Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ausgraben

Grammatik Verb · gräbt aus, grub aus, hat ausgegraben
Aussprache 
Worttrennung aus-gra-ben
Wortzerlegung aus- graben
Wortbildung  mit ›ausgraben‹ als Erstglied: Ausgräber
Mehrwortausdrücke  das Kriegsbeil ausgraben
eWDG

Bedeutungen

1.
jmdn., etw. durch Graben aus der Erde herausholen
Beispiele:
einen Leichnam zur gerichtsmedizinischen Untersuchung, einen gefallenen Soldaten zur Umbettung, zur Überführung in die Heimat ausgraben
Rettungsmannschaften versuchten, die Verschütteten auszugraben
Pflanzen, junge Bäume mit den Wurzeln ausgraben
Volkssagen erzählen oft von einem, der einen Schatz ausgraben wollte
etw. freilegen
Beispiele:
Archäologen graben Waffen, Hausrat, Urnen aus vorgeschichtlicher Zeit aus
der ausgegrabene Torso einer antiken Skulptur
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlichdas Kriegsbeil ausgraben (= Streit anfangen)
durch Graben im Erdboden eine Vertiefung schaffen
Beispiel:
ein Loch, eine Grube ausgraben
2.
umgangssprachlich, übertragen etw. längst Vergessenes wieder hervorholen
Beispiele:
in einem Archiv alte Schriften, Karten, Noten ausgraben
der Dramaturg hat ein Stück aus den zwanziger Jahren wieder ausgegraben
zur Verteidigung seines Mandanten grub der Anwalt eine gesetzliche Bestimmung vom Jahre 1895 aus
die Zeitung hat eine alte Affäre wieder ausgegraben
Meine Bleisoldaten hat er … aus der Rumpelkammer ausgraben lassen [ A. ZweigJunge Frau125]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

graben · ausgraben · Ausgrabung · begraben · Begräbnis · Gräber · Grabmal · Grabscheit
graben Vb. ‘Erde umwerfen, eine Vertiefung (im Erdboden) machen, einkerben, unter der Erde suchen, schürfen’. Das gemeingerm. Verb ahd. graban (um 800), mhd. graben, asächs. graƀan, mnd. mnl. grāven, nl. graven, afries. greva, aengl. grafan, engl. to grave, anord. grafa, schwed. gräva, got. graban (germ. *graban) gehört mit aslaw. grebǫ ‘rudere, grabe’, russ. grebú (гребу) ‘rudere, scharre zusammen’, älter auch ‘grabe, wühle, raffe an mich’, aslaw. pogrěbati, russ. pogrebát’ (погребать) ‘begraben, beerdigen’ zu einer Ausgangsform ie. *ghrebh-, die oft (wie bei Pokorny 1, 455) in zwei homophone Ansätze mit der Bedeutung ‘kratzen, scharren, graben’ sowie ‘ergreifen, erraffen, harken’ (s. grabbeln) aufgespalten wird, wobei zugegeben wird, daß zwischen beiden Ansätzen zum Teil nicht scharf zu trennen ist. Das Paradigma des germ. Verbs folgt nicht dem e-/o-Ablaut des ie. Ansatzes, sondern ist in die Ablautreihe germ. a/ō übergetreten. Zum Verb gehören Grab, Graben, Gracht, Grube; außerhalb der Ablautformen des Verbalparadigmas stehen die (zur alten ie. Ausgangsform stimmenden) Bildungen Gruft, Grubber und das Iterativum grübeln (s. d.). – ausgraben Vb. ‘durch Graben aus der Erde herausholen, durch Graben im Erdboden eine Vertiefung schaffen’, ahd. ūʒgraban (10. Jh.), mhd. ūʒgraben; dazu Ausgrabung f. ‘Freilegung (vor)geschichtlicher Funde’, Terminus der Archäologie seit dem 18. Jh. begraben Vb. ‘beerdigen, bestatten’, übertragen ‘aufgeben, nicht mehr davon sprechen’, ahd. bigraban ‘beerdigen’ (8. Jh.), mhd. begraben, auch ‘ziselieren, mit einem Graben umgeben’; Begräbnis n. ‘Bestattung, Beerdigung’, auch ‘Grabstätte, Gruft’, mhd. begrebnis(se) ‘Grabstätte’. Gräber m. häufig auch umlautlos Graber, ahd. grabāri (Hs. 13. Jh.), bigrabāri (10. Jh.) ‘Totengräber’, mhd. grabære, mnd. grāvēre; heute meist in Zusammensetzungen wie Gold-, Schatz-, Totengräber. Grabmal n. ‘am Grab aufgestelltes Erinnerungsmal’ (16. Jh.; zuerst in Luthers Bibelübersetzung), Zusammensetzung mit Mal2 (s. d.) in dessen Bedeutung ‘Zeichen’. Grabscheit n. ‘Spaten, Schaufel’, mhd. grabeschīt, seit dem Frühnhd. die fugenvokallose Form Grabscheit; zum Grundwort s. Scheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas Vergrabenes / Verschüttetes) ausgraben · ans Tageslicht befördern · ans Tageslicht fördern · ausbuddeln · ausgraben · ausheben
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
(wieder) heraussuchen · (wieder) hervorholen  ●  (wieder) ausbuddeln  ugs., fig. · (wieder) ausgraben  ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›ausgraben‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausgraben‹.

Verwendungsbeispiele für ›ausgraben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In diesem Fall ist das aber ungefähr so wichtig wie bei den Namen der ausgegrabenen assyrischen Städte. [Die Zeit, 24.01.1972, Nr. 04]
Früher brauchte man das Gold nur von der Straße aufzuheben, heute muß man es ausgraben. [C’t, 1996, Nr. 10]
Um das zu erkennen, muss man keinen versteckten Song ausgraben. [Die Zeit, 17.11.2012, Nr. 47]
Um gut zu essen, genügt es, verschüttete Erkenntnisse wieder auszugraben. [Die Zeit, 18.07.2011, Nr. 29]
Ich grabe mich also aus und mache mich auf, meine Tochter zu suchen. [Ernst, Otto: Appelschnut, Rostock: Hirnstoff 1989 [1907], S. 137]
Zitationshilfe
„ausgraben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausgraben>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
ausglühen
ausglitschen
ausglimmen
ausgliedern
ausgleiten
ausgrasen
ausgreifen
ausgrenzen
ausgräten
ausgrätschen