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ausleiern

Grammatik Verb
Worttrennung aus-lei-ern
Wortzerlegung aus- leiern
Wortbildung  mit ›ausleiern‹ als Grundform: ausgeleiert
eWDG

Bedeutung

salopp etw. Elastisches so ausdehnen, dass es unbrauchbar wird
Beispiel:
du hast das Gummiband (ganz) ausgeleiert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leier · Leierkasten · leiern · ableiern · abgeleiert · ausleiern · ausgeleiert
Leier f. Die Bezeichnung für das antike, durch Zupfen oder Anschlagen zum Tönen zu bringende Saiteninstrument lat. lyra, griech. lýra (λύρα) ergibt die Entlehnung ahd. līra (9. Jh.), mhd. līre. Der Ausdruck geht im ausgehenden Mittelalter (14. Jh.) auf die mechanisch betriebene Drehleier (mlat. organistrum) über, deren Saiten durch eine Kurbel zum Klingen gebracht werden. Zur Zeit des Humanismus wird Leier wieder Bezeichnung für die antike Lyra (16. Jh.), während das weiterentwickelte mechanisch betriebene Instrument Leierkasten m. (um 1800) genannt wird. An (Dreh)leier knüpft der umgangssprachliche Gebrauch von Leier als ‘Kurbel zum Drehen, Drehvorrichtung’ (15. Jh.) an. Redensartlich (im Hinblick auf den geringen Tonumfang bzw. den ausdruckslosen, stets wiederkehrenden Vortrag) eine alte Leier ‘längst Bekanntes’ (16. Jh.), auf einer, bei seiner Leier bleiben (17. Jh.), immer die alte Leier ‘immer dasselbe’ (18. Jh.). – leiern Vb. ‘monoton hersagen, gleichförmig sprechen, eine Melodie auf dem Leierkasten spielen, (eine Kurbel) drehen’, mhd. līren ‘die Leier spielen, eintönig singen oder sprechen, hinausziehen, zögern’. ableiern Vb. ‘(bis zum Überdruß) eintönig, mechanisch vortragen, hersagen, absingen’ (Ende 18. Jh.); abgeleiert Part.adj. ‘abgedroschen, abgenutzt’ (19. Jh.). ausleiern Vb. ‘durch häufigen Gebrauch, durch vieles Drehen abnutzen’ (17. Jh.); ausgeleiert Part.adj. ‘überdreht, abgenutzt’ (um 1800).

Thesaurus

Synonymgruppe
abnutzen · abnützen · verschleißen  ●  (der) Zahn der Zeit nagt (an)  sprichwörtlich · ausleiern  ugs.
Synonymgruppe
(sich) weiten · schlaff werden · unelastisch werden  ●  ausleiern (Gummi)  Hauptform · erschlaffen  geh. · keinen Zug mehr haben  ugs. · schlapp werden  ugs.

Verwendungsbeispiele für ›ausleiern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber dann gingen auch Bildung und Kultur baden und der Witz leierte aus. [Der Tagesspiegel, 09.01.2003]
Das Herz baut sich um, wird immer größer, leiert aus, wird müde. [Die Zeit, 04.03.2002, Nr. 09]
Das Blut wird nicht mehr richtig aus den Beinen abtransportiert, es staut sich und leiert die Venen aus. [Der Tagesspiegel, 13.06.2004]
Wenn die Gelenkkapseln und Bänder zu häufig überdehnt werden, dann können sie regelrecht ausleiern und an Stabilität verlieren. [Die Zeit, 06.01.2003, Nr. 01]
Trotzdem birgt die Methode eines selbstgenügsamen Abonnententheaters die Gefahr in sich, sich auszuleiern. [Die Zeit, 11.12.1964, Nr. 50]
Zitationshilfe
„ausleiern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausleiern>.

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