bäumen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbäu-men
Wortbildung mit ›bäumen‹ als Letztglied: ↗aufbäumen · ↗emporbäumen · ↗hochbäumen · ↗zurückbäumen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
sich ruckartig steil (wie ein Baum) emporrichten
Beispiele:
das Pferd bäumt (sich) unter seinem Reiter
ein (sich) bäumendes Ross
die Schlange, Bestie bäumte (sich) vor ihm
zwei Fasanen mit nahen Schnäbeln und stolz gebäumten Schweifen [FedererBerge2]
sich bäumen
Beispiele:
das kranke Kind bäumte sich im Bett
der Getroffene bäumte sich noch einmal, ehe er zusammensank
2.
übertragen sich bäumensich empören, widersetzen
Beispiele:
ihr Stolz, Selbsterhaltungstrieb, Widerstand, alles bäumte sich in ihr bei einer solchen Zumutung
sich knirschend, ohnmächtig bäumen
3.
Handwerk die Längsfäden auf den Webebaum winden
4.
Synonym zu baumen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Baum · bäumen · Baumwolle · baumwollen · Schlagbaum
Baum m. Gewächs aus Stamm und Ästen mit Blättern oder Nadeln, ahd. boum (8. Jh.), mhd. boum, asächs. mnd. bōm, mnl. nl. boom, afries. bām, aengl. bēam (engl. beam ‘Balken, Stange’) führen auf westgerm. *bauma-. Daneben stehen mit abweichender Bildungsweise got. bagms ‘Baum’, aschwed. bagn ‘Stock’, anord. baðmr ‘Baum’. Es gibt zahlreiche Versuche, die unterschiedlichen Formen des Westgerm., Got. und Nord. miteinander zu verbinden, eine einheitliche germ. Grundform konnte jedoch nicht mit Sicherheit erschlossen werden. So erwägt Pokorny 1, 149 die bereits bei Feist ³73 zitierte Herleitung aus ie. *bhou̯(ə)mo- ‘Gewächs’ und Anschluß an die Wurzel ie. *bheu-, *bheu̯ə- ‘wachsen, gedeihen’ (s. ↗bauen). Anders Hamp in: Festschr. Fisiak (1986) 1, 345 f. sowie Kuiper in: Novele 25 (1995) 63 ff. Da sich auch außergerm. keine eindeutigen Verwandten beibringen lassen, kann man in den germ. Formen unterschiedliche Gestaltung eines Substratwortes sehen. bäumen Vb. mhd. boumen ‘mit Bäumen bepflanzen’, (reflexiv) ‘sich aufrichten’ (von Pferden), später allgemein ‘sich auflehnen’, in der Jägersprache von auf Bäume kletternden Tieren (16. Jh.). Heute meist sich aufbäumen ‘sich aufrichten, auflehnen’ (15. Jh.). Baumwolle f. Samenhaare des Baumwollstrauchs, ahd. boumwolla (Hs. 12. Jh.), mhd. boumwolle, mnd. bōmwulle; auch ↗Kattun (s. d.). Greift vermutlich auf die bei Herodot belegte Vorstellung zurück, nach der die Inder Wolle von Bäumen gewinnen. baumwollen Adj. ‘aus Baumwolle’, ahd. boumwullīn (Hs. 12. Jh.), mnd. bōmwullen. Schlagbaum m. ‘bewegliche Sperrschranke’ (Anfang 16. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›bäumen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bäumen‹.

Verwendungsbeispiele für ›bäumen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und nun bäumt sich das Meer und speit und speit und speit seine Toten aus.
Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 16
Er bremste heftig und bäumte sich in die Höhe, blieb aber unbeschädigt stehen.
Hesse, Hermann: Der Steppenwolf, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1955 [1927], S. 183
Sie stiegen auf, bäumten sich kerzengerade und warfen ihre Herren ab.
Kubin, Alfred: Die andere Seite, München: Spangenberg 1990 [1909], S. 269
Das Dach bäumte sich hoch, alles verschwand in einer Staubfontäne.
Bild, 25.07.1997
Wie dieses Gretchen den ersten Kuss erfährt, wie es sich dann bäumt gegen das Schicksal, bleibt einfach, überzeugend, anmutig.
Der Tagesspiegel, 26.03.2001
Zitationshilfe
„bäumen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/b%C3%A4umen>, abgerufen am 07.04.2020.

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