aussehen

GrammatikVerb · sieht aus, sah aus, hat ausgesehen
Aussprache
Worttrennungaus-se-hen (computergeneriert)
Wortzerlegungaus-sehen
Wortbildung mit ›aussehen‹ als Grundform: ↗Aussehen · ↗Aussicht
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
nach jmdm., etw. erwartend sehen, Ausschau halten
Beispiele:
er sah am Fenster lange nach ihr aus
umgangssprachlich er sah sich [Dativ] (fast) die Augen nach ihr aus (= suchte angestrengt, ununterbrochen, sie zu entdecken)
Gustav Schmedecke sah nicht mehr nach dem Wetter aus [ViebigBerliner Novellen191]
2.
das Aussehen haben
a)
jmd., etw. sieht gut ausjmd., etw. erweckt äußerlich einen guten Eindruck, wirkt äußerlich gut
α)
von Lebewesen   dem Gesichtsausdruck, den Gesichtszügen nach
Beispiele:
der junge Student sieht klug aus
sein Vater sah immer ernst aus
du siehst in der letzten Zeit auffallend schlecht aus
er sieht ganz blass aus (= hat eine blasse Gesichtsfarbe)
gesund, erholt, müde, elend, krank aussehen
ärgerlich, traurig, wütend aussehen
salopp sauer aussehen (= ein saures Gesicht machen)
sie sieht aus wie Milch und Blut
er sieht aus wie ein Affe
er sah aus wie der Tod (= leichenblaß)
umgangssprachlich er sieht aus wie drei Tage Regenwetter (= er sieht griesgrämig aus)
umgangssprachlich er sieht aus wie das Leiden Christi (= er sieht schlecht aus)
umgangssprachlich er sieht aus ein Stück Malheur (= er sieht beklagenswert aus)
umgangssprachlich er sieht aus, als ob er nicht bis drei zählen könnte (= er sieht aus, als ob er sehr dumm wäre)
umgangssprachlich du siehst aus, als ob du kein Wässerchen trüben könntest (= du siehst aus, als ob du absolut nichts Böses tun könntest)
dem ganzen Äußeren nach
Beispiele:
sie sieht in dem neuen Kleid gut aus
sie sieht sehr gepflegt aus
als ich meinen Bekannten nach langer Zeit wieder traf, sah er fremd und verändert aus
der Strolch sah zum Fürchten aus
salopp er sieht verboten, verhauen aus (= er sieht seltsam, unmöglich aus)
umgangssprachlich wie du bloß (in dem Mantel) aussiehst!
eine blendend aussehende Dame
ein verdächtig aussehendes Individuum
nach dem Urlaub sah ich braun aus wie eine Nuss
salopp nach dem Regenguss sah sie aus wie ein gerupftes Huhn
salopp, abwertend er sieht aus wie ein Pfingstochse (= aufgeputzt)
das Kind sieht wie geleckt, wie aus dem Ei gepellt aus (= das Kind sieht tadellos sauber aus)
die Kücken sahen wie kleine Federbällchen aus
übertragen
Beispiel:
salopp, spöttisch so siehst du aus! (= das könnte dir so passen, da hast du dich geirrt!)
β)
von Sachen
Beispiele:
die Wohnung sieht sehr gepflegt aus
der Festtagsbraten sieht appetitlich aus
das Kleid sah frisch gewaschen aus
die Sprünge des Clowns sahen komisch aus
umgangssprachlich die Lage sieht nicht rosig aus
salopp seine Position sah wacklig aus
salopp die Sache sieht faul aus (= ist nicht in Ordnung)
die ganze Angelegenheit sieht merkwürdig, zweifelhaft aus
der Horizont sah wie Feuer aus
das sieht wie Kupfer aus
hier sieht es wie in einer Räuberhöhle aus
nach der Schlägerei hat es in der Kneipe übel, wüst ausgesehen
das sieht bloß so aus (= das scheint bloß so)
In dieser Zeit sahen die nämlichen Berge und Hügel wilder, zerrissener, phantastischer, romantischer aus als je [BindingMoselfahrt8]
b)
etw., jmd. sieht nach etw. ausetw., jmd. lässt etw. vermuten
Beispiele:
der Himmel sieht nach Schnee aus
es sieht nach Regen aus
das sieht nach Zank und Streit aus
das sieht nach nichts aus (= das macht einen unbedeutenden Eindruck)
salopp, spöttisch danach siehst du gerade aus! (= das traue ich dir nicht zu!)
Die Mutter richtete mir meine schäbigsten Kleider so, daß es nach etwas aussah (= dass es einen guten Eindruck machte) [SeghersErster Schritt7]
3.
mit jmdm., etw. sieht es gut, schlecht ausmit jmdm., etw. steht es gut, schlecht
Beispiele:
mit ihm sieht es jetzt schlimm aus
mit seinen Aussichten sah es misslich aus
salopp damit sah es windig aus
so erbärmlich es auch mit Theodors physischem Zustande aussehen mochte [E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder4,10]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sehen · Sehe · Seher · sehenswürdig · Sehenswürdigkeit · Sehkraft · absehen · absehbar · ansehen · Ansehen · Ansicht · Ansichtskarte · angesehen · ansehnlich · aufsehen · Aufsehen · Aufseher · Aufsicht · beaufsichtigen · aussehen · Aussehen · Aussicht · nachsehen · Nachsicht · vorsehen · Vorsehung · Vorsicht · vorsichtig · versehen · Versehen · Zuversicht
sehen Vb. ‘mit dem Gesichtssinn wahrnehmen’. Mit ahd. sehan (8. Jh.), mhd. sehen, asächs. sehan, mnd. sēn, mnl. sien, nl. zien, afries. sia, aengl. sēon, engl. to see, anord. sjā, schwed. se, got. saíƕan (germ. *sehwan) sind verwandt ahd. gisiuni ‘Anblick, Erscheinung, Aussehen’ (8. Jh.), asächs. siun ‘Auge’, aengl. sīen ‘Aussehen’, anord. sjōn ‘Blick, Auge’, got. siuns ‘Gesicht, Gestalt’; s. auch die Verbalabstrakta ↗Sicht und ↗Gesicht. Außergerm. sind vergleichbar air. rosc (aus *prosk‐ͧo-) ‘Auge, Blick’, alban. sheh ‘sieht’, hethit. šakuwa (Plur.) ‘Augen’ sowie auch griech. hépesthai (ἕπεσθαι) ‘folgen, begleiten’, aind. sácatē ‘begleitet, steht zur Seite, geht nach, folgt’, lat. sequī ‘(nach)folgen, begleiten, verfolgen, gehorchen’, air. sechithir ‘folgt’. Man nimmt daher eine Bedeutungsentfaltung ‘folgen, mit den Augen folgen, sehen’ an, hervorgegangen aus der Wurzel ie. *seku̯- ‘wittern, spüren’ (vom Hund bei der Jagd), die sich in einem zweiten Bedeutungsstrang zu ‘zeigen, ankündigen’ (s. ↗sagen) entwickelt hat. Sehe f. ‘Pupille, Sehvermögen, Ansicht’, ahd. seha (9. Jh.), mhd. sehe; heute noch landschaftlich. Seher m. ‘Prophet’ (16. Jh.); vgl. mhd. sternseher. sehenswürdig Adj. ‘berühmt, außergewöhnlich und daher des Ansehens wert’ (18. Jh.); Sehenswürdigkeit f. (Anfang 19. Jh.). Sehkraft f. ‘Sehvermögen des Auges’ (Anfang 18. Jh.), älter Sehenskraft (Ende 17. Jh.). absehen Vb. ‘durch Beobachtung erlernen, woraus erkennen, merken, überblicken’ (16. Jh.), ‘auf etw. abzielen’ (17. Jh., dazu s. ↗Absicht), ‘verzichten’ (18. Jh.), mhd. abesehen ‘hinabsehen’; absehbar Adj. ‘überschaubar, erkennbar’ (18. Jh.), in absehbarer Zeit ‘bald’ (Ende 19. Jh.). ansehen Vb. ‘seinen Blick auf etw. richten, betrachten’, ahd. anasehan (8. Jh.), mhd. anesehen; Ansehen n. ‘Erscheinung’, auch (seit 16. Jh.) ‘Achtung, Wertschätzung’, mhd. anesehen ‘Anblick, Angesicht’; Ansicht f. ‘Seite, von der etw. betrachtet wird, Anblick, Bild’, auch (seit 19. Jh.) ‘Meinung’, ahd. anasiht (9. Jh.), mhd. anesiht ‘Anblick’; Ansichtskarte f. ‘Postkarte mit Landschaftsbild’ (Ende 19. Jh.); angesehen Part.adj. ‘geachtet’ (Anfang 18. Jh.); frühnhd. angesehen, (daß) … ‘in Anbetracht’. ansehnlich Adj. ‘angesehen, stattlich, wohlgefällig anzusehen’ (Ende 15. Jh.). aufsehen Vb. ‘emporschauen’, ahd. ūfsehan (um 900), mhd. ūfsehen; Aufsehen n. ‘(öffentliche) Beachtung’, spätmhd. ūfsehen; Aufseher m. ‘Aufsichtführender, Wächter’, spätmhd. ūfseher; Aufsicht f. ‘das Aufpassen, Kontrolle’ (16. Jh.); beaufsichtigen Vb. ‘(über etw.) die Aufsicht haben, kontrollieren’ (Anfang 19. Jh.). aussehen Vb. ‘einen bestimmten Anblick bieten’ (16. Jh.), vgl. mhd. ūʒsehen ‘hinaussehen’; Aussehen n. ‘äußere Erscheinung’ (17. Jh.), ‘Aussicht, Ausblick’ (16. Jh.); Aussicht f. ‘Blick in die Ferne’ (17. Jh.), ‘Zukunftsmöglichkeit, Erwartung’ (18. Jh.). nachsehen Vb. ‘hinterherschauen’, mhd. nāchsehen, auch ‘nachforschen’ (17. Jh.), ‘duldend geschehen lassen, verzeihen’ (16. Jh.); Nachsicht f. ‘verzeihende Haltung’ (18. Jh.), ‘Beaufsichtigung’ (17. Jh.). vorsehen Vb. ‘sich in acht nehmen, planen, in Aussicht nehmen’, ahd. furisehan ‘vorhersehen’ (8. Jh.), forasehan ‘vorhersehen, bedenken’ (9. Jh.), mhd. vür-, vorsehen ‘vorwärts sehen, sich in acht nehmen, wofür Sorge tragen’; Vorsehung f. ‘Schicksal’, mhd. vürsehunge ‘Obsorge, Schutz, Schicksal’; Vorsicht f. ‘Achtsamkeit, Behutsamkeit’, ahd. forasiht ‘Voraussicht, Vorsehung’ (um 1000, für lat. prōvidentia), spätmhd. vorsiht; vorsichtig Adj. ‘achtsam, behutsam’, ahd. forasihtīg ‘vorherschauend, voraussehend’ (um 1000), mhd. vür-, vorsihtic ‘voraussehend, einsichtig, verständig’. versehen Vb. ‘sich um etw. kümmern, ausstatten, ausrüsten, sich irren’, ahd. firsehan ‘verachten, verschmähen’ (8. Jh.), sih firsehan ‘bedacht sein’ (9. Jh.), mhd. versehen ‘vorhersehen, vorherbestimmen, besorgen, ausstatten, versorgen, übersehen, verachten, hoffen auf’; Versehen n. ‘Irrtum, unbeabsichtigter Fehler’ (17. Jh.), häufig aus Versehen ‘ohne Absicht’ (Anfang 19. Jh.). Zuversicht f. ‘Vertrauen in die Zukunft’, ahd. zuofirsiht ‘ehrfurchtsvolles Aufschauen, Hoffen’ (um 1000), mhd. zuoversiht.

Thesaurus

Synonymgruppe
(irgendwie) daherkommen · ↗(sich) ausnehmen · ↗anmuten · aussehen · ↗erscheinen · ↗wirken  ●  ↗ausschauen  ugs., süddt. · ↗rüberkommen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blick Moment Praxis Realität Wirklichkeit Zukunft anders danach dann denn du düster er es ganz genau genauso gleich gut heute jetzt rosig schlecht schlimm schön sehen sie so wirklich ähnlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aussehen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die individuelle Schuld sieht von Täter zu Täter sehr unterschiedlich aus.
Die Zeit, 31.10.1997, Nr. 45
Und heiter sah er beim Einschaufeln der vermischten Güter auch nicht aus.
Nöstlinger, Christine: Gretchen Sackmeier, Hamburg: Oetinger 1988 [1981], S. 39
Wenn er sich nicht zusammennahm, sah er wohl schon verändert aus.
Wellershoff, Dieter: Die Sirene, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1980, S. 151
Darum sieht alles hinter Glas so viel besser aus, leichter beieinander wohnend.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 265
So ungefähr sah auch der Kurs aus, der gesteuert wurde.
Vossische Zeitung (Abend-Ausgabe), 06.03.1929
Zitationshilfe
„aussehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/aussehen>, abgerufen am 21.08.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Aussegnung
aussegnen
aussegeln
ausschwitzen
ausschwingen
ausseifen
aussein
Außen
Außenamt
Außenamtssprecher