bäurisch

GrammatikAdjektiv
Nebenform bäuerisch · Adjektiv
Worttrennungbäu-risch · bäu-erisch · bäue-risch
WortzerlegungBauer1-isch
Wortbildung mit ›bäurisch‹ als Erstglied: ↗Bäurischkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

abwertend plump, ohne Verfeinerung
Beispiele:
seine bäurische Art und Weise missfiel allgemein
der bäurische Schnitt des Kleides
die bäurisch derbe Gestalt
sich bäurisch benehmen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bauer3 · Neubauer · Bäuerin · bäurisch · bäuerlich
Bauer3 m. ‘wer Grund und Boden, mit dem ihn ein bestimmtes Eigentumsverhältnis verbindet, bestellt’; entstanden aus schwach flektierendem ahd. gibūro m. ‘Familien-, Stammesgenosse, Dorfgenosse, Nachbar, Mitbürger, abhängiger Bauer’ (8. Jh.), neben stark flektierendem gleichbed. gibūr (8. Jh.), mhd. gebūr(e) (neben būr(e)) ‘Miteinwohner, Nachbar, Bauer, roher Mensch’. Es handelt sich um substantivische Possessivkomposita zu dem unter ↗Bauer2 behandelten Wort mit dem Präfix gi-, ge-, das hier die Bedeutung ‘zusammen mit, gemeinsam mit’ hat (s. ↗Genosse, ↗Geselle). Bauer ist eigentlich ‘wer die Wohnung mit (einem) anderen gemeinsam hat’, der ‘Mitbewohner’. Bereits im 15. Jh. geht die volle Form, die noch im Familiennamen Gebauer erhalten ist, zurück; es setzt sich die präfixlose Form Bauer, mhd. būr(e) durch. Neubauer m. im 18. Jh. ‘neuer Anbauer, Kolonist’; 1945 ‘wer durch die Bodenreform Land zur Bewirtschaftung erhält’. Bäuerin f. mhd. būrīn, gebūrinne, gebiurinne. bäurisch Adj. ‘unfein, derb, grobschlächtig’; ahd. gibūrisc (Hs. 12. Jh.), mhd. (ge)biurisch ‘bäuerlich’ (diese Bedeutung noch im 18. Jh.), daneben auch schon früh ‘grob, derb, unverfeinert hinsichtlich Sitte und Lebensart’ im Gegensatz zum Adel oder zum Städter (14. Jh.). bäuerlich Adj. ‘den Bauern betreffend’, ahd. gibūrlīh ‘nachbarlich, bürgerlich, öffentlich’ (9. Jh.), mhd. (ge)būrlich, gebiurlich ‘bäuerlich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bäurisch · ↗erdverbunden

Verwendungsbeispiele für ›bäurisch‹, ›bäuerisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auf denen geht es mitunter bäuerisch pittoresk zu, irgendwie im Rhythmus der Musik, aber halt nur irgendwie.
Süddeutsche Zeitung, 18.11.2000
Ich sah, obwohl ich sie nicht sah, seine derben bäuerischen Stiefel unter dem Tisch.
Koeppen, Wolfgang: Der Tod in Rom. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1954], S. 620
Schon 1715 wollte er sich nicht mehr gegen "bäurische" Angriffe wehren.
Der Spiegel, 13.07.1981
In gewisser Weise bin ich zu einer richtigen bäuerischen Lebensanschauung gelangt.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 315
Wir legen, wie man sieht, sehr großen Wert auf den Unterschied zwischen bäurischer und städtischer Dummheit.
Gütersloh, Albert Paris: Sonne und Mond, München: Piper 1984 [1962], S. 233
Zitationshilfe
„bäurisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/b%C3%A4urisch>, abgerufen am 05.04.2020.

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