Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

auslassen

Grammatik Verb · lässt aus, ließ aus, hat ausgelassen
Aussprache 
Worttrennung aus-las-sen
Wortzerlegung aus- lassen
Wortbildung  mit ›auslassen‹ als Erstglied: Auslassung · Auslassventil  ·  mit ›auslassen‹ als Grundform: ausgelassen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. etw. aus etw. herauslassen
  2. 2. ⟨seinen Ärger an jmdm. auslassen⟩ seinen Ärger über jmdm. entladen, jmdn. seinen Ärger deutlich fühlen lassen
  3. 3. [abwertend] ⟨sich in einer bestimmten Art über jmdn., etw. auslassen⟩ sich in einer bestimmten Art über jmdn., etw. äußern
  4. 4. [umgangssprachlich] etw., jmdn. weglassen
    1. a) etw. fortfallen lassen
    2. b) die Reihenfolge nicht einhalten
  5. 5. etw. zum Schmelzen bringen
  6. 6. [Schneiderei] etw. weiter, länger machen
  7. 7. [süddeutsch, österreichisch] (jmdn., etw.) loslassen
    1. jmdn. in Ruhe, Frieden lassen
  8. 8. [süddeutsch, österreichisch] nachlassen, versagen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. aus etw. herauslassen
Beispiele:
Wasser (aus dem Boiler) auslassen (= herauslaufen lassen)
Gas, Dampf auslassen (= entweichen lassen)
2.
seinen Ärger an jmdm. auslassenseinen Ärger über jmdm. entladen, jmdn. seinen Ärger deutlich fühlen lassen
Beispiele:
seinen Zorn, seine üble Laune an jmdm. auslassen
sie hat ihren Spott, Übermut an ihm ausgelassen
sag doch den beiden Verrückten, sie sollen ihre Wut an den Steinen auslassen [ E. ClaudiusMenschen355]
3.
abwertend sich in einer bestimmten Art über jmdn., etw. auslassensich in einer bestimmten Art über jmdn., etw. äußern
Beispiele:
sich breit, näher, folgendermaßen auslassen
er ließ sich missbilligend über seinen Neffen aus
sich in diesem Sinne, in bitteren Worten, in dunklen Andeutungen auslassen
daß der stud. med. sich häufig aggressiv und maßlos gegen Ihren Herrn Sohn ausläßt [ Wasserm.Wahnschaffe2,18]
4.
umgangssprachlich etw., jmdn. weglassen
a)
etw. fortfallen lassen
Beispiele:
ein Wort, einen Satz auslassen
der Musiker hat ein paar Takte ausgelassen
etw. absichtlich, versehentlich auslassen
eine einmalige Chance, Gelegenheit auslassen (= verpassen)
der Slalomläufer hat ein Tor ausgelassen
In unsern Jahren läßt man ja nicht gerne was aus [ FalladaJeder stirbt202]
b)
die Reihenfolge nicht einhalten
Beispiele:
eine Bahn, einen Bus auslassen (= überschlagen)
einen Kunden beim Bedienen auslassen (= übergehen)
In Oderberg ließ er einen Zug aus [ J. RothRadetzkymarsch183]
5.
etw. zum Schmelzen bringen
Beispiele:
ein Stück Butter auslassen
Fett, Speck auslassen
ausgelassener Talg
wo das gereinigte Bleierz ausgelassen wurde [ MarchwitzaJugend115]
6.
Schneiderei etw. weiter, länger machen
Beispiele:
einen Anzug, eine Taille auslassen
die Nähte, den Saum auslassen
wir müssen die Ärmel ein paar Zentimeter auslassen
7.
süddeutsch, österreichisch (jmdn., etw.) loslassen
Beispiele:
geh weg, lass (mich) aus!
lass den Hund aus!
wie sie im Aberwitze des Schwindels das Geländer ausließ [ Stifter1,308]
jmdn. in Ruhe, Frieden lassen
Beispiel:
Laßt mich doch aus! Was hab ich euch denn getan? [ BecherAbschied4,91]
8.
süddeutsch, österreichisch nachlassen, versagen
Beispiele:
das Herz, Gedächtnis lässt aus
während bei den Füßen die Kraft ausläßt [ WölfflinDürer96]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lassen · ablassen · unablässig · anlassen · Anlasser · Anlaß · anläßlich · veranlassen · auslassen · ausgelassen · einlassen · Einlaß · entlassen · Entlassung · erlassen · Erlaß · unerläßlich · hinterlassen · Hinterlassenschaft · nachlassen · Nachlaß · nachlässig · vernachlässigen · niederlassen · Niederlassung · überlassen · unterlassen · Unterlaß · verlassen · Verlaß · verläßlich · zulassen · zulässig
lassen Vb. ‘dulden, erlauben, bitten, veranlassen, daß etw. geschieht, unterlassen, aufhören mit etw., überlassen, geben, aufgeben’. Das gemeingerm., ehemals reduplizierende Verb ahd. lāʒan (8. Jh.), Kurzform lān, mhd. lāʒen, lān, asächs. lātan, mnd. mnl. lāten, nl. laten, aengl. lǣtan, engl. to let, anord. lāta, schwed. låta, got. lētan ist mit den unter lasch und lässig (s. d.) angegebenen Formen und außergerm. mit griech. lēdé͞in (ληδεῖν) ‘träge, müde sein’, lat. lassus (aus *lədto-) ‘laß, matt, müde, abgespannt’, alban. lodh ‘er ermüdet jmdn.’ und lit. léisti ‘(los)lassen, freilassen’ auf eine Wurzelerweiterung ie. *lē(i)d-, *ləd- der Wurzel ie. *lē(i)- ‘nachlassen’ rückführbar. ablassen Vb. ‘von etw., jmdm. abstehen, aufgeben, entweichen lassen, herniederlassen, (käuflich) überlassen’, ahd. oblāʒan (für gewöhnliches aba-) ‘erlassen, Nachlaß gewähren’ (8. Jh.), mhd. abelāʒen, auch ‘aufgeben, Abstand nehmen, losgehen lassen, entweichen lassen, niederlassen’; s. Ablaß; unablässig Adj. ‘nicht ablassend, andauernd, ohne Unterbrechung’ (16. Jh.). anlassen Vb. ‘(Kleidung) nicht ablegen, eine Vorrichtung nicht ausschalten, einen Motor in Gang setzen’, reflexiv ‘beginnen, in Betrieb kommen’; vgl. ahd. analāʒan ‘hineinlassen, etw. über jmdn. (sich) kommen lassen’ (8. Jh.), mhd. anelāʒen ‘erfinden, angeben, loslassen, in Bewegung setzen’; Anlasser m. ‘Vorrichtung zum In-Gang-Setzen eines Motors, einer Maschine’ (älter Anlaßhebel, 19. Jh.), bei Elektromotoren ‘vorgeschalteter Widerstand, der ein langsames Anlaufen gewährleistet’ (um 1900); Anlaß m. ‘Ursache, Grund’, mhd. ane-, anlāʒ ‘Anfang, Beginn, Punkt, von dem ein Wettrennen ausgeht, Anreiz, Gelegenheit, Kompromiß’; anläßlich Präp. ‘bei Gelegenheit, aus Anlaß’ (19. Jh.), älter (selten) auch adjektivisch und adverbial (15. Jh.); veranlassen Vb. (schwach flektierend) ‘anregen, anordnen, bewirken’, frühnhd. ‘etw. auf jmdn. schieben, jmdn. für etw. auswählen’ (15. Jh.). auslassen Vb. ‘loslassen, weglassen, nicht beachten, (Kleider) verlängern, (Ärger, Zorn) Unschuldige entgelten lassen’, ahd. ūʒlāʒan ‘fortschicken, ausschütten, freilassen, nicht zurückhalten, vergießen, aussprechen, beenden’ (9. Jh.), mhd. ūʒlāʒen; ausgelassen Part.adj. ‘unbändig, hemmungslos’ (vgl. in älterer Sprache ausgelassener Trotz, ausgelassene Leidenschaft), ‘sehr fröhlich’, eigentlich ‘freigelassen’ (16. Jh.). einlassen Vb. ‘herein-, hineinlassen, einfügen’, reflexiv ‘auf etw. eingehen, mit jmdm. verkehren’, ahd. inlāʒan ‘hineinwerfen, einlassen’ (8. Jh.), mhd. īnlāʒen; Einlaß m. ‘das Hineinlassen, Öffnen, Eintritt, Tür’ (16. Jh., Einlaß begehren). entlassen Vb. ‘freigeben, verabschieden, (aus einem Amt) wegschicken, jmds. (Arbeits)vertrag aufkündigen’, ahd. intlāʒan ‘nachlassen, verzeihen, loslassen, lösen, entspannen, weichen’ (8. Jh.), mhd. entlāʒen ‘loslassen, fahrenlassen’, reflexiv ‘sich entfalten’; Entlassung f. ‘Freilassung, Verabschiedung, Entfernung aus einem Amt’ (17. Jh.). erlassen Vb. ‘in Kraft treten lassen, anordnen, von etw. befreien, eine Anordnung aufheben’, ahd. irlāʒan ‘unterlassen, befreien von’ (9. Jh.), mhd. erlāʒen ‘wovon freilassen’, reflexiv ‘auseinandergehen, sich enthalten, unterlassen’; Erlaß m. ‘Verfügung, Anordnung, Aufhebung’ (18. Jh.); unerläßlich Adj. ‘unbedingt erforderlich, nicht aufhebbar’ (17. Jh.). hinterlassen Vb. ‘(einem anderen) zurücklassen, etw. vererben’ (16. Jh.); Hinterlassenschaft f. ‘Zurückgelassenes, Erbe’ (19. Jh.). nachlassen Vb. ‘Spannung lockern, vermindern, schlechter werden, zurücklassen, Preise herabsetzen’, spätmhd. nāchlāʒen; Nachlaß m. ‘das Nachlassen’ (16. Jh.), ‘Hinterlassenschaft’ (18. Jh.), literarischer Nachlaß (19. Jh.); nachlässig Adj. ‘säumig, unzuverlässig, unordentlich’ (15. Jh.); vernachlässigen Vb. ‘nicht gehörig betreuen oder beachten’ (18. Jh., durch Lessing und Goethe verbreitet). niederlassen Vb. ‘von oben herunterlassen’, reflexiv ‘sich ansiedeln, einen festen Wohnsitz, ein Geschäft, eine Firma einrichten’, ahd. nidarlāʒan ‘sinken lassen, nach unten wenden, hinab-, herablassen, versenken’ (9. Jh.), mhd. niderlāʒen; Niederlassung f. ‘das Senken, Ansiedlung, Gründung eines geschäftlichen Unternehmens, Filiale’ (16. Jh.). überlassen Vb. ‘abtreten, übergeben, anheimstellen’ (15. Jh.). unterlassen Vb. ‘nicht tun, versäumen zu tun’, ahd. untarlāʒan (9. Jh.), mhd. underlāʒen ‘abstehen, nicht tun’; Unterlaß m. nur noch in der Fügung ohne Unterlaß ‘ohne Unterbrechung, unaufhörlich’, ahd. āno untarlāʒ, mhd. āne underlāʒ; vgl. ahd. untarlāʒ ‘Unterbrechung’ (9. Jh.), mhd. underlāʒ ‘das Innehalten, Unterbrechung, Beherbergen’, frühnhd. auch ‘Unterkunft, Lagerplatz’ (16. Jh.). verlassen Vb. ‘sich von einem Ort, von jmdm. entfernen, aufgeben, zurück-, alleinlassen’, reflexiv sich verlassen auf ‘vertrauen’, ahd. firlāʒan ‘entlassen, vorbei-, zurücklassen’ (8. Jh.), mhd. verlāʒen ‘fahrenlassen, fort-, loslassen, anbefehlen, verzeihen, zulassen, anvertrauen, hinterlassen, vertrauen’; Verlaß m. ‘Vertrauen, Zuverlässigkeit’ (19. Jh.), frühnhd. ‘Verabredung, Absprache’, auch ‘Hinterlassenschaft’, mhd. verlāʒ ‘Lässigkeit, Untätigkeit’; heute in der Wendung auf jmdn., etw. ist (kein) Verlaß, wohl aus dem Nd., vgl. dar is nien verlaat to (18. Jh.); verläßlich Adj. ‘zuverlässig’ (19. Jh.), dafür zuvor verlässig (18. Jh.). zulassen Vb. ‘gestatten, erlauben’, ahd. zuolāʒan ‘hinzulassen, zukommen lassen, zuschicken’ (10. Jh.), mhd. zuolāʒen; zulässig Adj. ‘erlaubt, gestattet’ (16. Jh.), ‘annehmbar, möglich’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
auslassen · aussparen · fortlassen · weglassen · überspringen  ●  skippen  engl. · präterieren  geh., bildungssprachlich
Synonymgruppe
(sich) auslassen · (sich) ergehen (in) · (sich) verbreiten (über) · daherplappern · plappern · quasseln · salbadern · schwadronieren · schwatzen · schwätzen  ●  daherreden  Hauptform · (herum)labern  ugs. · (herum)sülzen  ugs., abwertend · faseln  ugs., abwertend · groß herumtönen  ugs. · sabbeln  ugs. · schwafeln  ugs. · sülzen  ugs., abwertend
Oberbegriffe
  • (das) Wort ergreifen · (einen) Redebeitrag leisten · (seine / die) Stimme erheben · (sich) äußern · etwas sagen · etwas von sich geben · reden · sprechen  ●  (eine) Äußerung tätigen  Amtsdeutsch · den Mund aufmachen  ugs., fig.
  • reden · sagen · sprechen
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›auslassen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›auslassen‹.

Verwendungsbeispiele für ›auslassen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nur bei großen Essen mit mehreren Gängen, die vom Personal angeboten werden, kann man ruhig einmal einen Gang auslassen. [Oheim, Gertrud: Einmaleins des guten Tons, Gütersloh: Bertelsmann 1957 [1955], S. 213]
Da ließ das Leben seine Wirkungen eben an dieser Decke aus. [Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 173]
Wie sie das dann durchsetzen wollen, dazu ließen sie sich allerdings nicht aus. [C't, 1997, Nr. 13]
Er konnte es mir nicht richtig erklären, also ließ ich sie aus. [Die Zeit, 28.10.1999, Nr. 44]
Über seine Tätigkeit bei der Leitung dieser Organisation brauchen wir uns nicht weiter auszulassen. [o. A.: Zweihundertvierzehnter Tag. Donnerstag, 29. August 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 32166]
Zitationshilfe
„auslassen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/auslassen>.

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