ausschweifen

GrammatikVerb · schweift aus, schweifte aus, ist/hat ausgeschweift
Aussprache
Worttrennungaus-schwei-fen (computergeneriert)
Wortzerlegungaus-schweifen
Wortbildung mit ›ausschweifen‹ als Grundform: ↗ausschweifend
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
das Maß in etw. überschreiten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
er schweifte in seinen Gefühlen aus
ohne grad im Trinken auszuschweifen [G. Hauptm.3,135]
ausschweifendmaßlos, übertrieben
Grammatik: meist im Part. Präs.
Beispiele:
eine ausschweifende Hoffnung, Phantasie
ausschweifende Wünsche
sie hingen den ausschweifendsten Zukunftsträumen nach [Wasserm.Junker Ernst200]
zügellos, sittenlos
Beispiele:
ein ausschweifender Mensch
eine ausschweifende Orgie
ein ausschweifendes Leben führen
ausschweifend leben
Es geschah, daß er zu Rom unter wilde, ausschweifende Jünglinge geriet [E. T. A. Hoffm.Elixiere2,289]
2.
Handwerk mit der Säge eine nach außen gebogene Linie schneiden
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
der Tischler hat eine Rundung, ein Stuhlbein ausgeschweift
ausgeschweiftnach außen geschweift
Grammatik: meist im Part. Prät.
Beispiele:
ausgeschweifte Möbel
Stühle mit ausgeschweiften Beinen
eine Schale mit ausgeschweiftem Rand
buchtig ausgeschweifte Blätter
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schweifen · abschweifen · ausschweifen · ausschweifend · Ausschweifung · weitschweifig
schweifen Vb. ‘herumstreifen, umherziehen, -wandern’. Ein starkes (reduplizierendes) Verb ahd. sweifan ‘kämpfen’ (8. Jh.), mhd. sweifen ‘in drehende, schwingende Bewegung setzen, schwingen’, intransitiv ‘bogenförmig gehen, herumwandern, schwanken, taumeln’, asächs. farswēpan ‘vertreiben’, aengl. swāpan ‘fegen, schwingend bewegen’, engl. (schwach) to swoop ‘niederstoßen, sich stürzen (von Vögeln)’, anord. sveipa ‘werfen, umhüllen’ (germ. *swaipan) führt mit dem unter ↗Schweif (s. d.) behandelten Substantiv sowie mit mnd. mnl. swēpe, nl. zweep, aengl. swipu, swipe, anord. svipa ‘Peitsche’, got. midjasweipains ‘Überflutung, Sintflut’ (eigentlich ‘Fegung der Mitte’) und vielleicht mit awest. xšvaēwayat̰. aštrā- ‘der die Peitsche kreisen läßt, schwingt’, xšviwra- ‘flink’ auf ie. *su̯eib-, eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *su̯ē̌(i)- ‘biegen, drehen, schwingen’ (wozu auch ↗schweben, s. d.). Das starke Verb fällt in frühnhd. Zeit mit dem zugehörigen schwachen Verb ahd. sweifen ‘umstürzen’ (8. Jh.), mhd. sweifen ‘schwingen’ zusammen und gibt die starke Flexion auf. abschweifen Vb. ‘sich davonmachen’ (15. Jh.), ‘abweichen von etw.’ (16. Jh.), ‘durch Hin-und-her-Bewegen im Wasser reinigen’ (17. Jh.), ‘beim Reden, in Gedanken vom Thema abkommen’ (18. Jh.). ausschweifen Vb. ‘eine gerade Linie verlassen, sich verbreiten, herumstreifen’ (15. Jh.), ‘vom Thema abkommen, in Gedanken abirren, über ein vertretbares (moralisches) Maß hinausgehen’ (16. Jh.); ausschweifend Part.adj. ‘das rechte moralische Maß übersteigend’ (18. Jh., ausschweifende Laster, Triebe, ausschweifende Lebensart); Ausschweifung f. ‘Üppigkeit’ (15. Jh.), ‘gekrümmte, von der Geraden abweichende Linienführung’ (16. Jh.), ‘(moralische) Maßlosigkeit’ (17. Jh.). weitschweifig Adj. ‘ausgedehnt, ausführlich’, spätmhd. wītsweific ‘umherschweifend, weitläufig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
ausschweifen · genauer ausführen · genauer eingehen auf

Typische Verbindungen zu ›ausschweifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Phantasie schweifen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausschweifen‹.

Verwendungsbeispiele für ›ausschweifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Etwas ausschweifend sind diese Geschichten, aber man verliert sich gern darin.
Der Tagesspiegel, 27.12.1999
Die Kamera ist hier auch sehr stark bewegt, aber sie schweift nicht aus.
Die Zeit, 13.11.1981, Nr. 47
Bitte zu verzeihen, daß ich so weitläufig ausschweifte und Sie mit dem Grollen über mein verpfuschtes Schicksal langweile.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 7017
Es macht auch viel mehr Spaß, von Zeit zu Zeit regelrecht ausschweifend zu kochen als immer die üblichen Portionen.
Schönfeldt, Sybil: Leichte schnelle Küche, Hamburg: Litten 1978, S. 258
So schweifte der Knecht das Lob des Denksteines bis auf den letzten Tropfen aus.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 127
Zitationshilfe
„ausschweifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausschweifen>, abgerufen am 29.01.2020.

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