ausgeben

GrammatikVerb · gibt aus, gab aus, hat ausgegeben
Aussprache
Worttrennungaus-ge-ben
Wortzerlegungaus-geben
Wortbildung mit ›ausgeben‹ als Grundform: ↗Ausg. · ↗Ausgabe
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. öffentlich an eine größere Anzahl von Personen geben
a)
etw. austeilen
Beispiele:
Essen, Getränke ausgeben
an die Soldaten, die geretteten Seeleute werden doppelte Rationen ausgegeben
Schaufeln, Spitzhacken an die Bauarbeiter ausgeben
Es wurde scharfe Munition ausgegeben [StrittmatterWundertäter477]
b)
etw. aushändigen
Beispiele:
in der Leihbibliothek die Bücher ausgeben
das Gepäck wird am anderen Schalter, die Ware wird neben der Kasse ausgegeben
für diesen Zug werden keine Platzkarten ausgegeben
die Bundesbank hat neue Geldscheine ausgegeben (= in Umlauf gebracht)
c)
übertragen etw. verkünden
Beispiele:
eine Parole, Losung ausgeben
Informationen, Instruktionen ausgeben
daß der Schwedenkönig ... schriftlich habe ausgeben lassen, er wolle dem bedrängten Volke den Frieden bringen [Ric. HuchDreißigjähr. Krieg1,404]
2.
Geld ausgebenGeld verbrauchen, aufwenden
Beispiele:
für etw. unnütz, leichtfertig Geld ausgeben
so viel (Geld) kann ich für ein neues Kleid nicht ausgeben
für das Buch habe ich 10 Euro ausgegeben
für dieses Unternehmen werden große Summen, Beträge ausgegeben
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlich er dreht jeden Pfennig, Cent dreimal um, bevor er ihn ausgibt (= ist sehr sparsam, geizig)
umgangssprachlich, spöttisch der hat sein Schulgeld umsonst ausgegeben (= hat nicht viel in der Schule gelernt)
salopp einen ausgebeneine Runde Bier, Schnaps spendieren
Beispiele:
gib mal einen aus!
er musste einen ausgeben
3.
umgangssprachlich sich ausgebenseine Kräfte verbrauchen, verausgaben
Beispiele:
sich bei der Arbeit, beim Sport völlig, vollständig ausgeben
Anforderungen ... denen sie [meine Spannkraft] unmöglich hätte genügen können, wenn ich mich auf so durchgreifende Art hätte ausgeben wollen [Th. MannKrull8,317]
4.
jmdn., sich, etw. ausgeben für, alsjmdn., sich, etw. fälschlich bezeichnen als
Beispiele:
jmdn. für, als seinen Verwandten, Bekannten ausgeben
die Frau gab das Kind für ihr eigenes aus
jmdn. für ängstlich, geizig ausgeben
sich für einen, als Künstler, Dichter, Arzt ausgeben
sich für einen, als Vorkämpfer, Anhänger, Gegner einer Sache ausgeben
er gab sich leichtgläubigen Menschen gegenüber für einen Hellseher, Propheten, Heilkundigen aus
sich für verheiratet, krank, unschuldig ausgeben
er gab sich für jünger, älter aus, als er wirklich war
etw. für, als sein Werk, seine Erfindung, sein Eigentum ausgeben
eine Geschichte als wahre Begebenheit ausgeben
ein kopiertes Gemälde für echt, einen Gegenstand beim Wiederverkauf für neu ausgeben
eine Mittel, eine Lehre für unfehlbar ausgeben
daß Sie mich für eigensinnig ausgegeben haben, ist stark [HardenKöpfe137]
obwohl sie sich selbst für berechnend ausgegeben hatte [FontanePetöfy31]
um seine weltlichen Auffassungen ... als besser, richtiger, natürlicher, menschlicher auszugeben [HesseGlasperlensp.6,168]
5.
landschaftlich, umgangssprachlich etw. gibt (etw.) ausetw. ist ergiebig
Beispiele:
der Teig gibt beim Ausrollen (viel) aus
das Getreide gibt beim Mahlen (viel) aus
das gibt mehr aus, als ich dachte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

geben · abgeben · Abgabe · angeben · Angabe · Angeber · angeblich · aufgeben · Aufgabe · ausgeben · Ausgabe · ausgiebig · begeben · Begebenheit · beigeben · Beigabe · eingeben · Eingabe · Eingebung · ergeben · Ergebung · ergeben · Ergebenheit · Ergebnis · ergiebig · freigebig · Freigebigkeit · hingeben · Hingabe · Hingebung · hingebungsvoll · nachgeben · nachgiebig · übergeben · Übergabe · umgeben · Umgebung · Untergebener · vergeben · Vergebung · vergebens · vergeblich · zugeben · Zugabe
geben Vb. ‘(hin-, dar)reichen, schenken, überlassen’. Das gemeingerm. Verb ahd. geban (8. Jh.), mhd. geben, asächs. geƀan, mnd. gēven, mnl. ghēven, nl. geven, aengl. giefan (engl. to give ist aus dem Nord. entlehnt), anord. gefa, schwed. giva, got. giban (germ. *geban). Herkunft ungesichert. Das Verb wird allgemein mit lat. habēre ‘halten, haben, besitzen’, habilis ‘handlich, geeignet’, air. gaibid ‘nimmt, ergreift, erhält’, lit. gabénti ‘fördern, transportieren, herbei-, fortschaffen’, aruss. gabati ‘bedrängen, verfolgen (?)’, tschech. (älter) habati ‘raffen’, poln. gebać ‘anfechten, reizen, beunruhigen’ zu der in mehreren Varianten vorliegenden Wurzel ie. *ghabh-, *ghab-, *ghap- ‘fassen, nehmen’ (die letzte Variante wohl unter Einfluß der Wurzel ie. *kap- ‘fassen’, s. ↗heben) gestellt. Der auffallende Bedeutungsunterschied zwischen den germ. Vertretern und dem ie. Wurzelansatz (‘geben’ – ‘nehmen’) wird damit erklärt, daß hier eine germ. Eigenbildung als Ersatz für ie. *dō- ‘geben’ vorliegt, die sowohl lautlich (im Vokalismus der Stammsilbe) wie inhaltlich unter dem Einfluß von germ. *neman (s. ↗nehmen) als Gegenwort steht (was man hat, auswählend ergreift, „nimmt“, kann man darreichen, schenken, „geben“). Die reiche Bedeutungsentfaltung des Verbs führt zu zahlreichen Präfixbildungen mit weiteren Ableitungen. abgeben Vb. ‘(einen Teil) hergeben, abtreten, überlassen, darstellen, sein’ reflexiv ‘sich beschäftigen, befassen’, frühnhd. ab(e)geben, vgl. ahd. abageban ‘verlassen, im Stich lassen’ (9. Jh.); Abgabe f. ‘zu entrichtende Leistung, Überlassung’ (2. Hälfte 17. Jh.). angeben Vb. ‘(aus)sagen, anzeigen, verraten, bestimmen, prahlen, aufschneiden’, mhd. an(e)geben, auch ‘(ein Kleid) anlegen’; Angabe f. ‘Aussage, Prahlerei, Aufschneiderei’ (Anfang 16. Jh.); Angeber m. ‘Denunziant, Aufschneider’, frühnhd. angeber ‘Anfänger, Anstifter’; angeblich Adj. ‘vermeintlich’ (1. Hälfte 18. Jh.). aufgeben Vb. ‘zur Weiterleitung übergeben, erledigen lassen, verzichten, zurücktreten’, mhd. ūfgeben; Aufgabe f. ‘Übergabe zur Weiterleitung, Auftrag, Verzicht’, mhd. ūfgābe. ausgeben Vb. ‘austeilen, aushändigen, verkünden, Geld verbrauchen, spendieren’, reflexiv ‘seine Kräfte verbrauchen, verausgaben’, ahd. ūʒgeban ‘(her)ausgeben, ausschütten’ (9. Jh.), mhd. ūʒgeben; Ausgabe f. ‘Austeilung, Aushändigung, Verkündigung, Verbrauch an Geld, Edition, Nummer einer Zeitung, Zeitschrift’, spätmhd. ūʒgābe; ausgiebig Adj. ‘reichlich’ (Mitte 18. Jh.). begeben Vb. reflexiv ‘sich aufmachen, gehen, sich ereignen, geschehen’, sich einer Sache begeben ‘auf etw. verzichten’, ahd. bigeban ‘verlassen, aufgeben’ (10. Jh.), mhd. begeben; Begebenheit f. ‘Ereignis, Geschehen’ (1. Hälfte 17. Jh.). beigeben Vb. ‘mitgeben, hinzufügen, zur Verfügung stellen, nachgeben, sich fügen’ (1. Hälfte 16. Jh.); Beigabe f. (1. Hälfte 19. Jh.). eingeben Vb. ‘einflößen, einreichen’, mhd. īngeben ‘übergeben, überweisen’; Eingabe f. ‘das Einflößen, schriftlicher Vorschlag, Gesuch’, spätmhd. ingābe; Eingebung f. ‘plötzlich auftauchender Gedanke, Intuition’ (1. Hälfte 15. Jh.). ergeben Vb. ‘als Ergebnis hervorbringen’, reflexiv ‘zustande kommen, sich hingeben, widmen, die Waffen strecken, sich dem Feind ausliefern’, ahd. irgeban ‘(von sich) geben, heraus-, übergeben, sich jmdm. ausliefern, Rechenschaft ablegen’ (8. Jh.), mhd. ergeben ‘zeigen, herausgeben, übergeben, anheimgeben, einträglich sein’, reflexiv ‘sich in jmds. Gewalt geben, sich fügen’; Ergebung f. ‘das Sichergeben, Unterwerfung, Ergebenheit’ (14. Jh.); ergeben Part.adj. ‘gefügig, hingebungsvoll, wohlgeneigt’, in frühnhd. Zeit aus dem Part. Prät. mhd. ergeben ‘sich durch Gelübde dem Mönchsleben ergeben habend’; Ergebenheit f. ‘demütige Hingabe, Fügsamkeit’, mhd. ergebenheit ‘Klostergelübde’; Ergebnis n. ‘Resultat’ (um 1800); ergiebig Adj. ‘ertragreich, fruchtbar’ (16. Jh.). freigebig Adj. ‘gern gebend, großzügig’, Freigebigkeit f. (1. Hälfte 16. Jh.). hingeben Vb. ‘weg-, fortgeben, verschenken’ (15. Jh.), reflexiv ‘sich aufopfern, sich widmen’ (18. Jh.); vgl. schon ahd. hinageban ‘hingeben, übergeben, preisgeben’ (um 1000); Hingabe f. ‘Opferbereitschaft, Leidenschaft’ und gleichbed. Hingebung f. (1. Hälfte 19. Jh.), älter im Sinne von ‘das Weg-, Fortgeben’ (Hingebung seit dem 17. Jh., Hingabe seit dem 18. Jh.); hingebungsvoll Adj. ‘voll Eifer, Aufopferung’ (1. Hälfte 19. Jh.). nachgeben Vb. ‘nicht standhalten, Widerstand aufgeben, sich fügen, erschlaffen, locker werden’, spätmhd. nāchgeben ‘zulassen, einräumen’; nachgiebig Adj. ‘nicht standhaltend, keinen Widerstand entgegensetzend, schlaff, leicht umzustimmen, fügsam’ (18. Jh.). übergeben Vb. ‘aushändigen, überantworten, ausliefern, für etw. freigeben’, reflexiv ‘sich erbrechen’, mhd. übergeben ‘übertreffen, beeinträchtigen, verletzen, verzichten’, reflexiv ‘sich aufgeben, schuldig bekennen’; Übergabe f. ‘Aushändigung, Auslieferung’ (Ende 15. Jh.). umgeben Vb. ‘ein-, umschließen’, ahd. umbigeban ‘umgeben, umstellen’ (8. Jh.), mhd. umbegeben; Umgebung f. ‘einen Ort umgebende Landschaft, jmdn. umgebender Kreis von Menschen’ (um 1800; vorher dafür Environs, nach gleichbed. frz. environs Plur.), älter im Sinne von ‘das Herumgeben, Umhängen’ (Ende 15. Jh.). Untergebener m. ‘wer einem Vorgesetzten dienstlich unterstellt ist’ (um 1600), substantivierte Form zum Part.adj. untergeben ‘einem Vorgesetzten dienstlich unterstellt’, eigentlich Part. Prät. zu heute nicht mehr üblichem untergeben ‘unter Aufsicht stellen’, ahd. untargeban ‘unterwerfen, unterstellen’ (um 800), spätmhd. undergeben. vergeben Vb. ‘weggeben, austeilen, verschenken, verzeihen’, meist reflexiv ‘seinem Ansehen schaden’, nur reflexiv ‘sich beim Austeilen (der Spielkarten) irren, falsch geben’, ahd. firgeban ‘vergeben, schenken, einräumen’ (8. Jh.), mhd. vergeben; Vergebung f. ‘das Vergeben, Vergabe, Verzeihung’, spätmhd. vergebunge ‘Verzeihung’; vergebens Adv. ‘vergeblich, erfolglos, umsonst, nutzlos’, spätmhd. vergeben(e)s, mit sekundärem s für gleichbed. mhd. vergebene ‘geschenkweise, unentgeltlich, umsonst, unnütz, vergeblich’, Adverb zum Part. Prät. mhd. vergeben; vgl. ahd. firgebano Adv. ‘umsonst, ohne Gegenleistung’ (um 1000). vergeblich Adj. ‘erfolglos, nutzlos, umsonst’, zuerst md. vergebelich (15. Jh.), vgl. mhd. frühnhd. vergebenlich (wohl gekürzt aus vergebendlich). zugeben Vb. ‘hinzufügen, dazugeben, für richtig erklären, einräumen, gestehen’ (15. Jh.), vgl. schon ahd. zuogeban ‘hinzufügen, zuteilen, verteilen’ (9. Jh.), dagegen mhd. zuogeben ‘tapfer auf jmdn. eindringen, jmdm. zusetzen’; Zugabe f. ‘was zusätzlich über die pflichtgemäße Leistung oder Menge hinaus gegeben wird’, spätmhd. zuogābe ‘Zugabe, Mitgift’.

Thesaurus

Synonymgruppe
ausgeben · ↗aushändigen · ↗ausrüsten · ↗bereitstellen · ↗liefern · ↗verteilen · ↗zuteilen
Assoziationen
Synonymgruppe
auflegen · ausgeben (Banknoten) · ↗ausstellen · ↗emittieren · ↗herausgeben · in Umlauf bringen · in Umlauf setzen · in Verkehr bringen · ↗verbreiten
Ökonomie
Synonymgruppe
(Schaden) regulieren · (die) Zeche zahlen (für) · Geld in die Hand nehmen (journal., polit.) · ↗abführen (Steuern) · ↗aufkommen (für) · ausgeben · ↗begleichen (Rechnung) · ↗bestreiten (Geldbetrag) · ↗entrichten · ↗verausgaben (Verwaltungsdeutsch) · ↗zahlen  ●  ↗bezahlen  Hauptform · ↗(die finanziellen Lasten) tragen  geh. · ↗(etwas) springen lassen  ugs. · ↗abdrücken  ugs. · ablatzen  ugs. · auf den Tisch blättern  ugs. · ↗berappen  ugs. · ↗blechen  ugs. · geben für  ugs. · ↗hinblättern  ugs. · in die Tasche greifen  ugs., fig. · latzen  ugs. · ↗lockermachen (Geldbetrag)  ugs. · ↗löhnen  ugs. · ↗prästieren  geh., lat. · ↗raushauen  ugs. · rauspfeifen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich als jmd.) ausgeben · ↗(sich) darstellen · ↗imitieren · ↗mimen · ↗personifizieren · ↗schauspielern · ↗verkörpern
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktie Bildung Bund DM Devise Dollar Euro Forschung Geld Losung Mark Milliarde Million Parole Steuergeld Summe Verbraucher Werbung Ziel Zweck allein dafür geben insgesamt jährlich mehr rund verzinsen viel weniger

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausgeben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An einem einzigen Tag gaben sie Hunderte von Millionen aus, als läge das Geld auf der Straße.
Die Zeit, 31.01.2011, Nr. 05
Niemand kann auf Dauer mehr ausgeben, als er eingenommen hat.
Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]
Es konnten bis zu 675000 Essen pro Tag ausgegeben werden.
o. A.: Enzyklopädie des Nationalsozialismus - H. In: Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1997], S. 22131
Es ist mir darum zu tun, daß ich kein Geld bei mir habe und dann kann ich eben auch kein Geld ausgeben.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 14.07.1938, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Ich habe sehr viel Geld ausgeben müssen, aber nicht für meine Person.
Friedländer, Hugo: Prozeß wider das Grafen-Ehepaar Kwilecki wegen Kindesunterschiebung. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1910], S. 36
Zitationshilfe
„ausgeben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausgeben>, abgerufen am 19.07.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
ausgebären
ausgearbeitet
Ausgasung
ausgasen
Ausgärung
ausgebogt
Ausgebombte
Ausgebot
ausgebröselt
ausgebufft