Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

büßen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung bü-ßen
Wortbildung  mit ›büßen‹ als Erstglied: Büßer  ·  mit ›büßen‹ als Letztglied: abbüßen · ausbüßen · einbüßen · verbüßen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. für etw. Buße leisten, Strafe erleiden
  2. 2. [veraltet, schweizerisch] jmdn. mit einer Buße belegen, bestrafen
  3. 3. [veraltet] ⟨seine Lust büßen⟩ seine Lust befriedigen
eWDG

Bedeutungen

1.
für etw. Buße leisten, Strafe erleiden
Beispiele:
eine Unvorsichtigkeit, ein Versehen büßen
er musste (für) seine Missetat schwer büßen
die Rädelsführer mussten den Aufstand mit dem Tod büßen
jmd. muss etw. mit dem Kopf, Leben büßen (= jmd. muß seinen Kopf, sein Leben lassen)
umgangssprachlichder Mensch wollte mich zum besten halten, das soll er mir büßen! (= dafür soll er mir Genugtuung leisten!)
Religion(seine Sünden) büßen (= bereuen und leidend sühnen)
sich anklagen und büßen
Religioneine büßende Nonne
warum solltest Du den Irrtum büßen, den ich beging [ Kleist5,177]
weiter die endlose Schuld des Lebens zu büßen war mir bestimmt [ HesseSteppenw.4,350]
umgangssprachlichErzürnten sich Pastor und Superintendent, hatte er es ja doch zu büßen (= darunter zu leiden) [ WelkHeiden119]
2.
veraltet, schweizerisch jmdn. mit einer Buße belegen, bestrafen
Beispiele:
jmdn. mit einer harten Strafe, um alten Zwist, am Leben büßen
seit er … prozessiert und um eine schwere Summe gebüßt wurde [ C. F. MeyerSchuß v. d. Kanzel3,77]
3.
veraltet seine Lust büßenseine Lust befriedigen
Beispiele:
eine Begierde büßen
Trag nur hinauf und sag, es sei das Letzte. / Sie mögen ihre Lust am Weine büßen [ Grillp.Weh demIII]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Buß · Busserl · Bussel · Bussi · bussen · busseln
Buß m. ‘Kuß’, meist deminutiv Busserl, Bussel, Bussi n. ‘Küßchen’, davon abgeleitet bussen, busseln Vb. ‘küssen, liebeln’. Lautmalende obd. Bildungen (um 1600) neben Schmatz (s. d.). Durch Vergleich mit lit. bučiúoti ‘küssen’, poln. buzia(k) ‘Mündchen, Kuß’, alban. buzë ‘Lippe, Mund’, mir. bus, pus ‘Lippe’, busóc, pusóc ‘Kuß’ läßt sich eine Wurzel ie. *bu- ‘Lippe, Kuß’ erschließen, deren Anlaut sich (wegen ihres wohl lautmalenden Charakters) der Lautverschiebung entzogen hat; doch vgl. regulär verschobenes schwed. puss.

Buße · büßen · Lückenbüßer
Buße f. ‘Sühne, reuevolle Umkehr zu Gott, Geldstrafe, Wiedergutmachung’. Ahd. buoz(a) f. (9. Jh.), mhd. buoz m., buoze f., asächs. afries. bōta, mnd. bōte, mnl. nl. boete, aengl. anord. bōt, engl. boot, schwed. bot, got. bōta bezeugen ein gemeingerm. *bōtō, das mit den unter baß und besser (s. d.) behandelten Formen auf germ. *bat-, *bōt- ‘gut’ zurückgeht. Die Bedeutung ‘Gutes, Nutzen’ zeigt sich vor allem im Got., während in den übrigen germ. Sprachen vornehmlich ‘Besserung, Ausbesserung, Wiederherstellung, Wiedergutmachung’ gilt, besonders in der Sprache des Handwerks und der Wissenschaft, der magischen Beschwörung, des Rechts und der Kirche; vgl. Weisweiler Buße (1930). Die Bedeutung ‘Nutzen, Vorteil, Gewinn’ wird außerhalb des Got. auch von nominalen Bildungen der Ablautstufe *bat- übernommen wie mhd. baʒʒe f., anord. bati m. büßen Vb. ‘sühnen, Buße leisten, Strafe erleiden’. Das gemeingerm. Verb ahd. buozen (9. Jh.), mhd. büezen, asächs. bōtian, aengl. bētan, afries. bēta, anord. bœta, got. bōtjan (germ. *bōtjan) weist in den einzelnen germ. Sprachen im wesentlichen die gleichen Bedeutungen auf, wie sie für das Substantiv gelten; es scheint daher vom Substantiv abgeleitet zu sein. Doch gibt es Gründe für die Annahme, daß sich eine Reihe der für das Substantiv außerhalb des Got. angegebenen Bedeutungen zunächst beim Verbum entwickelt und dann auf das Substantiv zurückgewirkt hat. Das Verbum wäre danach als unmittelbare Bildung zur germ. Wurzel *bat-, *bōt- bzw. zur komparativischen Adjektivform (nhd. besser, s. d.) anzusehen mit den Ausgangsbedeutungen ‘gut, von Nutzen sein’, aber auch ‘gutmachen, bessern’; vgl. Wissmann Älteste Postverbalia (1938) 14 ff. Im heutigen Dt. ist die Vielfalt der Bedeutungen beim Verb wie beim Substantiv stark reduziert. Die alte Bedeutung ‘bessern’ ist noch in Lückenbüßer m. ‘wer eine Lücke ausfüllt’ (16. Jh.) enthalten.

Typische Verbindungen zu ›büßen‹ (berechnet)

Aktie Anteilschein Anteilsschein Bund-futur Börsenbarometer Cac Dax-schlusslicht Dax-verlierer Dow-jones-index Eurozonen-leitindex Hang-seng Hang-seng-index Leitindex Managementfehler Mdax Nasdaq-sammelindex Nemax-all-share Nikkei Nikkei-index Papier Prozent Prozentpunkt Sammelindex Sünde T-aktie Technologieindex Technologiewerte-index Tick Untat zeitweise

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›büßen‹.

Verwendungsbeispiele für ›büßen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn keiner sich meldet, hat die ganze Gruppe zu büßen. [Fleißer, Marieluise: Pioniere in Ingolstadt, Berlin: Henschel 1976 [1926], S. 102]
Sie hat dies alles in späteren Jahren hart büßen müssen. [Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4763]
Wenn ich mal in der Lage dazu bin, werdet ihr das büßen. [Die Zeit, 08.07.1999, Nr. 28]
Auf die Gruppe wurde stellvertretend alles Böse projiziert, auch dafür hatte sie zu büßen. [Die Zeit, 25.07.1997, Nr. 31]
Wir haben schwer für die Praxis der früheren Jahre büßen müssen. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1968]]
Zitationshilfe
„büßen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/b%C3%BC%C3%9Fen>.

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