Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ausbreiten

Grammatik Verb · breitet aus, breitete aus, hat ausgebreitet
Aussprache 
Worttrennung aus-brei-ten
Wortzerlegung aus- breiten
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. (vor jmdm.) auseinanderbreiten, auseinanderlegen
a)
etw. Zusammengelegtes entfalten
Beispiele:
eine Landkarte, einen Stadtplan, eine Zeichnung, ein Formular (vor sich) ausbreiten
die Zeitung (weit) ausbreiten
eine Decke, einen Teppich ausbreiten
Tücher, Wäsche, Heu, Stroh (zum Trocknen) ausbreiten
die Fischer breiten die Netze (zum Trocknen, zum Fang) aus
einen Fächer ausbreiten
b)
(zusammengehörige) Gegenstände nebeneinander hinlegen
Beispiele:
die Händler breiten ihre Waren aus
der Handwerker breitet sein Werkzeug aus
der Sammler breitet vor dem Besucher seine Schätze aus
den Inhalt eines Pakets, einer Tasche vor jmdm. ausbreiten
die Geschenke auf dem Tisch ausbreiten
auf der Kommode war Heinrichs Bescherung … ausgebreitet [ Storm5,104]
c)
gehoben, übertragen etw. vor jmdm. darlegen
Beispiele:
seine Kenntnisse, Ansichten, sein Wissen vor jmdm. ausbreiten
vor einem Kreis von Fachleuten seine Forschungsergebnisse ausbreiten
Nie hat ein … Vorläufer vermocht, die lückenlose Beweiskette seiner Pläne auszubreiten [ RathenauKommende Dinge55]
2.
die Arme, Flügel ausbreitendie Arme, Flügel nach beiden Seiten ausstrecken, spreizen
Beispiele:
entzückt, überschwänglich, sehnsüchtig die Arme (nach jmdm.) ausbreiten
dem lieben Besuch mit ausgebreiteten Armen entgegeneilen
das Kind läuft in die ausgebreiteten Arme der Mutter
der Adler breitet seine Schwingen aus
die Henne breitet schützend ihre Flügel (über die Kücken) aus
der Baum breitet seine Äste, Zweige aus (= streckt sie nach allen Seiten aus)
3.
sich, etw. ausdehnen
a)
sich ausbreitensich verbreiten
Beispiele:
ein Feuer, eine Epidemie, Seuche breitet sich rasch aus
Dunst, Qualm, Nebel breitet sich über der Stadt aus
der Gasgeruch breitete sich in der ganzen Wohnung aus
Unkraut breitet sich schnell aus
der Volksstamm, die Gattung hatte sich bereits in früher Zeit über das gesamte Gebiet ausgebreitet
die Dämmerung, Abendröte breitete sich langsam aus
eine Nachricht breitet sich wie ein Lauffeuer aus
eine neue Lehre, Mode breitet sich überall aus
Glück, Friede breitete sich im Lande aus
Freude, Zufriedenheit, Angst, Entsetzen breitete sich auf seinem Gesicht aus (= wurde sichtbar)
die uralten Empfindungen … breiteten sich in ihm aus [ A. ZweigGrischa428]
etw. ausbreiten
Beispiel:
ein Gerücht, eine Vermutung ausbreiten
b)
etw. vergrößern
Beispiele:
seine Herrschaft, Macht ausbreiten
über ausgebreitete (= gründliche) Kenntnisse, Erfahrungen auf einem Gebiet verfügen
c)
umgangssprachlich sich ausbreitensich breit ausstrecken, sich breit machen
Beispiele:
breite dich nicht so aus!
Doktor Hoch hatte sich auf dem Sofa ausgebreitet [ BecherAbschied4,357]
Die Kundel … breitete sich so sehr aus, daß die andere völlig in die Ecke gedrückt wurde [ Rosegger2,133]
4.
sich ausbreitensich weithin erstrecken
Beispiele:
eine Ebene, Landschaft, ein See breitet sich vor jmdm. aus
hinter dem Dorf breiten sich Gärten, Felder, Wiesen aus
vor dem Bergsteiger breitet sich ein herrliches Panorama aus
über uns breitete sich die Pracht der Sterne aus [ HeyseI 3,134]
5.
abwertend sich über etw. ausbreitensich (weitschweifig) über etw. äußern
Synonym zu verbreiten (3)
Beispiel:
wie diese Bestie von einem Oberhofmeister sich … darüber ausbreitete [ G. Hauptm.2,458]

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) ausbreiten · (sich) propagieren · (sich) verbreiten
Synonymgruppe
(sich) ausbreiten · (sich) verbreiten · (stark) im Kommen (sein) · Verbreitung finden · grassieren · um sich greifen · umgehen · viele Anhänger finden (Idee)  ●  (mächtig) ins Kraut schießen  fig. · Hochkonjunktur haben  fig. · Konjunktur haben  fig. · auf dem Vormarsch (sein)  fig. · (sich) breitmachen  ugs. · Platz greifen  geh. · mehr werden  ugs.
Assoziationen
  • (das) Anwachsen · Anstieg · Mehrung · Steigerung · Vergrößerung · Wachstum · Zunahme · Zuwachs · steigende Tendenz
  • anschwellen · ansteigen · anwachsen · größer werden · sich ausweiten · sich positiv entwickeln  ●  zunehmen  Hauptform · in die Höhe klettern  ugs.
  • (sich) wachsender Beliebtheit erfreuen · im Aufwind (sein) · im Kommen (sein) · immer beliebter werden · immer erfolgreicher werden · zunehmend populär werden
  • (schwer) im Kommen (sein) · an Popularität gewinnen · aufkommen · in Mode kommen · populär werden · üblich werden
Synonymgruppe
(sich) ausbreiten · (sich) ausdehnen · (sich) erstrecken · hineinreichen  ●  an Boden gewinnen  ugs.
Synonymgruppe
(mittlerweile) allgemein akzeptiert sein · (sich) ausbreiten · (sich) behaupten · (sich) durchsetzen · (sich) verbreiten · Akzeptanz gewinnen · Zulauf finden · an Boden gewinnen · immer mehr Anhänger finden  ●  (sich) breitmachen  negativ
Assoziationen
  • (die) Erwartungen (voll) erfüllen · (die) Erwartungen nicht enttäuschen · (sich) als brauchbar erweisen · (sich) als geeignet erweisen · (sich) bewähren · gut fahren (mit)  ●  gute Erfahrungen machen (mit)  Hauptform · es gibt keine Probleme (mit)  ugs. · keine Probleme haben (mit)  ugs.
Synonymgruppe
(sich) (zahlreich) versammeln · (sich) breitmachen · Platz beanspruchen · belagern · besetzt haben · besetzt halten · in Beschlag nehmen · mit Beschlag belegen  ●  (sich) ausbreiten  ugs. · (sich) breit machen  ugs. · (sich) dickmachen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) dauerhaft niederlassen · (sich) festsetzen · gekommen (sein), um zu bleiben · nicht wieder wegzubekommen (sein)  ●  (sich) einnisten  negativ · nicht wieder loswerden (können)  ugs. · nicht wieder wegzukriegen (sein)  ugs.
  • (irgendwohin) gehen, um zu bleiben · (irgendwohin) ziehen · (sich) ansiedeln · (sich) häuslich niederlassen · einwurzeln · festen Fuß fassen · heimisch werden · kommen um zu bleiben  ●  (seine) Heimat finden  auch figurativ · (sich) breitmachen  abwertend · (sich) niederlassen  Hauptform · seine Zelte aufschlagen  fig. · ansässig werden  fachspr., Amtsdeutsch
Synonymgruppe
(sich) ansiedeln · (sich) ausbreiten · (sich) etablieren · (sich) verbreiten  ●  (sich) (neu) einbürgern  fig. · (sich) breitmachen (Pflanzen, Tiere)  ugs.
Assoziationen
  • eingeschleppt werden (Neobioten, Krankheitserreger)

Typische Verbindungen zu ›ausbreiten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausbreiten‹.

Verwendungsbeispiele für ›ausbreiten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Licht breitet sich in Luft stets in gerader Linie aus. [Opfermann, Hans Carl: Die neue Schmalfilm-Schule, Harzburg: Heering 1940, S. 75]
Man hat zur Aufnahme die bereits fertiggestellte Schrift lediglich horizontal unter der Kamera auszubreiten. [Croy, Otto: Fotomontage, Düsseldorf: Knapp 1952 [1937], S. 39]
Der R. breitete sich schnell in den meisten europäischen Ländern aus. [Maschke, E.: Ritterorden. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 34209]
Trotzdem hatte es die Junge Kirche schwer, sich missionarisch weiter auszubreiten. [o. A.: Die Weltkirche im 20. Jahrhundert. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1979], S. 19691]
Die Mutter denkt, daß sie keine Lust hat, solche Dinge jetzt auszubreiten. [Die Zeit, 06.05.1999, Nr. 19]
Zitationshilfe
„ausbreiten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausbreiten>.

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