bäuerlich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung bäu-er-lich
Wortbildung  mit ›bäuerlich‹ als Erstglied: Bäuerlichkeit  ·  mit ›bäuerlich‹ als Letztglied: privatbäuerlich
eWDG

Bedeutung

entsprechend der Bedeutung von Bauer¹ (1)
Beispiele:
das bäuerliche Leben, Tagewerk
der bäuerliche Fleiß
die bäuerliche Sparsamkeit, Anspruchslosigkeit, Schlauheit
die bäuerliche Kunst
bäuerliche Möbel, Sitten
der bäuerliche Grundbesitz, Einzelbetrieb
die bäuerliche Wirtschaft, Gemeinschaft, Praxis
er lebte bäuerlich einfach
etw. bäuerlich bewirtschaften
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bauer3 · Neubauer · Bäuerin · bäurisch · bäuerlich
Bauer3 m. ‘wer Grund und Boden, mit dem ihn ein bestimmtes Eigentumsverhältnis verbindet, bestellt’; entstanden aus schwach flektierendem ahd. gibūro m. ‘Familien-, Stammesgenosse, Dorfgenosse, Nachbar, Mitbürger, abhängiger Bauer’ (8. Jh.), neben stark flektierendem gleichbed. gibūr (8. Jh.), mhd. gebūr(e) (neben būr(e)) ‘Miteinwohner, Nachbar, Bauer, roher Mensch’. Es handelt sich um substantivische Possessivkomposita zu dem unter Bauer2 behandelten Wort mit dem Präfix gi-, ge-, das hier die Bedeutung ‘zusammen mit, gemeinsam mit’ hat (s. Genosse, Geselle). Bauer ist eigentlich ‘wer die Wohnung mit (einem) anderen gemeinsam hat’, der ‘Mitbewohner’. Bereits im 15. Jh. geht die volle Form, die noch im Familiennamen Gebauer erhalten ist, zurück; es setzt sich die präfixlose Form Bauer, mhd. būr(e) durch. Neubauer m. im 18. Jh. ‘neuer Anbauer, Kolonist’; 1945 ‘wer durch die Bodenreform Land zur Bewirtschaftung erhält’. Bäuerin f. mhd. būrīn, gebūrinne, gebiurinne. bäurisch Adj. ‘unfein, derb, grobschlächtig’; ahd. gibūrisc (Hs. 12. Jh.), mhd. (ge)biurisch ‘bäuerlich’ (diese Bedeutung noch im 18. Jh.), daneben auch schon früh ‘grob, derb, unverfeinert hinsichtlich Sitte und Lebensart’ im Gegensatz zum Adel oder zum Städter (14. Jh.). bäuerlich Adj. ‘den Bauern betreffend’, ahd. gibūrlīh ‘nachbarlich, bürgerlich, öffentlich’ (9. Jh.), mhd. (ge)būrlich, gebiurlich ‘bäuerlich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
ackerbautreibend · agrarisch · bäuerlich · landwirtschaftlich
Synonymgruppe
bäuerlich · ländlich  ●  rural  veraltend

Typische Verbindungen zu ›bäuerlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bäuerlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›bäuerlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie hypnotisiert folgten seine Augen der Richtung des ausgestreckten bäuerlichen Armes. [Vossische Zeitung (Sonntags-Ausgabe), 02.03.1930]
Gegen den Antrag könne man auch keine bäuerlichen Interessen geltend machen. [Vossische Zeitung (Abend-Ausgabe), 03.03.1913]
Im Südwesten des Reiches bezeichnet sie einen großen Teil des bäuerlichen Besitzes als nicht mehr lebensfähig. [Hahn, Christian Diederich: Bauernweisheit unterm Mikroskop, Oldenburg i.O.: Stalling 1943 [1939], S. 342]
Oft haben die höfischen Traditionen dieser Länder mehr Ähnlichkeit miteinander als mit den jeweiligen bodenständigen bäuerlichen Überlieferungen. [Becker, Judith: Südostasien. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1979], S. 21623]
Um die Ernte zu retten, raten Wissenschaftler zum Bruch mit bäuerlicher Tradition. [o. A.: Landwirtschaft. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1999 [1998]]
Zitationshilfe
„bäuerlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/b%C3%A4uerlich>.

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