ausbrechen

GrammatikVerb · bricht aus, brach aus, hat/ist ausgebrochen
Aussprache
Worttrennungaus-bre-chen (computergeneriert)
Wortzerlegungaus-brechen1
Wortbildung mit ›ausbrechen‹ als Erstglied: ↗Ausbrecher  ·  mit ›ausbrechen‹ als Grundform: ↗Ausbruch
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. aus etw. herausbrechen
Beispiele:
sich [Dativ] durch einen Sturz einen Zahn ausbrechen
dem Kamm, der Säge sind einige Zähne ausgebrochen
bildlich
Beispiele:
dürre Zweige, Äste (aus einem Baum), Steine (aus einer Mauer) ausbrechen
[sie] brach böser Nachrede den Stachel aus [ZahnFrau Sixta36]
Ein großer Saal, der ... durch Ausbrechen einiger Wände entstanden war [BrodTycho Brahe43]
etw. durch Herausbrechen des Mauerwerks herstellen
Beispiele:
eine Tür, einen Durchgang (in der Mauer) ausbrechen
Die Malerin hatte sich eigens in der Ostwand ein Fenster ausbrechen lassen [HeyseI 2,59]
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
gewaltsam entweichen
a)
aus einem Gewahrsam
Beispiele:
der Häftling, Sträfling ist aus dem Gefängnis, der Zelle, dem Lager ausgebrochen
das Raubtier ist aus dem Käfig ausgebrochen
die in der Stadt eingeschlossenen Truppen versuchten auszubrechen (= die feindliche Umzingelung zu durchbrechen)
b)
aus einer Gemeinschaft
Beispiele:
aus einem Bund, einer Koalition ausbrechen
Jungtiere brechen aus der Herde aus
Ich versuchte, nach rechts oder links [aus der Menschenmenge] auszubrechen [BöllWort72]
c)
seitwärts aus einer vorgesehenen Richtung
Beispiele:
Reiten das Rennpferd bricht vor dem Hindernis, in der Biegung aus
das Auto bricht bei scharfem Bremsen aus (= gerät ins Schleudern)
3.
mit Hilfsverb ›ist‹
plötzlich beginnen, gewaltsam einsetzen
a)
von Erscheinungen in Natur und Gesellschaft
Beispiele:
eine Rebellion, Meuterei, ein Aufstand, eine Revolution bricht aus
Unruhen sind ausgebrochen
ein Streit, Krieg bricht aus
ein Streik, eine Krise, Hungersnot brach aus
Chaos, Panik drohte auszubrechen
der Vulkan ist wieder ausgebrochen (= ist wieder in Tätigkeit)
ein Feuer, eine Epidemie, Seuche brach aus
in der Stadt ist eine ansteckende Krankheit ausgebrochen
jmdm. bricht der Schweiß ausbei jmdm. tritt plötzlich der Schweiß hervor
Beispiele:
dem Fiebernden, Erschöpften bricht der (kalte) Schweiß aus
Der Angstschweiß brach Mine aus [ViebigTägl. Brot241]
b)
von Gefühlsäußerungen
Beispiele:
ein ungeheurer Jubel, eine große Begeisterung, Bestürzung brach unter den Zuschauern aus
nun brach wieder der Schmerz aus, das Elend, die Verzweiflung [Kellerm.Tunnel173]
in etw. ausbrechenplötzlich eine Gefühlsäußerung zeigen
Beispiele:
in ein (schallendes, lautes, fröhliches) Gelächter, Lachen ausbrechen
in (hellen, begeisterten) Jubel ausbrechen
die Klasse brach in ein wildes Geschrei aus
das Kind brach in ein (heftiges, fassungsloses, krampfhaftes) Weinen aus
in (bittere, heiße) Tränen ausbrechen
sie brach in einen Strom von Tränen aus
in (lautes, heftiges) Wehklagen ausbrechen
in Empörung, Zorn, Wut, Raserei ausbrechen
in Bewunderung, Beifall für jmdn. ausbrechen
in die Worte, Rufe ausbrechen (= die folgenden Worte, Rufe ausstoßen)
Ohne die mindeste Absicht zu schmeicheln, brach er in ein übertriebenes Lob Tychos aus [BrodTycho Brahe131]
4.
mit Hilfsverb ›ist‹
veraltet aufbrechen, erblühen
Beispiel:
daß ... schon junges Laub ausbricht [MörikeMozart3,249]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

brechen · Brecher · aufbrechen · Aufbruch · ausbrechen · einbrechen · Einbruch · Einbrecher · gebrechen · Gebrechen · gebrechlich · verbrechen · Verbrechen · Verbrecher · verbrecherisch
brechen Vb. ‘in Stücke teilen, zerfallen’, ahd. brehhan ‘brechen, reißen, vernichten’ (8. Jh.), mhd. brechen, asächs. brekan, mnd. mnl. brēken, nl. breken, afries. breka, aengl. brecan, engl. to break, got. brikan (germ. *brekan) sind verwandt mit den im Ablautverhältnis stehenden Bildungen ↗Brache, ↗Bruch m. und ↗Brocken (s. d.) sowie mit lat. frangere ‘(zer)brechen’ (mit nur präsentischem n; s. ↗Fraktur), so daß sich ie. *bhreg̑- ‘brechen, krachen’ als Ausgangsform erschließen läßt. Brecher m. ‘Sturzsee’ (19. Jh., nach engl. breaker). aufbrechen Vb. ‘sich auf den Weg machen, gewaltsam öffnen’, mhd. ūfbrechen; Aufbruch m. mhd. ūfbruch. ausbrechen Vb. ahd. ūʒbrehhan (Hs. 13. Jh.), mhd. ūʒbrechen. einbrechen Vb. ‘gewaltsam eindringen’, ahd. inbrehhan ‘eindringen, hineinstürzen’ (9. Jh.), mhd. īnbrechen; Einbruch m. mhd. īnbruch ‘das Eindringen, Eingriff, Schaden’; Einbrecher m. ‘wer gewaltsam eindringt und sich an fremdem Eigentum vergreift’ (16. Jh.). gebrechen Vb. ‘fehlen, mangeln’, mhd. gebrechen ‘brechen, fehlen, mangeln’; nur noch in es gebricht (mir) an etw., z. B. an Geld, Zeit, Mut (d. h. etw. bricht „geht“ mir ab, daher ‘es fehlt mir’). Vgl. ahd. gibrehhan ‘zerschmettern’, reflexiv ‘sich unterwerfen’ (11. Jh.). Dazu gehört der substantivierte Infinitiv Gebrechen n. ‘körperlicher Fehler, Krankheit’ (14. Jh.); vgl. dagegen mhd. gebreche m. ‘Mangel, Beschwerde, Krankheit’; gebrechlich Adj. ‘hinfällig’, mhd. gebrechlich. verbrechen Vb. ‘das Gesetz brechen, sich schwer vergehen’, ahd. firbrehhan (9. Jh.), mhd. verbrechen ‘zerschlagen, zerstören’, ursprünglich verstärktes brechen (wie zerbrechen), doch schon in mhd. Rechtssprache ‘eine Verbindlichkeit, ein Gebot übertreten, verletzen’. Der substantivierte Infinitiv Verbrechen n. ‘Straftat, schweres Vergehen’ in diesem juristischen Sinne erst im 17. Jh. Verbrecher m. ‘Gesetzesbrecher’ (17. Jh.); dagegen bezeichnet mhd. frühnhd. verbrecher jeden, der sich eines kleinen Vergehens schuldig macht. verbrecherisch Adj. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausbrechen · zum Ausbruch kommen
Synonymgruppe
(sich) entladen · (sich) entzünden (auch übertragen: Streit .. an) · ↗(sich) lösen · ausbrechen · ↗entbrennen (Streit) · ↗herausbrechen · ↗herausschießen · ↗heraussprudeln · ↗hervorbrechen · ↗hervorkommen · ↗hervorschießen · ↗losbrechen · ↗sprießen
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) ausprägen · ↗(sich) einstellen · ↗(sich) entwickeln · ↗(sich) ereignen · ↗aufkommen · ↗auftreten · ausbrechen · ↗einsetzen · ↗eintreten · ↗entstehen · kommen zu (es) · ↗vorfallen
Assoziationen
Synonymgruppe
(aus dem Gefängnis) ausbrechen · (sich) einen Weg in die Freiheit verschaffen · ↗türmen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufstand Brand Bürgerkrieg Chaos Epidemie Feuer Gefängnis Gelächter Hektik Jubel Konflikt Krankheit Krieg Lachen Machtkampf Panik Revolution Schweiß Seuche Stock Streit Träne Uhr Unruhe Unruhen Ursache Vulkan Weltkrieg brechen plötzlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausbrechen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Unterricht brach in dieser Übergangszeit die große Freiheit aus.
Die Welt, 18.06.2002
Zudem wurden Gebäude beschädigt, an einigen Stellen brachen Brände aus.
Der Tagesspiegel, 05.05.2000
Ende der siebziger Jahre brach schließlich der offene Kampf aus.
Laue, Theodor H. von: Rußland im 19. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 17394
Sie seien ausgebrochen, was sie nicht verheimlichen wollten, um sich käufliche Frauen zu suchen.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 885
Allenthalben in den deutschen Ländern brachen hellsprudelnd die Quellen eines neuen Wissens aus.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 39
Zitationshilfe
„ausbrechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausbrechen#1>, abgerufen am 24.03.2019.

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ausbrechen

GrammatikVerb · bricht aus, brach aus, hat ausgebrochen
Aussprache
Worttrennungaus-bre-chen (computergeneriert)
Wortzerlegungaus-brechen2
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. zu sich Genommenes unverdaut wieder herausbrechen, ausspeien
Beispiel:
der Säugling hat die Nahrung, der Kranke hat die Medizin wieder ausgebrochen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

brechen · Brecher · aufbrechen · Aufbruch · ausbrechen · einbrechen · Einbruch · Einbrecher · gebrechen · Gebrechen · gebrechlich · verbrechen · Verbrechen · Verbrecher · verbrecherisch
brechen Vb. ‘in Stücke teilen, zerfallen’, ahd. brehhan ‘brechen, reißen, vernichten’ (8. Jh.), mhd. brechen, asächs. brekan, mnd. mnl. brēken, nl. breken, afries. breka, aengl. brecan, engl. to break, got. brikan (germ. *brekan) sind verwandt mit den im Ablautverhältnis stehenden Bildungen ↗Brache, ↗Bruch m. und ↗Brocken (s. d.) sowie mit lat. frangere ‘(zer)brechen’ (mit nur präsentischem n; s. ↗Fraktur), so daß sich ie. *bhreg̑- ‘brechen, krachen’ als Ausgangsform erschließen läßt. Brecher m. ‘Sturzsee’ (19. Jh., nach engl. breaker). aufbrechen Vb. ‘sich auf den Weg machen, gewaltsam öffnen’, mhd. ūfbrechen; Aufbruch m. mhd. ūfbruch. ausbrechen Vb. ahd. ūʒbrehhan (Hs. 13. Jh.), mhd. ūʒbrechen. einbrechen Vb. ‘gewaltsam eindringen’, ahd. inbrehhan ‘eindringen, hineinstürzen’ (9. Jh.), mhd. īnbrechen; Einbruch m. mhd. īnbruch ‘das Eindringen, Eingriff, Schaden’; Einbrecher m. ‘wer gewaltsam eindringt und sich an fremdem Eigentum vergreift’ (16. Jh.). gebrechen Vb. ‘fehlen, mangeln’, mhd. gebrechen ‘brechen, fehlen, mangeln’; nur noch in es gebricht (mir) an etw., z. B. an Geld, Zeit, Mut (d. h. etw. bricht „geht“ mir ab, daher ‘es fehlt mir’). Vgl. ahd. gibrehhan ‘zerschmettern’, reflexiv ‘sich unterwerfen’ (11. Jh.). Dazu gehört der substantivierte Infinitiv Gebrechen n. ‘körperlicher Fehler, Krankheit’ (14. Jh.); vgl. dagegen mhd. gebreche m. ‘Mangel, Beschwerde, Krankheit’; gebrechlich Adj. ‘hinfällig’, mhd. gebrechlich. verbrechen Vb. ‘das Gesetz brechen, sich schwer vergehen’, ahd. firbrehhan (9. Jh.), mhd. verbrechen ‘zerschlagen, zerstören’, ursprünglich verstärktes brechen (wie zerbrechen), doch schon in mhd. Rechtssprache ‘eine Verbindlichkeit, ein Gebot übertreten, verletzen’. Der substantivierte Infinitiv Verbrechen n. ‘Straftat, schweres Vergehen’ in diesem juristischen Sinne erst im 17. Jh. Verbrecher m. ‘Gesetzesbrecher’ (17. Jh.); dagegen bezeichnet mhd. frühnhd. verbrecher jeden, der sich eines kleinen Vergehens schuldig macht. verbrecherisch Adj. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausbrechen · zum Ausbruch kommen
Synonymgruppe
(sich) entladen · (sich) entzünden (auch übertragen: Streit .. an) · ↗(sich) lösen · ausbrechen · ↗entbrennen (Streit) · ↗herausbrechen · ↗herausschießen · ↗heraussprudeln · ↗hervorbrechen · ↗hervorkommen · ↗hervorschießen · ↗losbrechen · ↗sprießen
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) ausprägen · ↗(sich) einstellen · ↗(sich) entwickeln · ↗(sich) ereignen · ↗aufkommen · ↗auftreten · ausbrechen · ↗einsetzen · ↗eintreten · ↗entstehen · kommen zu (es) · ↗vorfallen
Assoziationen
Synonymgruppe
(aus dem Gefängnis) ausbrechen · (sich) einen Weg in die Freiheit verschaffen · ↗türmen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufstand Brand Bürgerkrieg Chaos Epidemie Feuer Gefängnis Gelächter Hektik Jubel Konflikt Krankheit Krieg Lachen Machtkampf Panik Revolution Schweiß Seuche Stock Streit Träne Uhr Unruhe Unruhen Ursache Vulkan Weltkrieg brechen plötzlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausbrechen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Unterricht brach in dieser Übergangszeit die große Freiheit aus.
Die Welt, 18.06.2002
Zudem wurden Gebäude beschädigt, an einigen Stellen brachen Brände aus.
Der Tagesspiegel, 05.05.2000
Ende der siebziger Jahre brach schließlich der offene Kampf aus.
Laue, Theodor H. von: Rußland im 19. Jahrhundert. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 17394
Sie seien ausgebrochen, was sie nicht verheimlichen wollten, um sich käufliche Frauen zu suchen.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 885
Allenthalben in den deutschen Ländern brachen hellsprudelnd die Quellen eines neuen Wissens aus.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 39
Zitationshilfe
„ausbrechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausbrechen#2>, abgerufen am 24.03.2019.

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