büßen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung bü-ßen
Wortbildung  mit ›büßen‹ als Erstglied: ↗Büßer  ·  mit ›büßen‹ als Letztglied: ↗abbüßen · ↗ausbüßen · ↗einbüßen · ↗verbüßen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. für etw. Buße leisten, Strafe erleiden
  2. 2. [veraltet, schweizerisch] jmdn. mit einer Buße belegen, bestrafen
  3. 3. [veraltet] ⟨seine Lust büßen⟩ seine Lust befriedigen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
für etw. Buße leisten, Strafe erleiden
Beispiele:
eine Unvorsichtigkeit, ein Versehen büßen
er musste (für) seine Missetat schwer büßen
die Rädelsführer mussten den Aufstand mit dem Tod büßen
jmd. muss etw. mit dem Kopf, Leben büßen (= jmd. muß seinen Kopf, sein Leben lassen)
umgangssprachlichder Mensch wollte mich zum besten halten, das soll er mir büßen! (= dafür soll er mir Genugtuung leisten!)
Religion(seine Sünden) büßen (= bereuen und leidend sühnen)
sich anklagen und büßen
Religioneine büßende Nonne
warum solltest Du den Irrtum büßen, den ich beging [Kleist5,177]
weiter die endlose Schuld des Lebens zu büßen war mir bestimmt [HesseSteppenw.4,350]
umgangssprachlichErzürnten sich Pastor und Superintendent, hatte er es ja doch zu büßen (= darunter zu leiden) [WelkHeiden119]
2.
veraltet, schweizerisch jmdn. mit einer Buße belegen, bestrafen
Beispiele:
jmdn. mit einer harten Strafe, um alten Zwist, am Leben büßen
seit er ... prozessiert und um eine schwere Summe gebüßt wurde [C. F. MeyerSchuß v. d. Kanzel3,77]
3.
veraltet seine Lust büßenseine Lust befriedigen
Beispiele:
eine Begierde büßen
Trag nur hinauf und sag, es sei das Letzte. / Sie mögen ihre Lust am Weine büßen [Grillp.Weh demIII]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Buße · büßen · Lückenbüßer
Buße f. ‘Sühne, reuevolle Umkehr zu Gott, Geldstrafe, Wiedergutmachung’. Ahd. buoz(a) f. (9. Jh.), mhd. buoz m., buoze f., asächs. afries. bōta, mnd. bōte, mnl. nl. boete, aengl. anord. bōt, engl. boot, schwed. bot, got. bōta bezeugen ein gemeingerm. *bōtō, das mit den unter ↗baß und ↗besser (s. d.) behandelten Formen auf germ. *bat-, *bōt- ‘gut’ zurückgeht. Die Bedeutung ‘Gutes, Nutzen’ zeigt sich vor allem im Got., während in den übrigen germ. Sprachen vornehmlich ‘Besserung, Ausbesserung, Wiederherstellung, Wiedergutmachung’ gilt, besonders in der Sprache des Handwerks und der Wissenschaft, der magischen Beschwörung, des Rechts und der Kirche; vgl. Weisweiler Buße (1930). Die Bedeutung ‘Nutzen, Vorteil, Gewinn’ wird außerhalb des Got. auch von nominalen Bildungen der Ablautstufe *bat- übernommen wie mhd. baʒʒe f., anord. bati m. büßen Vb. ‘sühnen, Buße leisten, Strafe erleiden’. Das gemeingerm. Verb ahd. buozen (9. Jh.), mhd. büezen, asächs. bōtian, aengl. bētan, afries. bēta, anord. bœta, got. bōtjan (germ. *bōtjan) weist in den einzelnen germ. Sprachen im wesentlichen die gleichen Bedeutungen auf, wie sie für das Substantiv gelten; es scheint daher vom Substantiv abgeleitet zu sein. Doch gibt es Gründe für die Annahme, daß sich eine Reihe der für das Substantiv außerhalb des Got. angegebenen Bedeutungen zunächst beim Verbum entwickelt und dann auf das Substantiv zurückgewirkt hat. Das Verbum wäre danach als unmittelbare Bildung zur germ. Wurzel *bat-, *bōt- bzw. zur komparativischen Adjektivform (nhd.besser, s. d.) anzusehen mit den Ausgangsbedeutungen ‘gut, von Nutzen sein’, aber auch ‘gutmachen, bessern’; vgl. Wissmann Älteste Postverbalia (1938) 14 ff. Im heutigen Dt. ist die Vielfalt der Bedeutungen beim Verb wie beim Substantiv stark reduziert. Die alte Bedeutung ‘bessern’ ist noch in Lückenbüßer m. ‘wer eine Lücke ausfüllt’ (16. Jh.) enthalten.

Thesaurus

Synonymgruppe
büßen · ↗sühnen

Typische Verbindungen zu ›büßen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›büßen‹.

Verwendungsbeispiele für ›büßen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auf keinen Fall sollte man zu schnell loslegen, das büßt man später.
Der Tagesspiegel, 19.06.2003
Aluminium büßte 230 Dollar je Tonne auf zuletzt 1336 Dollar je Tonne ein.
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2001
Der einfache deutsche Mann hat schwer büßen müssen für seine Bereitschaft.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 996
Sie hat dies alles in späteren Jahren hart büßen müssen.
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 4763
Du bist mir einst entgegengetreten und hast es büßen müssen, durch eigene Schuld!
May, Karl: Winnetou IV, Berlin: Neues Leben 1993 [1910], S. 392
Zitationshilfe
„büßen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/b%C3%BC%C3%9Fen>, abgerufen am 06.06.2020.

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