Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ausufern

Grammatik Verb · ufert aus, uferte aus, ist ausgeufert
Worttrennung aus-ufern

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [übertragen] ⟨etw. ufert aus⟩ unkontrolliert über ein vertretbares Maß hinausgehen
  2. 2. [selten] ⟨etw. ufert aus⟩ von Gewässern: über die Ufer treten
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
übertragen etw. ufert ausunkontrolliert über ein vertretbares Maß hinausgehen
Kollokationen:
mit Aktivsubjekt: die Bürokratie ufert aus; Kosten, Verluste, Konflikte, Debatten ufern aus
Beispiele:
Die Regierung sieht sich bei der EU und Deutschland im Wort, das Defizit nicht ungehemmt weiter ausufern zu lassen. [Die Zeit, 19.03.2009 (online)]
Seine Lesungen sind ausufernd, überbordend, von Abschweifungen und Unterbrechungen durchwürzt, ein Solokonzert mit tausend Stimmen bis tief in die Nacht. [Der Tagesspiegel, 27.03.2005]
Einmal ließ es Walter Jens an formaler Zucht fehlen. Seine Sprachbrillanz uferte aus, verlor sich in endlose Assoziations‑Kaskaden; der Rhetoriker stellte dem Dramatiker ein Bein. [Die Zeit, 09.09.1966]
2.
selten etw. ufert ausvon Gewässern   über die Ufer treten
Beispiele:
[…] Über 25.000 Hektar ufert dieses Gebiet [der Spreewald] aus, das voller Wasserarme, Fließe und Inseln ist und zum größten Teil unter Landschaftsschutz steht. [Ketman, Per / Wissmach, Andreas: DDR – ein Reisebuch in den Alltag. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 286]
Der anschließende, geschlossene Kanal schafft aber dieses Hochwasser nicht weg, so daß er einen einen Rückstau in das Zulaufgerinne verursacht und den Bach dadurch zum Ausufern bringt. [Vischer, Daniel / Huber, Andreas: Wasserbau. 6. Aufl. Berlin [u. a.]: Springer 2002 [1977], S. 170]
[…] »du glaubst, ein Bach müsse ausufern, vertrocknen, mit einem Wort verkommen, wenn man nicht ein Mühlrad in ihn hängt«. [Stehr, Hermann: Der Heiligenhof. Berlin: S. Fischer 1918, S. 248]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ufer · uferlos · ausufern
Ufer n. ‘Begrenzung eines Gewässers, Küste, Strand’. Das nur westgerm. Substantiv mhd. uover, (md.) ūber, mnd. ōver (vgl. Hannover ‘(am) hohen Ufer’), mnl. nl. oever, aengl. ōfer, ōfor (in engl. Windsor, aus aengl. Windles ōfer ‘Ufer des Flusses Windel’), westgerm. *ōbera- n. vergleicht sich außergerm. mit griech. ḗpeiros (ἤπειρος), dor. ápeiros (ἄπειρος) ‘Festland, Küste’ und führt auf ie. *āpero- ‘Ufer’, das (nach Specht Dekl. 23) als Komparativbildung zu dem unter ab (s. d.) dargestellten ie. *apo ‘ab, weg’ angesehen werden kann; vgl. aind. áparaḥ ‘hinterer, späterer’, awest. apara-. Danach wäre als Ausgangsbedeutung etwa ‘weiter abgewandt’ und für Ufer ‘der rückwärts gelegene Teil’ vorauszusetzen. Ufer ist ursprünglich dem Obd. und Md. fremd; dafür Gestade (s. d.). Es findet (in mhd. Zeit) nur zögernd bei obd. Schriftstellern Eingang, wird danach vor allem durch Luther, Sachs und Fischart geläufig. uferlos Adj. ‘grenzenlos, ohne Ende, maßlos’ (2. Hälfte 18. Jh.). ausufern Vb. ‘über die Ufer treten’, übertragen ‘ein bestimmtes Maß überschreiten, ausarten’ (Anfang 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) verschlimmern · (sich) verschärfen · (sich) zum Negativen verändern · schlechter werden · schlimmer werden  ●  (sich) verschlechtern  Hauptform · bergab gehen (mit)  fig. · (den) Bach runtergehen  ugs., fig. · ausufern  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausufern · überhandnehmen  ●  aus dem Ruder laufen  ugs. · entgleisen  ugs. · ins Kraut schießen  ugs.
Synonymgruppe
(sich) explosionsartig vermehren · ausufern · immer mehr werden · überhandnehmen · überproportional zunehmen
Synonymgruppe
ausufern · zu viel werden · überhandnehmen · übermäßig anwachsen
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›ausufern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausufern‹.

Zitationshilfe
„ausufern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ausufern>.

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