ausreißen

GrammatikVerb · riss aus, hat/ist ausgerissen
Aussprache
Worttrennungaus-rei-ßen
Wortzerlegungaus-reißen1
Wortbildung mit ›ausreißen‹ als Erstglied: ↗Ausreißer · ↗Ausreißversuch  ·  formal verwandt mit: ↗Reißaus
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. herausreißen, mit Gewalt herausziehen
Beispiele:
einem Vogel Federn ausreißen
(jmdm.) ein Haar ausreißen
übertrieben ich könnte mir die Haare ausreißen! (= ausraufen!)
Unkraut, Pflanzen (mit der Wurzel) ausreißen
einen wackeligen (Milch)zahn ausreißen
umgangssprachlich, übertrieben wenn du so ziehst, reißt du mir noch den Arm aus
bildlich
Beispiele:
die Wassermassen trugen ausgerissene Bäume mit sich
[die Herrschaft der Bourgeoisie] reißt ... die materiellen Wurzeln der feudalen Gesellschaft aus [MarxKlassenkämpfe40]
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlich Bäume ausreißen (können) (= sehr kräftig sein, sich sehr stark fühlen)
salopp sich [Dativ] (bei etw., für jmdn.) kein Bein ausreißen (= sich nicht überanstrengen)
umgangssprachlich keiner Fliege ein Bein ausreißen könnenniemandem etw. zuleide tun können
Beispiel:
Man kennt sie ja, diese Wölfe im Schafspelz. Können keiner Fliege ein Beinchen ausreißen [G. Hauptm.BiberpelzIV]
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
herausreißen, mit Gewalt herausgezogen werden
Beispiele:
an der Einkaufstasche ist der Griff ausgerissen, weil sie zu schwer war
bei schlecht genähten Schuhen reißt das Oberleder leicht aus
er zog so stark an dem Knopf, dass er ausriss
ein ausgerissenes Knopfloch (= ein durch einen Riss erweitertes, eingerissenes Knopfloch)
3.
mit Hilfsverb ›ist‹
umgangssprachlich davonlaufen, ausrücken
Beispiele:
vor jmdm., etw. ausreißen
der Hund riss vor dem Steinwurf heulend aus
er versuchte, nach X auszureißen
der Junge ist seinen Eltern, von zu Hause ausgerissen
Radsport schnell einen Vorsprung vor jmdm. gewinnen
Beispiel:
gleich nach dem Start gelang es zwei Fahrern, dem Hauptfeld auszureißen (= das Hauptfeld abzuhängen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reißen · Reißbrett · Reißzeug · Reißen · abreißen · Abriß · anreißen · aufreißen · Aufriß · ausreißen · einreißen · verreißen · zerreißen · Reißer
reißen Vb. ‘entzwei-, auseinandergehen, gewaltsam (in einzelne Teile) auseinandertrennen, an etw. ziehen, zerren, sich teilen, trennen, lösen, (von Raubtieren) ein Beutetier töten’, reflexiv ‘sich ritzen, sich verletzen’, ahd. rīʒan ‘einritzen, schreiben’ (9. Jh.), mhd. rīʒen ‘reißen, zerreißen, einritzen, schreiben, zeichnen’, asächs. wrītan ‘zerreißen, verwunden, einritzen, schreiben’, mnd. wrīten ‘reißen, schreiben, zeichnen’, mnl. rīten, nl. rijten, aengl. wrītan ‘einritzen, reißen, schreiben, zeichnen’, engl. to write ‘schreiben’, anord. rīta ‘einritzen, schreiben’. Sichere außergerm. Beziehungen finden sich nicht. Man versucht, im Hinblick auf griech. rhīnós (ῥινός) ‘Haut von Mensch und Tier, besonders Rindshaut, der aus Rindshaut hergestellte Schild’, rhī́nē (ῥίνη, aus *u̯rīnā) ‘Feile, Raspel’ die germ. Formen an eine Dentalableitung zu ie. *u̯rei-, *u̯rī-, Erweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘aufreißen, ritzen’, anzuschließen; s. auch ↗reizen, ↗Riß, ↗ritzen. reißen bedeutet ursprünglich ‘ritzen’, speziell ‘(Runen)zeichen auf Buchenstäbchen einritzen’, dann ‘schreiben, zeichnen’ und (an ‘ritzen, einschneiden’ anschließend) ‘gewaltsam trennen’. Reißbrett n. ‘Brett als Unterlage zum Anfertigen technischer und geometrischer Zeichnungen’, Reißzeug n. ‘Geräte zum technischen Zeichnen’ (Reißfeder, -schiene, -zirkel u. a.) schließen als Bildungen des 17. Jhs. an reißen ‘zeichnen’ an. Reißen n. ‘Gliederschmerzen, Rheumatismus’ (18. Jh.). abreißen Vb. ‘losreißen, gewaltsam abtrennen, abgehen, sich lösen, niederreißen, abbrechen, abnutzen’, früher auch ‘ein Bild im Umriß entwerfen’, mhd. aberīʒen ‘herabreißen, entreißen, rauben’; Abriß m. ‘das Niederreißen, Abbruch, Zeichnung, Entwurf, gedrängte Darstellung, Überblick’ (16. Jh.). anreißen Vb. ‘ein kleines Stück einreißen, einen kleinen Riß anbringen, zu verbrauchen beginnen’, in der Technik ‘Linien, Formen von Werkstücken vorzeichnen’, umgangssprachlich ‘durch marktschreierische Methoden Käufer anlocken’ (15. Jh.). aufreißen Vb. ‘gewaltsam öffnen, auseinanderreißen, sich öffnen, aufplatzen’, mhd. ufrīʒen; in der Technik ‘einen Aufriß zeichnen’; Aufriß m. ‘Zeichnung eines senkrechten Schnittes oder der Außenseite eines Gegenstandes, gedrängter Überblick, kurze Darstellung’ (17. Jh.). ausreißen Vb. ‘herausreißen, herausziehen, durch Reißen entfernen, durch Reißen kaputtgehen, sich lösen, die Flucht ergreifen, davonlaufen’, ahd. ūʒrīʒan (Hs. 12. Jh.), mhd. ūʒrīʒen; vgl. Reißaus nehmen ‘davonlaufen, fliehen’ (Ende 16. Jh.), aus dem Imperativ reiß aus! einreißen Vb. ‘einen Riß bekommen, einen Riß verursachen, abbrechen, zerstören, zur Gewohnheit werden’, frühnhd. ‘überhandnehmen’ (15. Jh.). verreißen Vb. ‘vernichtend kritisieren’, zuvor ‘durch vieles Tragen zerreißen (von Kleidern), in Stücke reißen, vernichten’, mhd. verrīʒen ‘zerreißen’. zerreißen Vb. ‘(gewaltsam) trennen, in Stücke reißen, auseinanderreißen, (durch Abnutzung) entzweigehen, ein Loch in ein Kleidungsstück reißen’, mhd. zerrīʒen ‘zerreißen, zerfetzen, zerfleischen’. Reißer m. ‘wer reißt, zerreißt, Gerät zum Zerreißen von Textilien’ (17. Jh.), ‘wer Käufer in den Laden lockt’ (gleichsam an sich reißt, s. oben anreißen), dann auch ‘Artikel, der sich gut verkauft’ sowie ‘spannungsvolles, auf Publikumswirksamkeit berechnetes Bühnenstück, Buch, Filmwerk’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abreißen · ausreißen · ↗herausreißen · ↗wegreißen
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) auskommen · ↗(jemandem) weglaufen · ↗ausbüxen · ausreißen · das Weite suchen · ↗durchbrennen · ↗entlaufen · laufen gehen · sich aus dem Staub machen  ●  Reißaus nehmen  veraltend · ↗stiften gehen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausjäten · ↗ausraufen · ausreißen · ↗ausrupfen · ↗auszupfen · ↗entfernen · ↗herausreißen · herausrupfen · ↗herausziehen · ↗jäten  ●  ↗(Unkraut) ziehen  ugs.
Assoziationen
Zitationshilfe
„ausreißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausreißen>, abgerufen am 27.05.2019.

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