Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ausschweifen

Grammatik Verb · schweift aus, schweifte aus, ist/hat ausgeschweift
Aussprache 
Worttrennung aus-schwei-fen
Wortzerlegung aus- schweifen
Wortbildung  mit ›ausschweifen‹ als Erstglied: ausschweifend
eWDG

Bedeutungen

1.
das Maß in etw. überschreiten
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
er schweifte in seinen Gefühlen aus
ohne grad im Trinken auszuschweifen [ G. Hauptm.3,135]
ausschweifendmaßlos, übertrieben
Grammatik: meist im Partizip I
Beispiele:
eine ausschweifende Hoffnung, Phantasie
ausschweifende Wünsche
sie hingen den ausschweifendsten Zukunftsträumen nach [ Wasserm.Junker Ernst200]
zügellos, sittenlos
Beispiele:
ein ausschweifender Mensch
eine ausschweifende Orgie
ein ausschweifendes Leben führen
ausschweifend leben
Es geschah, daß er zu Rom unter wilde, ausschweifende Jünglinge geriet [ E. T. A. Hoffm.Elixiere2,289]
2.
Handwerk mit der Säge eine nach außen gebogene Linie schneiden
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
der Tischler hat eine Rundung, ein Stuhlbein ausgeschweift
ausgeschweiftnach außen geschweift
Grammatik: meist im Partizip II
Beispiele:
ausgeschweifte Möbel
Stühle mit ausgeschweiften Beinen
eine Schale mit ausgeschweiftem Rand
buchtig ausgeschweifte Blätter
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schweifen · abschweifen · ausschweifen · ausschweifend · Ausschweifung · weitschweifig
schweifen Vb. ‘herumstreifen, umherziehen, -wandern’. Ein starkes (reduplizierendes) Verb ahd. sweifan ‘kämpfen’ (8. Jh.), mhd. sweifen ‘in drehende, schwingende Bewegung setzen, schwingen’, intransitiv ‘bogenförmig gehen, herumwandern, schwanken, taumeln’, asächs. farswēpan ‘vertreiben’, aengl. swāpan ‘fegen, schwingend bewegen’, engl. (schwach) to swoop ‘niederstoßen, sich stürzen (von Vögeln)’, anord. sveipa ‘werfen, umhüllen’ (germ. *swaipan) führt mit dem unter Schweif (s. d.) behandelten Substantiv sowie mit mnd. mnl. swēpe, nl. zweep, aengl. swipu, swipe, anord. svipa ‘Peitsche’, got. midjasweipains ‘Überflutung, Sintflut’ (eigentlich ‘Fegung der Mitte’) und vielleicht mit awest. xšvaēwayat̰. aštrā- ‘der die Peitsche kreisen läßt, schwingt’, xšviwra- ‘flink’ auf ie. *su̯eib-, eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *su̯ē̌(i)- ‘biegen, drehen, schwingen’ (wozu auch schweben, s. d.). Das starke Verb fällt in frühnhd. Zeit mit dem zugehörigen schwachen Verb ahd. sweifen ‘umstürzen’ (8. Jh.), mhd. sweifen ‘schwingen’ zusammen und gibt die starke Flexion auf. – abschweifen Vb. ‘sich davonmachen’ (15. Jh.), ‘abweichen von etw.’ (16. Jh.), ‘durch Hin-und-her-Bewegen im Wasser reinigen’ (17. Jh.), ‘beim Reden, in Gedanken vom Thema abkommen’ (18. Jh.). ausschweifen Vb. ‘eine gerade Linie verlassen, sich verbreiten, herumstreifen’ (15. Jh.), ‘vom Thema abkommen, in Gedanken abirren, über ein vertretbares (moralisches) Maß hinausgehen’ (16. Jh.); ausschweifend Part.adj. ‘das rechte moralische Maß übersteigend’ (18. Jh., ausschweifende Laster, Triebe, ausschweifende Lebensart); Ausschweifung f. ‘Üppigkeit’ (15. Jh.), ‘gekrümmte, von der Geraden abweichende Linienführung’ (16. Jh.), ‘(moralische) Maßlosigkeit’ (17. Jh.). weitschweifig Adj. ‘ausgedehnt, ausführlich’, spätmhd. wītsweific ‘umherschweifend, weitläufig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
ausschweifen · genauer ausführen · genauer eingehen auf

Typische Verbindungen zu ›ausschweifen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausschweifen‹.

Verwendungsbeispiele für ›ausschweifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Kamera ist hier auch sehr stark bewegt, aber sie schweift nicht aus. [Die Zeit, 13.11.1981, Nr. 47]
Etwas ausschweifend sind diese Geschichten, aber man verliert sich gern darin. [Der Tagesspiegel, 27.12.1999]
Ich muss gestehen, dass ich den Sieg nicht wirklich ausschweifend gefeiert habe. [Die Zeit, 24.03.2013 (online)]
Bitte zu verzeihen, daß ich so weitläufig ausschweifte und Sie mit dem Grollen über mein verpfuschtes Schicksal langweile. [Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 7017]
Es macht auch viel mehr Spaß, von Zeit zu Zeit regelrecht ausschweifend zu kochen als immer die üblichen Portionen. [Schönfeldt, Sybil: Leichte schnelle Küche, Hamburg: Litten 1978, S. 258]
Zitationshilfe
„ausschweifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausschweifen>.

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