ausflippen

Grammatik Verb · flippt aus, flippte aus, ist ausgeflippt
Worttrennung aus-flip-pen
Wortzerlegung aus- flippen
DWDS-Vollartikel

Bedeutung

umgangssprachlich
a)
jmd. flippt ausaus Wut oder Ärger die Kontrolle über das eigene Verhalten verlieren; die Nerven verlieren
Synonym zu ausrasten²
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: regelrecht, total, völlig, komplett ausflippen; plötzlich, regelmäßig ausflippen
in Koordination: ausflippen und schreien
Beispiele:
Unser Anwalt hatte eine zehnmonatige Haftstrafe beantragt. Freddy ist daraufhin völlig ausgeflippt. Er beschimpfte den Anwalt. [Hasselbach, Ingo / Bonengel, Winfried: Die Abrechnung. Berlin: Aufbau-Verl. 1993, S. 23]
Leider hat sich in unserer Gesellschaft das Vorurteil verfestigt, dass alle Deutschen mit Migrationshintergrund kriminell und asozial sind. Wenn einer von ihnen in der Schule ausflippt, wird das immer gleich verallgemeinert. [Die Zeit, 07.03.2008 (online)]
Die Fähigkeit, kleineres Unrecht zu ertragen, ohne auszuflippen, wird im Leben jedem Menschen zugemutet, immer wieder. [Die Zeit, 28.11.1986]
b)
jmd. flippt ausvor Freude, Begeisterung die Kontrolle über das eigene Verhalten verlieren
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: regelrecht, total, völlig, komplett ausflippen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: vor Freude, vor Begeisterung ausflippen
mit Aktivsubjekt: die Fans flippen aus; das Publikum flippt aus
Beispiele:
Die Band brachte das Publikum zum Ausflippen.
[…] Der Star‑Tenor [José Carreras] hatte seiner Kehle noch nicht einen Ton entlockt, als das Publikum vor Begeisterung nur über sein Erscheinen auf der Bühne schon völlig ausflippte. [Bild, 10.02.2001]
Mir wird ganz warm. Ich flippe aus. Wie er das gesagt hat. [Merian, Svende: Der Tod des Märchenprinzen. Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980, S. 82]
c)
sich außerhalb gesellschaftlicher Normen oder Konventionen stellen
Grammatik: meist als partizipiales Adjektiv (aus Partizip II) verwendet
Beispiele:
Die Hafenstraßenleute haben […] nie mit taktischem Geschick Politik gemacht. Sie sind keine ausgeflippten Bürgerkinder oder Intellektuelle. Die meisten von ihnen beziehen Sozialhilfe. [Die Zeit, 26.12.1986]
Der andere Entwurf sah aus, als habe der ausgeflippte Designer David Carson am Rechner gesessen und ein neues Computermagazin für Teenies entwickelt. [Die Zeit, 29.01.1998]
Die junge Generation hat zwischen charakterlosem Anpassen oder Ausflippen kaum einen Mittelweg. Dreißig Prozent der Jugendlichen brechen früher oder später aus. [Die Zeit, 23.06.1978]
Ihre [der gealterten spanischen Revolutionäre] physische Verfassung ist ausgezeichnet. Sie sind nicht ausgeflippt, sie sind nicht neurotisch, sie brauchen keine Drogen. Sie bedauern sich nicht. [Enzensberger, Hans Magnus: Der kurze Sommer der Anarchie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972, S. 284]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

flippen · ausflippen
flippen Vb. ‘mit einem Flipper (einem Spielautomaten) spielen’ (wobei eine Kugel von Kontaktstellen ruckartig fortgeschnellt wird; 20. Jh.), von engl. to flip ‘schnipsen, schnellen’; wohl lautmalender Herkunft. ausflippen Vb. ‘sich durch Drogen einer als bedrückend empfundenen Situation entziehen, sich (bewußt) außerhalb der gesellschaftlichen Norm stellen, plötzlich aus der gewohnten Lebensweise ausbrechen’ (20. Jh.), vgl. engl. to flip out ‘verrückt werden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) vergessen · außer sich geraten · die Beherrschung verlieren · die Nerven verlieren · herumwüten  ●  (einen) Wutanfall bekommen  Hauptform · explodieren  fig. · Gift und Galle spucken  ugs. · abgehen  ugs. · abspacen  ugs. · an die Decke gehen  ugs., fig. · aus der Haut fahren  ugs. · ausflippen  ugs. · ausrasten  ugs. · austicken  ugs. · auszucken  ugs., österr. · durchdrehen  ugs. · einen Rappel kriegen  ugs. · einen Tobsuchtsanfall kriegen  ugs. · hochgehen wie eine Rakete  ugs. · vor Wut schäumen  ugs., fig.
Assoziationen
  • (immer wenn ...) rasend werden · (jemanden) packt die Wut · rotsehen  ●  in Wut geraten  Hauptform · mit der Faust auf den Tisch schlagen  auch figurativ · (die) kalte Wut kriegen  ugs. · (gleich) Amok laufen  ugs., übertreibend · (jemandem) geht das Messer in der Tasche auf  ugs., regional · (jemanden) packt der helle Zorn  geh. · Schnappatmung bekommen  ugs., fig. · an die Decke gehen  ugs. · böse werden  ugs., Kindersprache · die Platze kriegen  ugs., regional · die Wut bekommen  ugs. · die Wut kriegen  ugs. · einen Föhn kriegen  ugs., regional · einen dicken Hals kriegen  ugs. · hochgehen wie ein HB-Männchen  ugs., veraltet · hochgehen wie eine Rakete  ugs. · in Rage geraten  geh. · in Rage kommen  geh. · in die Luft gehen  ugs. · kurz vorm Explodieren sein  ugs. · kurz vorm Überkochen sein  ugs. · mit der Faust auf den Tisch hauen  derb · so (+ Geste) eine Krawatte kriegen  ugs. · so (+ Geste) einen Hals kriegen  ugs.
  • (sich) empören · (sich) entrüsten · (sich) ereifern · (sich) erregen · in Wallung geraten · in Wallung kommen · in Wut geraten · wütend werden  ●  aufbrausen  fig. · aus der Haut fahren  fig. · sich aufregen  Hauptform · (sich) echauffieren  geh., franz. · die Wände hochgehen  ugs., fig. · einen Tanz aufführen  ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›ausflippen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausflippen‹.

Zitationshilfe
„ausflippen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausflippen>.

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