auslegen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungaus-le-gen (computergeneriert)
Wortzerlegungaus-legen
Wortbildung mit ›auslegen‹ als Erstglied: ↗Ausleger · ↗Auslegeware · ↗Auslegware
 ·  mit ›auslegen‹ als Grundform: ↗Auslage
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. herauslegen
a)
etw. im Schaufenster, auf Tischen zum Kauf anbieten
Beispiele:
Waren auslegen
Ich stand lange vor einem Schaufenster und suchte nach den Preisen der ausgelegten Dinge [OelfkenLogbuch243]
b)
etw. zum Fang auswerfen
Beispiel:
einen Köder, Angeln, Netze auslegen
c)
Landwirtschaft etw. bei der Aussaat im richtigen Abstand in die Erde bringen, legen
Beispiel:
Saatgut, Kartoffeln, Mais auslegen
d)
Technik etw. in die für die Funktion erforderliche Lage bringen
Beispiel:
Leitungen, Kabel, eine Zündschnur auslegen
2.
etw. mit etw. auslegenetw. mit etw. versehen
a)
den Fußboden eines Raumes mit etw. bedecken
Beispiele:
einen Stall mit Stroh auslegen
die ganze Wohnung war mit Teppichen ausgelegt
b)
etw. mit etw. verkleiden, täfeln
Beispiele:
eine Wand mit Fliesen, eine Decke mit Holz auslegen
ein mit Steinplatten ausgelegter Hof
Die ansteigenden Wege sind mit breiten Granitquadern ausgelegt [F. WolfGrenze5,39]
c)
einen Gegenstand mit etw. Eingelegtem verzieren
Beispiele:
eine Schatulle mit Edelsteinen, einen Tisch mit Perlmutter auslegen
eine mit Juwelen reich ausgelegte Kassette
ein großes Spielbrett, dessen Felder mit verschiedenfarbigen Hölzern ausgelegt sind [G. HermannWordelmann150]
3.
eine Summe, die später zurückerstattet wird, einstweilig für jmdn. bezahlen
Beispiele:
Geld, Porto auslegen
Dann erlaubst du, daß ich die Kleinigkeit auslege [Th. MannBuddenbrooks1,691]
4.
etw. deutend erklären, ausdeuten, interpretieren
Beispiele:
einen Traum auslegen
die Bibel, einen Text, ein Gesetz (verschieden, richtig, falsch) auslegen
etw. in einer bestimmten Art deuten, auffassen
Beispiele:
jmds. Benehmen, Handlung gut, schlecht auslegen
eine Äußerung zu jmds. Vorteil auslegen
jmds. Verhalten als Gleichgültigkeit, Schwäche, Angst, Trotz auslegen
nun werde ihm seine Höflichkeit als Unterwürfigkeit ausgelegt [Ric. HuchDreißigjähr. Krieg1,31]
5.
Sport etw. in die zweckmäßige, richtige Lage und Richtung bringen
a)
Rudern
Beispiel:
die Ruder auslegen (= in die für das Gleichgewicht des Bootes erforderliche Lage bringen)
sich auslegensich mit dem Körper weit vorbeugen
Beispiel:
die Ruderer legten sich mächtig aus
b)
Segelfliegen das Startseil in die zum Start erforderliche Lage bringen
Beispiel:
[das Startseil] wurde eingehakt und ausgelegt [Hausm.Überfall200]
6.
Technik den Aufbau einer Maschine für einen bestimmten Zweck konstruktiv festlegen
Beispiele:
der Wagen ist für 1,75 Tonnen Nutzlast ausgelegt
das Elektrizitätswerk nutzt seine auf 50 000 Kilowatt ausgelegte Kapazität voll aus
7.
landschaftlich, umgangssprachlich zunehmen, dick werden
Beispiele:
er hat mächtig ausgelegt
Ich habe ... dreißig Pfund zugenommen. Ich habe auf eine mir selber unbegreifliche Weise ›ausgelegt [G. Hauptm.2,539]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

legen · ablegen · Ableger · anlegen · Anlage · auflegen · aufgelegt · Auflage · auslegen · Auslage · beilegen · Beilager · Beilage · einlegen · Einlage · erlegen · niederlegen · Niederlage · überlegen1 · Überlegung · überlegen2 · unterlegen · Unterlage
legen Vb. ‘zum Liegen bringen’. Das gemeingerm. bezeugte Verb ahd. leg(g)en (8. Jh.), mhd. legen (auch lecken, leggen), asächs. leggian, mnd. leggen, mnl. legghen, lēghen, nl. leggen, aengl. lecgan, engl. to lay, anord. leggja, schwed. lägga, got. lagjan ist Kausativum im Sinne von ‘liegen machen’ zu dem unter ↗liegen (s. d.) dargestellten starken Verb wie russ.-kslaw. ložiti sja, russ. ložít’sja (ложиться) ‘sich legen’ zu aslaw. ležati, russ. ležát’ (лежать) ‘liegen’. ablegen Vb. ‘von sich tun, (Kleidung) ausziehen bzw. nicht mehr tragen, abladen, deponieren, vollziehen, leisten’, mhd. abelegen ‘(Kleidung) ausziehen, abladen, abgelten, auszahlen, außer Kraft setzen, Abbruch tun’; Ableger m. ‘junger Pflanzentrieb’ (18. Jh.), frühnhd. ‘Auf- und Ablader’ (15. Jh.). anlegen Vb. ‘an etw. legen, ankleiden, zielen, auf etw. abzielen, bezwecken, anzetteln, entwerfen, gestalten, bewirken, nutz- und gewinnbringend verwenden’, ahd. analeg(g)en ‘an-, auflegen, hineinschicken’ (8. Jh.), mhd. anelegen ‘ankleiden, anzetteln, vorbereiten, veranschlagen, auferlegen, auf Zinsen anlegen’; Anlage f. ‘Hinzu-, Beigefügtes, nutzen- und gewinnbringende Verwendung, Begabung, Neigung, das Gestaltete (Grünfläche, Baugestaltung)’, mhd. anlāge ‘Anliegen, Bitte, Hinterhalt’. auflegen Vb. ‘auf etw. legen, aufbürden, anordnen, (von Büchern) drucken und herausbringen’, ahd. ūfleg(g)en (um 1000), mhd. ūflegen ‘auf-, auslegen, aufstellen, zeigen, ausdenken, ersinnen, erschaffen, anordnen, bestimmen, veranstalten, stiften’; aufgelegt Part.adj. ‘geneigt, gestimmt zu etw., gelaunt’ (18. Jh.); Auflage f. ‘das Auferlegte, zu Leistende, Anweisung, Gebot, Beschwerde, Beschuldigung’ (16. Jh.), ‘Auferlegung, das Aufgelegte auf eine Unterlage, Anzahl der auf einmal gedruckten und verlegten Exemplare eines Druckes’ (17. Jh.). auslegen Vb. ‘ausbreiten, zur Schau stellen, mit einem Belag versehen, Geld vorschießen, deuten, interpretieren’, mhd. ūʒlegen ‘zum Verkauf anbieten, besetzen, verbrämen, ausrüsten, erfüllen, schmücken, darlegen, bestimmen, verabreden, deuten, erklären’; Auslage f. ‘Kosten, verauslagtes Geld, zur Ansicht ausgebreitete Ware, das Auslegen, zur Ansicht Bereitlegen’ (16. Jh.). beilegen Vb. ‘danebenlegen, hinzufügen, mitschicken, beseitigen, (Streit) schlichten’, ahd. bileg(g)en ‘be-, hinlegen, legend bedecken’ (8. Jh.), mhd. bīlegen ‘(sich) dazulegen (zum Beilager)’; Beilager n. ‘Eheschließung, Beischlaf’, mhd. bīleger, frühnhd. bī-, beilager (Ende 14. Jh.); Beilage f. ‘das Beigefügte’ (vielfach kanzleisprachlich von Schriften, Listen), ‘Zukost’, älter auch ‘anvertrautes Gut’ und ‘Beilager’ (15. Jh.). einlegen Vb. ‘hineinlegen, konservieren, mit einer Einlage verzieren, einzahlen’, mhd. īnlegen ‘ein-, hineinlegen, gegen jmdn. eine Klage vorbringen’; Einlage f. ‘das Hineingelegte, Versteifung (bei Kleidern), angelegtes oder eingezahltes Geld, Spargeld’ (16. Jh., bereits früh im Bankwesen). erlegen Vb. ‘(Wild) töten, (durch Tötung) niederlegen’, auch ‘einen Geldbetrag entrichten’, ahd. irleg(g)en ‘auferlegen, entgegensetzen, bestimmen’ (8. Jh.), mhd. erlegen ‘niederlegen, aus-, ein-, belegen, schlichten’. niederlegen Vb. ‘etw., sich hinlegen, ein Amt aufgeben’, ahd. nidarleg(g)en ‘hinwerfen, -legen, -stellen’ (9. Jh.), mhd. niderlegen ‘niederlegen, besiegen, beseitigen, abstellen, in Beschlag nehmen’; Niederlage f. ‘das Besiegtwerden, Unterlegensein, Warenlager, Großhandelszweigstelle’, mhd. niderlāge ‘das Niederlegen, -sinken, Sichniederlassen, Aufenthalt, Ruhe, Verlust, Schaden, das Niedermetzeln’. überlegen1 Vb. ‘überdecken, nachdenken, bedenken, erwägen’, ahd. ubarleg(g)en ‘vorwerfen, vorhalten’ (um 1000), mhd. überlegen ‘überziehen, bedecken, belegen mit, über-, zu-, zusammenrechnen’; Überlegung f. ‘Erwägung, das Bedenken’ (18. Jh.). überlegen2 Vb. ‘über etw. legen, ein Tuch umnehmen, ein Kind strafen’ (18. Jh.). unterlegen Vb. ‘als Unterlage darunterschieben, zuschreiben’, ahd. untarleg(g)en ‘stützen, unterstellen’ (8. Jh.), mhd. underlegen; Unterlage f. ‘Fundament, Grundlage, das Untergelegte, (beweisendes) Schriftstück, Beweisstück’, mhd. underlāge ‘Unterwerfung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
auslegen · ↗deuteln · ↗deuten · ↗interpretieren
Oberbegriffe
Synonymgruppe
auslegen · ↗parkettieren · ↗täfeln
Synonymgruppe
auslegen · ↗dimensionieren
Synonymgruppe
(Geld) vorschießen  ●  (jemandem einen) Vorschuss geben  variabel · (Geld) auslegen (für)  ugs. · ↗(Geld) vorstrecken  ugs., Hauptform · (eine) Vorauszahlung leisten  fachspr., Jargon · in Vorlage gehen  fachspr., variabel
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arroganz Begriff Bestimmung Bibel Fahrwerk Feigheit Fußboden Fährte Gunst Gutdünken Jahreskapazität Kapazität Kondolenzbuch Köder List Passagier Schwäche Teppich Teppichboden Trocknen Unterschriftenliste Vorschrift anders eng extensiv großzügig legen restriktiv streng Ölsperre

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›auslegen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn die da oben sich schwammig ausdrücken, kann man das ebenso schwammig auslegen.
Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 289
Denn erstens trauen wir uns zu, das Gesetz auslegen zu können.
Der Tagesspiegel, 13.05.2001
Sie war ursprünglich nur darauf ausgelegt, die Technik zu testen.
Süddeutsche Zeitung, 10.07.1997
Die Schrift legt sich selbst aus; dabei schreite man von den leichteren Texten zu den schwierigeren.
Locher, G. W.: Zwingli. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 41315
Eigenmächtige Veränderungen daran können in extremen Fällen als Betrug ausgelegt werden!
Dillenburger, Helmut: Das praktische Autobuch, Gütersloh: Bertelsmann 1965 [1957], S. 327
Zitationshilfe
„auslegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/auslegen>, abgerufen am 24.10.2019.

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