aus dem Leim gehen

Grammatik Mehrwortausdruck
Bestandteile Leimgehen

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  1. 1. [umgangssprachlich] ⟨etw. geht aus dem Leim⟩ von etw. Zusammengeleimtem, Zusammengeheftetem; marode werden, auseinanderbrechen, zerfallen
    1. ● [übertragen] von Beziehungen, Systemen o. Ä.: kaputt gehen, scheitern
  2. 2. [umgangssprachlich] ⟨jmd. geht aus dem Leim⟩ dick werden, sichtbar zunehmen
ZDL-Vollartikel, 2020

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich etw. geht aus dem Leimvon etw. Zusammengeleimtem, Zusammengeheftetem   marode werden, auseinanderbrechen, zerfallen
Beispiele:
»Grundbuch« heißt es lapidar auf der ersten Seite des ledergebundenen alten Buchs. Der Einband ist fleckig, die Seiten sind vergilbt und teilweise buchstäblich aus dem Leim gegangen. [Mittelbayerische, 30.04.2019]
Dieses Jahr, das wurde bereits im Winter klar, müssen dringend die Umkleiden saniert werden, die völlig aus dem Leim gehen und nur noch […] mühsam zusammengehalten werden. [Münchner Merkur, 20.07.2017]
»Die alte Küche war ein einziges Sammelsurium von alten Möbeln, die teilweise noch aus DDR‑Zeiten stammten«, sagt die Kita‑Leiterin. Vor allem die Schränke sind aus dem Leim gegangen, die Türen haben nicht mehr richtig geschlossen. [Leipziger Volkszeitung, 13.01.2011]
Die Idee [des Möbelbauens] keimte schließlich, als ihnen auffiel, wie bequem ein paar alte Sessel in ihrem Büro waren, die allmählich aus dem Leim gingen. Dadurch wurde das Sitzen »weicher«. Und da die wenigsten Menschen hart sitzen wollen, sollte das neue Stück mit einer permanenten Mikrobewegung umgehen können. [Der Standard, 26.04.2004]
Heikel [ist bei Schuhen] auch der Moment der Verbindung des Oberleders mit der Sohle. Mit Kleben ist es nicht getan. Damit Schuhe nicht aus dem Leim gehen, müssen sie zwiegenäht werden. [Süddeutsche Zeitung, 03.07.1999]
übertragen von Beziehungen, Systemen o. Ä.   kaputt gehen, scheitern
Beispiele:
Die Welt mag gerade aus dem Leim gehen, die Deutschen aber reisen. Die Flüchtlinge an den Grenzen und im Mittelmeer mögen sie betreten machen, die Reisewarnungen und Terroranschläge manchen bewegen, doch noch umzuplanen. […] Zu Hause bleibt deswegen aber kaum einer. [Süddeutsche Zeitung, 01.08.2015]
Ja, die Midlife‑crisis ist ein Klischee – bis man sie hat. Dann aber herrscht Heulen und Zähneklappern. Wer das nicht glaubt, braucht bloß die einschlägigen Websites, Foren und Chatrooms anzuklicken, in denen die Leute sich ausheulen, die nicht wissen, warum ihr Leben auf einmal aus dem Leim geht oder warum der Partner ihnen abhanden gekommen ist. [Welt am Sonntag, 20.02.2005]
Die Gülen‑These wirkt [vor Gericht] […] wie ein mühsam zusammengebasteltes Konstrukt, das an ein paar Stellen schon aus dem Leim geht. Unstrittig ist bei den meisten Experten, dass es Gülenisten im Militär gab und dass einige auch am Putschversuch beteiligt waren. Westliche Geheimdienste gehen allerdings davon aus, dass es die von der Staatsanwaltschaft behauptete Fethullah‑Gülen‑Terrororganisation nicht gibt und nie gab. [Die Welt, 03.08.2017]
Der Mann heißt Kamphausen, und er ist, wie alle Untergeher, eine komische Figur – doch der ihn spielt ist ein Siegertyp: 350mal ist er vor vollen Kabarett‑ und Theatersälen in der Bundesrepublik aufgetreten, und auch im Fernsehen durfte er beschreiben, wie ihm die Welt und der Lebenssinn aus dem Leim gehen: Mit dem Seufzer »Konfetti, nichts als Konfetti, wo man hinsieht« beklagte er den Verfall der alten Gewißheiten. [Der Spiegel, 06.04.1992, Nr. 15]
2.
umgangssprachlich jmd. geht aus dem Leimdick werden, sichtbar zunehmen
Beispiele:
Keine Diskussion über die dicken Deutschen kommt ohne den alarmierenden Hinweis aus, dass nicht nur die Erwachsenen aus dem Leim gehen, sondern auch die Kinder immer voluminöser werden. [Süddeutsche Zeitung, 08.09.2011]
Ein wenig aus dem Leim gegangen bin ich in den letzten Monaten schon. Das macht die Winterfaulheit einerseits und der Hang zu leckerem Essen und dem einen oder anderen Bierchen andererseits. [Allgemeine Zeitung, 25.03.2004]
Tank Tops kann nicht jeder tragen. Sie inszenieren den jugendlichen, muskulösen Körper. Wer schon etwas aus dem Leim gegangen ist, der fühlt sich im Tank Top eher entblößt und seine Unförmigkeit den Blicken ausgesetzt. [Süddeutsche Zeitung, 08.10.2016]
Ob »Hüftgold«, »Bierspoiler«, »Rettungsringe« oder »Love handles« – selbst die spaßigsten Umschreibungen lassen keinen Zweifel daran, dass auch Männer um ihr Aussehen besorgt sind, wenn ihre Figur aus dem Leim geht. [Die Welt, 05.03.2016]
Wenn all diese Komponenten gemeinsam auftreten (Überangebot an Futter, Mangel an Bewegung, fehlendes Sättigungsgefühl), dann kann manche Katze schon etwas aus dem Leim gehen. [Katzen machen sich sicherlich wenig Gedanken um ihr Gewicht, 17.08.2015, aufgerufen am 15.09.2018]
Ursula W[…] erzählt lebhaft und gerne. Nur ein Thema war jahrelang tabu: Ihre Figur, die immer mehr aus dem Leim ging. 119 Kilo, Kleidergröße 52. Als dieser Höchststand erreicht war, durfte nicht einmal mehr der Ehemann einen Blick auf die Badezimmerwaage werfen. [Süddeutsche Zeitung, 13.09.1999]

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich selbst) zerlegen · (sich) in seine Einzelteile auflösen · ↗auseinanderbrechen · ↗auseinanderfallen · ↗durchbrechen · ↗entzweibrechen · ↗entzweigehen · in ... Teile zerbrechen · in Stücke brechen · in alle Einzelteile auseinanderfallen · in den Eimer gehen · in die Brüche gehen · in seine Einzelteile auseinanderfallen · in zwei Teile brechen · ↗kaputtgehen · mitten durchbrechen · ↗zerbröckeln · zerfetzt werden · zerstört werden  ●  (sich) in Wohlgefallen auflösen  ironisch · (die) Grätsche machen  ugs., salopp · aus dem Leim gehen  ugs. · ↗auseinandergehen  ugs. · in Stücke gehen  ugs. · in die Binsen gehen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • außer Betrieb · funktioniert nicht (mehr) · funktionsunfähig · ↗funktionsuntüchtig · hat seine Funktion eingestellt · in die Brüche gegangen · läuft nicht · nicht funktionierend · nicht mehr benutzbar  ●  ↗defekt  Hauptform · abgekackt  ugs. · fratze  ugs. · geht nicht (mehr)  ugs. · ↗hin  ugs. · im Eimer  ugs. · ↗kaputt  ugs. · verreckt  ugs.
  • (völlig) kaputt · ↗baufällig · ↗entzwei · ↗irreparabel · ↗marode · nicht mehr zu gebrauchen · ↗unbrauchbar · vernichtet · zerbrochen · ↗zermahlen · zermalmt · zerstört · zertrümmert  ●  aus dem Leim gegangen  ugs. · ↗auseinander  ugs. · geschrottet  ugs. · ↗hin  ugs. · ↗hinüber  ugs. · im Arsch  derb · im Eimer  ugs. · reif für den Sperrmüll  ugs. · reif für die Tonne  ugs. · schrottig  ugs. · völlig hinüber  ugs. · zu nichts mehr zu gebrauchen  ugs. · ↗zuschanden  geh., veraltend
Zitationshilfe
„aus dem Leim gehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aus%20dem%20Leim%20gehen>, abgerufen am 08.08.2020.

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