aufschneiden

GrammatikVerb · schnitt auf, hat aufgeschnitten
Aussprache
Worttrennungauf-schnei-den (computergeneriert)
Wortzerlegungauf-schneiden
Wortbildung mit ›aufschneiden‹ als Erstglied: ↗Aufschneider · ↗Aufschneiderei  ·  mit ›aufschneiden‹ als Grundform: ↗Aufschnitt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. durch Schneiden öffnen
Beispiele:
einen Knoten, ein Paket, einen Briefumschlag aufschneiden
ein neues Buch (= die Seiten des neuen Buches) aufschneiden
ein Geschwür, eine Geschwulst aufschneiden
sich [Dativ] die Pulsadern aufschneiden
dem Verletzten den Stiefel aufschneiden
2.
ein Ganzes völlig in Scheiben, Stücke schneiden
Beispiele:
ein Brot, einen Schinken, eine Wurst aufschneiden
ein Teller mit aufgeschnittenem Braten, Kuchen
Lena schnitt den letzten Blaubeerkuchen auf [StrittmatterWundertäter25]
3.
umgangssprachlich, abwertend prahlen, großsprecherisch übertreiben
Beispiele:
mit seinen Erfolgen, Heldentaten aufschneiden
er hat ja gehörig aufgeschnitten!
salopp nach Noten aufschneiden (= mächtig übertreiben)
[ich] schnitt in alledem auf, was Johanna angeblich Sündhaftes ausführte [G. Hauptm.3,206]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

aufschneiden · Aufschneider · Aufschneiderei
aufschneiden Vb. ‘durch Schneiden öffnen oder vollkommen in Stücke aufteilen’, spätmhd. ūfsnīden ‘durch Schneiden öffnen’ (zur Herkunft s. ↗schneiden), im 16. Jh. auch ‘die Speisen, besonders Brot und Fleisch, bei Tisch mit dem Messer in Stücke zerlegen’. Hierauf beruht wahrscheinlich die seit Anfang des 17. Jhs. allgemein gebräuchliche Übertragung ‘sich mit Lügen und Übertreibungen Ansehen zu verschaffen suchen, prahlen’ (eigentlich ‘großzügig und reichlich Unwahrheiten auftischen’?), wie namentlich die im 17. Jh. mehrfach belegte bildhafte Wendung mit dem großen Messer aufschneiden vermuten läßt. Aufschneider m. ‘wer etw. aufschneidet’ (16. Jh.), ‘Wichtigtuer, Prahler’ (Mitte 17. Jh.). Aufschneiderei f. ‘Wichtigtuerei, Prahlerei’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufschneiden · in Stücke schneiden · ↗tranchieren · ↗zerlegen · ↗zerschneiden · ↗zerteilen
Assoziationen
Synonymgruppe
(mächtig) angeben · (sich) brüsten (mit) · ↗(sich) rühmen · aufschneiden · herumprotzen · ↗protzen · ↗renommieren  ●  ↗prahlen  Hauptform · angeben wie ein Sack Seife  ugs. · angeben wie ein Sack Sülze  ugs. · angeben wie ne Tüte Mücken  ugs. · ↗bramarbasieren  geh.
Assoziationen
  • (großer) Zampano · ↗Angeber · ↗Aufschneider · ↗Blender · ↗Großsprecher · ↗Großtuer · ↗Möchtegern · ↗Prahler · ↗Renommist · ↗Selbstdarsteller · ↗Sprücheklopfer · ↗Sprüchemacher · ↗Wichtigtuer · nichts dahinter (sein)  ●  Aufpudler  österr. · ↗Wichtigmacher  österr. · (der) Held vom Erdbeerfeld  ugs. · ↗Gernegroß  ugs. · ↗Gleisner  geh., veraltet · Graf Koks von der Gasanstalt (Ruhrdeutsch veraltend)  ugs. · Graf Rotz von der Backe  ugs. · ↗Großkotz  derb · ↗Großmaul  derb · ↗Großschnauze  ugs. · Kneipenkaiser  ugs. · ↗Maulheld  derb · Maulhure  derb, weibl. · Muchtprinz  ugs., berlinerisch · ↗Prahlhans  ugs. · ↗Profilneurotiker  ugs. · ↗Schaumschläger  ugs. · Stammtischexperte  ugs. · ↗Windbeutel  ugs. · aufgeblasener Gimpel  ugs. · große Klappe und nichts dahinter  ugs. · jemand, der viel erzählt, wenn der Tag lang ist  ugs.
  • (die) Aufmerksamkeit auf sich ziehen · ↗(sich) (selbst) darstellen · ↗(sich) aufspielen · (sich) in Szene setzen · (sich) in den Vordergrund schieben · (sich) in den Vordergrund spielen · ↗(sich) produzieren · ↗angeben  ●  (seine) Show abziehen  ugs. · (sich) wichtig machen  ugs.
  • (das) große Wort führen · (eine) Schau machen · ↗(sich) aufblasen · (sich) aufführen wie der große Zampano · ↗(sich) aufplustern · Eindruck schinden · große Reden schwingen · laut werden  ●  (sich) auf die Brust klopfen  fig. · (sich) aufs hohe Ross setzen  fig. · ↗(sich) aufspielen  Hauptform · (den) (großen) Zampano machen  ugs. · (den) Dicken markieren  ugs. · (den) Hermann machen  ugs. · (den) Larry machen  ugs. · (den) Lauten machen  ugs. · (den) Molli machen  ugs., regional · (den) Mund (sehr) voll nehmen  ugs., fig. · (den) Mund zu voll nehmen  ugs. · (den) dicken Mann markieren  ugs. · (den) dicken Max machen  ugs. · (den) dicken Max markieren  ugs. · (die) (große) Welle reißen  ugs. · (die) Backen aufblasen  ugs. · (die) Schnauze aufreißen  ugs., fig. · (die) Welle machen  ugs. · (eine) (dicke) Lippe riskieren  ugs. · (eine) Show abziehen  ugs. · (eine) große Fresse haben  derb · (eine) große Klappe haben  ugs. · (eine) große Schnauze haben  ugs. · (einen) auf dicke Hose machen  derb · (einen) auf großer Zampano machen  ugs. · (gewaltig) das Maul aufreißen  ugs. · (groß) herumtönen  ugs. · (sich) aufmandeln  ugs., bair. · (sich) aufpupsen  derb · (sich) großtun (mit)  ugs. · (sich) in die Brust werfen  geh. · (sich) wichtig machen  ugs. · Sprüche klopfen  ugs. · auf den Putz hauen  ugs., fig. · auf die Kacke hauen  derb, fig. · auf die Pauke hauen  ugs., fig. · auf die Pferde hauen  ugs., fig. · blärzen  ugs., regional · den (...) raushängen lassen  ugs. · dicke Backen machen  ugs. · ↗dicketun  ugs. · ↗dicktun  ugs. · einen auf (...) machen  ugs. · groß rumtönen  ugs. · große Töne spucken  ugs. · herumblärzen  ugs., regional · ↗pranzen  ugs. · strunzen  ugs., regional · wichtigtun  ugs.
  • (sich) (selbst) applaudieren · (sich) (selbst) auf die Schulter klopfen · ↗(sich) (selbst) loben · (sich) ganz toll finden  ●  ↗(sich) (selbst) beweihräuchern  fig.
  • (überflüssigerweise) Angst einjagen · unnötig für Aufregung sorgen  ●  (Leute) verrückt machen  ugs. · Wellen auf den Pudding hauen  ugs., fig. · die Pferde scheu machen  ugs., variabel, fig. · ↗sich (nicht) verrückt machen (lassen)  ugs.
  • Oberwasser haben · ↗auftrumpfen · ↗punkten (mit) · seine Überlegenheit zeigen
  • Eindruck machen sollen  ●  (sich) nach was anhören sollen  ugs. · etwas Vernünftiges sein sollen  ugs. · nach was aussehen sollen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abszeß Ader Arterie Bauch Bauchdecke Betäubung Beule Brustkorb Brötchen Feuerwehrmann Flex Glasscherbe Halsschlagader Handgelenk Kehle Messer Pulsader Pulsadern Rasierklinge Scherbe Schere Schlagader Skalpell Unterarm Vene Weißbrot herausreißen schneiden verbluten zunähen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufschneiden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am Ende erstickt er sich selbst mit geknülltem Papier, schneidet sich alle möglichen Adern auf.
Süddeutsche Zeitung, 25.10.1997
Aber am Rücken sind sie aufgeschnitten, so daß wir sie wie Ärmelschürzen anziehen können.
konkret, 1984
Was hätte auch an all den trüben und banalen Dingen erlogen oder aufgeschnitten sein sollen?
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 421
Dann schneiden wir die Schale des Tieres seitlich mit dem scharfen Krebsmesser auf.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 224
Er wirft das Beil zu weit: er ist ein Großsprecher, er schneidet auf, er lügt und übertreibt.
Röhrich, Lutz: Beil. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 995
Zitationshilfe
„aufschneiden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aufschneiden>, abgerufen am 22.03.2019.

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