aufsetzen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungauf-set-zen
Wortzerlegungauf-setzen
Wortbildung mit ›aufsetzen‹ als Grundform: ↗Aufsatz
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. auf etw. setzen
a)
etw. auf den Kopf setzen
Gegenwort zu absetzen
Beispiele:
den Hut, die Mütze aufsetzen
dem Sieger den Lorbeerkranz, der Braut den Schleier aufsetzen
historischdem König die Krone aufsetzen
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlichdas setzt allem die Krone auf! (= das überbietet alles!) (= das ist die Höhe!)
dem Ehemann Hörner aufsetzen (= ihn ehebrecherisch betrügen)
Jägerspracheder Elch, Hirsch hat ein neues Geweih aufgesetzt (= ihm ist nach dem Abwerfen des alten Geweihes ein neues nachgewachsen)
übertragen jmdm., jmds. Hochmut, Ausgelassenheit einen Dämpfer aufsetzenihn zügeln, kleinlaut machen
Beispiel:
Vielleicht wollte sie meinem knabenhaften Dünkel einen Dämpfer aufsetzen [LöscherAlles Getrennte194]
b)
etw. auf das Gesicht setzen
Gegenwort zu absetzen
Beispiel:
eine Maske, die Brille, die Kopfhörer aufsetzen
übertragen eine Miene, ein Lächeln aufsetzenannehmen, bewusst zur Schau tragen
Beispiele:
spöttischeine Geschäftsmiene, Amtsmiene aufsetzen
eine frostige, mürrische, beleidigte, einfältige Miene aufsetzen
ein mokantes Lächeln aufsetzen
ein freundliches, unschuldiges Gesicht aufsetzen
Napoleon Fischer hatte schon wieder sein unbestimmbares Grinsen aufgesetzt [H. MannUntertan4,255]
c)
etw. aufs Feuer setzen
Beispiele:
Kartoffeln, Fleisch (zum Kochen) aufsetzen
(Tee)wasser aufsetzen
d)
etw. auf ein Kleidungsstück setzen; etw. aufnähen
Beispiele:
einen Flicken, eine bunte Borte aufsetzen
ein Kleid mit aufgesetzten Taschen, aufgesetztem Kragen
Er [der Schneider] soll neue Spiegel aufsetzen [Hausm.Überfall131]
e)
etw. auf die Leinwand setzen; etw. auftragen
Beispiele:
der Maler hat hier und da besondere Lichter aufgesetzt
einem Bild die letzten Lichter aufsetzen
wobei die Lichter mit aufgesetztem Weiß herausgetrieben werden [WölfflinDürer141]
f)
etw. auf den Erdboden setzen
Beispiele:
mein Fuß ist verletzt, ich kann ihn nicht aufsetzen (= kann nicht auftreten)
den Fuß auswärts, einwärts aufsetzen
Ich versuchte ihn [den Fuß] gleichmäßig und sicher aufzusetzen [RennKrieg411]
g)
etw. auf das Haus setzen; etw. aufstocken
Beispiele:
den Dachstuhl, ein Stockwerk aufsetzen
Diese Villa war ein Hochparterrebau mit aufgesetztem ersten Stock [FontaneTreibelI 3,308]
h)
veraltet etw. auf den Tisch setzen; etw. auftischen
Beispiele:
den Gästen das Beste, den besten Wein aufsetzen
die Männer aßen von den aufgesetzten Speisen [Stifter3,92]
Nachdem alles Eßbare aufgesetzt worden war [Immerm.Münchh.4,79]
2.
sich, jmdn., etw. aufrecht setzen, aufrichten
Beispiele:
sich, das Kind in seinem Bett, (Liege)stuhl aufsetzen
die Kranke wurde im Bett aufgesetzt
3.
auf den Erdboden niedergehen, landen
Beispiele:
das Flugzeug, die Maschine setzte sanft, leicht, hart (auf dem Erdboden) auf
der Düsenjäger braucht vom Aufsetzen bis zum Stillstand eine Rollbahn von zwei Kilometern
Skisportder Springer hatte im ersten Durchgang bei 71 Metern aufgesetzt
etw. landen
Beispiele:
der Pilot setzte das Flugzeug sicher auf
er konnte die schwere Maschine auf dem abschüssigen Gelände glatt aufsetzen
Seemannssprache ein Boot aufsetzenein Boot auf den Strand setzen, an Land ziehen
Beispiel:
Am westlichen Strand setzen sie das Boot auf [NachbarMond33]
4.
etw. schriftlich formulieren, den Wortlaut festlegen
Beispiele:
einen Brief, Bericht, ein Protokoll, Gesuch, eine Bittschrift, einen Kontrakt, ein Testament aufsetzen
eine Annonce, ein Inserat, Telegramm aufsetzen
5.
umgangssprachlich seinen Kopf aufsetzenauf seinem Willen beharren
Beispiele:
du musst nicht immer deinen Dickkopf aufsetzen!
Jetzt setzʼ ich einmal meinen Kopf auf, einen Ball will ich haben [NestroyZauberreiseII 12]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

setzen · gesetzt · Setzer · Setzling · absetzen · Absatz · Absetzung · aufsetzen · Aufsatz · aussetzen · beisetzen · Beisetzung · besetzen · Besatz · Besatzung · durchsetzen1 · durchsetzen2 · einsetzen · Einsatz · ersetzen · Ersatz · nachsetzen · übersetzen1 · übersetzen2 · Übersetzung · umsetzen1 · umsetzen2 · Umsatz · untersetzen · Untersatz · untersetzt · versetzen · vorsetzen · Vorgesetzter · Vorsatz · zusetzen · Zusatz
setzen Vb. ‘sitzen machen’, reflexiv ‘sich auf einem Platz niederlassen’, auch ‘an einer bestimmten Stelle abstellen, einpflanzen, festlegen, bestimmen’, ahd. sezzen ‘ab-, aufstellen, festlegen’ (8. Jh.), mhd. setzen, auch ‘stellen, legen, erzählen, bestellen, bestimmen’, reflexiv ‘sich niederlassen’, asächs. settian, mnd. mnl. setten, nl. zetten, afries. setta, aengl. settan, engl. to set, anord. setja, schwed. sätta, got. satjan (germ. *satjan) sind Kausativa zu dem unter ↗sitzen (s. d.) behandelten Verb und verwandt mit den zur gleichen Wurzel gehörenden Kausativen air. adsuidi ‘schiebt auf, verzögert, hält auf’ und mit Dehnstufe aind. sādáyati ‘läßt niedersitzen’, aslaw. saditi, russ. sadít’ (садить) ‘setzen, pflanzen, anbauen’ sowie umgebildetem lit. sodìnti ‘setzen, pflanzen’. gesetzt Part.adj. ‘ernst, ruhig, besonnen, ausgeglichen, gesittet’, hervorgegangen (18. Jh.) aus dem Part. Prät. von durch Präfix verstärktem mhd. gesetzen ‘sich setzen machen, einrichten, beruhigen, stillen’. Setzer m. ‘Schriftsetzer’ (16. Jh.), ahd. sezzāri ‘Stifter, Ordner, Verfasser’ (10. Jh.), mhd. setzer ‘wer etw. setzt, Aufsteller, Taxator’. Setzling m. ‘zum Verpflanzen bestimmte junge Pflanze, junger, in einen Teich einzusetzender Fisch’, mhd. setzelinc. absetzen Vb. ‘des Amtes entheben, außer Funktion setzen, abtrennen, herunternehmen, abziehen, mindern, verkaufen, (sich) abheben’, mhd. abesetzen ‘des Amtes entheben, Bestehendes abschaffen, Personen abwerben, entwöhnen, herunternehmen, abziehen’; es setzt etw. ab ‘es gibt etw., es springt etw. dabei heraus’ (17. Jh.); Absatz m. ‘Unterbrechung, Abschnitt, Abstufung’ (15. Jh.), ‘Verkauf, Vertrieb’ (16. Jh., geläufig seit 2. Hälfte 18. Jh.), ‘Ablagerung’ (18. Jh.), spätmhd. abesaz ‘Minderung, Einschränkung, Amtsenthebung’; Absetzung f. ‘Entlassung, Herabsetzung’ (15. Jh.), mnd. afsettinge (14. Jh.). aufsetzen Vb. ‘auf den Kopf setzen, schriftlich formulieren’, ahd. ūfsezzen ‘auf etw. setzen, aufhängen’ (9. Jh.), mhd. ūfsetzen ‘aufladen, aufs Haupt setzen, zuerkennen, auferlegen, anordnen, einsetzen, feindselig behandeln, sich aufmachen’; Aufsatz m. ‘Aufbau, aufgesetzter Teil, kurze Abhandlung, Artikel’, mhd. ūfsaz ‘(Auferlegung von) Steuern, Festsetzung, Bestimmung, Vorsatz, Plan, Feindschaft’. aussetzen Vb. ‘festsetzen, zur Verfügung stellen, ins Freie setzen, unterbrechen, aufhören, beanstanden’, mhd. ūʒsetzen ‘absondern, entfernen, ausräumen, ausstatten, verpfänden, festsetzen, bestimmen’. beisetzen Vb. ‘neben anderes hinzusetzen, hinzufügen’ (15. Jh.), ‘begraben, bestatten’ (17. Jh.); Beisetzung f. ‘Bestattung, Hinzufügung’ (17. Jh.). besetzen Vb. ‘einen Platz belegen, eine Stelle vergeben, einnehmen, erobern, mit Truppen belegen’, ahd. bisezzen ‘einnehmen, bewachen’ (8. Jh.), mhd. besetzen ‘umstellen, umlagern, festsetzen, bestimmen, anklagen, in Beschlag nehmen’; Besatz m. ‘Besatzung’ (17. Jh.), ‘aufgenähte Bänder, Rüschen, Aufgesetztes’ (18. Jh.), jägersprachlich ‘Wildbestand’ (18. Jh.); Besatzung f. ‘besetzte Stellung, Festung’ (15. Jh.), ‘Truppen, die fremdes Staatsgebiet besetzt halten, Truppe einer Verteidigungsanlage, Schiffsmannschaft’ (16. Jh.). durchsetzen1 Vb. ‘mit etw. versehen, ausstatten, etw. miteinander vermischen, einer Masse beimengen’, mhd. durchsetzen ‘vollständig mit etw. besetzen, belegen, auslegen, zieren’; durchsetzen2 Vb. ‘sich hindurchbewegen’ (16. Jh.), ‘ein Vorhaben (gegen Widerstand) ausführen’ (17. Jh.). einsetzen Vb. ‘in etw. hineinsetzen, ernennen, wirksam werden lassen, beginnen’, ahd. insezzen ‘ins Grab legen, jmdn. mit etw. beladen’ (9. Jh.), mhd. īnsetzen ‘ein-, hineinsetzen, -legen, verpfänden’; Einsatz m. ‘das Einsetzen, das Eingesetzte, Beginn, Anstrengung, Bemühung, auswechselbarer Teil’, mhd. īn-, insaz ‘das Hineinsetzen, Hineingesetzte, Einsetzung’. ersetzen Vb. ‘auswechseln, als Ersatz dienen, vertreten, erneuern’, ahd. irsezzen ‘wiederherstellen’, auch (z. B. von Grütze) ‘ansetzen’ (8. Jh.), mhd. ersetzen ‘eine entstandene Lücke ausfüllen, ansetzen, anflicken, mit Gewürz versetzen, bereiten’; Ersatz m. ‘was als Erneuerung, Vertretung oder Wiederherstellung dient’ (18. Jh.), älter ‘Strafe’ (15. Jh.). nachsetzen Vb. ‘hinterherjagen, verfolgen’ (16. Jh.), ‘später dazugeben, unterordnen, beifügen’ (15. Jh.). übersetzen1 Vb. ‘von einem Flußufer zum anderen fahren, bringen’, ahd. ubarsezzen ‘von einem Ort an einen anderen bringen’ (um 800), mhd. übersetzen ‘hinüberversetzen’; übersetzen2 Vb. ‘aus einer Sprache in eine andere übertragen, dolmetschen’ (17. Jh., vgl. bereits mnd. ōversetten, 15. Jh.), nach lat. trādūcere oder trānsferre; vgl. mhd. übersetzen ‘übermäßig besetzen, besteuern, schriftlich verfassen’; Übersetzung f. ‘Übertragung in eine andere Sprache’ (16. Jh.), in der Technik ‘Getriebeteil’ (um 1900); vgl. mhd. übersetzunge ‘Überordnung, Erhöhung’. umsetzen1 Vb. ‘umhegen, einfassen, umstellen, umzingeln’, ahd. umbisezzen ‘umschließen, umstellen’ (um 1000), spätmhd. umbesetzen; umsetzen2 Vb. ‘an einen anderen Ort bringen’ (14. Jh.), ‘umtauschen, verkaufen’ (17. Jh., vgl. mnd. ummesetten, um 1400), ‘in eine andere Form bringen’ (17. Jh., vorher bereits mnd.); Umsatz m. ‘Tausch, Kauf und Verkauf im Handel’ (Anfang 18. Jh., zuvor mnd. ummesat). untersetzen Vb. ‘daruntersetzen, unterlegen’, mhd. undersetzen; vgl. ahd. untarsezzen ‘unterwerfen, unterordnen’ (um 900); Untersatz m. ‘Unterlage’, mhd. undersaz; untersetzt Part.adj. ‘gedrungen, kräftig’ (16. Jh.), eigentlich wohl ‘mit Muskelfleisch unterlegt, fleischig’. versetzen Vb. ‘zusammenfügen, anordnen, an einen anderen Platz setzen, verrücken, zum Pfand geben, verkaufen, antworten, einen Schlag zufügen’ (eins versetzen, 17. Jh.), ahd. firsezzen ‘abwenden, aussetzen, verpflichten’ (9. Jh.), mhd. versetzen ‘hinsetzen, legen, als Bürgen stellen, verpfänden, beiseite setzen, verlieren, abwehren, parieren, versperren, aufstauen’. vorsetzen Vb. ‘weiter nach vorn setzen (in der Ordnung oder Reihenfolge), vor jmdn. hinsetzen, anbieten’, ahd. furisezzen (8. Jh.), mhd. vürsetzen; Vorgesetzter m. ‘Chef, Leiter’ (16. Jh.); vgl. ahd. foragisaztēr (9. Jh.), Übersetzung von lat. praepositus ‘Aufseher, Vorsteher’; Vorsatz m. ‘Vorhaben, Plan, Absicht’, mhd. vürsaz. zusetzen Vb. ‘hinzufügen, draufzahlen und damit verlieren, Reserven angreifen, jmdn. bedrängen’, ahd. zuosezzen ‘hinzufügen’ (8. Jh.), mhd. zuosetzen ‘hinzustellen, feindlich eindringen, verfolgen’; Zusatz m. ‘Hinzugefügtes, das Hinzufügen’, mhd. zuosaz, auch ‘Hilfstruppen, Besatzung, Beisitzer’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abfassen · ↗aufnotieren · aufsetzen · ↗formulieren · ↗niederschreiben · ↗skizzieren · ↗umreißen · ↗verfassen
Synonymgruppe
(Software) installieren · aufsetzen · ↗aufspielen · ↗ausrollen (neuer Systeme) · ↗bespielen (mit) · ↗einspielen  ●  draufbügeln  ugs.
Synonymgruppe
aufsetzen · ↗herabfliegen · ↗landen  ●  ↗einschweben  ugs.
Synonymgruppe
(den) Kopf hochnehmen · ↗(sich) aufrichten · (sich) aufsetzen · ↗(sich) emporrecken · ↗(sich) hochrecken
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brille Dämpfer Ganze Gasmaske Glanzlicht Grinsen Helm Horn Hut Kappe Kopfhörer Krone Landebahn Lesebrille Lächeln Maschine Maske Miene Mütze Narrenkappe Perücke Pokerface Sahnehäubchen Sonnenbrille Stahlhelm Strohhut Tarnkappe Teewasser Testament setzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufsetzen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dabei setzte er seine Füße fast auf einer Linie auf, und die Zehen zeigten leicht nach außen.
Süddeutsche Zeitung, 05.02.2002
Dann nimmt er ihn mit der Hand und setzt ihn auf.
Der Tagesspiegel, 20.01.2001
Dann gingen wir in die Küche, und sie setzte den Kaffee auf.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 103
Ich muß die Briefe aufsetzen, denn wir machen auch vieles schriftlich.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 16.07.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Er zieht den Mantel an, er setzt den Hut auf, er steht zögernd inmitten des Zimmers.
Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 2, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 190
Zitationshilfe
„aufsetzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aufsetzen>, abgerufen am 09.12.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
aufseiten
aufsein
aufseilen
Aufseherin
Aufseher
Aufsetzer
aufseufzen
Aufsicht
Aufsicht führend
Aufsichter