ausflippen

GrammatikVerb · flippte aus, ist ausgeflippt
Worttrennungaus-flip-pen
Wortzerlegungaus-flippen
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich jmd. flippt ausaus Wut oder Ärger die Kontrolle über das eigene Verhalten verlieren; die Nerven verlieren
Beispiele:
Unser Anwalt hatte eine zehnmonatige Haftstrafe beantragt. Freddy ist daraufhin völlig ausgeflippt. Er beschimpfte den Anwalt. [Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried, Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Verl. 1993, S. 23]
Leider hat sich in unserer Gesellschaft das Vorurteil verfestigt, dass alle Deutschen mit Migrationshintergrund kriminell und asozial sind. Wenn einer von ihnen in der Schule ausflippt, wird das immer gleich verallgemeinert. [Die Zeit, 07.03.2008 (online)]
Die Fähigkeit, kleineres Unrecht zu ertragen, ohne auszuflippen, wird im Leben jedem Menschen zugemutet, immer wieder. [Die Zeit, 28.11.1986, Nr. 49]
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: regelrecht, total, völlig, komplett ausflippen; plötzlich, regelmäßig ausflippen
in Koordination: ausflippen und schreien
2.
umgangssprachlich jmd. flippt ausvor Freude, Begeisterung die Kontrolle über das eigene Verhalten verlieren
Beispiele:
Die Band brachte das Publikum zum Ausflippen.
[…] Der Star-Tenor [José Carreras] hatte seiner Kehle noch nicht einen Ton entlockt, als das Publikum vor Begeisterung nur über sein Erscheinen auf der Bühne schon völlig ausflippte. [Bild, 10.02.2001]
Mir wird ganz warm. Ich flippe aus. Wie er das gesagt hat. [Merian, Svende, Der Tod des Märchenprinzen, Hamburg: Buntbuch-Verl. 1980, S. 82]
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: regelrecht, total, völlig, komplett ausflippen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: vor Freude, vor Begeisterung ausflippen
mit Aktivsubjekt: die Fans flippen aus, das Publikum flippt aus
3.
meist als partizipiales Adjektiv (aus Partizip II) verwendet
umgangssprachlich sich außerhalb gesellschaftlicher Normen oder Konventionen stellen
Beispiele:
Die Hafenstraßenleute haben […] nie mit taktischem Geschick Politik gemacht. Sie sind keine ausgeflippten Bürgerkinder oder Intellektuelle. Die meisten von ihnen beziehen Sozialhilfe. [Die Zeit, 26.12.1986, Nr. 1]
Der andere Entwurf sah aus, als habe der ausgeflippte Designer David Carson am Rechner gesessen und ein neues Computermagazin für Teenies entwickelt. [Die Zeit, 29.01.1998, Nr. 6]
Die junge Generation hat zwischen charakterlosem Anpassen oder Ausflippen kaum einen Mittelweg. Dreißig Prozent der Jugendlichen brechen früher oder später aus. [Die Zeit, 23.06.1978, Nr. 26]
Ihre [der gealterten spanischen Revolutionäre] physische Verfassung ist ausgezeichnet. Sie sind nicht ausgeflippt, sie sind nicht neurotisch, sie brauchen keine Drogen. Sie bedauern sich nicht. [Enzensberger, Hans Magnus, Der kurze Sommer der Anarchie, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972, S. 284.]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

flippen · ausflippen
flippen Vb. ‘mit einem Flipper (einem Spielautomaten) spielen’ (wobei eine Kugel von Kontaktstellen ruckartig fortgeschnellt wird; 20. Jh.), von engl. to flip ‘schnipsen, schnellen’; wohl lautmalender Herkunft. ausflippen Vb. ‘sich durch Drogen einer als bedrückend empfundenen Situation entziehen, sich (bewußt) außerhalb der gesellschaftlichen Norm stellen, plötzlich aus der gewohnten Lebensweise ausbrechen’ (20. Jh.), vgl. engl. to flip out ‘verrückt werden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einen) Wutanfall kriegen · ↗(sich) vergessen · die Beherrschung verlieren · die Nerven verlieren · ↗herumwüten · verrückt werden  ●  ↗explodieren  fig. · (beinahe) platzen (vor Wut)  ugs. · (quasi) Schaum vorm Mund haben  ugs. · Gift und Galle spucken  ugs. · ↗abgehen  ugs. · abspacen  ugs. · an die Decke gehen  ugs., fig. · aus der Haut fahren  ugs. · ausflippen  ugs. · ↗ausklinken  ugs. · ↗ausrasten  ugs. · ↗austicken  ugs. · auszucken  ugs., österr. · ↗durchdrehen  ugs. · einen Rappel kriegen  ugs. · einen Tobsuchtsanfall kriegen  ugs. · hochgehen wie ein HB-Männchen  ugs. · hochgehen wie eine Rakete  ugs. · vor Wut schäumen  ugs., fig. · ↗überschnappen  ugs.
Assoziationen
  • (die) Wut kriegen · (die) kalte Wut kriegen · (jemanden) packt die Wut · in Rage geraten · in Rage kommen · in Wut geraten · mit der Faust auf den Tisch hauen · mit der Faust auf den Tisch schlagen · sehr aufgebracht sein · sehr erbost sein · sehr erregt sein · sehr wütend sein · sehr zornig sein · wütend werden  ●  (das) kalte Kotzen kriegen  derb · (gleich) Amok laufen (Übertreibung)  ugs. · (jemandem) geht das Messer in der Tasche auf  ugs., fig. · (jemandem) platzt (gleich) der Kragen  ugs. · (jemanden) packt der helle Zorn  geh. · an die Decke gehen  ugs. · auf 180 sein  ugs. · auf hundertachtzig sein  ugs. · böse werden  ugs., Kindersprache · die Platze kriegen  ugs. · hochgehen wie ein HB-Männchen  ugs., veraltet · hochgehen wie eine Rakete  ugs. · in die Luft fliegen  ugs. · in die Luft gehen  ugs. · kurz vorm Explodieren sein  ugs. · kurz vorm Überkochen sein  ugs. · rasend werden  ugs. · ↗rotsehen  ugs. · ↗zürnen  geh., veraltet
  • (sich) aufregen · ↗(sich) empören · ↗(sich) entrüsten · ↗(sich) ereifern · ↗(sich) erregen · ↗aufbrausen · außer sich geraten · in Wallung geraten · in Wallung kommen · in Wut geraten · wütend werden  ●  ↗(sich) echauffieren  franz. · aus der Haut fahren  fig. · die Wände hochgehen  fig. · einen Tanz aufführen  ugs., fig.
  • (total) von der Rolle · ↗(wohl) mit dem Klammerbeutel gepudert (worden) sein · ↗geistesgestört · ↗geisteskrank · geistig umnachtet · ↗psychotisch · unter Wahnvorstellungen leidend · ↗unzurechnungsfähig · ↗verrückt (geworden) · ↗wahnsinnig  ●  (ein) Ei am Wandern haben  derb, regional · (einen) Sprung in der Schüssel haben  ugs., fig. · ↗(total) durchgeknallt  ugs. · ballaballa  ugs. · ↗bekloppt  ugs. · durch den Wind  ugs. · durchgedreht  ugs. · einen Huscher haben  ugs. · ↗gaga  ugs. · ↗irre  ugs. · ↗irrsinnig  ugs. · ↗jeck  ugs., kölsch · narrisch  ugs., bair. · nasch  ugs., bair. · neben der Spur  ugs. · nicht (mehr) alle Tassen im Schrank haben  ugs., fig. · nicht ganz dicht  ugs. · von Sinnen  geh., veraltet, literarisch
  • außer sich (vor Wut) · ↗bitterböse · ↗blindwütig · ↗fuchsteufelswild · in blinder Wut · in maßloser Wut · ↗rasend · ↗tobsüchtig · vor Wut schäumen(d) · wie eine Furie · ↗wutentbrannt · ↗wutschnaubend  ●  auf 180  ugs. · auf hundertachtzig  ugs. · kurz vorm Explodieren (sein)  ugs. · mordssauer  ugs. · ↗stinksauer  ugs. · ↗stinkwütend  ugs. · ↗stocksauer  ugs.
  • herumspringen wie Rumpelstilzchen  ●  herumspringen wie ein HB-Männchen  veraltend, fig. · im Dreieck springen  Hauptform, fig. · im Sechseck springen  fig.
  • (die) Fassung verlieren · (die) Kontrolle verlieren · ↗(sich) gehen lassen · (sich) keinen Zwang antun · (sich) nicht beherrschen (können)
  • (sich) vergessen · seine gute Erziehung vergessen · seine gute Kinderstube vergessen
  • (sich) nicht mehr unter Kontrolle haben · außer Kontrolle geraten · nicht mehr wissen, was man tut  ●  (bei jemandem) brennt eine Sicherung durch  ugs., fig. · ↗(total) durchdrehen  ugs. · total ausflippen  ugs.
  • (das ist) zum Auswachsen!  ugs. · (das ist) zum Verrücktwerden!  ugs. · (das ist) zum Verzweifeln!  ugs. · das hältst du (doch) im Kopf nicht aus!  ugs. · das ist (ja) nicht auszuhalten!  ugs. · das ist (ja) nicht zum Aushalten!  ugs. · gleich platzt mir die Hutschnur!  ugs., veraltend · ich dreh (hier noch) durch!  ugs. · ich dreh am Rad!  ugs., fig. · ich krieg die Krise!  ugs. · ich krieg zu viel!  ugs. · ich spring gleich aus dem Fenster!  ugs. · mir platzt gleich der Arsch!  derb · mir platzt gleich der Kragen!  ugs., veraltend
  • Wutanfall · ↗Wutausbruch  ●  ↗Ausraster  ugs. · aggressive Aufwallung  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Begeisterung Fan Freude Leut Mädel Publikum Trainer da derart fast flippen gleich komplett mal manchmal plötzlich regelmäßig regelrecht richtig schier schreien sonst total völlig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausflippen‹.

Zitationshilfe
„ausflippen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausflippen>, abgerufen am 19.04.2019.

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