ausrücken

GrammatikVerb · rückte aus, ist/hat ausgerückt
Aussprache
Worttrennungaus-rü-cken
Wortzerlegungaus-rücken
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
Militär ausmarschieren
Gegenwort zu einrücken
Beispiele:
die Truppe, das Regiment ist (zur Parade, ins Feld, gegen den Feind) ausgerückt
die Panzerabteilung, Reiterabteilung erhielt den Befehl zum Ausrücken (aus der Kaserne, Garnison)
er begleitete die mit Musik ausrückenden Soldaten
Der ist gestern mit ausgerückt [an die Front] [BredelHeerstraßen202]
die Feuerwehr rückt ausfährt (zum Einsatz) los
Beispiel:
die Feuerwehr musste vergangene Woche mehrmals zu Löscharbeiten, bei Waldbränden ausrücken
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
umgangssprachlich davonlaufen, ausreißen
Beispiele:
vor jmdm., etw. ausrücken
er ist seinen Freunden, von Hause, nach Amerika ausgerückt
er wurde gefasst, als er mit der Kasse ausrücken wollte
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
Technik bei einer Maschine die Übertragung des Antriebs unterbrechen, sodass sie nicht arbeiten kann
Gegenwort zu einrücken
Beispiel:
die Kupplung, das Wechselgetriebe, Zahnrad, den Treibriemen ausrücken
4.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. vor den Rand der Zeilenanfänge oder hinter die Zeilenenden schreiben
Gegenwort zu einrücken
Beispiele:
sie rückte die römischen Zahlen (der Gliederung), die Namen (auf der Liste) links aus
bei der Addition die Summe (nach) rechts ausrücken
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rücken · abrücken · anrücken · ausrücken · einrücken · entrücken · entrückt · verrücken · verrückt · vorrücken · berücken
rücken Vb. ‘sich vorwärts bewegen, zu einem bestimmten Ort aufbrechen, (weg)marschieren, (mit einem Ruck, ruckweise) an einen anderen Platz schieben, in eine andere Lage bringen, von der Stelle bewegen’, ahd. rucken (9. Jh.; vgl. irrucken ‘unterstützen, aufrichten’, 8. Jh.), mhd. rücken (obd. rucken) ‘sich fortbewegen, etw. schnell bewegen’, mnd. mnl. rucken, nl. rukken, anord. rykkja, schwed. rycka, dän. rykke. Herkunft nicht geklärt. Verwandt sind sicher mhd. nl. (holl.) rocken ‘rücken’, aengl. roccian, engl. to rock ‘wiegen, schaukeln’ (s. ↗Rock and Roll), anord. rugga ‘schütteln, schaukeln, wiegen’, schwed. (mundartlich) rugga ‘schaukeln’. Sieht man in den Formen geminierte schwundstufige Bildungen, kann ein Zusammenhang mit ↗Rahe und ↗regen (s. d.) angenommen werden. abrücken Vb. ‘wegrücken, -schieben, aufbrechen, sich entfernen, abmarschieren, sich distanzieren’, mhd. aberücken ‘wegziehen, entfernen’. anrücken Vb. ‘aneinanderschieben, sich nähern, anmarschieren’ (15. Jh.). ausrücken Vb. ‘aus-, hinausmarschieren, davonlaufen, ausreißen’, mhd. ūʒrücken ‘herausziehen’. einrücken Vb. ‘einsetzen, einmarschieren, den Militärdienst beginnen, dazu eingezogen werden’, mhd. īnrucken ‘hineinschieben’. entrücken Vb. ‘wegnehmen, entfernen, versetzen’ (an einen anderen Ort, in Ekstase, in eine andere Welt), mhd. entrücken; entrückt Part.adj. ‘abgelegen, fern, geistig abwesend, weltverloren’ (13. Jh.). verrücken Vb. ‘wegrücken, an einen anderen Platz schieben, verschieben’, ahd. firrucken (um 1000), mhd. verrücken, verrucken; verrückt Part.adj. ‘nicht bei Verstand, geistesgestört, irre, unsinnig’, eigentlich ‘an eine andere, eine falsche Stelle gebracht’ (16. Jh.), zumal in Fügungen wie verrückt im Kopf, im Hirn ‘töricht, närrisch’ (17. Jh.), aus denen sich rasch absoluter Gebrauch im oben genannten Sinne entwickelt. vorrücken Vb. ‘(weiter) nach vorn, vorwärts rücken, vorwärts marschieren, auf dem Vormarsch sein’, ahd. furirucken (um 1000), mhd. vorrücken ‘vorbeiziehen, -gehen’. berücken Vb. ‘bezaubern, entzücken, betören, verlocken’, ursprünglich ein Ausdruck des Vogel- und Fischfangs mit der Bedeutung ‘listig, täuschend fangen’, eigentlich ‘ein Netz über das Tier rücken, das man fangen will’, von Luther (1. Hälfte 16. Jh.) in die Literatursprache eingeführt. Im Frühnhd. und vor allem in der Barockzeit (17./18. Jh.) wird berücken oft bildlich mit dem Aspekt des Betrugs und der Liebeslist verwendet. Im 18. Jh. geht das Gefühl für die ursprüngliche Bedeutung verloren, und berücken steht gleichbed. neben bezaubern.

Thesaurus

Synonymgruppe
(den) Standort verlassen · ↗abmarschieren · ↗aufbrechen · ↗starten  ●  ausrücken  militärisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bergwacht Berufsfeuerwehr Blaulicht Brand Einsatz Einsatzfahrzeug Einsatzkraft Fahrzeuge Feuerwehr Feuerwehrleute Feuerwehrmann Großaufgebot Großbrand Großeinsatz Großrazzia Hundertschaft Löschen Löschfahrzeug Löschzug Notarzt Notarztwagen Retter Rettungnskraft Rettungsdienst Rettungswagen Schneepflug Streifenwagen Streufahrzeug Sturmeinsatz rücken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausrücken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In den vergangenen zehn Jahren musste 14 Mal das Safety Car ausrücken.
Die Zeit, 06.06.2012 (online)
In etwa 2500 Fällen rückte er aus, doppelt so viel wie sonst.
Bild, 28.12.2004
Ich wollte ausrücken, aber beide baten mich, noch zu bleiben, mit einer Dringlichkeit, aus der ich fühlte, daß beide froh waren, nicht allein zu bleiben.
Seghers, Anna: Transit, Gütersloh: Bertelsmann 1995 [1943], S. 153
Mit 200 Mann sind wir ausgerückt, und jetzt ist die Kompanie noch 140 Mann stark.
Brief von Feldwebel W. H. vom 30.1.1942. In: Ortwin Buchbender u. Reinhold Sterz (Hgg.), Das andere Gesicht des Krieges, München: Beck, 1982, S. 85
Tante rückt nachts aus, weil sie nicht schlafen kann und schimpft wie ein Rohrspatz.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 23.05.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„ausrücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausrücken>, abgerufen am 18.02.2019.

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