aufsehen

GrammatikVerb · sieht auf, sah auf, hat aufgesehen
Aussprache
Worttrennungauf-se-hen
Wortzerlegungauf-sehen
Wortbildung mit ›aufsehen‹ als Erstglied: ↗Aufseher  ·  mit ›aufsehen‹ als Grundform: ↗Aufsehen · ↗Aufsicht
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
emporsehen, aufblicken, die Augen in die Höhe richten
a)
nach oben sehen
Beispiele:
freundlich, erstaunt, verwirrt, ernst, ängstlich, fassungslos, bittend, dankbar, fragend zu jmdm. aufsehen
zu einem Bild, zum Himmel, zu den Wolken, Sternen, erleuchteten Fenstern aufsehen
wir wagten nicht aufzusehen
befangen lächelnd sah sie aus ihren lieben Augen zu mir auf [RaabeII 6,217]
b)
von etw. aufsehenaus einer Versunkenheit herausgerissen werden und hochsehen
Beispiele:
er sah mechanisch, flüchtig, befremdet, verwundert, kaum auf, als sie durch das Zimmer ging
er sah auf und blickte sich nach allen Seiten um
als sein Gast eintrat, sah er auf und erhob sich
vom Lesen, Essen, seinem Buch, seiner Näharbeit aufsehen
Das Klirren von Klaus Heinrichs Sporen ließ sie aufsehen [Th. MannKönigl. Hoheit7,245]
2.
übertragen zu jmdm. aufsehenjmdn. verehren
Beispiele:
ehrfürchtig, gläubig, vertrauensvoll, innig, mit Bewunderung zu jmdm. aufsehen
in dankbarer Liebe zu seinen Eltern aufsehen
er ist eine Persönlichkeit, zu der man aufsehen kann
Zu Manzoni sähe jetzt ganz Italien als zu dem Haupte der Literatur auf [Ric. HuchConfalonieri312]
zu etw. aufsehenetw. bewundern
Beispiel:
zu einem Kunstwerk aufsehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sehen · Sehe · Seher · sehenswürdig · Sehenswürdigkeit · Sehkraft · absehen · absehbar · ansehen · Ansehen · Ansicht · Ansichtskarte · angesehen · ansehnlich · aufsehen · Aufsehen · Aufseher · Aufsicht · beaufsichtigen · aussehen · Aussehen · Aussicht · nachsehen · Nachsicht · vorsehen · Vorsehung · Vorsicht · vorsichtig · versehen · Versehen · Zuversicht
sehen Vb. ‘mit dem Gesichtssinn wahrnehmen’. Mit ahd. sehan (8. Jh.), mhd. sehen, asächs. sehan, mnd. sēn, mnl. sien, nl. zien, afries. sia, aengl. sēon, engl. to see, anord. sjā, schwed. se, got. saíƕan (germ. *sehwan) sind verwandt ahd. gisiuni ‘Anblick, Erscheinung, Aussehen’ (8. Jh.), asächs. siun ‘Auge’, aengl. sīen ‘Aussehen’, anord. sjōn ‘Blick, Auge’, got. siuns ‘Gesicht, Gestalt’; s. auch die Verbalabstrakta ↗Sicht und ↗Gesicht. Außergerm. sind vergleichbar air. rosc (aus *prosk‐ͧo-) ‘Auge, Blick’, alban. sheh ‘sieht’, hethit. šakuwa (Plur.) ‘Augen’ sowie auch griech. hépesthai (ἕπεσθαι) ‘folgen, begleiten’, aind. sácatē ‘begleitet, steht zur Seite, geht nach, folgt’, lat. sequī ‘(nach)folgen, begleiten, verfolgen, gehorchen’, air. sechithir ‘folgt’. Man nimmt daher eine Bedeutungsentfaltung ‘folgen, mit den Augen folgen, sehen’ an, hervorgegangen aus der Wurzel ie. *seku̯- ‘wittern, spüren’ (vom Hund bei der Jagd), die sich in einem zweiten Bedeutungsstrang zu ‘zeigen, ankündigen’ (s. ↗sagen) entwickelt hat. Sehe f. ‘Pupille, Sehvermögen, Ansicht’, ahd. seha (9. Jh.), mhd. sehe; heute noch landschaftlich. Seher m. ‘Prophet’ (16. Jh.); vgl. mhd. sternseher. sehenswürdig Adj. ‘berühmt, außergewöhnlich und daher des Ansehens wert’ (18. Jh.); Sehenswürdigkeit f. (Anfang 19. Jh.). Sehkraft f. ‘Sehvermögen des Auges’ (Anfang 18. Jh.), älter Sehenskraft (Ende 17. Jh.). absehen Vb. ‘durch Beobachtung erlernen, woraus erkennen, merken, überblicken’ (16. Jh.), ‘auf etw. abzielen’ (17. Jh., dazu s. ↗Absicht), ‘verzichten’ (18. Jh.), mhd. abesehen ‘hinabsehen’; absehbar Adj. ‘überschaubar, erkennbar’ (18. Jh.), in absehbarer Zeit ‘bald’ (Ende 19. Jh.). ansehen Vb. ‘seinen Blick auf etw. richten, betrachten’, ahd. anasehan (8. Jh.), mhd. anesehen; Ansehen n. ‘Erscheinung’, auch (seit 16. Jh.) ‘Achtung, Wertschätzung’, mhd. anesehen ‘Anblick, Angesicht’; Ansicht f. ‘Seite, von der etw. betrachtet wird, Anblick, Bild’, auch (seit 19. Jh.) ‘Meinung’, ahd. anasiht (9. Jh.), mhd. anesiht ‘Anblick’; Ansichtskarte f. ‘Postkarte mit Landschaftsbild’ (Ende 19. Jh.); angesehen Part.adj. ‘geachtet’ (Anfang 18. Jh.); frühnhd. angesehen, (daß) … ‘in Anbetracht’. ansehnlich Adj. ‘angesehen, stattlich, wohlgefällig anzusehen’ (Ende 15. Jh.). aufsehen Vb. ‘emporschauen’, ahd. ūfsehan (um 900), mhd. ūfsehen; Aufsehen n. ‘(öffentliche) Beachtung’, spätmhd. ūfsehen; Aufseher m. ‘Aufsichtführender, Wächter’, spätmhd. ūfseher; Aufsicht f. ‘das Aufpassen, Kontrolle’ (16. Jh.); beaufsichtigen Vb. ‘(über etw.) die Aufsicht haben, kontrollieren’ (Anfang 19. Jh.). aussehen Vb. ‘einen bestimmten Anblick bieten’ (16. Jh.), vgl. mhd. ūʒsehen ‘hinaussehen’; Aussehen n. ‘äußere Erscheinung’ (17. Jh.), ‘Aussicht, Ausblick’ (16. Jh.); Aussicht f. ‘Blick in die Ferne’ (17. Jh.), ‘Zukunftsmöglichkeit, Erwartung’ (18. Jh.). nachsehen Vb. ‘hinterherschauen’, mhd. nāchsehen, auch ‘nachforschen’ (17. Jh.), ‘duldend geschehen lassen, verzeihen’ (16. Jh.); Nachsicht f. ‘verzeihende Haltung’ (18. Jh.), ‘Beaufsichtigung’ (17. Jh.). vorsehen Vb. ‘sich in acht nehmen, planen, in Aussicht nehmen’, ahd. furisehan ‘vorhersehen’ (8. Jh.), forasehan ‘vorhersehen, bedenken’ (9. Jh.), mhd. vür-, vorsehen ‘vorwärts sehen, sich in acht nehmen, wofür Sorge tragen’; Vorsehung f. ‘Schicksal’, mhd. vürsehunge ‘Obsorge, Schutz, Schicksal’; Vorsicht f. ‘Achtsamkeit, Behutsamkeit’, ahd. forasiht ‘Voraussicht, Vorsehung’ (um 1000, für lat. prōvidentia), spätmhd. vorsiht; vorsichtig Adj. ‘achtsam, behutsam’, ahd. forasihtīg ‘vorherschauend, voraussehend’ (um 1000), mhd. vür-, vorsihtic ‘voraussehend, einsichtig, verständig’. versehen Vb. ‘sich um etw. kümmern, ausstatten, ausrüsten, sich irren’, ahd. firsehan ‘verachten, verschmähen’ (8. Jh.), sih firsehan ‘bedacht sein’ (9. Jh.), mhd. versehen ‘vorhersehen, vorherbestimmen, besorgen, ausstatten, versorgen, übersehen, verachten, hoffen auf’; Versehen n. ‘Irrtum, unbeabsichtigter Fehler’ (17. Jh.), häufig aus Versehen ‘ohne Absicht’ (Anfang 19. Jh.). Zuversicht f. ‘Vertrauen in die Zukunft’, ahd. zuofirsiht ‘ehrfurchtsvolles Aufschauen, Hoffen’ (um 1000), mhd. zuoversiht.

Thesaurus

Synonymgruppe
(den) Blick heben · ↗aufblicken · ↗aufschauen · aufsehen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auge Augenblick Blatt Himmel Lektüre Lächeln Papier Schreibtisch Stern Teller an bewundernd dankbar einmal endlich erschrocken erstaunt erwartungsvoll fragend ich kaum kurz lächeln lächelnd nicken plötzlich sehen verwundert vor überrascht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufsehen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie sah treuherzig auf, viel zu blau, um zu antworten.
Brussig, Thomas: Helden wie wir, Berlin: Verl. Volk und Welt 1996 [1995], S. 180
Beim Halten des Zuges sah er auf, unsere Augen begegneten sich.
Die Zeit, 26.02.1968, Nr. 09
Ich hörte das Klappern des Geldes, aber ich sah nicht auf.
Müller-Jahnke, Clara: Ich bekenne. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1904], S. 9224
Lächelnd sah sie mit ihren unschuldigen Augen zu ihm auf.
Ganghofer, Ludwig: Der Dorfapostel, Stuttgart: Adolf Bonz 1917 [1900], S. 169
Er sah kurz auf, grüßte aber nicht zurück, wandte sich ab und ließ mich reden.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 895
Zitationshilfe
„aufsehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aufsehen>, abgerufen am 17.11.2019.

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