Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ausschreiten

Grammatik Verb · schreitet aus, schritt aus, ist/hat ausgeschritten
Aussprache 
Worttrennung aus-schrei-ten
Wortzerlegung aus- schreiten
Wortbildung  mit ›ausschreiten‹ als Erstglied: Ausschreitung
eWDG

Bedeutungen

1.
schnell, mit großen Schritten vorwärtsgehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
rüstig, kräftig, rasch, mächtig ausschreiten
umgangssprachlichwacker, tapfer ausschreiten
schneller, stärker ausschreiten
2.
selten etw. mit Schritten ausmessen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
Vom Hang bis zum Fluß sind es nicht mehr als fünfhundert Meter, ich habe es ausgeschritten [ Th. MannHerr u. Hund9,576]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schreiten · abschreiten · ausschreiten · Ausschreitung · einschreiten · fortschreiten · überschreiten
schreiten Vb. ‘feierlich, gemessen einhergehen’, ahd. scrītan ‘gleiten, gehen, vergehen’ (9. Jh.; vgl. giscrītan ‘zusammensinken, verfallen’, 8. Jh.), mhd. schrīten, auch ‘steigen, sich schwingen’, asächs. skrīdan, mnd. schrīden, auch ‘sich vorwärtsentwickeln’, mnl. scrīden, nl. schrijden, afries. scrīda, aengl. scrīþan ‘sich bewegen, kriechen, gleiten’, anord. skrīða ‘gleiten, kriechen, schreiten’, schwed. skrida (germ. *skreiþan). Weiteres ungeklärt. Vielleicht kann als vergleichbar lat. crīsāre (aus *creits- oder *crīts-) ‘beim Beischlaf mit den Schenkeln wackeln’, mir. crith ‘Zittern, Fieber’, bret. skrija ‘vor Furcht zittern’, lit. skriẽsti ‘(im Kreis herum)drehen’, ãpskritas ‘kreis-, kugelrund’, skritulỹs ‘Kreis’ herangezogen werden. Ansetzbar ist danach ie. *(s)kreit-, eine Dentalerweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’ (s. schräg). Als Ausgangsbedeutung ergibt sich ‘bogenförmige Bewegungen machen’, woraus in älterer Sprache ‘vorwärtsgleiten’ (z. B. von Wurm, Schlange, Schiff), dann ‘gleichmäßig, ruhig, gemessen gehen’. abschreiten Vb. ‘eine Strecke entlanggehen, mit Schritten abmessen’ (16. Jh.). ausschreiten Vb. ‘mit großen, weitausholenden Schritten gehen’, zuvor ‘hinausgehen, (vom Weg) abgehen, aus der Bahn gehen, weggehen’ (16. Jh.); Ausschreitung f. ‘das Abgehen vom rechten Wege, Abweichung’ (17. Jh.), ‘großer Schritt’ (18. Jh.), ‘Gewalttätigkeit, Übergriff’ (19. Jh.). einschreiten Vb. ‘gegen Übergriffe, ungesetzliche Handlungen vorgehen’ (18. Jh.). fortschreiten Vb. ‘vorangehen, sich weiterentwickeln’ (um 1600). überschreiten Vb. ‘eine Grenze, einen Punkt hinter sich lassen, darüber hinausgehen’, ahd. ubarscrītan (10. Jh.), mhd. überschrīten, auch ‘übertreten, besteigen, überreden, bewegen zu’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(kräftig) ausschreiten  variabel · ein strammes Tempo vorlegen  variabel · einen schnellen Schritt einschlagen  variabel
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · gehen · laufen  ●  zu Fuß gehen  Hauptform · latschen  ugs., salopp · zu Fuß laufen  ugs.
  • (einen) Schritt zulegen · beschleunigen (aktiv) · volle Kraft voraus fahren  ●  (die) Geschwindigkeit erhöhen  Hauptform · (Tempo) anziehen  ugs. · (die) Schlagzahl erhöhen  ugs. · (eine) Schippe zulegen  ugs. · (eine) Schüppe Kohlen drauflegen  ugs., ruhrdt. · (einen) Schlag zulegen  ugs. · (einen) Zahn zulegen  ugs. · (mehr) Tempo machen  ugs. · Gas geben  ugs. · Gummi geben  ugs. · Kette geben  ugs. · auf die Tube drücken  ugs., veraltend · aufs Tempo drücken  ugs. · reinhauen  ugs. · schneller machen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›ausschreiten‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausschreiten‹.

Verwendungsbeispiele für ›ausschreiten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit schwingenden Armen schreite ich immer weiter in die Gänge aus. [Die Zeit, 27.04.2009, Nr. 17]
Welchen Weg hatte er, bald frisch ausschreitend, bald wieder zaghaft, eigentlich zurückgelegt? [Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003]
Allgemach aber senkte sie sich tiefer, das Armgelenk tat nicht mehr weh, und man vermochte auszuschreiten, ohne daß man sich gezerrt und gezogen fühlte. [Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 391]
Und jetzt stehen die fünfzig Bände vor uns; man muß schon zweimal kräftig ausschreiten, wenn man die lange Reihe abgehen will. [Tucholsky, Kurt: Fünfundzwanzig Jahre. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1930], S. 7391]
Danach schreitet er kräftig aus und geht befreit in die offene Landschaft. [Die Zeit, 01.12.2005, Nr. 49]
Zitationshilfe
„ausschreiten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausschreiten>.

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