ausbeuten

GrammatikVerb · beutete aus, hat ausgebeutet
Aussprache
Worttrennungaus-beu-ten
Wortbildung mit ›ausbeuten‹ als Erstglied: ↗Ausbeuterei  ·  formal verwandt mit: ↗unausgebeutet
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdn., etw. ausnutzen
a)
abwertend jmdn., etw. zu eigennützigen, negativen Zwecken ausnutzen
Beispiele:
jmdn. schamlos, rücksichtslos ausbeuten
umgangssprachlich jmdn. gehörig ausbeuten
jmds. Notlage, Schwächen, Unkenntnis ausbeuten
seine Werke, Bücher sind von anderen Autoren ausgebeutet (= plagiiert) worden
Dazu also hatte die Tante ... das Elend anderer Menschen systematisch ausgebeutet [G. Hauptm.4,270]
Marxismus sich Arbeitsprodukte einer unterdrückten produzierenden Klasse aneignen
Beispiel:
der Kapitalist beutet die Arbeiter aus (= eignet sich den von diesen geschaffenen Mehrwert an)
b)
jmdn., etw. zu gemeinnützigen, positiven Zwecken ausnutzen
Beispiele:
ein Archiv, historische Quellen für eine wissenschaftliche Arbeit gut, vollständig ausbeuten (= ausschöpfen)
Naturkräfte (als Energiespender) ausbeuten
Bergmannssprache einen Schacht, eine Grube, Mine ausbeuten (= deren Bodenschätze abbauen)
daß die lateinischen Urkunden Kölns vor dem 13. Jahrhundert allzu wenig ausgebeutet sind [FringsZur Grundlegung1,71]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ausbeuten · Ausbeute · Ausbeutung
ausbeuten Vb. ‘ausschöpfen, Nutzen ziehen, durch Aneignung fremder Arbeit Profit erzielen’. Das Präfixverb (zur Etymologie s. ↗Beute) begegnet im 15./16. Jh. als Ausdruck des Kriegswesens im Sinne von ‘erbeuten, Beute machen’, auch ‘Beute, Gewinn verteilen’. Daraus entwickelt sich die Bedeutung ‘Gewinn, Nutzen ziehen, ausschöpfen’; sie zielt zunächst auf Naturschätze jeder Art, gilt aber auch für das ertragreiche Ausschöpfen materieller und geistiger Werte. Im Anschluß an den marxistischen Terminus Ausbeutung (s. unten) wird ausbeuten der verbale Ausdruck für das ökonomische Verhältnis zwischen Kapitalisten und den besitzlosen Lohnarbeitern (1. Hälfte 19. Jh.) Ausbeute f. ‘Kriegsbeute, Ertrag, Gewinn’ (16. Jh.). Ausbeutung f. ‘das Beutemachen, Verteilen der Kriegsbeute’ (16. Jh.), danach ‘Ausschöpfung, ertragreiche Nutzung’. Gleichbed. frz. exploitation wird in die Saint-Simonistische Ausbeutungstheorie übernommen und bezeichnet die ‘Ausnutzung der besitzlosen arbeitenden Klasse durch eine Minderheit von Eigentümern an Arbeitsmitteln’ (vgl. die Wendung l’exploitation de l’homme par l’homme). Mit diesem Wortinhalt wird frz. engl. exploitation zu einem geläufigen Ausdruck der französischen und englischen utopischen Sozialisten. Das Femdwort Exploitation übernehmen Marx und Engels in ihre ökonomischen Schriften; es wird seit Engels’ „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ (1845) zunehmend mit seinem dt. Äquivalent Ausbeutung wiedergegeben. Im Zusammenhang mit der Annahme eines Mehrwertes entwickeln Marx und Engels Ausbeutung zu einem zentralen Terminus der marxistischen Gesellschaftstheorie und bestimmen ihn als ‘Aneignung unbezahlter fremder Arbeit (des Mehrprodukts) durch die Eigentümer der Produktionsmittel’ in der antagonistischen Klassengesellschaft.

Thesaurus

Synonymgruppe
(seinen) Nutzen ziehen (aus) · (sich etwas) zu Nutze machen · (sich etwas) zunutze machen · (sich) zunutze machen · Gebrauch machen (von) · Kapital schlagen (aus) · ausbeuten · ↗ausnutzen · ↗ausnützen · ↗ausschlachten · für seine Zwecke nutzen · ↗instrumentalisieren · ↗nutzen
Synonymgruppe
arm machen · ausbeuten · ↗ausnutzen · ↗ausnützen · ↗exploitieren · ↗schröpfen · um Hab und Gut bringen · zur Ader lassen  ●  ↗abmelken  ugs. · ↗melken  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden) ausbeuten · ↗(jemanden) aussaugen · (jemandes) Arbeitskraft ausbeuten · das Letzte aus jemandem herausholen
Assoziationen
  • (jemanden) ausnutzen · (jemanden) nicht fair behandeln  ●  (jemanden) vor seinen Karren spannen  selten, fig. · (nur) dafür gut (genug) sein (zu)  ugs.
Zitationshilfe
„ausbeuten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausbeuten>, abgerufen am 20.09.2018.

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