ausbalancieren

GrammatikVerb · balanciert aus, balancierte aus, hat ausbalanciert
Aussprache
Worttrennungaus-ba-lan-cie-ren
Wortzerlegungaus-balancieren
Wortbildung mit ›ausbalancieren‹ als Erstglied: ↗Ausbalancierung
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. ins Gleichgewicht bringen, im Gleichgewicht halten
Beispiel:
der Seiltänzer muss sein Körpergewicht, der Jongleur die aufeinandergestellten Gegenstände genau ausbalancieren
häufig, übertragen
Beispiele:
verschiedene Meinungen, Interessen, Kräfte geschickt, klug ausbalancieren
um Einnahmen und Ausgaben ausbalancieren zu können [Thälm.Reden1,95]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Balance · balancieren · ausbalancieren · Balancierstange
Balance f. ‘Gleichgewicht’. Auf spätlat. bilanx ‘Waage mit zwei Waagschalen’ (s. ↗bi- und vgl. lat. lanx, Genitiv lancis, ‘Schüssel, Schale’) geht vlat. *bilancia zurück, die Vorstufe von ital. bilancia ‘Waage’ (wovon bilanciare ‘abwägen, prüfen’ und die postverbale Ableitung bilancio ‘Bilanz’, s. ↗Bilanz) und frz. balance ‘Waage, Gleichgewicht, Bilanz’ (wahrscheinlich mit frühem lautlichen Einfluß von spätlat. ballāre ‘tanzen’). Frz. balance dringt seit der Mitte des 17. Jhs. (ein vereinzelter Frühbeleg balanc, 15. Jh.) in der Bedeutung ‘Gleichgewicht’ (jmdm. die Balance halten) ins Dt., wird das ganze 18. Jh. hindurch, namentlich in der Fügung Balance von Europa, als politisches Schlagwort verwendet (nach engl. balance of power) und ist von der 2. Hälfte des 18. Jhs. an auch als Ausdruck der Artisten und Seiltänzer geläufig. In der dt. Kaufmannssprache des 17. bis 19. Jhs. kommt Balance, Balanz außerdem mit der Bedeutung ‘Rechnungsabschluß’ als Nebenform von (aus dem Ital. übernommenem) Bilanz vor. balancieren Vb. ‘etw. oder sich selbst im Gleichgewicht halten’, seit Ende des 17. Jhs. nach frz. balancer ‘im Gleichgewicht halten, schwanken’ (Ableitung von frz. balance ‘Waage, Gleichgewicht, Bilanz’); anfangs häufig ‘gegeneinander abwägen, unschlüssig sein’ (so vereinzelt bis ins 19. Jh.); die heutige Bedeutung ist vom Beginn des 18. Jhs. an bezeugt; vom 18. bis ins 20. Jh. wird das Verb gelegentlich auch neben bilanzieren (s. ↗Bilanz) in dessen Sinne gebraucht. ausbalancieren Vb. ‘ins Gleichgewicht bringen’ (19. Jh.). Balancierstange f. (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufeinander abstimmen · ausbalancieren · ↗austarieren · ins Gleichgewicht bringen

Typische Verbindungen zu ›ausbalancieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dynamik Element Extrem Gewicht Gleichgewicht Interesse Klang Kräfteverhältnis Last Macht Machtverhältnis Risiko Schieflage Schwäche Säure Ungleichgewicht Unilateralismus Verhältnis balancieren fein gegeneinander gegenseitig geschickt kontrollieren mühsam optimal perfekt sorgfältig sorgsam Übergewicht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausbalancieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›ausbalancieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mein Ziel ist, den Klang so angenehm wie möglich auszubalancieren.
Süddeutsche Zeitung, 21.10.2004
Es ist selbstverständlich viel schwerer, die heterogenen Interessen, die heute im Netz aufeinander prallen, auszubalancieren.
C't, 2000, Nr. 17
Nimm nun hauchfein und vorsichtig den einen Fuß weg und balanciere dich aus.
Riemkasten, Felix: Yoga für Sie, Gelnhausen: Schwab 1966 [1953], S. 191
Sie warfen sich wie ein Mann nach Backbord, um eine Schwankung auszubalancieren, dann wieder nach Steuerbord, zum Bug oder zum Heck.
Moers, Walter: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 12
Sie soll jeweils versuchen, die Willensbildung der beiden Körperschaften auszubalancieren.
Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 993
Zitationshilfe
„ausbalancieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausbalancieren>, abgerufen am 17.01.2020.

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