschlag hinzurechnen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Kollokationen:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: auf den Preis, die Miete aufschlagen
Beispiele:
die Händler haben aufgeschlagenWDG
auf eine Ware zehn Cent aufschlagenWDG
Zum 1. Januar schlägt die Gemeinde 20 Prozent auf die Friedhofsgebühren auf. [Rhein-Zeitung, 04.12.2012]
So wird seit diesem Jahr erstmals eine CO₂‑Abgabe auf Energie fällig: Pro Tonne CO₂‑Emissionen werden 25 Euro […] aufgeschlagen, 2022 sind es 30 Euro, bis 2025 erhöht sich der Preis auf 55 Euro pro Tonne. [Thüringer Allgemeine, 13.10.2021]
Auf die Tasse im Café oder den Kaffee zum Mitnehmen werden 19 Prozent aufgeschlagen – es sei denn, es sind mindestens 75 Prozent Milch darin. Dann sind es wieder nur sieben Prozent Mehrwertsteuer. [Neue Osnabrücker Zeitung, 02.01.2018]
Zigaretten werden in wenigen Wochen nochmals teurer. […] Demnach planen mehrere Hersteller, zum Jahreswechsel zehn Cent pro Schachtel aufzuschlagen. [Leipziger Volkszeitung, 05.12.2011]
Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft […] schlägt die neue Luftverkehrsabgabe ab sofort auf alle Tickets auf. [Der Tagesspiegel, 09.09.2010]
Laut Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 25. Februar muss sieben Prozent Zoll auf israelische Waren aus der Westbank aufgeschlagen werden. [Frankfurter Rundschau, 28.06.2010]
Nahverkehr auch teurer – Bahn will aufschlagen [Überschrift] […] Die Deutsche Bahn will womöglich auch im Regionalverkehr die Ticketpreise erhöhen. [Badische Zeitung, 11.09.2004]
8.
etw. schlägt aufteurer werden, im Preis anziehen (5), steigen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’/‘ist’ (seltener)
in gegensätzlicher Bedeutung zu abschlagen (12)
Beispiele:
Brot, Milch, Benzin, Heizöl, öffentlicher Verkehr, Wohnen – vieles, was wir für den Lebensunterhalt brauchen, hat in letzter Zeit aufgeschlagen oder wird demnächst teuer. [Basler Zeitung, 08.11.2007]
Seit Ende 2009 haben die Preise für Rohkaffee massiv aufgeschlagen. [KURZNEWS 14. September 2010 – foodaktuell, 14.09.2010, aufgerufen am 01.09.2020]
»Woran erkennt man, dass Ferien begonnen haben und Feiertage vor der Tür stehen?« Antwort: »Wenn der Benzinpreis kräftig aufschlägt [Allgemeine Zeitung, 06.04.2009]
[…] wenn das Brot teurer wird und die Margarine aufschlägt […] [ BöllHaus26]WDG
9.
umgangssprachlich jmd., etw. schlägt auf(an einem Ort) auftauchen, erscheinen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
Am Mittwoch[…] werde ich kurz in der Firma aufschlagen[…] und meinen Dienstanzug umtauschen. [Schöne Aussichten …, 18.09.2015, aufgerufen am 01.09.2020]
In »Im Rampenlicht des Bösen« beginnt der Film damit, dass ein junger, scheinbar tödlich verwundeter Mann mitten in der Nacht bei einer Freundin aufschlägt. [Im Rampenlicht des Bösen – Eine mörderische Inszenierung, 02.01.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
Die Sicherheitssysteme hätten Alarm geschlagen, nachdem die infizierte E‑Mail aufgeschlagen war. [Allgemeine Zeitung, 20.12.2019]
Ich stelle […] oft fest, daß [sic!] die Leute, die bei mir [dem Betreiber einer Beratungsstelle für gewalttätige Menschen] aufschlagen, sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden und mein Honorar nicht bezahlen können oder wollen. [Was kostet Beratung?, 30.04.2016, aufgerufen am 01.09.2020]
Kino‑Legende Dennis Hopper […] schlug gestern in Berlin auf. [Bild, 10.02.2003]
In Mainz schlug ich in einer WG auf, die zumindest rein optisch einem Tarantino‑Film entsprungen sein konnte. [Roadtrip Deutschland, 06.05.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
10.
veraltend etw. schlägt aufplötzlich in die Höhe schlagen, auflodern
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
lichterloh, hoch schlugen die Flammen aufWDG
prasselnd schlug das Feuer aufWDG
Immer noch quellen die Ammoniakdünste in dicken Wolken auf, und je näher wir herankommen, umso schwerer wird das Atmen … Haushohe Löcher, in deren Tiefen das Grundwasser gurgelt, hemmen den Weg. Hier haben die explodierten Behälter gestanden. Hier war die Flamme brausend aufgeschlagen. [BASF-Explosion in Oppau 1921, 21.09.2021, aufgerufen am 21.09.2021]
Qualm schlug auf und eine steile, gelbe Flamme. [Berliner Zeitung, 21.08.1960]
Der Boden birst, aufschlägt die Glut […] [ FreiligrathVon unten auf1,3601886]WDG
Die Papierrollen verzehrten sich zuerst, indem sie anfänglich nur einen dicken Rauch entsandten, dann aber, plötzlich aufplatzend, in heller Flamme aufschlugen und endlich in leichte schwarze Flocken auseinanderfielen. [Morgenblatt für gebildete Leser, 02.11.1856]
bildlich sich frei, voll entfalten; voller Hingabe, vehement erlebt, empfunden werden
Beispiele:
[…] nun schlugen […] die hellen Liebesflammen in meinem Innern auf […] [ E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,545]WDG
Er stellte das immer wieder in Frage, auch wenn einmal die Flamme der Hoffnung hoch aufschlug. [Berliner Zeitung, 21.01.1968]
Unsere Zeit ist so mit Planen, Tendenzen, Bewußtheiten überdeckt, daß das Leben gleichsam wie in einem zugesetzten Meiler nur verkohlt, und nie an der freien Luft zur lustigen Flamme aufschlagen kann. [Immermann, Karl: Münchhausen. Bd. 4. Düsseldorf 1839]
11.
Ballsport jmd. schlägt aufein Spiel, einen Satz (7), eine Spielserie o. Ä. mit dem ersten Schlag des Spielgeräts (über das Netz) eröffnen; zu einem Spiel, einer Partie antreten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
H schlug auf, musste aber trotzdem das Spiel abgebenWDG
Beim traditionellen Badmintonwochenende in Bernterode schlagen Nachwuchs und Erwachsene gemeinsam auf. [Thüringer Allgemeine, 04.09.2019]
»Wenn Sabine [Lisicki beim Tennisturnier US Open] gut aufschlägt und durch kurze Ballwechsel den Rhythmus von Simona bricht, kann sie Halep ins Wanken bringen«[…]. [Die Zeit, 06.09.2015 (online)]
Jeweils in der Außenseiterrolle [der Verbandsliga] schlägt das heimische Tischtennistrio […] auf. [Neue Westfälische, 24.02.2018]
Die Weltelite im Beachvolleyball schlägt vor dem Berliner Hauptbahnhof auf. Es geht um wichtige Punkte auf dem Weg zu den Olympischen Spielen. [Saarbrücker Zeitung, 11.06.2008]
bildlich Wollen Sie dieses Gespräch gleich mit einem As aufschlagen, um gegen mich zu punkten? [Die Zeit, 24.09.1998]
12.
Kochkunst jmd. schlägt etw. aufdurch schnelle Bewegungen mit einem Küchengerät bearbeiten, sodass ein bestimmter Zustand erreicht wird
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Die Crème fraîche mit einem Schneebesen aufschlagen, bis sie cremig wird, mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken und in einen Spritzbeutel füllen. [Salmon Tartare, 06.11.2019, aufgerufen am 31.08.2020]
Salz und Pfeffer gebe ich immer schon dem Ei bei und schlage es mit einer Gabel auf. [Schnitzel mit Schafskäse, 11.04.2014, aufgerufen am 01.09.2020]
Die Milch zusammen mit dem Senf in ein hohes, schmales Gefäß geben und mit dem Pürierstab sehr schaumig aufschlagen. [Mittelbayerische, 30.06.2021]
Traditionell verwendet man [zur Zubereitung des Teegetränks Matcha] […] einen Bambusbesen, um das Ganze aufzuschlagen. »Etwas weiter weg von der Tradition ist es, das Ganze mit einem Milchaufschäumer aufzuschlagen [Aachener Zeitung, 17.11.2017]
Der Profi kann die Zabaglione gut auf offener Gasflamme aufschlagen. [Welt am Sonntag, 20.04.2014]
13.
Handarbeit jmd. schlägt aufdie ersten Maschen auf die Nadel bringen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
sie hat 100 Maschen für den Schal aufgeschlagenWDG
Als erstes Strickobjekt wurde ein Schal ausgewählt. Dann wurden kleine Gruppen gebildet und die ersten Maschen aufgeschlagen. [Neue Westfälische, 07.07.2005]
Erfahrene Handarbeiterinnen zeigen Anfängerinnen [bei einem Treffen des Heimat- und Wandervereins], wie man Maschen aufschlägt, tauschen verschiedene Fersentechniken für Socken aus und helfen denen, die bei einem angefangenen Stück einfach nicht weiterkommen. [Neue Osnabrücker Zeitung, 11.11.2016]
14.
selten, Kartenspiel jmd. schlägt etw. aufaufdecken; ausspielen, offen hinlegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
Beim Kongreß der Parapsychologen in Cambridge vor drei Jahren berichtete ein Referent voller Genugtuung über seinen gelungenen Telepathieversuch. Einer seiner Probanden war aufgefordert worden, Spielkarten aufzuschlagen und deren Bilder seinem Nachbarn im Nebenzimmer telepathisch zu signalisieren. [Die Zeit, 17.01.1986]
Alle Pointeurs zogen ihre Einsätze zurück, und freundlich lächelnd, mit sorgloser Noblesse, zog der Bankier eine Karte nach der andern ab, bis er auf seiner Seite den verhängnißvollen Buben aufschlug. [Keil, Ernst (Hg.): Die Gartenlaube. Jg. 14 (1866)]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlagen · Schläger · Schlägerei · abschlagen · abschlägig · Abschlag(s)zahlung · anschlagen · veranschlagen · Anschlag · Voranschlag · aufschlagen · Aufschlag · ausschlagen · Ausschlag · beschlagen1 · beschlagen2 · Beschlag · einschlagen · einschlägig · entschlagen · nachschlagen · überschlagen · umschlagen · Umschlag · unterschlagen · verschlagen · verschlagen · Verschlag · vorschlagen · Vorschlag · schlagfertig · Schlaglicht · Schlagschatten · Schlagseite · Schlagwort · Schlagzeile · Schlagzeug · Schlager
schlagen Vb. ‘hauen, prügeln, töten, einen Gegner überwinden, besiegen, mit einer heftigen, gezielten Bewegung geräuschvoll einen Gegenstand treffen, sich in einer bestimmten Richtung entwickeln, nach jmdm. geraten’, ahd. slahan (8. Jh.), mhd. slahen, slān, asächs. slahan, mnd. slān, mnl. slaen, nl. slaan, afries. sla, aengl. slēan, anord. slā, schwed. slå, got. slahan (germ. *slahan). Auf grammatischem Wechsel zwischen h und g beruhen Präteritalformen wie ahd. sluog, asächs. aengl. slōg, denen im Nhd. die Präsensformen und der Infinitiv angeglichen werden; s. auch Schlag, Schlegel neben Schlacht und Geschlecht. Außergerm. Vergleichsmöglichkeiten bietet lediglich das Kelt. mit mir. slacc ‘Schwert’, ir. slacaire ‘Schläger’, mir. slachta ‘geschlagen’, ir. slacht ‘gute Erscheinung, von gutem Schlag’, gäl. slachdaim ‘schlage mit dem Hammer’, so daß eine Wurzel ie. *slak- ‘schlagen, hämmern’ angesetzt werden kann. Schläger m. ‘wer schlägt, wer jmdn. tötet’, ahd. irslahāri (8. Jh.), mhd. slaher, frühnhd. totslaher, -slager, -sleger (15. Jh.); auch ‘Raufbold’ (seit 17. Jh.). Schlägerei f. ‘Prügelei’ (wohl 15. Jh.), ‘Duell’ (17. Jh.). abschlagen Vb. ‘mit einem Hieb loslösen, lostrennen, abwehren, ablehnen’, ahd. abaslahan ‘abhauen, abschneiden’ (10. Jh.), mhd. abeslahen, auch ‘abschlachten, in Abzug bringen, vergüten, zurückweisen’; abschlägig Adj. ‘ablehnend’ (15. Jh.); Abschlag(s)zahlung f. ‘erster Teil einer abzugeltenden Summe, Teilzahlung’ (18. Jh.). anschlagen Vb. ‘anstoßen, mit Nägeln anhängen, gut wirken, bellen’, ahd. anaslahan (10. Jh.), mhd. aneslahen ‘an jmdn. oder etw. schlagen, anstoßen, mit Schlägen angreifen, durch Schlagen befestigen, rauben, anstiften, berechnen’; veranschlagen Vb. ‘taxieren’ (19. Jh.); Anschlag m. ‘Bekanntmachung, auf etw. zielender Gedanke, Plan, Vorhaben, Vorbereitung des Schützen zum Abschießen’, auch (seit 15. Jh.) ‘Attentat’, ahd. anaslag ‘Hieb, Stoß, Schlag’ (11. Jh.), spätmhd. aneslac, auch ‘Berechnung’; Voranschlag m. ‘vorläufige Kostenberechnung’ (18. Jh.). aufschlagen Vb. ‘(durch Schlagen) öffnen, aufprallen, auftreffen, einen Preis erhöhen, etw. aufstellen, errichten’, ahd. ūfslahan ‘an etw. schlagen’ (um 900), mhd. ūfslahen, auch ‘errichten, aufschieben, verzögern, anzünden, durch Schlagen öffnen, vorenthalten, den Lohn, Preis erhöhen, im Preis steigen, verzichten’; Aufschlag m. ‘Aufprall, Verteuerung eines Preises, umgeschlagener Teil an Kleidungsstücken’, mhd. ūfslac, auch ‘Aufschub, Verlängerung der Frist, Waffenstillstand’. ausschlagen Vb. ‘Knospen treiben, grün werden, um sich schlagen, durch Schlagen zerstören, mit etw. bedecken, ablehnen’, ahd. ūʒslahan ‘herausbrechen, durch Schlagen zerstören’ (9. Jh.), mhd. ūʒslahen ‘herausschlagen, umhauen, ablehnen, zurückschlagen, ausweisen, verjagen, verbannen, freilassen, zerstören, errichten, nach auswärts schlagen, fliehen’; Ausschlag m. ‘Austrieb der Schweine in die Eichelmast, Herabsinken des Waagebalkens nach der schweren Seite’ (15. Jh.), daher den Ausschlag geben ‘entscheidend sein’ (16. Jh.), ‘Entscheidung, Ergebnis, Erfolg, Ausgang’ (16. Jh.), medizinisch ‘Hautschorf, Erkrankung der Haut’ (17. Jh.), ‘Trieb, Sproß’ (18. Jh.). beschlagen1 Vb. ‘(durch Schlagen) mit etw. versehen, sich überziehen, anlaufen’, ahd. bislahan ‘behauen, tüchtig schlagen, fest-, niederschlagen’ (8. Jh.), mhd. beslahen ‘auf etw. schlagen, schlagend bedecken, mit Beschlag belegen, schlagend auf, an etw. befestigen, umschlagen, umschließen’; ein Pferd beschlagen ‘mit Hufeisen versehen’; beschlagen2 Part.adj. ‘gut versehen sein, bewandert in einer Sache, voller Kenntnisse’ (16. Jh.), eigentlich ‘durch (Metall)beschlag fest und dauerhaft’; Beschlag m. ‘Metallstück als Schutz oder Verzierung, Überzug, Hauch’ (15. Jh.), in Beschlag nehmen (17. Jh.), Beschlag auf etw. legen (18. Jh.), mit Beschlag belegen (19. Jh.) ‘etw. oder jmdn. für sich beanspruchen’. einschlagen Vb. ‘hineinschlagen, durch Schlagen zertrümmern, einwickeln, sich in eine bestimmte Richtung erfolgreich entwickeln, gedeihen’ (15. Jh.); einschlägig Adj. ‘in Betracht kommend’ (Ende 18. Jh.). entschlagen Vb. ‘(sich von einer Sache) frei-, losmachen, verzichten’, mhd. entslahen ‘freimachen, aufheben’. nachschlagen Vb. ‘ähnlich werden, nacharten’ (16. Jh.; vgl. mhd. slahen nāch), ‘in einem Buche suchen und nachlesen’ (17. Jh.). überschlagen Vb. ‘ungefähr berechnen, übereinanderlegen (die Beine)’, reflexiv ‘sich überkugeln’, ahd. ubarslahan ‘herausgehen, sich entfernen, vorzüglich sein, übertreffen’ (um 1000), mhd. überslahen ‘schlagend überziehen, beschlagen, überwältigen, besiegen, in Kürze sagen, erzählen, auslassen, ungefähr berechnen, schätzen, überlegen’. umschlagen Vb. ‘umlegen, umbiegen, zu Boden schlagen, ringsum bedecken, sich ändern (vom Wetter)’, mhd. umbeslahen ‘umgeben, -fassen, -zingeln, niederschlagen, Umschweife machen, sich verbreiten’; Umschlag m. ‘Hülle, Umhüllung, Änderung, umgeschlagener Rand’, auch (seit 17. Jh.) als medizinische Heilpackung, kaufmännisch ‘Umsatz, Vertrieb von Waren’ (16. Jh., nach mnd. ummeslach), mhd. umbeslac ‘Umhüllung, Wendung, Umkehr, Ausflucht’. unterschlagen Vb. ‘unrechtmäßig zurückbehalten, veruntreuen, verheimlichen’, mhd. underslahen ‘beiseite legen, abseits setzen, verbergen, aufgeben, niederschlagen, unterdrücken, überwinden, übertreffen’. verschlagen Vb. ‘mit Brettern abteilen, schließen, versehentlich umblättern, durch widrige Umstände an einen ungewollten Ort gelangen (lassen)’, ahd. firslahan ‘erschlagen, töten, verschließen’ (8. Jh.), mhd. verslahen ‘zerschlagen, verwunden, töten, abhauen, auseinanderschlagen, vertreiben, zurückweisen, wegnehmen, beschmutzen, durch Verschlag absperren’, reflexiv ‘sich verstecken, beschmutzen, entfernen’; verschlagen Part.adj. ‘listig, undurchsichtig, durchtrieben’ (15. Jh.), eigentlich ‘seine Pläne nicht bekanntgebend, versteckend, zurückhaltend’; Verschlag m. ‘durch Bretter(wände) abgetrennter Raum, abtrennende Bretterwand’ (18. Jh.). vorschlagen Vb. ‘einen Plan vorlegen, einen Rat geben und zur Erwägung anbieten’, ahd. furislahan ‘vorher-, vorwegnehmen’ (8. Jh.), mhd. vürslahen ‘treiben, im Übergewicht sein, veranschlagen, rechnen’; Vorschlag m. ‘zu erwägender Rat, Plan, Lehrsatz’ (16. Jh.), mhd. vürslac ‘erster Schlag, Befestigung, einschließende Belagerung, Berechnung als Vorlage’. schlagfertig Adj. ‘bereit zum Losschlagen’ (18. Jh.), ‘um keine Antwort verlegen, witzig’ (19. Jh.). Schlaglicht n. ‘heller Lichtstrahl zum Hervorheben eines einzelnen Gegenstandes’ (18. Jh.), häufig in der Malerei. Schlagschatten m. ‘von einer Person oder einem Gegenstand geworfener, scharf umrissener Schatten’ (18. Jh.). Schlagseite f. ‘Schräglage (eines Schiffs)’ (17. Jh.). Schlagwort n. ‘(schmerzlich) treffendes Wort, prägnanter Ausdruck zur Kennzeichnung einer Zeiterscheinung, Bühnenstichwort’ (18. Jh.), im Bibliothekswesen ‘Stichwort, Kennwort’. Schlagzeile f. ‘hervorgehobene, deutlich gemachte Überschrift’ (um 1880). Schlagzeug n. ‘Ensemble von Schlaginstrumenten’ (20. Jh.); zuvor ‘Geräte zum Einschlagen bzw. zum Beschlagen von Bauteilen’ (16. Jh.). Schlager m. ‘aktuelle, beim Publikum ein- bzw. durchschlagende Musiknummer’, aufgekommen (1881) als Ausdruck der Musikkritik, durch die Tagespresse verbreitet; dann auf andere besonders aktuelle und wirkungsvolle Erscheinungen (Buch, Theaterstück, eine reißend abgehende Ware) übertragen.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufprallen · aufschlagen
Synonymgruppe
(sich irgendwo) hinbemühen · (sich) einfinden · (sich) einstellen · ankommen · eintreffen · erscheinen  ●  (irgendwohin / irgendwo / irgendwoher) kommen  Hauptform · (sich irgendwo) herbemühen  förmlich · einlangen  österr. · (irgendwo) aufkreuzen  ugs., Hauptform · (irgendwo) einschweben  ugs., ironisch, fig. · (sich irgendwohin) bemühen  geh., förmlich · (sich) blicken lassen (bei)  ugs. · andackeln  ugs. · angeschoben kommen  ugs., salopp, variabel · anmarschiert kommen  ugs. · anreisen  fachspr. · anrücken  fachspr., Jargon · antanzen  ugs. · anwackeln  ugs. · aufschlagen  ugs., fig., scherzhaft-ironisch · auftauchen  ugs. · im Anflug sein  ugs., fig. · im Anmarsch sein  ugs., fig. · um die Ecke kommen  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • eintrudeln · hereingeflattert kommen (Briefe) · nach und nach eintreffen  ●  angekleckert kommen (Gäste)  ugs., negativ · kleckerweise kommen  ugs., negativ
  • angefahren kommen · angelaufen kommen · dahergelaufen kommen · daherkommen · vorbeikommen  ●  (irgendwoher) (+ Partizip Perfekt) kommen  veraltend · angedackelt kommen  ugs. · angeschlappt kommen  ugs. · angeschoben kommen  ugs. · des Weg(e)s kommen  geh., veraltend · gesprungen kommen  ugs., süddt. · um die Ecke kommen  ugs.
  • ankommen · eingehen (Sendung, Geldüberweisung) · zugestellt werden  ●  (seinen) Bestimmungsort erreichen  Amtsdeutsch · einlangen  österr. · (noch nicht / schon) da sein  ugs. · kommen  ugs.
  • (hin)kommen bis · erreichen · gelangen bis (zu) · vordringen bis
  • (jemanden) erreichen (Information) · ankommen bei (jemandem) · durchdringen (bis) zu
  • (sich) begeben (nach / zu ...) · (sich) bewegen (nach / zu ...) · (sich) hinbegeben · hingehen  ●  (irgendwohin) gehen  Hauptform, variabel · (sich) bemühen (nach / zu ...)  geh. · (sich) hinbemühen  geh. · (sich) verfügen (nach / zu ...)  geh., Amtsdeutsch, altertümelnd
Synonymgruppe
addieren · aufaddieren · aufsummieren · summieren · zusammenzählen  ●  aufschlagen  fachspr.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(sich) plötzlich öffnen · auffliegen · aufschlagen · aufspringen (Deckel, Schloss, Klappe ...)  ●  (ruckartig) aufgehen  Hauptform · aufpoppen  ugs., IT-Technik
Oberbegriffe
Antonyme

Typische Verbindungen zu ›aufschlagen‹ (berechnet)

Basislager Camp Circus Domizil Ei Eigelb Hauptquartier Instant-kaffee Kapitel Kinderzirkus Lager Lordschaft Marktbeschicker Mursi-anhänger Nachtlager Quartier Tc Trainingslager Vermieter Winterquartier Wm-quartier Wohnsitz Zelt Zeltlager Zirkus morgens

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufschlagen‹.

Zitationshilfe
„aufschlagen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aufschlagen>.

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