Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ausspannen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung aus-span-nen
Wortzerlegung aus- spannen
Wortbildung  mit ›ausspannen‹ als Erstglied: Ausspannung
eWDG

Bedeutungen

1.
a)
etw. zwischen zwei Punkten straff spannen
Beispiel:
eine Fähre … mit einem zwischen hüben und drüben ausgespannten Seil [ FontaneUnwiederbringlich426]
b)
etw. spannend ausbreiten
Beispiele:
Netze zum Trocknen ausspannen
die Spinne spannt ihr Netz zwischen hohen Gräsern aus
Er lag unter einem zwischen den Bäumen ausgespannten Tuch [ RaabeI 6,312]
Endlich waren die Zeltdächer ausgespannt [ SeghersAufstand1,43]
bildlich
Beispiel:
dichterischUnd meine Seele spannte / Weit ihre Flügel aus [ EichendorffMondnacht]
c)
gehoben, übertragen sich ausspannensich ausdehnen
Grammatik: meist im Partizip II
Beispiel:
Der Himmel ist hoch und wesenlos über den Schluchten der Straße ausgespannt [ A. ZweigRegenbogen301]
2.
etw. Eingespanntes lösen
in gegensätzlicher Bedeutung zu einspannen
a)
Beispiele:
Pferde, Ochsen ausspannen (= vom Wagen losmachen)
mit den vorstädtischen Gasthäusern, bei denen Fuhrleute ein‑ oder ausspannten [ H. MannUntertan4,245]
b)
Beispiele:
die Stickerei (aus dem Rahmen) ausspannen
einen Bogen (aus der Schreibmaschine) ausspannen
3.
umgangssprachlich
a)
jmdm. etw. mit (schließlich erlangter) Einwilligung des Besitzenden wegnehmen
Beispiele:
ich habe meiner Mutter den neuen Schirm ausgespannt
ich möchte dir für heute Abend mal deine Handtasche ausspannen (= sie mir borgen)
b)
jmdm. jmdn. abspenstig machen
Beispiel:
er konnte es nicht verwinden, daß der Popp ihm einst das schönste Mädchen der Stadt ausgespannt hatte [ LöscherAlles Getrennte307]
4.
längere Zeit von der Arbeit ausruhen, sich erholen
Beispiele:
ich muss endlich einmal ein paar Tage ausspannen
es täte ihr gut, einmal völlig auszuspannen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

spannen · spannend · gespannt · angespannt · abgespannt · überspannt · einspannen · ausspannen · vorspannen · Vorspann · Spann · Spanne · Spannung · Spannkraft
spannen Vb. ‘etw. straff (an)ziehen, dehnen’, intransitiv ‘zu eng, zu straff sein’ (besonders von der Kleidung), reflexiv ‘straff werden’. Das ursprünglich stark flektierende (reduplizierende) Verb ahd. spannan ‘fesseln, spannen’ (9. Jh.), mhd. spannen ‘dehnen, straff anziehen’, intransitiv ‘sich dehnen, gespannt sein’, asächs. spannan, mnd. mnl. nl. spannen, afries. spanna, aengl. spannan ‘spannen, festbinden, anfügen’ (germ. *spannan) und das schwach flektierende zugehörige Kausativum mhd. mnd. spennen ‘spannen, dehnen’, anord. spenna ‘spannen, festbinden, fügen’, schwed. spänna ‘spannen, schnallen’ (germ. *spannijan) stehen mit Gemination neben dem (in abspenstig, s. d., resthaft erhaltenen) stark flektierenden Verb ahd. spanan (9. Jh.), mhd. spanen ‘locken, reizen, antreiben’, asächs. aengl. spanan, afries. spana (germ. *spanan) sowie der unter Spange (s. d.) abgehandelten Gutturalerweiterung. Diese ein präsensbildendes n aufweisenden Verben lassen sich außergerm. mit griech. spā́n (σπᾶν) ‘ziehen, zerren, reißen, verrenken’, spasmós (σπασμός) ‘das Ziehen, Zuckung, Krampf’, air. sēim ‘winzig, mager’, sēime ‘Dünne’ vergleichen, so daß eine Wurzel ie. *sp(h)ē(i)- ‘ziehen, spannen’ möglich ist. Vielleicht ist daran auch ie. *(s)pen(d)- (s. spinnen) anzuschließen. Grundlage der Bedeutung von spannen ist wohl das Straffziehen der Bogensehne. spannend Part.adj. ‘das Interesse erregend’ (19. Jh.). gespannt Part.adj. ‘interessiert, neugierig, in ungeduldiger Erwartung begriffen’, übertragen ‘konfliktgeladen, gereizt, unharmonisch’ (18. Jh.). angespannt Part.adj. ‘angestrengt, aufmerksam, kompliziert, schwierig’ (18. Jh.). abgespannt Part.adj. ‘erschlafft, ermüdet’ (18. Jh.). überspannt Part.adj. ‘übertrieben, unrealistisch, wirklichkeitsfremd’ (18. Jh.). einspannen Vb. ‘(Zugtiere) vor den Wagen spannen’, übertragen ‘für bestimmte Zwecke einsetzen’, mhd. īnspannen ‘umschließen, fesseln’. ausspannen Vb. ‘ausdehnen, ausstrecken, das Zaumzeug abnehmen, sich ausruhen’ (15. Jh.). vorspannen Vb. ‘Zugtiere anschirren, etw. straff anziehend ausbreiten’ (16. Jh.); Vorspann m. ‘dem Hauptgespann vorangespannte Zugtiere’ (17. Jh.), modern ‘einem Film oder Text (als Einleitung) Vorangestelltes’. Spann m. ‘oberer Teil des Fußes vom Schienbeinansatz bis zu den Zehen, Gespann’ (18. Jh.), älter (16. Jh.) vereinzelt auch für Spanne f. Maßbezeichnung für die Entfernung zwischen den Spitzen von ausgestrecktem Daumen und Zeigefinger bzw. kleinem Finger, ahd. spanna (9. Jh.), mhd. mnd. mnl. spanne ‘Breite der ausgebreiteten Hand’ (germ. *spannō); vgl. spannenlang, mhd. spannelanc. Später (18. Jh.) auch übertragen für die Dauer einer Zeit eine (kurze) Spanne Zeit. Spannung f. ‘Tätigkeit des Spannens, Gespanntsein’ (17. Jh.), ‘Zustand gestörter Harmonie’ (18. Jh.), ‘psychischer Zustand der Erwartung und angestrengter Aufmerksamkeit’ (19. Jh.), in der Elektrotechnik Kurzwort für Stromspannung (19. Jh.). Spannkraft f. ‘Elastizität’, übertragen ‘Elan, Energie, Leistungsfähigkeit’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abwerben · freibekommen · herausbekommen · streitig machen · wegschnappen  ●  entführen  fig. · abspenstig machen  ugs. · ausspannen  ugs. · loseisen  ugs.
Oberbegriffe
  • sonstige Verben
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich kurz) ausruhen · Pause machen · Rast machen · ausspannen · eine Pause einlegen · eine Ruhepause einlegen · entspannen · erholen · pausieren · rasten · verschnaufen  ●  (sich) ausrasten  österr. · relaxen  Anglizismus
Assoziationen
  • eine Pause machen · in (der) Pause sein  ●  Pause haben  ugs. · Pause machen  ugs., Hauptform
Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe

Typische Verbindungen zu ›ausspannen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausspannen‹.

Verwendungsbeispiele für ›ausspannen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Herr, wenn es Dir gefällt, so spanne mich doch aus! [Konsalik, Heinz G.: Der Arzt von Stalingrad, Hamburg: Dt. Hausbücherei 1960 [1956], S. 59]
Dafür freue er sich darauf, nun endlich einmal wieder ausspannen zu können. [Die Zeit, 28.07.2011 (online)]
Wer durchhält, darf zum Abschluss eine Nacht in einem besseren Hotel ausspannen. [Die Zeit, 03.09.2001, Nr. 36]
Er hat drei Tage ausgespannt, sein Blut war zum Erneuern. [Die Zeit, 20.10.1989, Nr. 43]
Wieder andere liebten es, ein paar Tage lang ungestört ausspannen zu können. [Die Welt, 06.03.2001]
Zitationshilfe
„ausspannen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausspannen>.

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