aufstehen

GrammatikVerb · stand auf, ist/hat aufgestanden
Aussprache
Worttrennungauf-ste-hen
Wortzerlegungauf-stehen
Wortbildung mit ›aufstehen‹ als Erstglied: ↗Stehaufmännchen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
sich erheben
a)
von seinem Sitzplatz
Beispiele:
eilig, langsam, mühsam, geräuschvoll, entschlossen aufstehen und jmdn. begrüßen
bei jmds. Eintritt aufstehen
Jugendliche sollen vor alten Leuten in der Straßenbahn aufstehen (= ihren Sitzplatz anbieten)
satt vom Tisch, Essen aufstehen
b)
von seinem Nachtlager
Beispiele:
spät, um 5 Uhr früh, mit der Sonne aufstehen
gehoben vor Tau und Tag aufstehen
umgangssprachlich mit den Hühnern aufstehen
mit schwerem Kopf, völlig zerschlagen, übel gelaunt aufstehen
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlich er ist heute mit dem linken Bein zuerst aufgestanden (= ist übel gelaunt)
salopp da musst du eher aufstehen! (= bei mir richtest du so nichts aus!)
c)
von seinem Krankenlager
Beispiele:
wenn du fieberfrei bist, darfst du aufstehen
vor 14 Tagen soll er nicht aufstehen
d)
gehoben, übertragen entstehen
Beispiele:
Feindschaft, Hass stand in ihm auf
In mir stand damals ein großes Gefühl auf [H. Mann8,233]
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
sich empören
Beispiele:
gegen, wider jmdn., etw. aufstehen
das Volk stand wie ein Mann gegen ihn, gegen das Regime auf
im Mai 1525 waren die Bauern aufgestanden
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
offen stehen
Beispiele:
die Tür, das Fenster steht weit auf
die ganze Nacht hat das Tor aufgestanden
4.
mit Hilfsverb ›ist‹
Jägersprache vom Boden auffliegen
Beispiele:
vor dem Hund, Jäger stand plötzlich ein Volk Rebhühner auf
von einem Gewässer stehen die Enten auf
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stehen · gestanden · abstehen · Abstand · auferstehen · Auferstehung · aufstehen · Aufstand · aufständisch · ausstehen · Ausstand · Außenstände · beistehen · Beistand · bestehen · Bestand · beständig · Bestandteil · einstehen · Einstand · entstehen · gestehen · eingestehen · zugestehen · geständig · Geständnis · Umstand · unterstehen1 · Unterstand · unterstehen2 · vorstehen · Vorsteher · Vorstand · zustehen · Zustand · zuständig
stehen Vb. ‘auf die Füße gestellt sein, auf einer Stelle verharren’ geht zurück auf ahd. (8. Jh.), mhd. stēn, woraus (bei Überführung in die regelmäßige Konjugation mit zur Silbentrennung und wohl auch als Dehnungszeichen nach dem Muster von ↗sehen, s. d., eingefügtem h) stehen (zuerst md. 14. Jh.) wird. Ahd. mhd. stēn ist eine (wohl unter dem Einfluß von ahd. mhd. gēn neben gān, s. ↗gehen, entstandene) Nebenform zu ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. stān, mnl. staen, nl. staan, schwed. stå. Daneben besteht ein nasalierter und Dentalerweiterung aufweisender Stamm germ. *stand- in ahd. stantan (8. Jh.), mhd. standen, asächs. standan, mnl. standen, aengl. standan, engl. to stand, anord. standa, got. standan (wozu auch ↗Stand und mit sekundärem Ablaut ↗Stunde, s. d., gehören). Wie Präteritalformen ohne n (got. stōþ, stōþum, aengl. stōd, stōdon, engl. stood ‘stand, standen’) zeigen, war der Nasal in germ. *stand- ursprünglich nur präsensbildend. Verwandt sind aind. sthā- ‘stehen’, tíṣṭhati ‘steht’, griech. histánai, Aorist stḗnai (ἱστάναι, στῆναι) ‘stellen’, lat. stāre ‘stehen’, air. tair(ṡ)issiur ‘stehe, bleibe stehen’, lit. stóti ‘sich (hin)stellen, treten’, aslaw. stojati, russ. stoját’ (стоять) ‘stehen’, aslaw. stati ‘sich stellen’, russ. stat’ (стать) ‘werden, anfangen, sich stellen’. Man vereinigt alle Formen unter einem Wurzelansatz ie. *stā, *stə- ‘stehen, stellen’ und betrachtet die aspirierte Tenuis (th) des Aind. als Neuerung gegenüber der ie. Ausgangsform. Das ā in den Kurzformen des germ. Verbs (statt eines lautgesetzlich zu erwartenden germ. ō) geht auf eine frühe Angleichung an das unter ↗gehen (s. d.) behandelte, zur Wurzel ie. *g̑hē-, *g̑hēi- gehörende Gegenwort zurück (vgl. ahd. mhd. gān, s. oben). An die Wurzel ie. *stā- bzw. deren unterschiedliche Erweiterungen schließen sich eine Vielzahl von Wörtern an (s. z. B. ↗Stadel, ↗Stadt, ↗Statt, ↗Staude, ↗stauen, ↗staunen, ↗stet, ↗Steuer f. ↗Steuer n., ↗stieren, ↗Stuhl, ↗stur, ↗Stute, ↗stützen). gestanden Part.adj. ‘erfahren, gesetzt’ (ein gestandener Mann), spätmhd. gestanden ‘groß, erwachsen’, also wohl ‘zum Stehen gekommen’. abstehen Vb. ‘von etw. ablassen, abgehen, von etw. entfernt sein’, seit dem 16. Jh. auch ‘durch langes Stehen an Qualität verlieren, verderben’, mhd. abestān, abestēn, auch ‘absteigen’ (vom Pferd); Abstand m. ‘Distanz, Entfernung’ (17. Jh.), ‘das Ablassen, Aufgeben von etw.’ (15. Jh.), Abstand nehmen von etw. ‘auf etw. verzichten’ (19. Jh.). auferstehen Vb. ‘vom Tode wieder erstehen’, ahd. ūfirstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. ūferstān ‘aufstehen, sich erheben, vom Tode auferstehen’; Auferstehung f. ‘Wiedererwecktwerden vom Tode’ (15. Jh.); vgl. mhd. ūferstandunge. aufstehen Vb. ‘sich erheben’, ahd. ūfstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. ūfstān, auch ‘jmdm. aufkündigen, aus dem Dienst treten’; Aufstand m. ‘Erhebung, Empörung, Aufruhr’, spätmhd. ūfstant; aufständisch Adj. ‘aufrührerisch, sich erhebend, empörend’ (19. Jh.). ausstehen Vb. ‘fällig, zu zahlen sein’ (14. Jh.), ‘weggehen, seinen Dienst verlassen, eine Verpflichtung erfüllen’ (15. Jh.), ‘etw. bis zum Ende durchstehen, ertragen, aushalten’ (16. Jh.), mhd. ūʒstān, -stēn ‘aus-, wegbleiben, ausruhen (vom Pferd)’; Ausstand m. ‘Arbeitsniederlegung, Streik’; seit dem 17. Jh. im Obd. (zunächst im Bair.) in der speziellen Bedeutung ‘Ausscheiden aus einem Dienst, einer Stellung’ (Gegensatz Einstand, s. unten); seit den 80er Jahren des 19. Jhs. auf Arbeitsniederlegungen bezogen; in dieser Bedeutung seit etwa 1890 allgemein verbreitet neben dem aus dem Engl. entlehnten Konkurrenzwort ↗Streik (s. d.). Außenstände Plur. ‘fälliges, noch nicht (zurück)gezahltes Geld’ (19. Jh.); älter Ausstände Plur., Ausstand m., mhd. ūʒstant ‘ausstehendes Geld’. beistehen Vb. ‘unterstützen, helfen’, ahd. bīstantan, -stān, -stēn (9. Jh.), mhd. bīstān ‘dabeistehen, Hilfe leisten’; Beistand m. ‘Hilfe, Unterstützung’, spätmhd. bīstant. bestehen Vb. ‘(auf längere Zeit) existieren, vorhanden sein, erfolgreich zum Ende führen’, ahd. bistantan, -stān, -stēn ‘bleiben, verharren’ (9. Jh.), mhd. bestān, bestēn ‘stehenbleiben, standhalten, umstehen, entgegentreten, feindlich angreifen, etw. unternehmen’; Bestand m. ‘Dauer, Existenz, Vorrat’, frühnhd. bestant (Anfang 15. Jh.), auch ‘Waffenstillstand, Pacht’; vgl. ahd. bistentida f. (10. Jh.); beständig Adj. ‘dauerhaft, immer wiederkehrend, festbleibend’, mhd. bestendec; Bestandteil m. ‘Teil eines Ganzen, einer größeren Einheit’ (18. Jh.). einstehen Vb. ‘für etw. eintreten, bürgen, etw. verantworten’ (18. Jh.), frühnhd. ‘in eine Gemeinschaft eintreten, einen Dienst antreten’, spätmhd. īnstān (substantiviert) ‘das In-sich-selbst-Sein’; Einstand m. ‘Amts-, Dienstantritt, Eintrittsleistung, -geld, Eintrittsschmaus’, spätmhd. īnstant ‘Vorkaufsrecht, Einstellung der Gerichtsverhandlung’. entstehen Vb. ‘sich entwickeln, hervorgehen’, ahd. intstantan, -stān, -stēn ‘verstehen’ (8. Jh.), mhd. entstān, -stēn ‘verstehen, wahrnehmen, merken’, vom Mhd. an auch (gemäß den unterschiedlichen Verwendungen von ↗ent-, s. d.) ‘sich von etw. wegstellen, entgehen, mangeln’ (so bis ins 19. Jh.) und ‘zu sein beginnen, werden’. gestehen Vb. ‘bekennen, nicht leugnen’, ahd. gistantan, -stān, -stēn ‘(be)stehen, fest-, stillstehen, beruhen, aufhören, anfangen, standhalten’ (9. Jh.), mhd. gestān, -stēn, auch ‘sich stellen, treten, beistehen, zugestehen, wozu stehen, bekennen (vor Gericht), kosten’; eingestehen Vb. ‘bekennen’ (18. Jh.); zugestehen Vb. ‘gewähren, einräumen’ (17. Jh.); vgl. mhd. zuogestēn ‘mit jmdm. einmütig sein, zur Seite stehen’; geständig Adj. ‘seine Schuld bekennend’ (16. Jh.), mhd. gestendec ‘beständig, unveränderlich, einwilligend, zustimmend, hilfreich’; Geständnis n. ‘Bekenntnis der Schuld, das Eingestehen’ und ‘das Eingestandene’ (17. Jh.). Umstand m. ‘besondere Lage, Sachverhalt’ (15. Jh.), in (gesegneten, anderen) Umständen sein ‘schwanger sein’ (17. Jh.), ‘Umschweif, Umständlichkeit’ (15. Jh.), (keine) Umstände (‘Umständlichkeiten’) machen (16. Jh.), ‘(keine) Mühe, Förmlichkeit machen’ (18. Jh.); vgl. mhd. umbestant ‘was, wer herumsteht’ (kollektiver Sing.). unterstehen1 Vb. ‘unter einem Schutzdach stehen, sich unterstellen’, spätmhd. understān, -stēn; Unterstand m. ‘Unterkunft, wo man sich unterstellt, Schutz’ (16. Jh.), militärisch ‘abgedeckter Schutzraum’ (19. Jh.), spätmhd. understant ‘Stütze, Hilfe’. unterstehen2 Vb. ‘untergeordnet, unterstellt sein’ (17. Jh.), reflexiv ‘wagen, sich erlauben, erdreisten’ (16. Jh.), ahd. untarstantan, -stān, -stēn ‘haltmachen, zukommen’ (8. Jh.), mhd. understān, -stēn ‘zustande bringen, bewirken, bestehen, bekämpfen’, reflexiv ‘etw. unternehmen, sich einer Sache unterziehen’. ↗verstehen s. d. vorstehen Vb. ‘hervorragen, an der Spitze stehen, leiten’, ahd. forastantan, -stān, -stēn ‘voranstehen, sich auszeichnen, vorhanden sein’ (9. Jh.), mhd. vorestān, -stēn ‘bevorstehen, sorgen für, regieren’; Vorsteher m. ‘Leiter’ (16. Jh.); Vorstand m. ‘Leitungsgremium, Leiter’ (Anfang 19. Jh.), älter ‘Verteidiger, Bürge’ (15. Jh.), ursprünglich auch ‘Zustand des Stehens vor einem anderen oder etw. anderem, Bürgschaft, erste Stelle’ (16. Jh.). Widerstand, widerstehen s. ↗wider. zustehen Vb. ‘von Rechts wegen gebühren, Anspruch auf etw. haben’ (15. Jh.), mhd. zuostān, -stēn ‘verschlossen sein, zu einem treten, ihm beistehen, zukommen, angehören, zuständig sein’; Zustand m. ‘Art und Weise, Verhältnisse, worin sich Personen und Dinge befinden’ (17. Jh.), älter ‘Hinzugehöriges, Dabeistehendes’ (15. Jh.); zuständig Adj. ‘zur Sache gehörig, kompetent’, auch ‘dazugehörig’ (16. Jh.), ‘zeitlich bevorstehend’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(weit) offen stehen · aufstehen · ↗gähnen · ↗klaffen · offen sein
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) aufrichten · ↗(sich) erheben · ↗aufschnellen · ↗aufspringen · aufstehen
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) auf die Füße stellen · ↗(sich) hinstellen · (sich) hochkämpfen · ↗(sich) hochrappeln · auf die Beine kommen · auf die Füße kommen · aufstehen · ↗hochkommen  ●  in die Senkrechte kommen  ugs., scherzhaft
Assoziationen
Synonymgruppe
(das) Bett verlassen · (den) Tag beginnen · aufstehen · aus dem Bett aufstehen · aus dem Bett springen · aus den Federn kriechen · aus den Federn müssen · ↗herausmüssen  ●  ↗rausmüssen  ugs.
Assoziationen
Antonyme
  • zu Bett gehen
Synonymgruppe
(den) Platz freimachen · ↗(sich) erheben · (sich) von den Plätzen erheben · (sich) von seinem Platz erheben · (vom Stuhl) aufstehen  ●  (den) Hintern anlüften  ironisch
Assoziationen
  • (das) Feld räumen · (den) Platz freigeben · (den) Platz freimachen · (den) Platz räumen · (den) Platz verlassen  ●  (einen oder mehrere Plätze) weiterrücken  ugs.
  • (sich) auf die Füße stellen · ↗(sich) hinstellen · (sich) hochkämpfen · ↗(sich) hochrappeln · auf die Beine kommen · auf die Füße kommen · aufstehen · ↗hochkommen  ●  in die Senkrechte kommen  ugs., scherzhaft
  • (das) Bett verlassen · (den) Tag beginnen · aufstehen · aus dem Bett aufstehen · aus dem Bett springen · aus den Federn kriechen · aus den Federn müssen · ↗herausmüssen  ●  ↗rausmüssen  ugs.
Antonyme
Synonymgruppe
aufgestanden! · hoch mit dir! · hoch mit euch!  ●  (los jetzt,) aufstehen!  ugs. · Erhebe dich, du schwacher Geist!  ugs., ironisch · komm(t) hoch!  ugs. · raus aus den Federn!  ugs.
Assoziationen
  • (das) Bett verlassen · (den) Tag beginnen · aufstehen · aus dem Bett aufstehen · aus dem Bett springen · aus den Federn kriechen · aus den Federn müssen · ↗herausmüssen  ●  ↗rausmüssen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bett Fenster Menschlichkeit Morgen Schreibtisch Stuhl Tisch Uhr applaudieren da dann du früh frühstücken hinfallen hinsetzen hinübergehen ich irgendwann klatschen mitten morgens nachts plötzlich sofort stehen weggehen wieder wiedersetzen zeitig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufstehen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er ist ungewöhnlich früh aufgestanden, um 7 Uhr, um ab 10 Uhr bei MTV drei Interviews zu geben.
Die Zeit, 18.03.2013, Nr. 11
Während des Essens stand Heck auf, wandte sich mit einer Rede an seine Gäste.
Bild, 26.09.2005
Wenn eine sitzende Dame mit einer stehenden Dame bekannt gemacht werden soll, sollte die sitzende Dame aufstehen.
Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 68
Doch als es in den Vormittag hineinging, stand er auf.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 200
Ohne daß jemand das Zeichen gegeben zu haben schien, war man gleichzeitig aufgestanden.
Borchardt, Rudolf: Vereinigung durch den Feind hindurch, Frankfurt a. M.: Ullstein 1982 [1937], S. 34
Zitationshilfe
„aufstehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aufstehen>, abgerufen am 21.04.2019.

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