Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ausfallen

Grammatik Verb · fällt aus, fiel aus, ist ausgefallen
Aussprache 
Worttrennung aus-fal-len
Wortzerlegung aus- fallen
Wortbildung  mit ›ausfallen‹ als Erstglied: ausfallend  ·  mit ›ausfallen‹ als Grundform: Ausfall · ausfällig · ausgefallen
eWDG

Bedeutungen

1.
herausfallen
a)
Beispiele:
im Alter fallen die Zähne aus
die Haare fallen mir aus (= gehen stark aus)
Samenkörner fallen aus
die Tafel … mit der Inschrift, deren Lettern größtenteils ausgefallen waren [ FrischStiller542]
b)
Chemie sich aus einem Lösungsmittel abscheiden, sich niederschlagen
Beispiel:
Eiweiß, Kalk, Kieselsäure fällt aus wässriger Lösung aus
2.
unerwartet wegfallen
a)
etw. Geplantes unterbleibt, findet nicht statt
Beispiele:
die Versammlung, Vorstellung, der Vortrag, die Diskussion fällt aus
die Schule ist heute ausgefallen
b)
etw., was sonst laufend in Betrieb ist, setzt plötzlich aus
Beispiele:
die Maschine, Bremse, das Signal fiel aus
der Strom fiel aus (= wurde unterbrochen)
der Zug ist gestern ausgefallen (= ist nicht gekommen)
c)
umgangssprachlich jmd., der mitwirkt, scheidet plötzlich aus
Beispiel:
ein Kollege, Spieler fällt durch Krankheit aus
3.
umgangssprachlich etw. fällt gut, schlecht ausetw. zeigt ein gutes, schlechtes Resultat
Beispiele:
seine Zensuren, Zeugnisse, Leistungen sind gut, befriedigend, mangelhaft, schlecht ausgefallen
wie ist die Prüfung ausgefallen?
das Urteil, der Vergleich, Vertrag fiel zu unseren Gunsten aus
die Wahl ist gegen den Spitzenkandidaten, die Abstimmung ist nach Wunsch ausgefallen
mein Anteil am Erbe ist klein ausgefallen
die Rechnung fiel mäßig aus
der Tadel, die Strafe fiel gelinde, streng, schlimm aus
sein Lob war etwas spärlich ausgefallen
eine Ware fällt gut, schlecht aus
zwei Stoffballen fallen manchmal verschieden aus
wie ist die Ernte ausgefallen? (= geraten?)
der Aufsatz, das Buch, Bild, der Vers ist zu meiner Zufriedenheit, etwas dürftig ausgefallen (= gelungen)
4.
Schiffbau herausragen, vorspringen
Beispiele:
der Bug, das Heck eines Schiffes fällt aus
ein Segler mit ausfallendem Steven
5.
veraltet aus einer Verteidigungsstellung zum Angriff vorstoßen, einen Ausfall machen
in gegensätzlicher Bedeutung zu einfallen
Beispiele:
zu einem gewaltigen Stoß ausfallen
die eingeschlossene Besatzung der Festung fällt gegen den Feind aus
rastlos fechtend fällt die Mannschaft aus [ SchillerJungfr. v. OrleansI 3]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fallen · fällig · auffallen · auffallend · auffällig · ausfallen · ausfallend · ausfällig · ausgefallen · einfallen · Einfall · Fall · Fallbeil · Fallreep · Gefälle · Falle
fallen Vb. ‘sich nach unten bewegen (durch die eigene Schwere), stürzen, sinken, (im Kampf als Soldat) sterben’, ahd. fallan ‘(herab)stürzen, zu Fall kommen, einstürzen, sinken, zuteil werden, umfallen, verfallen’ (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. nl. vallen, asächs. fallan, aengl. feallan, fallan, engl. to fall, anord. schwed. falla. Mit dem ehemals ein präsensbildendes n aufweisenden Verb (ll aus ln) sind höchstens vergleichbar armen. p‛ul ‘Einsturz’, p‛lamin ‘ich falle ein’ und (dehnstufig) lit. pùlti ‘fallen’, vielleicht (als Variante mit anlautendem s-) auch griech. sphállein (σφάλλειν) ‘zu Fall bringen, zugrunde richten, täuschen’, so daß von einer Wurzel ie. *phō̌l- bzw. *pō̌l- ‘fallen’ (d. h. ‘sich nach dem Gesetz der Schwerkraft abwärts bewegen’) ausgegangen werden kann. fällig Adj. ‘für einen bestimmten Termin vorgesehen, zur Zahlung anstehend’ (15. Jh.), mhd. (rechtssprachlich) vellic ‘der Zahlung, der Buße, der Strafe verfallen, verurteilt’, wohl abgeleitet vom Verb mhd. fallen im Sinne von ‘fällig sein, werden’. Vgl. ahd. fellīg ‘fallend, stürzend, baufällig, eingestürzt’ (10. Jh.), mhd. vellec, vellic ‘zu Fall kommend, fallend (besonders im Kampf), vor Gericht überwunden’; häufig suffixartig als zweites Glied in Komposita wie bau-, hin-, rückfällig. auffallen Vb. ‘hervorstechen, ins Auge springen’ (18. Jh.), älter ‘(sich) fallend öffnen’ (um 1700), ‘auf etw. fallen’ (16. Jh.); auffallend Part.adj. ‘hervorstechend, in die Augen springend, die Aufmerksamkeit auf sich lenkend’ (18. Jh.); damit gleichbed. auffällig Adj. (Anfang 19. Jh.). ausfallen Vb. ‘herausfallen, angreifen, enden, unterbleiben’, mhd. ūʒvallen ‘ausrenken’ (den Fuß); ausfallend Part.adj. ‘herausfordernd, beleidigend’ (18. Jh.), aus älterem ‘einen militärischen Ausbruch, Angriff unternehmend’ (16. Jh.); gleichbed. jüngeres ausfällig Adj. ‘beschimpfend, beleidigend’ (19. Jh.), zuvor (bei Zahlungen) ‘seinen Verpflichtungen nicht nachkommend’ (16. Jh.); ausgefallen Part.adj. ‘nicht alltäglich’ (um 1900). einfallen Vb. ‘zusammenstürzen, eindringen, in den Sinn kommen’, ahd. infallan ‘aus etw. auf etw. fallen, Eingang finden’ (Hs. 12. Jh.), mhd. īnvallen ‘Eingang finden, eindringen, als Besitz zufallen, in den Sinn kommen, beginnen’; Einfall m. ‘das Einbrechen, feindliches Eindringen, plötzlicher Gedanke’, mhd. īn-, inval ‘das Einfallen, Einbruch, Eingriff in jmds. Recht, Zwischenfall, zufälliger Gedanke, Einrede’. Fall m. ‘Sturz, Untergang, Ereignis, (Rechts)angelegenheit’, auch (seit 17. Jh.) ‘grammatischer Kasus’ (s. Kasus), ahd. fal ‘(Ein)sturz, Ärgernis, Kränkung’ (8. Jh.), mhd. val (Genitiv valles) ‘das Fallen der Würfel, des Wassers, der Töne, Sturz, Niederlage, Straffall, Abgabe bei Todesfall an den Lehnsherrn’ (germ. *falla-). Die Verwendungsweisen sind beeinflußt vom Bild der gefallenen Würfel, von lat. cāsus ‘das Fallen, Sturz, Vorfall, Zufall, Gelegenheit, Unfall, grammatischer Kasus’, das bereits in ahd. Zeit durch fal übersetzt wird, und von frz. cas ‘Fall’, vgl. Wendungen wie setzen wir den Fall (frz. posons le cas), auf alle Fälle (frz. en tout cas), das ist ganz mein Fall (frz. c’est là mon cas). Fallbeil n. ‘Hinrichtungsmaschine’ (17. Jh.), seit dem 19. Jh. neben Guillotine. Fallreep n. ‘Treppe (Strickleiter), die an der Schiffswand heruntergelassen wird’ (18. Jh.), aus nd. Valreep, vgl. nd. Reep ‘Tau, Seil, mit dessen Hilfe man sich vom Schiffsbord schwingend ins Boot fallen läßt’, s. Reif1. Gefälle n. ‘Höhenunterschied, Bodenneigung’, ahd. gifelli ‘Einsturz, Unfall, Verfall’ (um 1000), mhd. gevelle ‘Sturz, Ein-, Absturz, abschüssiges tiefes Tal, guter Würfelfall, Glück, Schicksal, das Gefallen’, kollektive ja-Ableitung zu ahd. fal. Falle f. ‘Tierfanggerät, Hinterhalt’, ahd. falla ‘Falle, Fallstrick’ (8. Jh.), mhd. valle ‘Falle, Türklinke’.

Thesaurus

Synonymgruppe
auf sich warten lassen · ausbleiben · ausfallen · entfallen · nicht stattfinden · unterbleiben · verschwinden · wegfallen  ●  fällt aus wegen Nebel  ugs. · verfliegen  ugs.
Synonymgruppe
(daraus) wird nichts · (sich) erübrigen · (sich) zerschlagen · abgesagt werden · ausfallen · entfallen · ersatzlos gestrichen werden · gecancelt werden · gestrichen werden · hinfällig werden · nicht mehr nötig sein · nicht stattfinden · nicht zustande kommen · platzen (Geschäft, Hochzeit, Reise, Termin, Finanzierung ...) · wegfallen · überflüssig werden  ●  (sich) erledigen (meist Vergangenheits-Tempora: hat sich erledigt ...)  ugs. · flachfallen  ugs. · ins Wasser fallen  ugs., fig. · vergebliche Liebesmüh sein (im Konjunktiv: das wäre...)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausfallen · es nicht mehr tun · nicht mehr gehen · nicht mehr laufen · nicht mehr wollen  ●  (den) Geist aufgeben  fig. · nicht mehr funktionieren  Hauptform · (die) Grätsche machen  ugs., fig. · (sich) verabschieden  ugs., fig.
Assoziationen
  • außer Betrieb · funktioniert nicht (mehr) · funktionsunfähig · funktionsuntüchtig · hat seine Funktion eingestellt · in die Brüche gegangen · läuft nicht · nicht funktionierend · nicht mehr benutzbar  ●  defekt  Hauptform · abgekackt  ugs. · fratze  ugs. · geht nicht (mehr)  ugs. · hin  ugs. · im Eimer  ugs. · kaputt  ugs. · verreckt  ugs.
Ökonomie
Synonymgruppe
(plötzlich stark) zurückgehen · (praktisch) auf Null sinken · Totalausfall (bei) · ausfallen · drastisch zurückgehen · drastischer Rückgang (bei) · massiv einbrechen · massiver Einbruch (bei)  ●  (plötzlich) wegfallen (Aufträge, Kunden, Einnahmen ...)  Hauptform · wegbrechen  Jargon, fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›ausfallen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausfallen‹.

Verwendungsbeispiele für ›ausfallen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als ihnen das nicht mehr reichte, ließen sie sich ausgefallenere Veränderungen einfallen. [Die Zeit, 13.08.2012 (online)]
Wer sich in Frankreich nicht nur optisch von der Masse abheben will, greift zu ausgefallenen Düften. [Die Zeit, 29.09.2011 (online)]
In den Schulen müssen wir mehr als über die ausgefallene Stunde über den Inhalt der gehaltenen Stunde miteinander reden. [Die Zeit, 31.08.1979, Nr. 36]
Auch die ausgefallenste Route in die entlegensten Winkel wird planbar, voraussehbar. [Die Zeit, 27.08.1976, Nr. 36]
Das Rauschen des Brunnens fiel aus; es fiel aus der Zeit. [Koeppen, Wolfgang: Der Tod in Rom. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1954], S. 455]
Zitationshilfe
„ausfallen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausfallen>.

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