ausliefern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungaus-lie-fern
Wortzerlegungaus-liefern
Wortbildung mit ›ausliefern‹ als Erstglied: ↗Auslieferung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdn., etw. in jmds. Gewalt übergeben, besonders von einem Land ins andere
Beispiele:
einen Flüchtling, Gefangenen, Verbrecher ausliefern
eine Festung ausliefern
jmdn. hilflos, wehrlos, gebunden, tot oder lebendig ausliefern
Gessius Flor ... verlangte, man solle ihm die Rädelsführer ausliefern [Feuchtw.Jüd. Krieg93]
jmdn. jmdm., an jmdn. ausliefern
Beispiele:
jmdn. dem Gericht, dem Richter, der Strafe, der Rache ausliefern (= überantworten)
jmdn. an die Behörden, an einen Staat, an den Feind ausliefern
jmdn. dem Schicksal, der Willkür, dem Tode ausliefern (= preisgeben)
jmdm. ausgeliefert seinin jmds. Gewalt sein
Beispiele:
er war ihm auf Gnade und Ungnade, auf Gedeih und Verderb ausgeliefert
sich jmdm. ausgeliefert fühlen, glauben, sehen
sich ausliefernsich in jmds. Gewalt geben
Beispiele:
er lieferte sich am nächsten Morgen der Justiz aus
Und schweigend umarmt ihn der treue Freund / Und liefert sich aus dem Tyrannen [SchillerBürgschaft]
2.
Wirtschaft Waren von der Produktion über den Großhandel an den Einzelhandel liefern, verteilen
Beispiele:
Waren ausliefern
DruckereiBücher ausliefern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

liefern · abliefern · Ablieferung · ausliefern · Auslieferung · überliefern · Überlieferung · Lieferant · Lieferung
liefern Vb. ‘bestellte Ware an einen vereinbarten Ort bringen, zustellen, produzieren, erzeugen’. Aus der hanseatischen Kaufmannssprache wird li(e)vern (um 1400), li(e)bern, li(e)fern (15. Jh.) ins Hd. aufgenommen. Vorauf geht mnd. (Mitte 14. Jh.), mnl. lēveren ‘liefern’, das aus gleichbed. afrz. livrer (dazu s. ↗Livree) entlehnt ist. Zugrunde liegt lat. līberāre ‘frei-, losmachen, befreien’ (zu lat. līber ‘frei’), mlat. auch ‘(fort)schicken’ sowie ‘geben, aushändigen, ausliefern, leisten, spenden’. abliefern Vb. ‘abgeben, pflichtgemäß überreichen, aushändigen’; Ablieferung f. (beide 17. Jh.). ausliefern Vb. ‘Waren zum Verkauf ausgeben, verteilen, jmdn. der zuständigen Gerichtsbarkeit übergeben’; Auslieferung f. (beide 17. Jh.). überliefern Vb. ‘an spätere Generationen mündlich oder schriftlich weitergeben’ (18. Jh.), älter (heute selten) ‘in jmds. Gewalt übergeben, ausliefern, preisgeben’ (15. Jh.); Überlieferung f. ‘das aus der Vergangenheit Überlieferte, von früher her Erhaltene, überkommener Brauch, Tradition’ (18. Jh.), älter (heute selten) ‘Übergabe, Auslieferung’ (16. Jh.). Lieferant m. ‘wer anderen Waren liefert’ (17. Jh.); die mit der Endung bestimmter aus dem Lat., Frz. oder anderen roman. Sprachen stammender Wörter (vgl. die älteren kaufmännischen Ausdrücke Negoziant ‘Kaufmann’, Partizipant ‘Teilhaber’, Trafikant ‘Handelsmann’) versehene Bildung zu liefern setzt sich gegen gleichaltriges Lieferer (Stieler 1691) durch. Lieferung f. ‘das Liefern einer bestellten Ware, die gelieferte Ware’ (Anfang 16. Jh.), dann auch ‘Teil eines nach und nach erscheinenden Buches, Heft, Faszikel’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) (freiwillig) in die Hände begeben (von) · (sich) ausliefern · ↗(sich) ergeben · ↗(sich) stellen
Synonymgruppe
aushändigen · ausliefern · ↗übergeben  ●  ↗ausfolgen  österr.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(jemandem/einer Sache) ausgeliefert sein · (jemanden/sich) ausliefern · sein Schicksal in jemandes Hände legen · völlig abhängig sein von
Unterbegriffe
  • (jemandem) bedingungslos vertrauen · (jemandem) bedingungsloses Vertrauen entgegenbringen · (jemandem) vorbehaltlos vertrauen · (sich) absolut verlassen auf · (sich) voll verlassen auf  ●  (jemandem) blind vertrauen  Hauptform
Synonymgruppe
kompromittierbar (sein)  ●  (etwas) in der Hand haben (gegen)  fig. · (jemanden) in der Hand haben  fig. · (sich) ausliefern  fig. · ↗angreifbar (sein)  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Betriebssystem Deutscher Exemplar Fahrzeug Flugzeug Gerät Gestapo Gnade Heimatland Jet Kriegsverbrecher Kriegsverbrechertribunal Kunde Maschine Paket Staatsbürger Strafgerichtshof Terrorist Tribunal UN-Kriegsverbrechertribunal UN-Tribunal Ungnade Verdächtige Version Ware Willkür auf Gedeih und Verderb festnehmen liefern verhaften

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausliefern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wenn der Trainer auf einen der Stars angewiesen ist, ist er dem auch ausgeliefert?
Der Tagesspiegel, 02.12.2000
Wenn einer, der verfolgt wird, in unserem Land Asyl sucht, können wir ihn doch nicht ausliefern.
Süddeutsche Zeitung, 23.07.1997
Statt über Geschichte zu triumphieren, sieht Malerei sich dieser ausgeliefert.
Germer, Stefan: Le Répertoire des Souvenirs. In: Germer, Stefan u. Fath, Manfred (Hgg.), Edouard Manet, Augenblicke der Geschichte, (Katalog zur Ausstellung in der Städtischen Kunsthalle Mannheim vom 18. Oktober 1992 bis 17. Januar 1993) München: Prestel 1992, S. 43
Das Opfer sträubte sich, aber es war der geheimen Kraft hilflos ausgeliefert und konnte sich nicht retten.
Bücherl, Wolfgang: Das Haus der Gifte, Stuttgart: Franckh'sche Verlagshandlung 1963, S. 70
Es würde ihm nicht immer gelingen, und dann säße oder stünde er da, schutzlos, allem und jedem ausgeliefert.
Degenhardt, Franz Josef: Die Abholzung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1985], S. 125
Zitationshilfe
„ausliefern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausliefern>, abgerufen am 09.12.2019.

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