ausgießen

GrammatikVerb · goss aus, hat ausgegossen
Aussprache
Worttrennungaus-gie-ßen (computergeneriert)
Wortzerlegungaus-gießen
Wortbildung mit ›ausgießen‹ als Grundform: ↗Ausguss
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
eine Flüssigkeit aus einem Gefäß herausgießen
Beispiele:
das Wasser (aus dem Eimer), die Milch (aus der Flasche) ausgießen
er goss den Rest des Bieres (aus dem Glas) aus
ein Gefäß durch Herausgießen der Flüssigkeit leeren
Beispiele:
die Waschschüssel, eine Flasche, ein Glas ausgießen
die Bäuerin gießt den vollen Melkeimer aus
2.
dichterisch, übertragen etw. über jmdn., etw. ausgießenjmdn., etw. mit etw. überschütten
Beispiele:
er goss seinen Spott, seine Verachtung über seine Mitmenschen aus
der Mond goss seinen silbernen Schein, fahlen Glanz über das Tal, den See aus (= breitete ihn aus)
Religion Gott gießt seinen Geist, seine Gnade über die Menschen aus
in heftigen Worten [hatte sie] die ganze Schale ihres Zornes über die anderen ausgegossen [ViebigDie vor d. Toren288]
als die Sonne ... ihr Licht über die wunderschöne Öde dieser Landschaft ausgegossen hatte [Stifter2,497]
über jmds. Gesicht ist etw. ausgegossenauf jmds. Gesicht liegt ein Ausdruck von etw.
Beispiele:
eine stille Wehmut, Trauer, Heiterkeit, Freude, ein Zauber war über ihr Gesicht, Antlitz ausgegossen
Eine geistige ... Schönheit war über ihn ausgegossen, während er las [WerfelAbituriententag111]
3.
etw. mit einer Masse, die durch Erhitzen flüssig geworden ist, ausfüllen
Beispiele:
eine Form, eine Druckzeile nach dem Satz mit Blei ausgießen
Risse, Löcher in der Straßendecke werden mit Asphalt ausgegossen
Die Leute von Meron ließen ... die Hufspuren des Pferdes Pfeil mit Kupfer ausgießen [Feuchtw.Jüd. Krieg144]
4.
Beispiele:
ein Feuer, eine Flamme ausgießen (= durch Übergießen mit Wasser löschen)
der Knecht aber goß das Feuer [im Herd] aus [Löns6,342]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gießen · Gießer · Gießerei · Zinngießer · Weißgießer · Rotgießer · Gelbgießer · Schwarzgießer · ausgießen · begießen · Gießkanne
gießen Vb. ‘Flüssigkeit ausfließen lassen, mit Wasser tränken, eine flüssig gemachte Masse, Geschmolzenes in eine Form schütten’. Das gemeingerm. Verb ahd. gioʒan ‘gießen, einschmelzen, vermischen’ (8. Jh.), mhd. gieʒen, asächs. giotan, mnd. gēten, mnl. ghieten, nl. gieten, aengl. gēotan, anord. gjōta (nur ‘laichen, Blicke werfen’), schwed. gjuta, got. giutan ‘gießen’ (germ. *geutan) führt mit nasaliertem lat. fundere (fūsum) ‘gießen, fließen lassen, schmelzen’ auf eine Dentalerweiterung, dagegen anord. gjōsa ‘hervorbrechen’, anord. isl. geysa ‘hervorstürzen’ (s. ↗Geiser), ahd. gussi (um 800), gussa (9. Jh.) ‘Flut’ auf eine s-Erweiterung der Wurzel ie. *g̑heu- ‘gießen’ (Schwundstufe *g̑hu-). Zu dieser Wurzel gehören auch aind. juhṓti ‘opfert’ (und zwar ‘gießt Butter ins Feuer’), griech. chḗin (χεῖν) ‘gießen, ausschütten, ergießen, verbreiten’, ché͞uma (χεῦμα) ‘Guß, Strom’, choḗ (χοή) ‘Weiheguß, Trankopfer’. Seit ahd. Zeit wird gießen, wie auch lat. fundere, als Wort der Metalltechnik verwendet; so ist schon das Part. Prät. ahd. gigoʒʒan ‘gegossen, geschmolzen, durch Gußarbeit entstanden’ in diesem Sinne bezeugt. Aus dieser Verwendung werden ferner Gießer m. ‘Arbeiter in der Gießerei’ (um 1500) und Gießerei f. ‘Betrieb, der Gegenstände durch Gießen schmelzbarer Stoffe in Hohlformen herstellt’ (17. Jh.) abgeleitet sowie die entsprechenden Bedeutungen von ↗Guß (s. d.). Zinngießer m. Hersteller von Zinnguß (14. Jh.), dafür auch Weißgießer m. (18. Jh.) und ↗Kannegießer m. (s. d.). Rotgießer m. (16. Jh.), Gelbgießer m. (18. Jh.) Hersteller von Bronzeguß (einer Kupfer/Zinnlegierung), Messingguß (einer Kupfer/Zinklegierung). Schwarzgießer m. Hersteller von Eisenguß (18. Jh.). ausgießen Vb. ‘Flüssigkeit aus einem Gefäß ausfließen lassen, überschütten, mit Gußmasse füllen’, ahd. ūʒgioʒan (9. Jh.), mhd. ūʒgieʒen. begießen Vb. ‘Flüssigkeit auf etw. schütten’, heute auch ‘etw. mit alkoholischen Getränken feiern’, ahd. bigioʒan (8. Jh.), asächs. bigiotan, mhd. begieʒen. Gießkanne f. (16. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Asphalt Beton Blei Flüssigkeit Fuge Füllhorn Geist Gips Hohlraum Hohn Kunstharz Kübel Licht Liter Metall Schmutz Spott Verachtung Wachs Wasser Zement Zorn anzünden entzünden gießen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausgießen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nachdem das andere MIR deines heraufgeholt hätte, würde man dich durch die Luke ausgießen.
Die Welt, 19.08.2000
Dafür gießt sie die Schale ihres Zornes über den indiskreten Beamten aus.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 13.03.1918
Größere Zeitungen sind darauf eingerichtet, sich ihre Stereos selbst auszugießen.
Behrmann, Hermann: Das Inserat, Wien: Barth 1928, S. 299
Es wäre leicht, die Schale unseres Zornes auf das Haupt der Frau v. Elbe auszugießen.
Friedländer, Hugo: Der Beleidigungsprozeß des Berliner Stadtkommandanten, Generalleutnant z.D. Graf Kuno von Moltke gegen den Herausgeber der »Zukunft« Maximilian Harden. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 4156
Er zog sie an sich, alle drei, drängte sich an sie und wollte etwas Bedeutendes verschwenderisch über sie ausgießen.
Born, Nicolas: Die Fälschung, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1980 [1979], S. 43
Zitationshilfe
„ausgießen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausgießen>, abgerufen am 21.02.2019.

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