böse Zunge

Grammatik Mehrwortausdruck
Bestandteile böseZunge
ZDL-Vollartikel, 2020

Bedeutungen

1.
bildlich Vorliebe für provokante, kritische, verletzende Äußerungen; Fähigkeit zu beißendem Spott
Grammatik: nur im Singular
siehe auch scharfe Zunge
Beispiele:
Désirée Nick […] gewann 2004 das »Dschungelcamp« und ist berühmt für ihre böse Zunge. [Bild, 14.08.2015]
Eine böse Zunge gibt einer Frau harte Züge, wenn sie älter wird, besonders um den Mund. [Berliner Zeitung, 29.10.2005]
Doch das »Herzensbinkerl« (= Lieblingskind) ist bei den Geschwistern unbeliebt: »… Obwohl sie manchmal Gefälligkeiten erwiesen hat, ist sie doch allgemein verhasst, weil sie eine böse Zunge hat und alles der Kaiserin weitersagt«, schreibt einer ihrer Brüder in sein Tagebuch. [Süddeutsche Zeitung, 25.10.2002]
Den Berlinern ist die böse Zunge ja angeboren. [Berliner Zeitung, 01.04.2000]
Die Schauspielerin, für ihre böse Zunge ebenso bekannt wie für ihren sexuellen Appetit (auf Männer wie Frauen), lernt auf einer Party einen jungen Mann kennen, der mit ihr ins Bett will, aber sie hofft, noch etwas Besseres zu finden für diese Nacht. [Der Spiegel, 10.03.1997, Nr. 11]
2.
metonymisch missgünstige Person, die böswillige Kritik, Gerüchte, rufschädigende Verleumdungen o. Ä. über jmdn. oder etw. äußert oder das Handeln einer Person bewusst negativ darstellt
Grammatik: meist im Plural
Kollokationen:
als Aktivsubjekt: böse Zungen behaupten, sagen, erzählen, lästern
Beispiele:
Böse Zungen in Italien lästern, Berlusconis älteste Tochter Marina, die sich als Fininvest‑Chefin ihren Spitznamen »Zarin« hart verdient hat, habe dem Papà ein wenig Taschengeld gewährt, damit er sich mit dem neuen Fußballklub eine Freude machen konnte. [Süddeutsche Zeitung, 06.10.2018]
In der OECD (= Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) liebt man den Standard, böse Zungen könnten auch sagen: das Mittelmass. [Neue Zürcher Zeitung, 29.11.2017]
Es ist ein Reizwort an den Universitäten und gilt als Chiffre für Bürokratisierung und Nivellierung, und manche böse Zunge behauptet, die Bologna‑Reform verhindere gerade, was mit ihr u. a. bezweckt worden sei: dass dank Modularisierung der Lehrgänge die Mobilität der Studierenden zwischen den Universitäten erhöht würde. [Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2007]
Noch heute erzählen böse Zungen, sein Vertrag als Eröffnungsintendant des Teatro Real in Madrid sei daran gescheitert, daß er sich die exklusiven Internate für seine Kinder bezahlen lassen wollte. [Die Welt, 23.04.2005]
Von Halle behaupten böse Zungen tatsächlich, dort würden die Dummen nicht alle. [Frankfurter Rundschau, 06.10.2000]
Eine böse Zunge hat mir gesagt: In Sibirien gibt es am meisten Betrunkene, Kinder und Hunde. [Berliner Zeitung, 07.11.1964] ungewöhnl. Sg.

Thesaurus

Synonymgruppe
Lästerer  ●  ↗Lästermaul  ugs. · ↗Lästerzunge  ugs. · ↗Schandmaul  ugs. · ↗Stänkerer  ugs. · böse Zunge  ugs.
Assoziationen
Zitationshilfe
„böse Zunge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/b%C3%B6se%20Zunge>, abgerufen am 06.06.2020.

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