ausschweifend

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Worttrennungaus-schwei-fend
Grundformausschweifen
Duden GWDS, 1999

Bedeutung

maßlos, übertreibend, übertrieben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schweifen · abschweifen · ausschweifen · ausschweifend · Ausschweifung · weitschweifig
schweifen Vb. ‘herumstreifen, umherziehen, -wandern’. Ein starkes (reduplizierendes) Verb ahd. sweifan ‘kämpfen’ (8. Jh.), mhd. sweifen ‘in drehende, schwingende Bewegung setzen, schwingen’, intransitiv ‘bogenförmig gehen, herumwandern, schwanken, taumeln’, asächs. farswēpan ‘vertreiben’, aengl. swāpan ‘fegen, schwingend bewegen’, engl. (schwach) to swoop ‘niederstoßen, sich stürzen (von Vögeln)’, anord. sveipa ‘werfen, umhüllen’ (germ. *swaipan) führt mit dem unter ↗Schweif (s. d.) behandelten Substantiv sowie mit mnd. mnl. swēpe, nl. zweep, aengl. swipu, swipe, anord. svipa ‘Peitsche’, got. midjasweipains ‘Überflutung, Sintflut’ (eigentlich ‘Fegung der Mitte’) und vielleicht mit awest. xšvaēwayat̰. aštrā- ‘der die Peitsche kreisen läßt, schwingt’, xšviwra- ‘flink’ auf ie. *su̯eib-, eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *su̯ē̌(i)- ‘biegen, drehen, schwingen’ (wozu auch ↗schweben, s. d.). Das starke Verb fällt in frühnhd. Zeit mit dem zugehörigen schwachen Verb ahd. sweifen ‘umstürzen’ (8. Jh.), mhd. sweifen ‘schwingen’ zusammen und gibt die starke Flexion auf. abschweifen Vb. ‘sich davonmachen’ (15. Jh.), ‘abweichen von etw.’ (16. Jh.), ‘durch Hin-und-her-Bewegen im Wasser reinigen’ (17. Jh.), ‘beim Reden, in Gedanken vom Thema abkommen’ (18. Jh.). ausschweifen Vb. ‘eine gerade Linie verlassen, sich verbreiten, herumstreifen’ (15. Jh.), ‘vom Thema abkommen, in Gedanken abirren, über ein vertretbares (moralisches) Maß hinausgehen’ (16. Jh.); ausschweifend Part.adj. ‘das rechte moralische Maß übersteigend’ (18. Jh., ausschweifende Laster, Triebe, ausschweifende Lebensart); Ausschweifung f. ‘Üppigkeit’ (15. Jh.), ‘gekrümmte, von der Geraden abweichende Linienführung’ (16. Jh.), ‘(moralische) Maßlosigkeit’ (17. Jh.). weitschweifig Adj. ‘ausgedehnt, ausführlich’, spätmhd. wītsweific ‘umherschweifend, weitläufig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
ausschweifend · ↗charakterlos · ↗haltlos · ↗hemmungslos · ohne Tugend · ↗schamlos · ↗sittenlos · ↗tugendlos · ↗zuchtlos
Assoziationen
Synonymgruppe
ausschweifend · ↗exzessiv · ↗hemmungslos · ↗orgiastisch · ↗wild · ↗zuchtlos · ↗zügellos
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Erotik Erzählen Exkursion Feier Fest Gelage Improvisation Leben Lebensführung Lebensstil Lebenswandel Lebensweise Lektüre Liebesleben Luxusleben Monolog Nachtleben Orgie Party Partyleben Phantasie Privatleben Schilderung Sexleben Sexualleben Treiben Vergnügung barock geradezu zügellos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausschweifend‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich führe heute kein so ausschweifendes Leben mehr wie früher.
Süddeutsche Zeitung, 20.02.2003
Er war stets gegen eine zu ausschweifende wie auch gegen eine zu enge Auslegung der Verfassung.
Die Zeit, 10.08.1973, Nr. 33
Man sah es ihm an, daß er sehr ausschweifend gelebt hatte.
Friedländer, Hugo: Die Ermordung der Medizinalrätin Molitor auf der Promenade in Baden-Baden. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1910], S. 388
Nur dunkel erinnerte ich mich an die ausschweifenden Erzählungen meiner Frau.
Hein, Christoph: Horns Ende, Hamburg: Luchterhand 1987 [1985], S. 132
Viele Familien, die früher, bei großem Besitz, sich spartanisch gebärdet hatten, gaben sich nämlich jetzt, bei verringertem Besitz, einem ausschweifenden Leben hin.
Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 258
Zitationshilfe
„ausschweifend“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausschweifend>, abgerufen am 18.09.2019.

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