ausnutzen

GrammatikVerb
Worttrennungaus-nut-zen (computergeneriert)
Wortzerlegungaus-nutzen
Wortbildung mit ›ausnutzen‹ als Erstglied: ↗Ausnutzung  ·  mit ›ausnutzen‹ als Grundform: ↗ausgenutzt
eWDG, 1967

Bedeutung

etw., jmdn. zu seinem Nutzen verwenden, sich zunutze machen
a)
Beispiele:
die Gelegenheit, Möglichkeit, Situation, den Zufall ausnutzen
er verstand es, den Erfolg, Sieg, Vorteil, die Vorschriften, Verbindungen (geschickt, voll) auszunutzen
die Konjunktur ausnutzen
etw. nutzbar machen, nutzbringend verwenden
Beispiele:
die moderne Technik für den Fortschritt der Gesellschaft ausnutzen
den Boden, Raum, die Zeit (besser) ausnutzen
er nutzt jede freie Minute zum Lesen aus
b)
aus jmdm., etw. unberechtigt Nutzen ziehen
Beispiele:
eine Arbeitskraft (rücksichtslos) ausnutzen
umgangssprachlich eine Arbeitskraft tüchtig ausnutzen
sich von jmdm. ausnutzen lassen
jmds. Gutmütigkeit, Stimmung, Kräfte ausnutzen
die Notlage eines Landes ausnutzen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nutzen · Eigennutz · eigennützig · Nutzholz · Nutzanwendung · Nutznießung · nutzlos · nutzbringend · nutzbar · nützlich · nutzen · nützen · abnutzen · abnützen · ausnutzen · ausnützen · benutzen · benützen
Nutzen m. ‘Ertrag, Gewinn, Vorteil’. Ahd. (8. Jh.), mhd. nuz m. (Genitiv nutzes) ‘Gebrauch, Nutzen, Ertrag’ (germ. *nuti-) hat neben sich schwach flektierendes ahd. (vereinzelt) nuzza f. (9. Jh.) und als fem. jō-Stamm (germ. *nutjō) aengl. nytt, anord. nyt sowie als Adjektivabstraktum ahd. nuzzī f. (9. Jh.), mhd. (selten) nütze, frühnhd. nütze. Mnd. mnl. nut weist mask. und fem. Geschlecht auf (nl. nut ist Substantivierung des Adjektivs, s. ↗nütze). Vereinzelt begegnet schließlich ein schwach flektierendes mhd. nutze m. Alle Formen stehen ablautend zu der unter ↗genießen (s. d.) behandelten Verbgruppe. Nhd. Nutzen m. (Genitiv Nutzens, 16. Jh.) ist wohl aus oben genanntem mhd. nutze m. mit Übernahme des Endungs-n aus den obliquen Kasus entstanden. Es verdrängt im 18. Jh. älteres Nutz, das fortlebt in den Wendungen nutz und frommen (16. Jh.), zu Nutz und Frommen sein, gereichen, dienen (18. Jh.), zunutze machen (17. Jh.). Eigennutz m. ‘Bedachtsein auf den eigenen Nutzen, Egoismus’ (15. Jh., auch flektiert eigener nutz). eigennützig Adj. ‘auf eigenen Vorteil bedacht, rücksichtslos’ (15. Jh.). Zu Nutz als erstem Glied in Zusammensetzungen vgl. Nutzholz n. (18. Jh.), mnd. nutholt; Nutzanwendung f. (18. Jh.); Nutznießung f. ‘Recht zur Nutzung fremden Eigentums’ (18. Jh.); nutzlos Adj. (18. Jh.); nutzbringend Adj. (16. Jh.). nutzbar Adj. ‘Nutzen bringend, sich für nützliche Zwecke eignend’, mhd. nutzebære. nützlich Adj. ‘Nutzen, Vorteil bringend’, mhd. nützelich ‘Nutzen, Genuß bringend, angenehm’. nutzen, nützen Vb. ‘Nutzen bringen, dienlich sein, nutzbringend verwenden, ausnutzen, Nutzen aus etw. ziehen’ setzt ahd. nuzzōn ‘genießen, verbringen’ (9. Jh.), mhd. nutzen, abgeleitet von ahd. nuzza (s. oben), und (das später Umlaut aufweisende jan-Verb) ahd. ginuzzen ‘nützen, Nutzen ziehen’ (9. Jh.), mhd. nutzen, nützen ‘gebrauchen, benutzen, als Nahrung genießen, dienlich sein’ fort. Dazu abnutzen, abnützen Vb. ‘durch anhaltenden Gebrauch Wert und Verwendungsmöglichkeit mindern’ (15. Jh.); vgl. mhd. abenutzen ‘nießbrauchen, den Ertrag nutzen’; ausnutzen, ausnützen Vb. ‘Vorteil aus etw. ziehen, rücksichtslos gebrauchen’ (Ende 15. Jh.); benutzen, benützen Vb. ‘gebrauchen, verwenden’, mhd. benutzen, benützen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(für seine Zwecke) nutzen · (für seine Zwecke) zu nutzen verstehen · (seinen) Nutzen ziehen (aus) · (sich etwas) zu Nutze machen · (sich etwas) zunutze machen · Gebrauch machen (von) · Kapital schlagen (aus) · Vorteil ziehen (aus) · ↗ausbeuten · ausnutzen · ↗ausnützen · ↗ausschlachten · für seine Zwecke nutzen · für sich nutzen · ↗instrumentalisieren · nutzen  ●  (aus etwas) Kapital schlagen  fig. · ↗(etwas) ausschlachten  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausnutzen (zu) · ↗ausnützen · missbräuchlich verwenden · nicht bestimmungsgemäß gebrauchen · ↗zweckentfremden  ●  ↗(jemanden) (nur) benutzen  negativ · ↗missbrauchen (für)  negativ · schamlos ausbeuten  abwertend · (mit jemandem/etwas) Schindluder treiben  ugs., abwertend
Assoziationen
  • ohne Bedenken · ohne Hemmungen · ↗schamlos · ↗ungeniert
  • (für seine Zwecke) nutzen · (für seine Zwecke) zu nutzen verstehen · (seinen) Nutzen ziehen (aus) · (sich etwas) zu Nutze machen · (sich etwas) zunutze machen · Gebrauch machen (von) · Kapital schlagen (aus) · Vorteil ziehen (aus) · ↗ausbeuten · ausnutzen · ↗ausnützen · ↗ausschlachten · für seine Zwecke nutzen · für sich nutzen · ↗instrumentalisieren · nutzen  ●  (aus etwas) Kapital schlagen  fig. · ↗(etwas) ausschlachten  fig.
Synonymgruppe
arm machen · ↗ausbeuten · ausnutzen · ↗ausnützen · ↗exploitieren · ↗schröpfen · um Hab und Gut bringen · zur Ader lassen  ●  ↗abmelken  ugs. · ↗melken  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
auslasten · ausnutzen · ↗ausreizen · ↗ausschöpfen
Synonymgruppe
(jemanden) ausnutzen · (jemanden) nicht fair behandeln  ●  (jemanden) vor seinen Karren spannen  selten, fig. · (nur) dafür gut (genug) sein (zu)  ugs.
Assoziationen
  • (jemanden) ausbeuten · ↗(jemanden) aussaugen · (jemandes) Arbeitskraft ausbeuten · das Letzte aus jemandem herausholen
  • (nur) benutzt werden · (sich) benutzen lassen · ausgenutzt werden · herhalten müssen (für) · instrumentalisiert werden · missbraucht werden  ●  vor jemandes Karren gespannt werden  fig. · (nur) ein billiges Werkzeug sein (für)  ugs., variabel
  • Lückenbüßer  fig. · Lückenfüller  fig. · ↗Notnagel  fig. · Notstopfen  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gunst Kapazität Lücke Marktmacht Monopolstellung Möglichkeit Notlage Preisunterschied Schwachstelle Schwäche Sicherheitslücke Situation Spielraum Stellung Unerfahrenheit Vorteil Wehrlosigkeit Zweck eiskalt geschickt gnadenlos konsequent mißbräuchlich nutzen optimal rücksichtslos schamlos voll weidlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausnutzen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das soll jetzt nicht so aussehen, als wollte ich das medial ausnutzen, aber wenn Sie wollen, kann ich Sie da mitnehmen.
Süddeutsche Zeitung, 16.11.2001
Zudem gab sie an, mit dem Auftrag wolle sie ihre vorhandenen Kapazitäten ausnutzen.
Der Tagesspiegel, 06.10.2000
Wo es an Platz fehlt, muß man auch die Ecken ausnutzen.
o. A.: Das Buch vom Wohnen, Hamburg: Orbis GmbH 1977, S. 247
Ich dränge es immer wieder zurück, will jeden Tag, jede Stunde ausnutzen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1943. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1943], S. 50
Freilich wird man das Werk erst durch ein Register voll ausnutzen können.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1930, S. 407
Zitationshilfe
„ausnutzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausnutzen>, abgerufen am 16.09.2019.

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