Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ausscheren

Grammatik Verb · schert aus, scherte aus, ist ausgeschert
Aussprache 
Worttrennung aus-sche-ren
Wortzerlegung aus- scheren4
eWDG

Bedeutungen

1.
eine Reihe verlassen
a)
Seemannssprache, Flugwesen das Fahren, Fliegen im Verband aufgeben
Beispiele:
das Schiff schert (aus dem Geleitzug) aus
ein Flugzeug schert (aus dem Pulk, aus der Kette) aus
b)
seitlich ausbiegen
Beispiele:
das Auto schert (aus der Reihe) zum Überholen aus
der Radfahrer schert nach links aus
2.
übertragen sich von einer (politischen) Gemeinschaft absondern
Beispiel:
diese Partei scherte aus der Koalition aus
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheren2 · ausscheren
scheren2 Vb. ‘sich fortmachen, sich packen, sich entfernen’, älter ‘schnell eilen, entkommen’ (15. Jh.), vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’. Die Herkunft des schwachen Verbs ist unsicher. Vielleicht kann es an ahd. skerōn ‘mutwillig sein’, aber auch ‘sich ausruhen’ (9. Jh.) angeschlossen werden. Außergerm. sind aind. kiráti ‘gießt aus, streut aus, wirft’, griech. ská͞irein (σκαίρειν) ‘springen, hüpfen’, aslaw. skorъ, russ. skóryj (скорый) ‘schnell, flink’, lit. skėrỹs ‘Heuschrecke’ vergleichbar, so daß auf die Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘springen, herumspringen’, eigentlich ‘(sich) drehend bewegen, schwingen’ zurückgegangen werden kann. Zu deren Erweiterungen gehören Scherz und schrecken1 (s. d.). Vgl. die Komposita sich fort-, wegscheren. ausscheren Vb. ‘aus der Reihe gehen, den Kurs verlassen, aus dem Schiffsverband herausfahren’ (19. Jh.), allgemein ‘sich von einer Gruppe, einer Gemeinschaft absondern’ (20. Jh.). Aus der Seemannssprache; vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’ (s. oben), auch ‘hin und her schweben, fliegen oder fahren’ und ‘beim Schlittschuhlaufen nach beiden Seiten in Halbkreisen ausschweifen’ (18. Jh.), ‘seitlich abweichen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausscheren · aussteigen · austreten
Synonymgruppe
(die) Spur verlassen · (die) Spur wechseln · ausscheren · nach links ziehen · nach rechts ziehen
Synonymgruppe
(den/die/das) gemeinsame(n) (...) verlassen · (eine) Extrawurst gebraten haben wollen · (sich an etwas) nicht halten (wollen) · ausscheren (aus) · nicht mitziehen (wollen)  ●  (eine) Sonderbehandlung verlangen  variabel · aus der Reihe tanzen  fig.
Assoziationen
  • Miesmacher · Quertreiber · Spielverderber  ●  Bedenkenträger  geh. · Stinkstiebel  ugs., regional · Stinkstiefel  ugs. · Stänkerer  ugs.
  • (seine) eigene Agenda verfolgen · auf eigene Rechnung arbeiten · seinen eigenen Weg gehen  ●  sein eigenes Süppchen kochen  abwertend, fig. · *sein* Ding machen  ugs. · sein eigenes Ding durchziehen  ugs. · sein eigenes Ding machen  ugs.
  • (jemandem) nichts vorschreiben können · (sich) keine Vorschriften machen lassen · (sich) nichts vorschreiben lassen · das tun, was man für richtig hält · nach eigenem Ermessen handeln  ●  autonom agieren  fachspr.
  • (nur) aufgrund der besonderen Umstände · (nur) dieses eine Mal · (nur) im Ausnahmefall · außer der Reihe · im Gegensatz zu sonst · ungeplant · unplanmäßig · unüblicherweise  ●  ausnahmsweise  Hauptform · (kann) schon einmal  ugs. · (nur) weil du es bist  ugs. · aufgrund der außerordentlichen Umstände  geh. · schon mal  ugs.

Typische Verbindungen zu ›ausscheren‹ (berechnet)

Bundesland ploetzlich plötzlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausscheren‹.

Zitationshilfe
„ausscheren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausscheren>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
ausschenken
ausschelten
ausschellen
ausscheißen
ausscheiden
ausscheuern
ausschicken
ausschieben
ausschießen
ausschiffen